Berlin.NABU.de Projekte Biesenhorster Sand
Biesenhorster Sand
Der Biesenhorster Sand
Militär- und Bahnbrache voller botanischer und faunistischer Raritäten
"Schornsteinfeger" auf einer Sandstrohblume
Der NABU Berlin engagiert sich seit vielen Jahren, um den naturschützerischen Wert des Biesenhorster Sand zu erhalten.
Das ca. 108 Hektar große Gelände erstreckt sich in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg-Hohenschönhausen entlang des Berliner Außenringes der Deutschen Bahn. Er wird im Norden begrenzt durch die Bahntrasse der U 5, im Süden erreicht er annähernd die S-Bahntrasse. Erstaunlich ist die Artenvielfalt des Geländes, ebenso wie seine wechselvolle Geschichte.
Einst Birkenwald, Acker, Flugplatz und Militärgelände, ist die Fläche heute ein wertvolles Areal für eine Vielzahl gefährdeter und geschützter Biotope, Tier- und Pflanzenarten.
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Karte Biesenhorster Sand
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Flyer Biesenhorster Sand (3MB)
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Eine Arche in der Hitze der Stadt
Spenden für den Biesenhorster Sand

Was kann man der letzten Eiszeit, dem Militär und der Bahn und Flugschiffherstellern gleichzeitig Positives abgewinnen? Den Biesenhorster Sand. Dadurch haben wir großflächige Sandtrockenrasen – Eines der gefährdetsten Biotope Deutschlands! - mitten in Berlin. Hier finden wir Tier- und Pflanzenarten, die für Berlin mehr als 100 Jahre als ausgestorben galten! Das diese dort bleiben, darum kümmern sich die Ehrenamtlichen des NABU in den Bezirken Lichtenberg und Marzahn durch Pflegeeinsätze seit der Stilllegung in den 1990er Jahren.
Helfen Sie dieser Arche und seinen Kapitänen und spenden Sie für den Biesenhorster Sand.
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Pflegeeinsätze zeigen Erfolge
Die Heuschrecken auf dem Biesenhorster Sand

Seit Jahren führen Ehrenamtliche des NABU Berlin Pflegearbeiten zur Offenhaltung der Sandtrockenrasenflächen des Biesenhorster Sandes durch. Bei einer Führung durch diesen Lebensraum, die dem Bestand der Heuschrecken gewidmet war, konnten die Erfolge dieser Bemühungen begutachtet werden. Insgesamt lassen sich von den 40 Heuschreckenarten in Berlin 22 auf dem Biesenhorster Sand beobachten oder besser noch hören.
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Kritik an Tangentialer Verbindung Ost
Potenzielle Beeinträchtigung eines wertvollen Grünzugs

Im Zuge der wieder aufkommenden Diskussion um die Weiterführung der Tangentialen Verbindung Ost (TVO) macht der NABU Berlin auf wichtige Aspekte aufmerksam: Eine weitere Schnellstraße in Berlin würde die Stadt nicht nur Geld kosten, welches besser in die konsequente Weiterentwicklung nachhaltiger Verkehrsträger investiert wäre. Gleichzeitig würde man mit dem Bau der TVO die Zerstörung und Beeinträchtigung gesetzlich geschützter Biotope und wichtiger Erholungsflächen in Kauf nehmen!
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Ein Spaziergang auf dem Biesenhorster Sand
Artenvielfalt auf einer Industriebrache

Seit nunmehr 19 Jahren treffen sich NABU-Mitstreiter - namentlich die Bezirksgruppen Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf - im Frühjahr wie im Herbst zum Arbeitseinsatz auf dem Biesenhorster Sand. Das Ziel: Regelmäßiges Entfernen von Gehölzaufwuchs und an manchen Stellen auch Abplaggen der oberen Bodenschicht soll die wertvolle Flora und Fauna magerer und trockener Biotope erhalten. Dass sich die manchmal mühsame Arbeit lohnt, zeigen die Fotografien von Bezirksgruppenleiter Jens Scharon, entstanden bei einem Gang über die Pflege-Flächen im Juli 2009.
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Seltene Biotope im Urstromtal
Landschaftsgeschichte des Biesenhorster Sandes
Die Bahngleise sind heute von der kanadischen Goldrute überwachsen.
Im Berlin-Warschauer Urstromtal gelegen, haben sich am Ende der letzten Eiszeit auf der Fläche bis zu 10 Meter mächtige Schmelzwassersande abgelagert. Für die vorbereitenden Arbeiten zur Errichtung des 1953 in Betrieb genommenen Rangierbahnhofs Wuhlheide wurden Flächen zusätzlich mit Sand, u. a. aus dem Biesdorfer Baggersee, aufgefüllt. Damit verschwanden für das Urstromtal charakteristische feuchte Senken und Bereiche mit moorigen Ablagerungen. Heute findet man auf der Fläche nur noch kleine Bereiche mit Vegetation feuchter Standorte, wie z. B. Seggen.
Während einer Wanderung über den Biesenhorster Sand fällt das Mosaik verschiedenster Lebensräume auf.
Neben von Silbergras geprägten Trockenrasen, mit Schafschwingel bewachsenen Halbtrockenrasen und Sandoffenflächen, die allesamt spezialisierten und anspruchsvollen Tierarten Ansiedlungsmöglichkeiten geben, sind Vorwälder, Baumgruppen, Hochstauden und Grasflure sowie Gehölze als Überbleibsel der gärtnerischen Nutzung zu finden.
Bluthänfling an Beifußpflanze
Durch die natürliche Abfolge ineinander übergehender Pflanzengesellschaften, der Sukzession, kommt es zum Aufwachsen von Gehölzen bis hin zum Wald, wenn Flächen wie der Biesenhorster Sand nicht vom Menschen genutzt werden. Viele Tier- und Pflanzenarten sind jedoch auf offene, nicht oder nur gering von Gehölzen bewachsene Biotope angewiesen.Ohne menschliche Nutzungen würden viele dieser Lebensräume aus unserer Kulturlandschaft verschwinden und mit ihnen die darauf angewiesenen Arten.
Die beeindruckende Artenvielfalt des Biesenhorster Sandes
Refugium für Zauneidechse, Heidelerche und Orchidee
Breitblättrige Sitter - eine Orchideenart, die auf dem Areal zu finden ist.
Die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen verdeutlichen, welchen Artenreichtum größere Ruderalflächen in Stadtgebieten wie der Biesenhorster Sand aufweisen können und wie wichtig eine kontinuierliche Pflege dieser Lebensräume ist.
Auf dem Gebiet des Biesenhorster Sandes wurden z.B. erfasst:
- 382 Farn- und Blütenpflanzen, davon 21 in der Roten Liste Berlins, wie die vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten Gemeiner Wundklee, Kleines Mädesüß und Kegelleimkraut sowie die gefährdeten Arten Gemeiner Steinquendel, Gemüse-Lauch und Finger-Steinbrech
- eine besonders große Population der streng geschützten Zauneidechse, die sich bedingt durch die ausgedehnten Sandflächen und Trockenrasen hier angesiedelt hat.
Heidelerche
- 33 Vogelarten und damit ein Viertel aller in Berlin nistenden Arten, darunter ein bemerkenswert hoher Anteil an gefährdeten Arten wie Hauben- und Heidelerche, Steinschmätzer und Bluthänfling.
Das Damenbrett ist nur eine von 388 Großschmetterlingsarten des Gebietes.
Die Fachgruppe Entomologie (Insektenkunde) des NABU Berlin untersuchte von 2001 bis 2004 die Insektenvielfalt des Gebietes. Nachgewiesen wurden:
- 388 Großschmetterlinge, davon 111 in Berlin gefährdete, 12 Arten galten in Berlin als ausgestorben
- 22 Heuschreckenarten, darunter das größte Berliner Vorkommen der gefährdeten Blauflügeligen Sandschrecke
Blauflügelige Ödlandschrecke
- 274 Hautflügler, von denen 44 in einer Kategorie der Roten Liste Berlins stehen. 4 Arten wurden nach über hundert Jahren wieder in Berlin gefunden. Eine weitere Art galt bereits in Berlin und Brandenburg als ausgestorben. Der letzte Nachweis stammte aus dem Jahr 1912.
Schwefelkäfer auf einer Blütendolde
- 778 Käferarten, das sind 20 Prozent aller für Berlin und Brandenburg bekannten Arten. 7,8 Prozent der Käferarten stehen in einer Kategorie der Roten Liste Berlins. Besonders bemerkenswert waren die Funde von 3 Käferarten, die nach 50 bzw. 100 Jahren erstmals wieder in Berlin nachgewiesen wurden.
Bemerkenswerte Historie
Auf dem Biesenhorster Sand wurden Luftschiffe gebaut, Züge rangiert und militärische Übungen abgehalten
Das Siemens-Schuckert-Luftschiff SSL 1/ Foto: Siemens corporate archives
So interessant wie die Naturausstattung des Biesenhorster Sandes ist deren Geschichte:
1825 wird Carlshorst als Vorwerk von Friedrichsfelde angelegt. Die Fläche des Rangierbahnhofs Wuhlheide wird 1774 als ein ' von Äckern umgebenes Bircken-Ackerholtz' und der südliche Teil der Friedrichsfelder Gemarkung als ' heidekrautbestandene Sanddüne mit dürren Kiefern und sumpfigen Wiesen' charakterisiert.
1903 wird die Bahnlinie von Rummelsburg nach Biesdorf, die heutige U-Bahntrasse, in Betrieb genommen.
Im nördlichen Teil des Biesenhorster Sandes wird 1909 eine Luftschiffhalle errichtet, die wegen ihrer drehbaren Lagerung eine Weltneuheit darstellte. Das hier entwickelte Siemens-Schuckert-Luftschiff SSL 1 erhob sich am 18. April 1912 das letzte Mal. 1918 erfolgte auf 150 Hektar die Fertigstellung des Flughafens Friedrichsfelde, der bis zum Ende des 1. Weltkrieges genutzt wurde und dann als Folge des Versailler Vertrages 1920 zurück gebaut werden musste. Sechs von Kuppeln überdachte Hanger sind noch heute vom Flughafen erhalten.
Auf den östlichen Flächen des Flughafens wurden Laubenkolonien für ehemalige Siemens-Arbeiter und im westlichen Bereich eine Festungspionierschule der Wehrmacht errichtet.
Der ehemalige Rangierbahnhof Wuhlheide heute.
Der Berliner Güteraußenring (GAR) wurde 1936 bis nach Biesenhorst und 1941 weiter bis zum Karower Kreuz geführt. Bereits 1930 erfolgten vorbereitende Arbeiten für einen Rangierbahnhof, so dass ein Großteil der Kleingärten verschwand. Zur Errichtung des Bahnhofs mussten große Flächen mit Sand - u. a. aus dem Biesdorfer Baggersee - aufgeschüttet werden. Vom 1. Oktober 1953 bis 10. Januar 1994 war der Rangierbahnhof Wuhlheide in Betrieb.
Ehemaliges Kasernengelände
1937 erfolgte die Eröffnung der westlich des heutigen Biesenhorster Sandes gelegenen Pionierschule I der Wehrmacht als Mischung aus Hochschule und Kaserne. Im Offizierskasino unterzeichnete Feldmarschall Keitel in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Am 10. Oktober 1949 wurde hier der ersten DDR-Regierung die Verwaltungsfunktion übergeben
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kaserne und die östlich angrenzenden Freiflächen von der Roten Armee bis 1994 genutzt. Erst nach dem Abzug der GUS-Truppen wurde das Gebiet zugänglich und die wertvolle Naturausstattung erkannt.
Schutz und Pflege
Unterschutzstellung des Biesenhorster Sandes dringend erforderlich!
Naturschützer bei der Biotoppflege
Bereits 2000 wurden erste Untersuchungen als Grundlage für eine Unterschutzstellung des Biesenhorster Sandes durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beauftragt, in deren Folge Flächen zur Ausweisung als NSG und LSG vorgeschlagen wurden. Vorwiegend wegen der Eigentumsverhältnisse konnte die Festsetzung von Schutzgebieten noch nicht erfolgen. Eines der größten Probleme im Gebiet ist das Zuwachsen der großen Offenbereiche mit ihrem hohen Wert für den Naturschutz. Aus diesem Grund führen seit über zehn Jahren NABU-Mitglieder Arbeitseinsätze zur Offenhaltung von Freiflächen durch.
Jährlich finden zwei bis drei Arbeitseinsätze auf dem Biesenhorster Sand statt. Jede Unterstützung ist herzlich willkommen!
Bei Interesse schauen Sie bitte bei Bezirksgruppe Lichtenberg-Hohenschönhausen oder bei Aktuelle Pflegeeinsätze.
Soll diese Idylle einer Straße weichen müssen?
Im Rahmen der Bearbeitung von Bebauungsplänen auf ehemaligem Kasernengelände in Lichtenberg ließ das Bezirksamt Lichtenberg einen Pflege- und Entwicklungsplan für die Lichtenberger Flächen des Biesenhorster Sandes erarbeiten, so dass für diesen Teil eine naturschutzfachliche Planung vorliegt.
In Marzahn-Hellersdorf werden Planungen diskutiert, über Teile des Biesenhorster Sandes eine Straße zu führen. Soll der hohe Wert des Gebietes für den Naturschutz langfristig gesichert werden, dann ist neben kontinuierlichen Pflegemaßnahmen die Ausweisung zum Schutzgebiet eine wesentliche Voraussetzung!
NABU-Ausstellung zum Biesenhorster Sand
Reiche Naturausstattung - wechselvolle Geschichte
Tafel 1 vergrößern
Über diese ökologisch äußerst wertvolle Bahnbrache im Südosten Berlins haben wir schon des öfteren berichtet. Seit nunmehr über zehn Jahren führen NABU-Mitglieder hier Pflegeeinsätze zum Erhalt der Trocken- und Halbtrockenrasen und der an diese Lebensräume gebundenen Tierwelt durch.
Die von ihrer Flächenausdehnung in Berlin einmaligen, seltenen und zumeist geschützten Lebensräume würden ohne regelmäßige Pflege im Zuge der Sukzession verbuschen und am Ende von Wäldern bestanden sein.
Tafel 2 vergrößern
Um bei geeigneten Anlässen über den Biesenhorster Sand besser informieren zu können, um auch auf diese Weise Unterstützung für unsere Arbeitseinsätze zu gewinnen, hat der NABU Berlin eine kleine, aus drei Informationstafeln bestehende Ausstellung kreiert, die wir Interessierten gerne zur Verfügung stellen.
Während wir uns in der Vergangenheit nur auf einzelne Teilflächen konzentrieren konnten, wollen wir zukünftig noch mehr Offenflächen erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, sind wir auf tatkräftige Unterstützung angewiesen.
Tafel 3 vergrößern / Grafische Gestaltung: Gehring; Inhalt: Scharon
In den letzten Jahren standen uns neben den immer präsenten NABU-Mitgliedern auch AnwohnerInnen sowie BürgerInnen aus ganz Berlin, Studierende der Technischen Universität und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenberg helfend zur Seite.
Neben einer Einführung in das Gebiet und Informationen über die Bedeutung kontinuierlicher Pflegeeinsätze für die Naturausstattung des Biesenhorster Sandes, finden Sie auf den Tafeln Aufschlussreiches über den Artenreichtum und die bemerkenswerte Geschichte dieser 80 Hektar umfassenden Fläche.

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