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Pflegeeinsätze zeigen Erfolge

Die Heuschrecken auf dem Biesenhorster Sand

Seit Jahren führen Ehrenamtliche des NABU Berlin Pflegearbeiten zur Offenhaltung der Sandtrockenrasenflächen des Biesenhorster Sandes durch. Bei einer Heuschrecken-Führung durch diesen Lebensraum konnten die Erfolge der Bemühungen begutachtet werden.


  • Heuschreckenexkursion nördlicher Trockenrasen - Foto: Jens Scharon

  • Blauflüglige Sandschrecke - Foto: Jens Scharon

  • Gemeine Sichelschrecke - Foto: Jens Scharon

  • Ödlandschrecke - Foto: Jens Scharon

  • Italienische Schönschrecke - Foto: Jens Scharon

  • Gefleckte Keulenschrecke - Foto: Jens Scharon

  • Füchse unterstützen den Erhalt des Trockenrasens - Foto: Jens Scharon

Es ist Samstag, der 31. Juli 2010, 14 Uhr. Mitglieder der NABU-Bezirksgruppen Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf sowie weitere Interessenten treffen sich zu einer Führung über den Biesenhorster Sand. In diesem Jahr wollen wir uns vor allem den Heuschrecken widmen. War doch das größte Vorkommen der in Berlin vom Aussterben bedrohten Blauflügeligen Sandschrecke der Anlass, alljährlich Pflegeeinsätze zur Offenhaltung der Sandtrockenrasen durchzuführen.


Andreas Ratsch - Foto: Jens Scharon

Andreas Ratsch - Foto: Jens Scharon

Unter fachkundiger Anleitung von Andreas Ratsch, der sich nicht nur bei allem, was kreucht, fleucht und blüht auskennt, sondern der seit 1994 die Veränderungen auf dem Biesenhorster Sand verfolgt, treten wir unsere Exkursion an. In einer Weide an der vom Verkehrslärm erfüllten Köpenicker Allee ist die erste Art, das zu den Laubheuschrecken gehörende Östliche Heupferd zu hören. Im Gegensatz zu den Feldheuschrecken sind unter anderem die langen Fühler charakteristisch für Laubheuschrecken.


Langflüglige Schwertschrecke - Foto: Jens Scharon

Langflüglige Schwertschrecke - Foto: Jens Scharon



Insgesamt können von den 43 Heuschreckenarten in Berlin 28 auf dem Biesenhorster Sand beobachtet oder besser noch gehört werden. Am südlichen Rand des Gebietes angekommen ist das charakteristische Zirpen der Heuschrecken von überall her, egal ob vom Boden oder aus den umstehenden Gehölzen, zu vernehmen.

Auch Heuschrecken können ähnlich wie Vögel oder Amphibien an ihren artspezifischen Lauten unterschieden werden. Wo wir nur zwei bis drei Arten deutlich unterscheiden können, hört Andreas die doppelte Artenzahl. Und was weder wir noch er hören können, wird mit einem Detector hörbar gemacht und so bekommen wir auf Anhieb neun Arten um uns herum vorgestellt. Während die Laubheuschrecken ihre Lautäußerungen durch das Streichen des linken über den rechten Flügel erzeugen, reiben die Feldheuschrecken ihren Hinterschenkel über die Flügel.


Ödlandschrecke - Foto: Jens Scharon

Ödlandschrecke - Foto: Jens Scharon

Unsere Kräfte haben bisher zur Offenhaltung von zwei größeren Trockenrasenflächen ausgereicht. Auf der südlichen Fläche angekommen, ist man sofort wieder fasziniert von kräftig gelb blühenden Sandstrohblumen und den überall durch ihre blauen Flügel auffallenden Blauflügeligen Ödlandschrecken, die beim Gehen mehrere Meter vor einem über den Trockenrasen fliegen. Diese Heuschreckenart gehört zu den häufigeren Arten auf den Freiflächen des Biesenhorster Sandes. Neben den typisch gefärbten Ödlandschrecken waren häufig auch orange gefärbte Tiere zu beobachten, die die Variationsbreite einzelner Arten zeigten.


Italienische Schönschrecke - Foto: Jens Scharon

Italienische Schönschrecke - Foto: Jens Scharon



Dann zeigt eine abfliegende Heuschrecke rote Flügel – die Italienische Schönschrecke. In der Roten Liste der Heuschrecken von Berlin aus dem Jahr 2004 ist über diese Art zu lesen: „Die letzten bekannt gewordenen Funde der Italienischen Schönschrecke stammen aus Heiligensee (1931) und aus dem Botanischen Garten in Berlin-Dahlem (1940, leg. Röder). Im Jahre 1992 wurde im südöstlichen Wuhlegarten des Ortsteiles Biesdorf ein weibliches Exemplar der Art entdeckt (LOHMER 1992). Spätere Nachsuchen an diesem Ort, unter anderem durch A. Ratsch, blieben erfolglos. Vermutlich handelte es sich um ein wanderndes Exemplar, so dass die Art auch weiterhin als ausgestorben geführt werden muss.“


Zweifarbige Beissschrecke - Foto: Jens Scharon

Zweifarbige Beissschrecke - Foto: Jens Scharon

Erst 2005 konnte nach über 40 Jahren wieder eine Population der Art am Dämeritzsee in Köpenick und 2007 auf dem südlichen Trockenrasen des Biesenhorster Sandes festgestellt werden. Die Beobachtung von mehreren Dutzend bis zu wenigen hundert Tieren spricht für einen etablierten und fortpflanzungsfähigen Bestand, so dass die Art nicht mehr als ausgestorben oder verschollen in der Roten Liste geführt werden kann. Die Ausbreitung der ursprünglich im Mittelmeerraum und Zentralasien verbreiteten Art wird mit der vorindustriellen Landnutzung und Brachen auf trocken-warmen Sandböden sowie mit der Klimaerwärmung in Verbindung gebracht. Die Art war durch die Intensivierung der Landnutzung in Deutschland vom Aussterben bedroht und nahm seit der Wende in Brandenburg in ihrem Bestand wieder zu. Gleiches gilt für die Zunahme der Gemeinen Sichelschrecke, einer Art, die erstmals 2008 auf dem Biesenhorster Sand nachgewiesen wurde, sich ebenfalls weiter nach Norden ausbreitet und daher als Anzeiger für den Klimawandel gesehen wird.


Feldheuschrecken bei der Paarung - Foto: Jens Scharon

Feldheuschrecken bei der Paarung - Foto: Jens Scharon

Nachdem noch die Gefleckte Keulenschrecke, Zweifarbige Beißschrecke sowie sich gerade paarende Feldheuschrecken fotografiert werden konnten, ging es weiter auf den bereits in Lichtenberg gelegenen nördlichen Trockenrasen, den NABU-Mitglieder seit rund 15 Jahren pflegen, um einen Bewuchs mit Gehölzen zu vermeiden. Unterwegs suchten zwei junge Füchse vor uns das Weite, vor deren Bau wir bald standen. Auch die Anlage von Bauen hilft die Vegetation offen zu halten und immer wieder Sandoffenflächen zu schaffen.

Nach dem sich im regenreichen Sommer 2007 flächendeckend Moos ausbildete und die offenen Sandflächen dadurch zurück gingen, wurde ab 2008 mit dem Entfernen des Mooses begonnen. Eine richtige Maßnahme wie sich zeigte. Überall auf der Fläche waren in großer Zahl neben den verbreiteten Blauflügeligen Ödlandschrecken die in Berlin vom Aussterben bedrohten Blauflügeligen Sandschrecken zu beobachten.

Es war für alle Teilnehmer ein schönes Gefühl, als sie sahen, dass sich die Arbeit gelohnt hat und das angestrebte Ziel, eine, vielleicht die größte Population der Blauflügeligen Sandschrecke in Berlin zu erhalten, erreicht wurde.

Jens Scharon

9. August 2010


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