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Gar nicht so grün 

Anzucht von Zimmerpflanzen oft nicht nachhaltig 

Das Revival der Zimmerpflanze zeugt von einer gewissen Sehnsucht nach Natur, gut für die Umwelt ist es deshalb noch lange nicht. 

Zimmerpflanzen - Foto: Diana Rui/Shutterstock

Zimmerpflanzen - Foto: Diana Rui/Shutterstock

Jahrzehntelang galten sie als verstaubt, doch mittlerweile kommt kaum eine Hipster-Altbauwohnung ohne Zimmerpflanzen aus, und Instagram quillt über vor Sukkulenten, Palmen und Monsteras. Das Revival der Zimmerpflanze zeugt von einer gewissen Sehnsucht nach Natur, gut für die Umwelt ist es deshalb noch lange nicht. 

Denn wie so viele Branchen ist auch die Produktion von Grünpflanzen ein globalisiertes Geschäft, und gerade für tropische Gewächse bietet sich die Anzucht in südlicheren Gefilden natürlich an. Monstera, Calathea und all die anderen wohlklingenden Zimmergenossinnen wachsen daher größtenteils in Ländern wie Kenia oder Costa Rica heran.  

Die Probleme gleichen denen, die aus der Produktion von Schnittblumen und Gartenstauden bekannt sind: hoher Pestizideinsatz, der die Gesundheit der Arbeiter*innen gefährdet, hoher Energieaufwand beim Transport der empfindlichen Ware nach Europa.  

Hinzu kommt die Umweltbelastung durch die Plastiktöpfe – noch immer der Standard im Gärtnereigewerbe – und durch den Torfabbau für die Blumenerde, der bekanntlich zur Zerstörung von Mooren führt und damit den Klimawandel antreibt. Die Produktion in Europa wäre keine wirkliche Alternative, da zur Beheizung der Gewächshäuser auf Tropentemperatur ebenfalls viel Energie verbraucht würde.  

Kein Wunder, dass zwar ein Bio-Siegel für Zierpflanzen existiert, man aber praktisch keine Bio-Zimmerpflanzen im Handel findet und auch das Online-Angebot mehr als überschaubar ist. Wie Erdbeeren im Winter sind tropische Pflanzen einfach kein Produkt, das der Handel auf umweltverträgliche Weise bereitstellen kann, sondern purer Luxus.  

Also Verzicht, adieu, Philodendron? Zum Glück gibt es eine Alternative: Viele, wenn auch nicht alle Zimmerpflanzen lassen sich geradezu lächerlich leicht selbst vermehren!  


Alternative: selbst vermehren! 

Yucca und Drachenbaum kann man köpfen, den Stamm in Abschnitte zerlegen, und gewinnt so eine ganze Armee von Nachkommen. Viele Sukkulenten bilden Kindel, die teils von selbst abfallen, sich teils vorsichtig abtrennen und weiterkultivieren lassen.


Auch viele Kaktus-Arten lassen sich vermehren – Foto: Helge May

Auch viele Kaktus-Arten lassen sich vermehren – Foto: Helge May

Ableger von Efeutute und Philodendron wurzeln im Wasserglas an, und Fortgeschrittene können versuchen, aus den abgetrennten und angeritzten Blättern von Begonien oder Usambaraveilchen kleine Pflanzen zu ziehen. 

Einen Versuch wert ist auch die Anzucht aus Samen: Kakteen etwa keimen leicht, wenn es auch etwas Geduld braucht, bis ein ansehnlicher Schwiegermutterstuhl herangewachsen ist. Nicht nur Kindern macht die Anzucht von Pflanzen aus den Kernen von Datteln, Avocados oder Papayas Spaß, die ebenfalls dekorative Zimmergewächse abgeben. 

Damit die Pflanzenkinderstube auch wirklich nachhaltig ergrünt, müssen Samen, Ableger und Stecklinge natürlich in torffreier Bio-Blumenerde Wurzeln schlagen. Wer jetzt loslegt, kann bis Weihnachten schon eine ansehnliche Jungpflanzen-Plantage heranziehen – ein nachhaltiges Geschenk für umweltbewusste Pflanzenfreund*innen!  


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