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Schützen unsere Schutzgebiete?

23. Berliner Naturschutztag 2024

Der Berliner Naturschutztag 2024 war ein voller Erfolg. Rund 200 Gäste hörten sich Vorträge zum Thema Schutzgebiete an und führten angeregte Diskussionen. Die Vorträge machten aber auch deutlich, dass Schutzgebiete häufig nicht richtig schützen.

Ein voller Saal mit einer Bühne und Rednerpult. Auf der linken Seite hängt eine Leinwand mit der Aufschrift: "Herzlich Willkommen zum Naturschutztag des NABU Berlin!"

Naturschutztag 2024 - Foto: Ronja Bär

Der Begriff „Schutzgebiet“ suggeriert, dass die Natur und ihre Artenvielfalt auf dieser Fläche dauerhaft erhalten bleibt. Dass dieses Versprechen in der Praxis häufig nicht eingelöst wird, machten die Vorträge auf dem 23. Berliner Naturschutztag deutlich, zu dem der NABU Berlin am 24. Februar in die Räume der Stadtmission eingeladen hatte.

Zwar würdigte Umweltsenatorin Manja Schreiner in ihrem Grußwort die Bedeutung der Schutzgebiete und versprach insbesondere, sich die Berliner Wälder nach Möglichkeit von Windkraftanlagen freizuhalten. Doch Juliana Schlaberg, Naturschutzreferentin des NABU Berlin, nannte etliche Berliner Schutzgebiete, in denen die Naturschutzbehörden ihrer Aufgabe nicht nachkommen, die Flächen angemessen zu pflegen, vor Schäden zu bewahren und weiterzuentwickeln. Insbesondere das wichtige Artenmonitoring, das notwendig ist, um den Zustand der Schutzgebiete zu beurteilen, findet wegen Personalmangel und knapper Kassen oft nicht statt. Zudem warten in Berlin noch immer viele wertvolle Gebiete auf ihre Unterschutzstellung.


Susann Ullrich, Camillo Kitzmann und Ronald Kroth sitzen mit der Moderatorin Alexandra Rigos auf der Bühne.

Diskussionsrunde mit Dr. Susann Ullrich, Dr. Camillo Kitzmann und Ronald Kroth - Foto: Ronja Bär

In einer Diskussionsrunde berichteten Dr. Susann Ullrich, Dr. Camillo Kitzmann und Ronald Kroth aus der ehrenamtlichen Naturschutzpraxis. Die drei Referent*innen sind seit vielen Jahren für den NABU Berlin aktiv und erklärten übereinstimmend, dass der Druck auf die von ihnen betreuten Gebiete an der Rummelsburger Bucht, am Flughafensee sowie der Biesenhorster Sand mit den Jahren ständig gestiegen sei. Große Probleme machen die Erholungsnutzung, frei laufende Hunde, der Müll und im Fall der Rummelsburger Bucht die stark steigende Zahl der Hausboote.

Linda Vierecke, umweltpolitische Sprecherin der SPD und Mitglied des Abgeordnetenhauses, wies auf die internationalen Verpflichtungen hin, ausreichend Naturflächen unter Schutz zu stellen und berichtete, wie schwierig es im politischen Alltag oft ist, den Belangen des Naturschutzes Gehör zu verschaffen.

Im zweiten, stärker fachlich ausgerichteten Teil der Veranstaltung zeigte Anne Peters vom Nationalpark Bayerischer Wald auf, wie sich Störungen auf Wildtiere auswirken und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Daraus leitete sie eine Reihe von Maßnahmen ab, unter anderem Konzentration der Besucher*innen auf möglichst wenige Wege, Leinenpflicht für Hunde und Ruhezeiten im Winter und in der Nacht, um Wildtieren Rückzugs- und Erholungsmöglichkeiten zu geben. Prof. Dr. Erik Aschenbrand von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde hingegen plädierte dafür, naturbezogene Hobbies wie Angeln positiv zu sehen, da sie eine dauerhafte Bindung an die Natur schaffen. Denn heutzutage erleben Stadtbewohner*innen Natur nur noch in ihrer Freizeit, was die Gefahr birgt, dass die Naturerfahrung lediglich konsumiert wird.


Einige der Referent*innen des Naturschutztages sitzen auf ihren Plätzen in der ersten Reihe.

Die Referent*innen des Naturschutztag 2024 - Foto: Ronja Bär

Dr. Margret Bunzel-Drücke von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz​ im Kreis Soest legte dar, wie positiv sich Beweidung auf die Struktur- und Artenvielfalt einer Offenlandschaft auswirkt. Dabei sind Weidetiere, die hauptsächlich Gras fressen, vorzuziehen, also Rinder, Wasserbüffel und Pferde, während Schafe und Hirsche unerwünschte Entwicklungen fördern können. Gerade Rinder sind zudem eine sehr effektive Möglichkeit, menschliche Störenfriede von Schutzgebieten fernzuhalten.

Zum Abschluss zeigte Dr. Roland Mühlethaler vom Michael-Otto-Institut des NABU, dass Insekten in Naturschutzgebieten stark mit Pestiziden belastet sind. Die von Bürgerwissenschaftler*innen unterstützten Forscher*innen konnten im Durchschnitt 16,7, in einzelnen Proben sogar bis zu 27 verschiedene Pestizide nachweisen. Dabei ging die Vielfalt der Insektenarten mit steigender Pestizidanzahl deutlich zurück; auch die Größe der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Umkreis des Schutzgebiets wirkte sich negativ auf die Insektenbiodiversität aus. Seit Publikation der so genannten Krefeld-Studie zum Insektensterben im Jahr 2017 hat sich die Biomasse von Insekten in Schutzgebieten bislang nicht spürbar erholt.

Text: Alexandra Rigos, 01.04.2024


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22. Berliner Naturschutztag 2023

„Verbauen wir uns die Zukunft? - Stadtentwicklung in Zeiten von Artensterben und Klimakrise“. Dass die Formulierung die Realität leider recht zutreffend beschreibt, diese Einschätzung haben viele der Besucher*innen am 25. Februar 2023 mit nach Hause genommen. Mehr →

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