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Reitclub Grunewald e.V. mit der Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" geehrt

Die Reitanlage des Reitclubs Grunewald e.V. am Grunewaldsee ist das Zuhause unzähliger Rauch- und Mehlschwalben und das soll auch laut Vereinsvorstand so bleiben. Höchste Zeit, dieses Engagement mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ zu ehren.

Verleihung der Schwalbenplakette an den Reitclub Grunewald e.V. Imke Wardenburg (li.) und Michaela Wilczek - Foto: Christine Szyska

Verleihung der Schwalbenplakette an den Reitclub Grunewald e.V. Imke Wardenburg (li.) und Michaela Wilczek - Foto: Christine Szyska

2. Juli 2020 - Direkt am Grunewaldsee zwischen dem Jagdschloss Grunewald und dem Forsthaus Paulsborn liegt die Reitanlage des Reitclubs Grunewald e.V. In den Stallungen des 1963 gegründeten gemeinnützigen Vereins leben rund 13 Privat- und 220 vereinseigene Schulpferde und -ponys. Rund 350 Mitglieder nutzen das idyllische Ausreitgebiet mit schönen Sandwegen bis zum Schlachtensee. Zur Anlage gehört eine Reithalle, ein Außenplatz und zwei großzügige Stallanlagen, in denen neben Warmblutpferden und deutschen Reitponys auch die Schwalben und viele Sperlinge zuhause sind.


Die extra angebrachten Sitznägel werden von den Rauchschwalben gern genutzt - Foto: Christine Szyska

Die extra angebrachten Sitznägel werden von den Rauchschwalben gern genutzt - Foto: Christine Szyska

Während die Pferde in ihren Boxen vom letzten Ausritt verschnaufen, herrscht über ihren Mähnen reger Flugverkehr. Mit gut 20 Nestern von Rauch- und Mehlschwalben ist der Reitverein ein außergewöhnlich geeigneter Lebensraum für die gefiederten Glücksbringer. Jetzt in der Brutsaison haben die Schwalbeneltern alle Flügel voll zu tun, ihren Nachwuchs satt zu bekommen. Fliegen, Mücken und andere Fluginsekten verschlingen die Küken, die gierig ihre gelben Schnäbelchen in die Höhe recken.

„Wir freuen uns über jedes geschlüpfte Schwalbenküken. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, ihnen sichere Nistmöglichkeiten zu bieten. Auf unserem Vereinsgelände sind nicht nur Pferde willkommen“, sagt Michaela Wilczek, 1. Vorsitzende des Reitclubs. und zeigt uns stolz die Schwalbennester in den Ställen und außen am Gebäude. Neben dem Platz zum Nisten haben die Vereinsmitglieder sogar Sitznägel angebracht, die gern genutzt werden. Für die Zukunft sind zusätzliche Lehmpfützen nur für die Schwalben und sogar Infoveranstaltungen zum Thema Schwalben geplant.


Dieses ungewöhnliches Nest wird schon in der zweiten Generation bewohnt. Als ein Nest samt Küken auf dem Boden lag, hatten die Reiterinnen promt dieses Ersatznest angebracht und das Nest darin platziert. - Foto: Christine Szyska

Dieses ungewöhnliches Nest wird schon in der zweiten Generation bewohnt. Als ein Nest samt Küken auf dem Boden lag, hatten die Reiterinnen promt dieses Ersatznest angebracht und das Nest darin platziert. - Foto: Christine Szyska

Wir sind begeistert, denn Schwalben finden in der Großstadt Berlin immer weniger Lebens- und Nistmöglichkeiten. Das Engagement im Reitclub zeigt, wie man ihnen am Rande der Großstadt ein Zuhause schafft und in guter Nachbarschaft leben kann.

Schwalben töpfern sich an Hauswänden ihre Niststätten selbst – Rauchschwalben nisten am liebsten geschützt in Gebäuden, Mehlschwalben an Außenwänden. Beide bauen kunstvolle Nester aus Lehm, die sie über Jahre immer wieder nutzen. Bei Fassadensanierungen werden jedoch viele Nester entfernt, manche Hausbesitzer*innen stört auch der Kot und sie schlagen die Nester einfach ab. Dabei sind Schwalben besonders geschützt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen auch ihre Fortpflanzungsstätten nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden, auch dann nicht, wenn sie gerade nicht genutzt werden.


Harte Zeiten für Berliner Schwalben

Der Bestand der Mehlschwalbe ist in Berlin in den letzten 20 Jahren um circa ein Drittel zurückgegangen. Derzeit geht man von 3.000 bis 4.000 Brutpaaren aus. Die stärker ans Wasser gebundenen Rauchschwalben findet man in Berlin deutlich seltener und immer wieder werden ihre Niststätten zerstört. Es mangelt also hauptsächlich an Brutplätzen.

Auch die zunehmende Bebauung von Brachen und Versiegelung im Stadtraum lässt die Vögel immer weniger nassen Lehm für ihren Nestbau finden. Der Rückgang von Insekten hat natürlich auch Auswirkungen. Schwalben ernähren sich ganz überwiegend von fliegenden Insekten. Fehlen diese, haben sie es immer schwerer, natürliche Nahrung zu finden.


Schwalbenschutz ist gar nicht schwer

Artenschutzreferent Ansgar Poloczek (re. beantwortet kritische Fragen und gibt Tipps für noch mehr Schwalbenschutz - Foto: Christine Szyska

Artenschutzreferent Ansgar Poloczek (re. beantwortet kritische Fragen und gibt Tipps für noch mehr Schwalbenschutz - Foto: Christine Szyska

Mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ setzt sich der NABU für den Schutz der Schwalben ein und zeichnet Menschen aus, die die gefiederten Glücksbringer willkommen heißen und Brutplätze schaffen oder erhalten. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Eine feucht gehaltene Lehmpfütze im Garten oder Innenhof hilft beim Nestbau. Rauputzstreifen oder Brettchen werden von den Schwalben gut angenommen, aber auch Kunstnester werden von ihnen bezogen. Wer nahe der Nester naturnah gärtnert – mit einheimischen Blumen und Sträuchern und ohne Pestizide – tut nicht nur den Insekten Gutes, sondern unterstützt so auch die Schwalben. Aber auch in einer Mietwohnung kann man Schwalben willkommen heißen.

Jede*r Schwalbenliebhaber*in kann seine/ihre Untermieter melden und sich um eine Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ beim NABU Berlin bewerben.


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