Der Kirschlorbeer
Angepasster Allrounder oder ökologisch wertlose Plage?
Die Blütenstände sind durchaus eine Augenweide - Foto: Boris Karl Holger Schnebele/www.naturgucker.de
Kirschlorbeer ist unter uns Naturschützer*innen schon fast ein Schimpfwort. Auch in Berlin ist er allgegenwärtig und wächst ohne nennenswerten ökologischen Nutzen vor sich hin. Allenfalls dient er als Unterschlupf für Vögel, von denen manche auch seine Früchte fressen, und die Blüten werden von einigen Generalisten unter den bestäubenden Insekten angeflogen. Verglichen mit einhemischen Sträuchern bietet er aber nur sehr wenigen Arten Nahrung.
Seine Vorteile
Seit der Kirschlorbeer, auch Lorbeerkirsche genannt, Einzug in unsere Gärten und Parkanlagen gehalten hat, erfreut er sich immer größerer Beliebtheit.
Der immergrüne Strauch besticht mit seinem glänzenden, immergrünen Laub. Gartencenter versprechen einen Höhenzuwachs von 40 bis 50 Zentimeter pro Jahr. Nur wenige Pflanzen pro laufendem Meter sind notwendig, da sie auch in die Breite stark wachsen. Prunus laurocerasus ist zudem anspruchslos, robust gegen Schädlingsbefall, trockenheitsverträglich, winterhart und bietet das ganze Jahr über Sichtschutz. Hinzu kommt sein unschlagbar günstiger Preis – also eigentlich ein optimaler Heckenstrauch für immer heißer und trockener werdende Sommer.
Was ihn zum unbeliebten No-Go-Strauch bei Naturfreund*innen macht
Was die Händler*innen jedoch lieber für sich behalten, ist, dass die stark Wasser ziehende Pflanze hochgiftig ist, das Beschneiden mühsam und die Samenverbreitung ein großes Problem für die heimische Natur darstellt. Ihre blausäurehaltigen Blätter sind nahezu unkompostierbar, und sie muss immer wieder nachgeschnitten werden. Angesägte Blätter verfärben sich braun, so dass ein Schnitt mit der elektrischen Heckenschere eher nicht zu empfehlen. Da muss der/die Gärtner*in schon mit der Handschere ran.
Fatal für die Natur wird es jedoch erst, wenn Vögel die Samen des aus Vorderasien stammenden invasiven Gewächses in die freie Natur tragen, oder wenn Grünschnitt unsachgemäß entsorgt wird. Weil die Blätter auf dem Komposthaufen so schlecht verrotten, wird das Schnittgut gern am Waldrand oder anderswo in der Natur entsorgt. Zwar ist das verboten, aber leider zu einer beliebten Unsitte geworden. Das hat fatale Folgen für Ökosysteme wie den Wald, denn abgeschnittene Zweige können anwurzeln und neu austreiben. Dann verdrängt die Lorbeerkirsche leicht heimische Pflanzen, die reichlich Nahrung für Insekten, Vögel und Kleintiere bieten. Das Umfeld verarmt ökologisch, und wir Naturschützer*innen werden bald mit großem Aufwand Schadensbegrenzung leisten müssen. In der Schweiz ist der Verkauf der invasiven Pflanze daher bereits verboten, und auch deutsche Naturschutzbehörden raten dringend von seiner Pflanzung ab.
Nicht gleich ausreißen
Doch bevor Sie jetzt Ihren Kirschlorbeer wütend ausgraben: Ein Strauch ist ein Strauch, und auch wenn es ökologisch wertvollere Wildsträucher gibt, müssen Sie nicht gleich zur Motorsäge greifen. Bis eine Ersatzpflanzung heranwächst, können viele Jahre vergehen. Als Nahrungsquelle ist Kirschlorbeer immer noch besser als Forsythie, Rhododendron und gefüllt blühende Zierkirschen.
Blausäure enthalten übrigens alle Gewächse der Gattung Prunus, etwa die einheimische Traubenkirsche, aber auch die Kerne von Kirschen, Aprikosen und sogar Äpfeln sind giftig. Dass Kinder sich an den Beeren vergiftem, ist sehr unwahrscheinlich, da sich die harten Kerne kaum zerbeißen lassen.
Aber vielleicht ist es auch nicht nur sein geringer ökologischer Wert, der Naturfreund*innen so erbost: Sehr oft kommt der Kirschlorbeer nämlich in Gesellschaft von Gabionen und Schotterflächen als grüner Kubus daher – gewissermaßen als Symbol einer naturfeindlichen Gartengestaltung.
Bei Neupflanzung bitte Alternativen wählen!
Sollten Sie aber über Neupflanzungen nachdenken, informieren Sie sich bei vertrauenswürdigen Händler*innen oder schauen Sie sich auf unseren Webseiten zum Thema heimische Wildsträucher um. Es gibt nämlich viele wunderschöne Alternativen, von der Felsenbirne über den Weißdorn bis hin zur Schlehe. Auch Heckenrosen, Beerensträucher oder Weiden eignen sich als Randbepflanzung. Und was gibt es Schöneres als einen Singvogelkindergarten, einen Wildbienenimbiss oder eine Naschhecke für uns und unsere Kinder im eigenen Garten zu haben?
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