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Wasservögel
Aus dem Leben von XC9
Kanadagänse erobern Berlin

Anfang der achtziger Jahre siedelte sich ein aus einer Wasservogelhaltung entflogenes Kanadaentenpaar am Tegeler See an und begründete eine Berliner Freilandpopulation. Von hier aus erschlossen sich die Vögel entlang von Spree und Havel zunehmend die Gewässer des Berliner Stadtgebietes. Seit Ende der neunziger Jahre werden sie beringt. Auf diese Weise kann man den Weg von XC9 durch Berlin verfolgen.
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Volkssport „Enten füttern“
Um Tieren und Gewässern nicht zu schaden, bitte einige Regeln beachten!

Besonders in der kalten Jahreszeit ist das Füttern von Wasservögeln eine beliebte Freizeitbeschäftigung bei Alt und Jung. Beim Spaziergang im Park oder am See darf der Beutel mit den Brotresten nicht fehlen. Und Schwäne, Enten, Blesshühner und Möwen danken es den Besuchern mit regem Andrang. Gegen diese Naturerlebnisse ist nichts einzuwenden, allerdings sollte man ein paar Regeln beachten.
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Mit dem Herbst kommen die Nordischen Gänse - oder ist es umgekehrt?
Gänsezug über Berlin hat begonnen
Nordische Gänse
Jetzt kann man sie wieder regelmäßig in charakteristischen V-Formationen über Berlin und Umgebung ziehen sehen: Nordische Gänse Boten des Herbstes. Waren es noch vor wenigen Tagen bloß kleine Trupps, die Ornithologen aus dem Berliner Umland meldeten, so kann man seit Monatsmitte an den traditionellen Schlafplätzen schon mehrere Hundert Vögel umfassende Scharen beobachten, denen man nicht ansieht, dass sie bereits eine 2000 km lange Reise hinter sich haben. Am ehesten machen sie durch ihre prägnanten Rufe auf sich aufmerksam: Ihr deutlich zu vernehmendes ka-jak oder kjü-jü lässt so manchen Blick himmelwärts schweifen, und angesichts der ziehenden Gänse wird einem dann bewusst: Mag die Witterung auch ganz anderes nahe legen, unaufhaltsam weicht der Sommer dem Herbst.
Nordische Gänse / Fotos: Scharon
Noch sind neben den häufigen, aus Nordeuropa und -russland kommenden und im Berliner Raum rastenden (bzw. immer öfter vor allem milde Winter bei uns verbringenden) Bless- und Saatgänsen auch die hier brütenden Graugänse zu beobachten. Mit Voranschreiten des Herbstes geht ihr Anteil jedoch deutlich zurück, und dann dominieren die Nordischen Gänse.
Von ihren Schlafgewässern abgesehen, die ihnen Schutz vor Feinden bieten, kann man die Tiere vor allem auf für Gänse so attraktiven Äckern antreffen. Neben abgeernteten Getreidefeldern sind es insbesondere Maisäcker, die wichtige Nahrungsflächen darstellen. Am besten lassen sich die Vögel aus sicherer Entfernung mit guter Optik beobachten. Bei den älteren Blessgänsen fällt die namengebende Blesse am Kopf auf, der Saatgans fehlt dieses Kennzeichen. Die Graugans ist deutlich heller als ihre nordischen Verwandten, hat rosafarbene Füße und einen gleichfarbigen Schnabel.
um im Berliner Umland auf "Gänsepirsch" zu gehen!
KanadierInnen in der Hauptstadt
Neozoa-Projekt untersucht Berliner Bestand der Kanadagans
Wollhandkrabben
Viele Arten der Neuen Welt haben sich seit deren so genannter Entdeckung durch Kolumbus 1492 erfolgreich in unseren Breiten angesiedelt. Diese Neubürger nennt man, wenn es sich um Tiere handelt, Neozoa (Sing. Neozoon). Bisher wurden über 1.300 Neozoa in Deutschland nachgewiesen.
Ihre Wege nach Europa waren verschlungen: Viele Arten, vorwiegend Wirbellose und Insekten, wurden völlig unbemerkt auf Schiffen in Ladung oder Ballastwasser verschleppt. Aufgefallen sind sie meistens erst, wenn sie in großer Zahl als sog. Schädlinge auftraten, sei es in land- und forstwirtschaftlichen Kulturen, wo sie die Erträge minderten, wie der aus Amerika stammende Kartoffelkäfer, Fischernetze zerstörten, wie die Chinesische Wollhandkrabbe, oder durch ihr massenhaftes Auftreten (Weichtiere wie Würmer und Schnecken) gar zu Verstopfungen von Leitungen und Filtern führten.
Kanadagänse
Bekannter sind da schon Wirbeltiere, wie die aus Nordamerika stammenden Säugetierarten Waschbär und Mink, oder der aus Asien eingewanderte Marderhund, auch wenn man die Arten nur selten und wenn, dann meist als Verkehrsopfer am Straßenrand zu Gesicht bekommt.
Einigen Arten können wir jedoch regelmäßig bei unseren Spaziergängen in Berlin begegnen. Vor allem Wasservögel, wie die aus Asien stammende Mandarinente und die ihr Name verrät es aus Nordamerika stammende Kanadagans. Wasservögel wurden in den meisten Fällen von Liebhabern eingeführt und konnten aus verschiedensten Gründen in die Freiheit gelangen. Dabei kamen einige Arten mit den hiesigen Lebensbedingungen so gut zurecht, dass sie heute mit ihrem Nachwuchs auf den Gewässern zu beobachten sind.
Winfried Otto beim Gänsefüttern...
Im Folgenden wollen wir Ihnen die durch ihre Größe, ihren schwarzen Hals sowie den weißen Wangenfleck auffallende Kanadagans vorstellen.
"Kanadagänse umständehalber abzugeben" , so oder ähnlich muss es in einer 1983 veröffentlichten Annonce gestanden haben, berichtet Olaf Geiter, langjähriger Leiter des Neozoa-Projektes an der Universität Rostock.
Der Hausmeister der Schule auf Scharfenberg, einer im Tegeler See gelegenen Insel, las diese Anzeige und holte das Kanadaganspaar mit seinen Jungtieren, auch Gössel genannt, in ein Gehege auf nämlicher Insel. Während Umbaumaßnahmen konnten die Tiere allerdings entweichen und bildeten so den Stamm für die heute ca. 220 Kanadagänse, die sich vorwiegend entlang der Havel zwischen Nieder-Neuendorf im Norden und der Lieper Bucht im Süden beobachten lassen. Während die meisten Tiere auf der Havel und ihren Nebengewässern zu finden sind so ist ein beliebter Aufenthaltsort die Greenwichpromenade am Ostufer des Tegeler Sees , haben sich einige Paare auch etwas entfernt: Ein Paar brütet seit mehreren Jahren auf dem Südparkteich in Spandau, und auch im Tiergarten wurden erste Paare beobachtet.
...und beim Beringen
Vor allem die folgenden Fragen stellen sich bei der Ansiedlung und Reproduktion fremdländischer Arten:
- Wie hoch ist die Vermehrungsrate?
- Wie schnell breitet sich die Art aus?
- Ergeben sich dadurch Beeinträchtigungen für heimische Arten?
Ring sitzt!
Ein Vorteil bei diesen relativ großen Tieren liegt darin, dass man an ihren Beinen neben einem aus der Entfernung nur schlecht ablesbaren Vogelwartenring auch gut sichtbare Farbringe anlegen kann. Dadurch wird die Ableserate und somit der Erkenntnisgewinn deutlich erhöht, zumal die Tiere, mit manchem Kilo Brot gefüttert, sehr zutraulich sind. Allein für ihren Fang zur Beringung wurden ca. 170 Kilo Brot eingesetzt!
Um der Tiere habhaft zu werden, wird zunächst mit Futter ihr Interesse geweckt; dann werden sie in einen kleinen Käfig gelockt, der verschlossen wird. Aus diesem werden die Gänse entnommen und anschließend markiert. Dass ihnen das Prozedere nicht schadet, zeigt schon, dass sie sich trotz der gesammelten Erfahrungen beim Verteilen der nächsten Futterration wieder mit anstellen. Bisher wurden ca. 150 Kanadagänse in Berlin markiert. Sie zeigen eine erstaunliche Ortstreue: Nur Einzeltiere wurden in größerer Entfernung abgelesen, eine Gans z. B. am ca. 30 km entfernt liegenden Müggelsee.
Beringtes Paar / Fotos: Scharon vergrößern
Jährlich werden etwa drei bis fünf Brutpaare mit je zwei bis vier Gösseln festgestellt. In der Vergangenheit betrug die jährliche Bestandzunahme 15 Prozent, d. h. alle sieben Jahre verdoppelt sich der Bestand. Die Berliner Kanadagänse zeigen eine sehr geringe Arealzunahme. Beeinträchtigungen heimischer Arten konnten nicht festgestellt werden.
Wer also bei seinem nächsten Spaziergang an Berlins Havelufern beringte Kanadagänse beobachtet, möge sich doch bitte die Mühe machen, die Buchstaben- und Zahlenkombination abzulesen und unter Angabe des Beobachtungsortes und -tages an ring@kanadagans.de melden.
Die wundersame Verwandlung der Stockenten
Mauser kommt von mutare (lat. 'sich verwandeln')
Mausernder Stockentenerpel / Foto: Scharon
Alljährlich im Sommer vollzieht sich ein ungewöhnliches Schauspiel: Viele Enten sammeln sich auf unseren Stadtgewässern, um dort ihr Gefieder zu wechseln. Aus den prächtigen Stockerpeln mit den kecken Locken am Schwanz, dem zart graumelierten Bauch, der rostroten Brust, dem schneeweißen Halsring und dem smaragdgrün schillernden Kopf werden zerrupfte Kerle, die bald ebenso braun und tarnfarben aussehen wie die Weibchen.
Stockentenpaar
Allein am grün-gelben Schnabel das Weibchen hat einen grüngrauen mit orangefarbenen Seiten ist die männliche Ente zu erkennen. Einziger Schmuck im Schlichtkleid ist noch der blauglänzende, weiß abgesetzte Flügelspiegel, den auch das Weibchen trägt.
Wie alle Enten prägt auch die Stockente ein sogenannter Geschlechtsdimorphismus, d. h. Männchen und Weibchen sind farblich deutlich voneinander unterschieden, ausgenommen dann, wenn der Erpel ins Schlichtkleid mausert.
Stockentenweibchen / Foto: Koch
Etwa drei bis vier Wochen Zeit benötigen die Tiere für die "Runderneuerung" ihrer "Leichtbauteile" während der Großmauser. Dabei haben Enten eine besondere Strategie entwickelt: Sie mausern neben dem Kleingefieder alle Großfedern des Schwanzes und der Flügel auf einmal und sind dann weitgehend flugunfähig. Stockenten können sich das "leisten", denn sie müssen sich bei der Flucht vor ihren Feinden nicht ausschließlich auf ihr Flugvermögen verlassen, sondern können bei Gefahr bspw. abtauchen. Ein gut gewähltes, nahrungsreiches Gewässer mit Rückzugsmöglichkeiten ist nötig, damit die Vögel die anstrengende Prozedur, während der die Haut mit den verletzlichen Federanlagen besonders gut durchblutet und mit Nährstoffen versorgt werden muss, unbeschadet überstehen.
Gesteuert wird der Mauserprozess nach einem angeborenen Zeitplan durch das Hormon Thyroxin. Jede Vogelart verfügt vorwiegend unterm Diktat klimatischer und biologischer Zyklen über eine auf ihre Bedürfnisse und Lebensweise abgestimmte Mauserstrategie. Stockenten mausern außerhalb der Balz- und Brutzeit bzw. noch vor dem Winter, der mit häufigen Ortswechseln verbunden sein kann, je nachdem wie stark die Gewässer zufrieren. Die Mauser ist für alle Vögel unvermeidlich, weil sich ihr Gefieder abnutzt. Exakt an derselben Stelle, wo die alte Feder saß, entsteht eine neue in der gleichen Form, Farbe und Musterung. Aber nicht nur der Flugapparat wird erneuert, sondern auch die Farben und Muster des Gefieders.
Die Feder - Spitzenprodukt der Evolution
Mausernde Storckentenerpel / Foto: Scharon
Federn bestehen aus Keratin, einem komplizierten Eiweißstoff, aus dem auch unsere Haare und Nägel, die Hufe der Pferde und Rinder sowie die Schuppen der Kriechtiere bestehen. Aus den Schuppen, die die Haut der Saurier bedeckte, entstanden in einem langen Prozess aus Gründen der besseren Thermoregulation Federn. Die ersten federtragenden Saurier konnten noch nicht fliegen dazu bedurfte es weiterer anatomischer Veränderungen, insbesondere der Knochenstruktur.
Das Gefieder, das aus bis zu 25.000 Einzelfedern bestehen kann (gezählt bei einem Singschwan, der in nördlichen Gefilden brütet und daher ein besonders gut isolierendes Federkleid trägt) entwächst speziellen papillenförmigen Hautaufwölbungen in der Vogelhaut. Hülsenartige, stark durchblutete "Blutkiele" öffnen sich an der Spitze, und langsam schieben sich die Federspitzen heraus, die sich immer weiter entfalten. Ist das Wachstum abgeschlossen, ziehen sich die Blutgefäße aus dem Kiel zurück, die fertige Feder haftet als "totes" Gebilde fest in der Haut.
Mauserndes Stockentenweibchen, den Flügelspiegel präsentierend / Foto: G. Meyer
Die Federfahnen bestehen aus Strahlen, an denen fein verzahnte Häkchen so ineinander greifen, dass hohe Festigkeit und Luftdichte entsteht. Rissstellen lassen sich mühelos reparieren ein paar ordnende Bewegungen des Schnabels oder kräftiges Schütteln genügen, die Lücken wie bei einem Reiß- oder Klettverschluss wieder zu schließen.
Groß- und Kleingefieder je nachdem wo Federn wachsen, erfüllen sie unterschiedliche Funktionen: neben der Ermöglichung des Fluges dienen sie der Wärmeisolation sowie dem Schutz vor Nässe. Wasservögel verfügen zusätzlich über einen perfekten Nässeschutz. Eine fein verteilte Schicht aus einem öligen Sekret, welches die Tiere mit dem Schnabel ihrer Bürzeldrüse entnehmen und beim Putzen im Gefieder verteilen, macht es wasserabweisend und damit schwimmfähig. In glitzernden Tropfen perlt das Wasser einfach ab.
Bereits ab Mitte September erfolgt noch eine Teilmauser, wobei die Männchen nur noch das Kleingefieder ins Prachtkleid mausern, darauf wieder ganz die Alten sind und nicht nur die Weibchen, sondern auch uns mit dem kontrastreichen Farbenspiel ihres Gefieders erfreuen eine Zierde jeden Teiches oder Flusslaufs und oft schon so selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr hinschauen, oder?

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