Upcycling
Die Reinkarnation des Mülls
Upcyling auch im NABU-Naturgarten - Foto: NABU/Sebastian Hennings
Berlin ist ein wahres Mekka für Upcycling-Konzepte unterschiedlichster Art. Projekte mit sozialem Anspruch und aufstrebende Start-Ups vereinen den Gedanken, Weggeworfenes kreativ umzugestalten und daraus nachhaltig etwas Neues zu schaffen: „Reduce, Reuse, Recycle“ ist das Motto.
Was heißt Upcycling genau und wodurch unterscheidet es sich vom normalen Recycling?
Recycling bedeutet, Wertstoffe unter Aufwand von Energie und Rohstoffen in den Produktionsprozess zurückzuführen. Dabei wird zum Beispiel Altpapier geschreddert, chemisch gereinigt und gebleicht, um danach gesiebt, gepresst und zugeschnitten zu werden. Papier und Plastik verliert stufenweise an Qualität, bis die Rohstoffe nicht mehr verwendbar sind. Aufgrund dieses Qualitätsverlustes ist Recycling auch gleichzeitig Downcycling. Anders als beim Upcycling: Denn dabei erlebt das Ausgangsmaterial eine Aufwertung, indem aus Müll möglichst unter Verwendung von wenig Energie ein völlig neuer Gebrauchsgegenstand wird. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Mit ein wenig Basteln und Fantasie entstehen zu Hause wundervolle neue Objekte. Ein Fahrradschlauch avanciert zum Stifte-Mäppchen, eine alte Jeans wird zum Einkaufsbeutel. Es müssen nicht immer gekaufte Produkte sein - mit einer guten Idee lassen sich selbst schöne Geschenke herstellen.
Sind denn alle Upcycling-Produkte wirklich nachhaltig?
Turnschuhe aus dem Plastikmüll der Meere - gute Idee, aber wirklich nachhaltig? - Foto: NABU/Melanie Konrad
Nicht jede Upcycling-Idee ist automatisch umweltfreundlich. Es kommt auf den Einzelfall an. Beim Beispiel Plastikflasche stellt sich die Frage: Handelt es sich um eine Pfandflasche oder landet die Flasche im gelben Sack? Aus Pfandflaschen werden Verpackungen für Lebensmittel und es ist umweltfreundlicher, diese in den Recyclingprozess zurückzuführen. Anders verhält es sich mit den Einwegflaschen: Diese werden zu minderwertigen Plastikprodukten und sie erleben eine stoffliche Abwertung. Dabei ließe sich daraus gut etwas Neues kreieren. Einige Hersteller verarbeiten zum Beispiel nicht mehr recyclebares PET zu Kleidungsfasern - von der Plastikflasche zum Fleece-Pullover. Wird allerdings das Plastik nach Asien transportiert, dort verarbeitet und dann wieder nach Europa zurück verfrachtet, hat das nicht den gewünschten Effekt auf die Gesamtökobilanz, so Professor Sebastian Feucht von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in einem Interview mit Utopia.
Auch bei den großen Marken ist der Trend angekommen. Adidas wirbt damit, Müll aus Meeren zu fischen und stellt daraus Turnschuhe und Trikots her. H&M kauft gebrauchte Kleidung auf und verarbeitet diese zu neuer Kleidung weiter. Das ist an sich eine gute Entwicklung, doch bleibt der große Rest des Sortiments der Hersteller vom Nachhaltigkeitsgedanken unberührt. Es wird also nicht weniger Kleidung auf konventionelle Weise hergestellt, sondern nur einige wenige Upcycling-Produkte in die Palette aufgenommen. Das erinnert an eine PR-Strategie, die auf Greenwashing abzielt.
Auch die Konsument*innen können sich bei jedem Kauf fragen: Brauche ich dieses Produkt wirklich oder greife ich zu, weil ich denke ich tue damit etwas Gutes? Wie sieht mein Einkaufsverhalten generell aus? Kaufe ich mit dem einen Upcycling-Produkt mein Gewissen frei, trinke aber im nächsten Atemzug mein Coffee-To-Go aus dem Pappbecher? Mit jedem gekauften Produkt wird der Konsum von Waren angeregt. Upcycling ist dennoch ein guter Ersatz für entsprechende Neuware, wenn es sich um einen bewussten Kauf handelt.
Produkte länger verwenden und reparieren
Gerade Kleidung ist das Upcycling-Beispiel mit viel Potential. Laut Greenpeace kauft jede*r Deutsche im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr, diese haben nur eine kurze Tragedauer. Die Mode ist geprägt von Fast-Fashion. Große Modehersteller präsentieren bis zu 24 Kollektionen pro Jahr. Die Kleiderschränke hängen voll. Hier kann jede*r eingreifen und nicht mehr getragene Kleidung in den Second-Hand-Shop geben oder auf der nächsten Kleiderparty eintauschen. Neu kombiniert lassen sich alte Stücke länger tragen. Bleibt Kleidung länger im Kreislauf, werden Ressourcen eingespart und weniger Neuware produziert. Anstatt im Müll zu landen, kann Kleidung diesen Weg gehen: Stücke tragen - dann Second-Hand, reparieren oder upcyclen.
Nicht nur bei Kleidung ist es nachhaltiger, wenn Produkte länger gebraucht werden. Das gilt auch für alle anderen Gebrauchsgegenstände wie elektronische Geräte. Gehen die Geräte kaputt, ist es besser sie zu reparieren als wegzuschmeißen. Eine gute Anlaufstelle dafür sind Repaircafés. Hier helfen Ehrenamtliche Kaputtes wieder auf Vordermann zu bringen. In jedem Stadtteil sind Repaircafés ansässig. Im „Upcycling Future Lab Berlin Pankow“ laufen Klimaschutzthemen und interkultureller Austausch zusammen. In Kombination mit moderner Technik wie dem 3D-Druck wird hier das Reparieren vom alten Wasserkocher zum kreativen Schaffungsprozess.
Text: Dorothee Lange, Stand: 06.05.2026
