Berlin.NABU.de NABU aktiv Fachgruppen Entomologie
FG Entomologie (Insektenkunde)
Die Fachgruppe Entomologie (Insektenkunde)
Die Fachgruppe Entomologie stellt sich vor
Leitung: Thomas Ziska
Die Fachgruppe Entomologie Berlin wurde am 17. Februar 1957 gegründet. Sie ist Mitglied im NABU seit Januar 1991 und hat zur Zeit 33 Mitglieder, die sich überwiegend mit Schmetterlingen und Käfern, aber auch mit Bienen, Wespen, Wanzen sowie Heuschrecken beschäftigen. Die Mitglieder der Fachgruppe treffen sich zweimal im Monat (s.u.). Die Treffen beinhalten neben allgemeinen Informationen zum Fachgruppenleben einen Vortrag zu verschiedenen Themen, wie Biologie, Lebensweise und Faunistik bestimmter Insektengruppen, Präparations- und Sammeltechniken, Fragen des Natur- und Artenschutzes oder Reiseberichte. Für geselliges Beisammensein und Erfahrungsaustausch bieten die Treffen ausreichend Gelegenheit. Weitere Schwerpunkte der Fachgruppen-Arbeit sind der jährlich stattfindende Märkische Entomologentag, die Tagesexkursion am 1. Mai und die mehrtägige Sommerexkursion. Die entomologischen Ergebnisse werden regelmäßig in Fachzeitschriften veröffentlicht.
Aktuelle Arbeitsschwerpunkte:
- Erhaltung des Heldbock-Bestands im Schloßpark Niederschönhausen
- Erfassung der Entomofauna auf der Bahnbrache Biesenhorster Sand in den Berliner Stadtteilen Karlshorst und Biesdorf.
Ort & Zeit:
Gemeinsamer Treffpunkt mit der Entomologischen Gesellschaft ORION ist der 2. Dienstag im Monat um 19.00 Uhr im Naturkundemuseum, Invalidenstr. 43 Hörsaal 201 (linker Seiteneingang, Hörsaal 201 ist ausgeschildert). Das Museum ist mit verschiedenen Linien der S-, U- und Straßenbahn sowie Bus erreichbar, z. B. über die Station Zinnowitzer Str.
Der Treffpunkt der Fachgruppe in Lichtenberg am 3. Dienstag im Monat um 19.00 Uhr ist der Klubraum 2 der Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz 5 (Tel.: (030) 9720525 / (030) 9726070), zu erreichen mit den Straßenbahnlinien M13, 16 (Station Weißenseer Weg/Landsberger Allee) und M8 über Karl-Lade-Straße (Station Anton-Saefkow-Platz).
Gäste sind herzlich willkommen, für Bewirtung mit Imbiss und Getränken ist in der Sporthalle am Anton-Saefkow-Platz gesorgt.
Weitere Informationen zur FG Entomologie Berlin können bei Thomas Ziska, Tel. (030) 655 38 93 (priv.)/e-mail: ziska@entomologie-berlin.de
oder Uwe Heinig, Tel. (030) 640 93 375 (priv.)/e-mail:uweheinig@t-online.de erfragt werden.
Die FG ist im Internet präsent unter:
www.entomologie-berlin.de
Pflegeeinsätze zeigen Erfolge
Die Heuschrecken auf dem Biesenhorster Sand

Seit Jahren führen Ehrenamtliche des NABU Berlin Pflegearbeiten zur Offenhaltung der Sandtrockenrasenflächen des Biesenhorster Sandes durch. Bei einer Führung durch diesen Lebensraum, die dem Bestand der Heuschrecken gewidmet war, konnten die Erfolge dieser Bemühungen begutachtet werden. Insgesamt lassen sich von den 40 Heuschreckenarten in Berlin 22 auf dem Biesenhorster Sand beobachten oder besser noch hören.
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Treffen der Heuschreckenfreunde
27.-29. August / Exkursionen geplant / weitere Kartierer gesucht

Das jährliche Treffen des Arbeitskreises Heuschrecken Berlin-Brandenburg findet vom 27. bis 29. August 2010 in Himmelpfort statt.
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Kommen Käfer geflogen
Wird ein asiatischer Marienkäfer zur Gefahr für die europäischen Marienkäferarten?
Harmonia axyridis in Orange
Ein Käfer mit Migrationshintergrund erfreut sich derzeit eines gesteigerten Medieninteresses in unserer Stadt. Wissenschaftlich Harmonia axyridis geheißen, handelt es sich um eine ursprünglich aus China stammende, aber von der subtropischen bis zur subarktischen Zone in ganz Asien verbreitete Marienkäferart, die seinerzeit von Gärtnern in den Benelux-Ländern und Frankreich als Blattlausvertilger eingeführt wurde. Er entkam aus den Gewächshäusern und verbreitet sich seitdem zügig über Mitteleuropa.
In Deutschland wurde er erstmals 1999 im Rhein-Main-Gebiet auffällig. 2002 gab es bereits Nachweise aus dem Großraum von Hamburg und Hannover. Inzwischen scheint er in Südwest- und Nordwestdeutschland gut etabliert und zeigt sich oft massenhaft an den letzten warmen Herbsttagen. Aktuell ist die Eroberung der Berliner Region im Gange.
Die Konkurrenzstärke des asiatischen Marienkäfers die zur Gefahr für die einheimischen Marienkäferarten werden könnte resultiert vor allem aus seiner Fortpflanzungsfreudigkeit. Drei Monate hindurch vermag das Weibchen täglich bis zu zwei Dutzend Eier zu legen. Dazu kommt der immense Hunger der Larven, die alles Insektenartige vertilgen, das sie erwischen können wenn's nur weich ist. Die Käfer fressen mehrere hundert Blattläuse täglich.
Einige Entomologen befürchten schon, die Neulinge könnten mittelfristig unsere einheimischen Marienkäfer verdrängen. Barbara Jäckel vom Berliner Pflanzenschutzamt weist darauf hin, dass in Berlin kaum mehr Siebenpunkt- oder Zweipunkt-Marienkäfer (das sind unsere häufigsten Arten) in die aufgestellten Fallen gehen, sondern fast nur noch Vertreter von Harmonia axyridis.
Harmonia axyridis rötlich
Die Lebensweisen von einheimischen Marienkäfern und dem Zugereisten ähneln sich sehr. Harmonia axyridis scheint ein besonderes Faible für urbane Regionen zu haben, wo er sich wie in Felslandschaften bei kühler Witterung massenhaft an sonnenwarmen Wänden sammelt und zu Winterbeginn auf der Suche nach geschützten Ritzen und Spalten manchmal auch zu hunderten in Wohnungen und Büros einzieht. Die heimischen Marienkäferarten dagegen überwintern vorwiegend unter Baumrinde, Laub und anderer bodennaher Vegetation. Christoph Bayer vom Berliner Ökowerk sieht denn auch die Möglichkeit, dass sich hiesige Arten mit dem Zugewanderten die Lebensräume teilen. Er rät zur Gelassenheit im Umgang mit dem Neubürger, noch sei ein Verdrängungswettbewerb nicht nachweisbar.
Auch wenn die künftige Entwicklung nicht prognostiziert werden kann gegen die weitere Ausbreitung von Harmonia axyridis scheint kein Kraut gewachsen. "Die Art wird in wenigen Jahren weite Bereiche von Mitteleuropa besiedelt haben", erklärte Horst Bathon von der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Darmstadt gegenüber dpa.
Mehrere Studien aus den USA, wo Harmonia axyridis ebenfalls als biologischer Blattlausbekämpfer eingesetzt wurde, zeigen, dass es zu erheblichen Beeinträchtigungen der einheimischen Marienkäferpopulationen kommen kann und der Käfer sehr wohl das Potenzial hat, diese zu verdrängen. In einigen Bundesstaaten, heißt es, habe seine Vermehrung landplagenartige Dimensionen erreicht und in manchen Weinbaugebieten habe er dadurch, dass er mit den Trauben zusammen geerntet und gekeltert wurde die Qualität des Weins verdorben.
Steckbrief
Harmonia axyridis ist für den Laien von einigen der ca. 80 einheimischen Marienkäferarten oft nur schwer zu unterscheiden. Anders als unsere bekannten Marienkäfer zeigt er kein festes Erscheinungsbild, sondern changiert in Farbe sowie Anzahl und Form der Punkte bzw. Flecken auf seinen Flügeldecken erheblich. Bestimmte Varianten des asiatischen Käfers ähneln unseren häufigsten Marienkäferarten, dem Zwei- und dem Siebenpunkt. Andere wiederum können leicht mit dem Zehnpunkt- oder dem Vierpunkt-Marienkäfer verwechselt werden, die ebenfalls bei uns vorkommen. Entomologen weisen als gutes Unterscheidungsmerkmal auf einen M-förmigen Fleck auf dem Halsschild der asiatischen Art hin, der den heimischen Marienkäfern fehle.
Verborgene Gartenbewohner
Der Nashornkäfer
Nashornkäfer-Larven
Viele GartenbesitzerInnen sammeln und kompostieren Gartenabfälle, um gute Komposterde zu gewinnen. Dies setzt eine Betreuung des Komposthaufens voraus, muss dieser doch zur Förderung einer besseren Zersetzung des organischen Materials durch Mikroorganismen, Regenwürmer, Asseln und andere Kleintiere gelegentlich umgestapelt werden. Beim Umsetzen eines Komposthaufens ist man jedoch u. U. vor Überraschungen nicht gefeit: So kann man z. B. die pergamentartig weißen Eier der Ringelnatter finden, denn die beim Zersetzungsprozess entstehende Wärme eignet sich hervorragend für die Entwicklung der Jungschlangen. Nicht selten auch stößt man im Kompost auf auffällig große "Engerlinge", wobei es sich um die Larven eines unserer größten und imposantesten heimischen Käfer handelt: die des Nashornkäfers. Wie die Ringelnatter ist auch er besonders geschützt!
Der Nashornkäfer (Oryctes nasicornis)
Nashornkäfermännchen vergrößern
ist der einzige einheimische Vertreter der in den Tropen verbreiteten Unterfamilie Riesenkäfer, zu der auch einige der größten Käfer überhaupt gehören (z. B. die Herkuleskäfer mit über 15 cm Länge). Die bei uns lebenden Nashornkäfer erreichen dagegen "nur" eine Körperlänge von etwas mehr als 4 cm. Die Männchen tragen auf dem Kopfschild ein mehr oder weniger großes, nach hinten gebogenes Horn, das der Art auch den Namen gegeben hat.
Nashornkäferweibchen vergrößern
Die Weibchen haben an Stelle des Horns nur einen mehr oder weniger ausgeprägten Höcker.
Die Nashornkäfer waren ursprünglich Waldbewohner, deren Larven sich in faulendem Holz entwickelten. Später besiedelten sie u. a. auch die Eichenrindenabfälle in Gerbereien. Als die Gerberei auf natürliche Gerbstoffe verzichtete und mit Chemikalien arbeitete, fanden die Larven in Mist- und Komposthaufen mit verrottenden Pflanzenabfällen oder in faulenden Holzspäneablagerungen leicht zugänglichen Ersatz. So wurden die mitteleuropäischen Nashornkäfer durch ihre ökologische Anpassungsfähigkeit zu Kulturfolgern, weil sie die neuen günstigen Entwicklungsmöglichkeiten in der Nähe menschlicher Siedlungen nutzen konnten.
Die Käfer erscheinen bei uns mit Beginn der warmen Jahreszeit (Juni/Juli). Sie sind vor allem nachts aktiv und schwärmen nach Einbruch der Dunkelheit mit tiefem Brummton, welcher lauter ist als jener der Maikäfer. Nicht selten kommt es dabei auch zum Anflug künstlicher Lichtquellen. Dieser Schwärmflug dient wohl vor allem der Ausbreitung und dem Aufsuchen neuer Brutstätten.
Nashornkäferentwicklung aus E. Reitters Fauna germanica
Hier halten sich die Käfer auch gern am Tage versteckt. Nach der Kopula legen die Weibchen in geeigneten Substraten etwa 30 bis 40 rundliche Eier ab (Durchmesser etwa 3,5 mm). Die schlüpfenden engerlingsähnlichen Larven sind 8 bis 9 mm lang. Nach zwei weiteren Häutungen und Erreichen der Verpuppungsreife erreichen sie die stattliche Länge von etwa 10 cm.
Zur Verpuppung gehen die Larven in die Tiefe des Substrats und bauen sich aus dem umgebenden Material einen innen geglätteten eiförmigen Kokon, der mit larvalem Sekret zusätzlich stabilisiert wird. Die weitere Entwicklung über Vorpuppe und Puppe zum fertigen Käfer dauert etwa zwei bis drei Monate. In welchem Stadium die Tiere überwintern, ist nicht eindeutig geklärt.
Verrottendes Laubholz als Brutstätte von Nashornkäfer und Balkenschröter
Die Larvalentwicklung ist stark temperaturabhängig und kann von einem Jahr (im Labor bei 25°C) bis zu fünf Jahren (Freiland) dauern. Da durch die biologischen Abbauprozesse in den pflanzlichen Brutsubstraten höhere Temperaturen entstehen können, bieten diese auch in der kühleren Jahreszeit noch Wachstumschancen, die die Entwicklungszeit verkürzen und eine raschere Generationsfolge ermöglichen.
Dieser Entwicklungsvorteil hat sicher mit zur im vergangenen Jahrhundert beobachteten Arealerweiterung nach Nordeuropa beigetragen.
Über die Ernährung der Käfer ist kaum etwas bekannt. Wahrscheinlich findet nach dem Schlüpfen keine Nahrungsaufnahme mehr statt, und die notwendige Energie für Ausbreitungsflüge und Fortpflanzung kann aus den vorhandenen Reservestoffen gewonnen werden. Die Käfer leben etwa zwei (Freiland) bis fünf Monate (Labor).
Zum Glück für die Käfer und ihre Larven sind diese imposanten Insekten bei uns keine "Schädlinge". In der Bundesrepublik gehören die Nashornkäfer zu den gesetzlich geschützten Tierarten, aber durch ihre siedlungsnahe Lebensweise und Entwicklung lassen sich unbeabsichtigte Störungen nicht absolut vermeiden. Wenn man Larven oder Käfern im Garten beim Umsetzen des Komposthaufens, im Faulholz oder in anderem verrottenden Pflanzenmaterial begegnet, sollte man die Störung minimieren und ihnen eine weitere Entwicklung ermöglichen. In diesen Fällen ist es vor allem für die Larven wichtig, einen ausreichenden Rest Brutsubstrat zu behalten. Die engerlingsähnlichen Larven in Kompost u. ä. Material verdienen unseren Schutz, denn es sind keine Maikäferlarven, die den Pflanzen im Garten schaden könnten.

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