Artenschutz rund um Hummeln, Bienen, Wespen und Hornissen
Die Fachgruppe Hymenopterenschutz (Hautflügler)

Inhaltsübersicht:
- Was sind "Hymenopteren"?
- Wissenswertes rund um Hummeln, Bienen, Wespen und Hornissen
- Häufige Konflikte und Lösungen
- Wer berät zu Problemen mit Hautflüglern und wann sollte man sich beraten lassen?
- Was wir tun: Ziele und Angebote der FG Hymenopterenschutz
- Projekte der FG Hymenopterenschutz
- Wie du mitmachen kannst
- Ansprechperson
- Lesetipps
Was sind "Hymenopteren"?
Die Gruppe der Hautflügler oder Hymenoptera beschreibt eine sehr große Gruppe von Insekten, die eine Reihe von Kennzeichen teilen. Zwei häutige Flügelpaare und eine Eilegeröhre der Weibchen sind einige typische Merkmale.
Die wohl landläufig bekanntesten Hautflügler sind die Ameisen (von denen nur noch die Königinnen und Männchen für kurze Zeit Flügel besitzen), die Bienen (zu denen auch die Hummeln zählen) und die Wespen (von denen die bis vier Zentimeter lange Hornisse eine der größten Arten ist).
Bei vielen dieser Artengruppen ist die Eilegeröhre zu einem Stachel umgewandelt. Zudem bilden einige Arten Sozialstaaten, deren Nester sie vehement gegen Angreifer verteidigen, was ihnen beim Menschen einen eher schlechten Ruf eingebracht hat. Dabei erfüllen diese Arten wichtige und leider oft übersehene Aufgaben in der Natur - sei es in der Bestäubung oder in der natürlichen "Schädlingsbekämpfung".
Wissenswertes rund um Hummeln, Bienen, Wespen und Hornissen
Einzelkämpfer - solitäre Bienen und Wespen
Die meisten Bienen- und Wespenarten (einige hundert Arten) bilden keine Völker, doch diese Einzelkämpfer fallen selten auf und werden daher meist nicht als Problem betrachtet. Sie nisten häufig in selbstgegrabenen Löchern in der Erde oder in bereits existierenden Bohr- und Fraßgängen in Gebäudemauern, Holzstämmen oder in Pflanzenstengeln. Gut besonnte, günstige Stellen führen manchmal zur regelrechten Koloniebildung, sodass man denkt, man habe hier ein Wespennest. Wer hier aber genau hinschaut kann erkennen, dass jedes Insekt ein eigenes Loch anfliegt. Dort trägt es Pollen (im Falle solitärer Bienen) oder gelähmte Insekten oder Spinnen (im Falle solitärer Wespen) ein. Nach der Verproviantierung und Eiablage werden die Löcher mit Lehm oder Harz verschlossen und das Insekt überlässt die Brut ihrem Schicksal. Meist schlüpfen die Söhne und Töchter erst im nächsten Jahr und verpaaren sich unmittelbar nach dem Schlupf. Während die Männchen danach absterben, beginnen die Weibchen mit der Verproviantierung ihrer eigenen Niströhre.
Die Weibchen dieser Arten haben einen Stachel, der aber in der Regel zu schwach ist um durch die menschliche Haut zu dringen. Zudem verteidigen die Tiere ihre Nester nicht; sie geben eher den Nistplatz auf und versuchen es an anderer Stelle erneut.

Gemeinsam statt einsam - soziale Bienen und Wespen
Die meisten Konflikte im dichtbesiedelten Berlin gibt es mit den sozialen Hautflüglern, also den staatenbildenden Wespen und Bienen. Bis auf die Honigbiene bilden die Hummeln und die sozialen Wespenarten sogenannte Sommerstaaten. Die Völker existieren also nur für wenige Monate zwischen Juni und Oktober und sterben danach restlos ab.
Ihr Zyklus beginnt mit dem Erwachen der überwinternden Königinnen im Frühjahr. Die zwischen März und Mai erscheinenden Königinnen machen sich dann auf Nistplatzsuche. Hummeln suchen in der Regel bodennah und besiedeln leere Mäusenester oder andere weich gepolsterte Hohlräume, zum Beispiel in Komposthaufen oder Hausisolierungen. Nur eine Art besiedelt auch Vogelnester oder andere luftige Standorte.
Wespen (zu denen auch die Hornisse gehört) suchen nach trockenen, warmen Hohlräumen - Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Rollladenkästen, Dachböden, Verschalungen und Schuppen sind typische Nistorte.
Während die Hummelkönigin ihre erste Wabe aus Wachs baut, bauen die Wespenköniginnen aus zerbissenem, eingespeicheltem Holz. Die Wespenwaben hängen als Platten mit den Zellöffnungen nach unten übereinander und werden durch eine Hülle geschützt. Die Hummelwaben bestehen dagegen aus senkrecht stehenden Töpfchen und werden durch die am Nistort vorgefundenen Isoliermaterialien (Federn, Wolle, Pflanzenfasern, Tierhaare, Gras) geschützt.
Wespennester erreichen beeindruckende Größen - Hornissennester können rund 60 bis 80 cm lang werden, doch die wahren Rekordhalter sind die Deutsche und Gemeine Wespe, deren Nester in Einzelfällen über einen Meter Länge erreichen.
Wespen- wie Hummelköniginnen beginnen zunächst mit der Anzucht von Arbeiterinnen, die dann die weiteren Arbeiten übernehmen. Die aus den Eiern der Königin schlüpfenden Larven werden mit Proteinen gefüttert - im Falle von Wespen mit erbeuteten Insekten, während Hummellarven Pollen erhalten. Je nach Art wächst so ein Volk von einigen Hundert (Hummeln) bis zu rund 10.000 Tieren (Gemeine und Deutsche Wespe) heran. Hornissenvölker erreichen meist nur wenige Hundert Tiere. Im Sommer werden dann Königinnen und Männchen herangezogen. Die Königinnen werden kräftig gefüttert, sodass sie nach dem Hochzeitsflug gleich an einem witterungsgeschützten Ort in Winterruhe gehen können. Die Männchen wie auch die alte Königin und alle Arbeiterinnen sterben allmählich mit der herbstlichen Witterung ab. Üblicherweise sind die Nester dann - je nach Art und Witterung - Anfang November ausgestorben. Sie werden im nächsten Jahr nicht wiederbesiedelt.
Übrigens sind auch nur die Deutsche und die Gemeine Wespe ungebetene Tischgäste - alle anderen Wespenarten finden sich allenfalls am Fallobst, nicht aber zu Tische ein. Leider sind die Wespenarten nur schwer zu unterscheiden - nur die 3,5 bis 4 Zentimeter lange Hornisse mit ihren rötlichen Beinansätzen ist für den Laien schnell und sicher zu identifizieren. Wer ein Wespennest entdeckt, kann daran aber recht schnell erkennen, ob er sich um den Tischfrieden Sorgen machen muss: Graue, glatte Nester in konischer Form, mit einem oder zwei Eingängen an der Spitze und freihängend im Gebüsch oder an der Schuppendecke befestigt, sind meist Nester der unproblematischen Langkopfwespenarten. Die Nester der Deutschen und der Gemeinen Wespe werden dahingegen meist in kleinen, versteckten Hohlräumen gegründet und bilden assymetrische Nester gelbbrauner Färbung, die manchmal erst im Spätsommer aus Platznot nach außen erweitert werden. Bevor man also selber Stiche riskiert oder Geld für den Kammerjäger ausgibt, sollte man sich beraten lassen ob hier überhaupt Maßnahmen erforderlich sind - manche Langkopfwespenarten beenden ihren Zyklus schon sehr früh (Mitte Juli bis Anfang August) und dann kann man sich wilden Aktionismus sparen.
Alle solitären Bienenarten, alle Hummelarten und die Hornisse sind besonders geschützt nach § 44 BNatSchG - weder Privatpersonen noch Schädlingsbekämpfer*innen dürfen diese Arten ohne Ausnahmegenehmigung der Oberen Naturschutzbehörde (in Berlin: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abt. Artenschutz) fangen oder bekämpfen!
Häufige Konflikte und Lösungen
Wer berät zu Problemen mit Hautflüglern, und wann sollte man sich beraten lassen?
- du ein Hornissennest im Rollladenkasten entdeckst
- du Zweifel hast, ob ein Nest vernichtet werden muss oder darf
- du dir nicht sicher bist, welche Art vorliegt
- du die Bekämpfung besonders geschützter Arten beobachtest und Zweifel an der Zulässigkeit hast
- du Baumaßnahmen im Nestbereich planst oder durchführst
Bitte beachte, dass es in den meisten Beratungsfällen erforderlich ist, dass du...
- genau weißt, wo das betreffende Nest ist
- genaue Beschreibungen abgeben kannst (Aussehen des Nestes und/ oder der Tiere, Verhalten, usw.)
- tatsächlich ein Nest in der Umgebung hast (eine einzelne bauende Hornissenkönigin ist noch lange kein Nest - nur eine von zehn Hornissenköniginnen überstehen die schwierige Phase der Nestgründung)
- der Möglichkeit zum Zusammenleben mit den Tieren grundsätzlich eine Chance einräumst - nur mit Kompromissbereitschaft ist die Beratung möglich und sinnvoll
- dich, sofern du die Möglichkeit hast, zuvor selbst um Informationen bemühst (zum Beispiel im Internet). Die meisten Fragen können dort bereits umfassend geklärt werden.
Was wir tun: Ziele und Angebote der FG Hymenopterenschutz
Die Fachgruppe Hymenopterenschutz möchte den Arten- und Naturschutz Berliner Hautflügler thematisieren und unterstützen. Dazu leisten wir...
- Beratung und Hilfe: Wir beraten und helfen bei schweren Konfliktfällen - bis hin zur Umsiedlung von Hornissen- und Hummelnestern.
- Öffentlichkeitsarbeit: Wir stehen für Presseanfragen aller Art zur Verfügung und versuchen, das sommerliche Lieblingsthema "Wespen" aus einem anderen Blickwinkel in den Medien zu präsentieren.
- Kampagnen: Wir betreuen Informationsstände auf Umweltmärkten, ökologisch geprägten Sommerfesten oder Messen und bieten multimediale Vorträge rund um das Thema für Interessierte aller Altersstufen an.
- Umweltbildungs- und Fortbildungsveranstaltungen: Für Behörden, Gewerbe, Vereine und Privatpersonen bieten wir maßgeschneiderte Veranstaltungen zu verschiedenen Schwerpunkten an - vom allgemeinen Artenschutz über Biologie bis zur*m zertifizierten Umsiedler*in.
- Projekte: Wir initiieren und unterstützen Projekte, die dem Artenschutz (direkt oder indirekt) von Hummeln, Wespen und anderen Arten dienen - ob Nistkästen im Tegler Forst oder Hornissenschaunistkästen in Umweltbildungseinrichtungen.
Wir sind immer auf der Suche nach Mitstreiter*innen jeden Alters und bieten in allen Bereichen Möglichkeiten zum Mitmachen: Bastler*innen, Leute mit Spaß an der Beratung, Insektenfreund*innen, Computerspezis, und alle, die sich für dieses Thema begeistern können. Vor allem für den Bereich Beratung/ Umsiedlung wird dringend einsatzfreudige Mithilfe gesucht. Eine NABU-Mitgliedschaft ist für die Mitarbeit in der Fachgruppe übrigens nicht zwingend - aber empfehlenswert. Bitte kontaktiere uns!
Projekte der FG Hymenopterenschutz
Wie du mitmachen kannst
Treffen
Die Fachgruppe Hymenopterenschutz trifft sich in unregelmäßigen Abständen und immer bei Gelegenheiten. Öffentliche Treffen oder Veranstaltungen findest du in unserem Veranstaltungskalender.
Ansprechperson
Leitung: Dr. Melanie von Orlow
Tel: 0163 977 378 8
Lesetipps
Die kompakten Bestimmungshilfen von Rolf Witt aus dem Vademecum-Verlag:
Bestimmungshilfe Hummeln
Bestimmungshilfe Wildbienen
Das große Nachschlagwerk Wespen von Rolf Witt,
ISBN-10: 3894402431
Das Standardwerk über Hummeln, ihre Artbestimmung und Ansiedlung:
Von Hagen: Hummeln - Bestimmen, Ansiedeln, Vermehren, Schützen. Fauna-Verlag (320 Seiten, 150 Farbfotos und Zeichnungen, broschiert, 2003).
ISBN: 3-935980-28-0
Rund um Wespen und Hornissen, Hilfe zur Artbestimmung und Ansiedlung:
Rippberger / Hutter: Schützt die Hornissen. Weitbrecht-Verlag (1992).
ISBN: 3-522-30450-0 (Leider vergriffen!)

