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Vorlesen

Leise rieselt das Salz

Warum Schnee und Eis lieber anders bekämpft werden sollte

Eigentlich ist der Blick auf eine unberührte Schneedecke etwas Schönes. Zumindest so lange, bis es auf Straßen und Fußwegen zu Unfällen und Verletzten kommt. Hausbesitzer sollten als Streugut aber von Salz absehen, der Umwelt und dem Geldbeutel zuliebe.

Radweg mit Streusalzresten - Foto: Helge May

Radweg mit Streusalzresten - Foto: Helge May

Reihe in Reihe stehen die Eimer mit Streusalz direkt im Eingangsbereich, gefolgt von Salz in Säcken in Gebindegrößen, die man sonst eher Zement für den heimwerkerischen Hausgebrauch zuschreiben würde. Spricht man im Baumarkt den Verkäufer auf das Berliner Streuverbot für Privatgrundstücke an, erhält man zur Antwort, dass das Salz wohl eher im Umland – soll heißen: in Brandenburg – zum Einsatz käme. Dort gäbe es ja dieses Verbot nicht. Doch so ganz will man dem Verkäufer den Salz-Export aus den Berliner Baumärkten ins Brandenburgische nicht abnehmen. Tatsache ist: Man darf Salz in Berlin verkaufen, kaufen und besitzen – aber nicht ausstreuen!


Straßenbäume leiden

Straßenrand mit Streusalzresten - Foto: Helge May

Straßenrand mit Streusalzresten - Foto: Helge May

Und das hat auch gute Gründe: Straßenbäume leiden am meisten unter der Salzfracht. Sie sind ohnehin vielen Stressfaktoren ausgesetzt, wie Abgase, Bodenverdichtung, Straßenbaumaßnahmen und Hinterlassenschaften der Hunde. Dies lastet bereits alles auf dem relativ kleinen Wurzelraum der Bäume. Kommt dann noch Streusalz hinzu, welches mit Schmelzwasser in den Boden gelangt, verschiebt sich der pH-Wert in den sauren Bereich, mit dem die meisten Pflanzen nur schwer zurechtkommen.

Die ersten erkennbaren Schäden sieht man dann im nächsten Sommer als braune Verfärbung an den Blatträndern, den sogenannten Nekrosen. Die Blätter bleiben klein, dem Baum fehlt Assimilationsmasse, sein Wachstum und seine Widerstandskraft gegen Bakterien und Pilze wird geschwächt, er stirbt langsam vor sich hin. Mit dem Schmelzwasser gelangen die Salze aber auch in die Berliner Gewässer und in das Grundwasser, was wiederum ein Problem für die Trinkwasseraufbereitung ist.


Klare Regeln im Berliner Naturschutzgesetz

Aus diesen Gründen ist der Gebrauch von Salz auf den Gehwegen durch das Berliner Naturschutzgesetz verboten und kann schwer bestraft werden. Das Ordnungsamt kann Bußgelder von 10 bis 50.000 Euro verhängen, wenn Privatpersonen beim Einsatz von Salz erwischt werden.

Natürlich sollte der Straßenverkehr möglichst störungsfrei laufen und die Gefahren, die mit Eisglätte einhergehen, sind nicht zu unterschätzen. Doch hier ist die BSR gefragt, die alleine Streusalz einsetzen darf. Privatpersonen müssen deswegen nicht rutschen: der NABU Berlin erinnert daran, dass es genug salzfreie Alternativen auf dem Markt gibt, wie beispielsweise Streumittel mit Split, Sand oder Granulat. Zur Orientierung im oben erwähnten heimischen Baumarkt: einfach nach Produkten mit dem Zertifikat des „Blauen Engel“ fragen. Auch möchten wir an dieser Stelle nochmals an die Berliner Baumärkte appellieren, potentielle Kunden vor der illegalen Verwendung von Streusalzen zu warnen und idealerweise keine Streusalze mehr zu verkaufen, sondern das Angebot der genannten Alternativen zu verstärken.


Zur aktuellen Lage

Häufig gestellte Fragen zum Streusalzverbot


Streusalz ist das einzige Mittel, das in der jetzigen Situation hilft.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) weist aktuell darauf hin, dass bei geschlossener Eisschicht Streuen allein – auch mit Salz – nicht hilft. Entscheidend ist das mechanische Aufbrechen des Eises und das Freiräumen eines begehbaren Streifens; erst danach wirken Splitt oder Sand. Salz ist dann nicht erforderlich.  

Die gefährliche Glätte auf Berliner Gehwegen und Plätzen ist daher nicht Folge des Streusalzverbots für Privatpersonen, sondern entstand vielerorts dort, wo überhaupt nicht oder nur unzureichend geräumt wurde.

Über das Salz regt ihr euch auf, aber seid damit einverstanden, dass hunderte Bäume für Windkraft gefällt werden.

Der NABU Berlin lehnt Windenergieanlagen im Wald strikt ab und hat diesen Standpunkt stets öffentlich vertreten. Auch im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zu den Windenergiegebieten in Berlin haben wir unsere Bedenken im Sommer 2025 in einer Stellungnahme formuliert. Wälder sind besonders schützenswerte Lebensräume und daher aus naturschutzfachlicher Sicht als Standorte für Windenergieanlagen ungeeignet. Unsere Position zur Windenergie finden Sie hier: https://berlin.nabu.de/stadt-und-natur/stadtentwicklung/33743.html 

Ihr stellt das Leben von Bäumen über das Leben von Menschen.

Der Mensch ist ein Teil der Natur. Der Schutz von Menschen und der Schutz der Natur sind kein Gegensatz. Gesunde Stadtbäume, Grünflächen und eine intakte Umwelt sind Teil unserer Lebensgrundlage: Bäume kühlen die Stadt in Hitzeperioden, verbessern die Luftqualität, speichern Wasser, mindern Lärm, Grünflächen bieten Räume für Erholung, Bewegung und Begegnung. Deshalb setzen wir uns für Lösungen ein, die den Schutz von Menschen und Umwelt gleichermaßen berücksichtigen – etwa durch den umweltverträglichen Einsatz von Splitt und Sand auf beräumten Gehwegen und Plätzen.

Das ist eine Ausnahmesituation. Für zwei Wochen Salz streuen ist okay und schadet den Bäumen nicht.

Auch in Ausnahmesituationen ist der Einsatz von Streusalz nicht folgenlos. Streusalz (Natriumchlorid) gelangt mit dem Schmelzwasser in den Boden, wird über die Wurzeln aufgenommen und verursacht sogenannten Salzstress. Die Folgen zeigen sich häufig zeitverzögert, etwa durch verspäteten Austrieb, sehr kleine und braune Blätter oder vorzeitigen Laubfall – besonders bei salzempfindlichen Arten wie Ahorn, Linde und Kastanie, die einen Großteil der Berliner Straßenbäume ausmachen. 

Zudem schädigt Streusalz die Böden, indem es ihre Struktur verändert, das Auswaschen von Nährstoffen begünstigt und die Wasserspeicherfähigkeit verringert. Bodenlebewesen werden beeinträchtigt, Pflanzen anfälliger für Krankheiten und die Entwicklung neuer Vegetation erschwert. Das Salz reichert sich in Böden und Stadtbäumen an und beeinträchtig so langfristig ihre Vitalität sowie die ökologische Funktionsfähigkeit der Stadtnatur. 


Quellen: Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/streumittel-umweltschonend-gegen-glaette-ohne-salz#wie-sie-klimafreundlich-gegen-gltte-auf-gehwegen-vorgehen 
Łuczak, K., Czerniawska-Kusza, I., Rosik-Dulewska, C., & Kusza, G. (2021). Effect of NaCl road salt on the ionic composition of soils and Aesculus hippocastanum foliage and leaf damage intensity. Scientific Reports, 11, 5309 

Was sollen denn alte Leute tun, die nicht mehr rausgehen können?

Die Sorge um ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen ist sehr gut nachvollziehbar – niemand soll wegen Glatteis stürzen oder seine Wohnung nicht mehr sicher verlassen können. 

Gleichzeitig ist wichtig klarzustellen: Die gefährliche Glätte in Berlin ist nicht durch das Streusalzverbot entstanden, sondern dort, wo Gehwege nicht ausreichend geräumt und Eisflächen nicht aufgebrochen wurden. 

Sicherheit entsteht durch einen verlässlichen Winterdienst: rechtzeitiges Räumen, Eisbrechen und anschließend der Einsatz von Splitt oder Sand, die das Ausrutschen verhindern. 

Für den Winterdienst auf Gehwegen gibt es klare Zuständigkeiten; Umweltverbände wie wir tragen dafür keine Verantwortung. Uns geht es darum, Lösungen zu fördern, die Menschen sicher durch den Winter bringen und gleichzeitig unsere Stadtbäume sowie die Böden und das Grundwasser schützen, von denen letztlich auch unsere Gesundheit abhängt. 

In anderen Städten wird auch gestreut und da geht es den Bäumen auch gut.

Auch in vielen anderen Bundesländern und Kommunen in Deutschland ist der Einsatz von Streusalz – insbesondere auf Gehwegen – seit Jahrzehnten stark eingeschränkt oder verboten, um die Umwelt, Böden und Stadtbäume zu schützen. Dort, wo Streusalz eingesetzt wird, sind Umweltbelastungen und Schäden gut dokumentiert. Das Umweltbundesamt fordert deshalb, Salz nur sehr begrenzt und gezielt einzusetzen und vorrangig mechanisch zu räumen sowie abstumpfende Mittel wie Sand oder Splitt zu verwenden. 

Am Meer und in Küstenregionen gibt es auch Bäume. Denen macht das Salz auch nichts aus.

Küstenwälder sind spezielle Biotope, die an salzhaltige Luft, sandige Böden und besondere Standortbedingungen angepasst sind. Diese natürlichen oder naturnahen Wälder unterscheiden sich grundlegend von Straßenbäumen im Binnenland. Unsere Stadtbäume wachsen auf verdichteten, oft ohnehin stark belasteten Böden und sind nicht an regelmäßige Salzeinträge angepasst. Streusalz wirkt dort hochkonzentriert im Boden und schädigt Wurzeln und Bodenleben – ein direkter Vergleich mit Küstenstandorten ist daher fachlich nicht zulässig.

Ihr seid dafür verantwortlich, dass die Glatteissituation in Berlin so schlimm ist.

Die Glätte in Berlin ist nicht durch das Streusalzverbot verursacht worden, sondern dort entstanden, wo Gehwege gar nicht oder nur unzureichend geräumt wurden. Für den Winterdienst auf Gehwegen sind in Berlin die Anlieger verantwortlich – nicht Umweltverbände. Salz ist zudem bei geschlossener Eisschicht allein nicht wirksam.

Splitt und ähnliche Streumittel verstopfen Gullys und Abflussrohre und sind schädlicher als Salz.

Die Fahrbahnen werden im Winterdienst in der Regel mit Auftaumitteln behandelt, während Sand und Splitt vor allem auf Gehwegen eingesetzt werden. Der dort ausgebrachte Sand und Splitt wird von der Berliner Stadtreinigung größtenteils entfernt, um einen Eintrag in die Kanalisation zu vermeiden. 

Maßnahmen aus dem Winterdienst haben keinen maßgeblichen Einfluss auf die Gullyreinigung. Straßenabläufe sind technisch dafür ausgelegt, Sedimente wie Sand aufzunehmen, und werden regelmäßig gereinigt.  

Bäume kann man nachpflanzen, Menschen nicht.

Menschenleben sind unersetzlich – da sind wir uns einig. Genau deshalb dürfen Sicherheit und Umweltschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden. Vitale Stadtbäume sind Teil unserer Lebensgrundlagen und wichtig für Gesundheit, Klima und Lebensqualität. Ohne sie würden zum Beispiel sommerliche Hitzewellen zu einer noch größeren Belastung, gerade für ältere Menschen. Deshalb ist es der einzig richtige Weg, Natur und Gesundheit zugleich zu schützen.

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