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Zur Entwicklung der Berliner Friedhöfe

Positionen der Naturschutzverbände

Die Berliner Friedhöfe, insbesondere auch die innerhalb dichtbebauter Innenstadtbezirke, zählen zu den bedeutendsten Grünanlagen Berlins. Neue Konzepte für die Ruheorte werden immer mehr diskutiert. Dazu beziehen die Berliner Naturschutzverbände nun Stellung.

Naturrefugien mitten in der Stadt - auf den Bergmannfriedhöfen - Foto: Janna Einöder

Naturrefugien mitten in der Stadt - auf den Bergmannfriedhöfen - Foto: Janna Einöder

Die Berliner Friedhöfe, insbesondere auch die innerhalb dichtbebauter Innenstadtbezirke, zählen zu den bedeutendsten Grünanlagen Berlins. Mehrere Untersuchungen, die in den vergangenen Jahren auf Friedhofsflächen durchgeführt wurden und dabei ganz unterschiedliche Artengruppen umfassten, belegen eindrucksvoll den ökologischen Wert von Friedhofsflächen. Neben der hohen Bedeutung für die Biodiversität Berlins haben Friedhöfe als innerstädtische Grünflächen auch eine unverzichtbare Funktion als Strukturen des Biotopverbundes.
Der hohe ökologische Wert resultiert vor allem aus dem Vorhandensein dreier entscheidender Faktoren:

1) Dem hohen Strukturreichtum und der kleinteiligen Diversität unterschiedlicher Biotope.
2) Der Störungsarmut.
3) Einer bisweilen extensiven Pflege von Friedhofsbereichen.


Angesichts der anhaltenden Diskussion um die Nach- und Umnutzung von Friedhofsflächen möchten wir uns dafür aussprechen, bei jeglichem Nutzungskonzept diese drei Faktoren zu erhalten oder zu verbessern.
Deshalb sollten die bisher geltenden Regelungen bzgl. Hunden, Fahrrädern, Ballspielen oder Grillen beibehalten werden.
Sämtliche Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen sind in den ökologisch wenig sensiblen Jahreszeiten durchzuführen (ab Herbst) und bei Neupflanzungen sind heimische und standorttypische Pflanzen zu bevorzugen.
Größere Baumaßnahmen wie das Errichten von Gebäuden (auch temporärer Natur) oder das Versiegeln von Bodenfläche lehnen wir ab.
Veranstaltungen, die nicht dem Friedhofszweck und dem Friedhofsort entsprechen, sollten weiterhin nicht zugelassen werden.
Wir möchten keinen Gegensatz von Natur- und Denkmalschutz konstruieren. Wir begrüßen die Sicherung und Sanierung von Baudenkmälern und kulturhistorisch wertvollen Grabstätten. Eventuell vorhandene Nistplätze oder Fledermausquartiere sind fachgerecht zu erfassen und es ist nach geltender Rechtslage für Ersatz zu sorgen.
Wir begrüßen ausdrücklich Pläne, die eine Förderung von Wildblumen, Insekten oder anderen Arten und Artengruppen beinhalten.
Angesichts des Eintrags der deutschen Friedhofskultur in die Liste des bundesweiten immateriellen Kulturerbes durch die deutsche UNESCO-Kommission, ist auch Berlin aufgefordert seine Friedhofsflächen dauerhaft als Grünanlagen zu sichern. Denn gerade in den dichtbebauten Bezirken der inneren Stadt sind diese aus klimatischen und ökologischen Gründen unverzichtbar. Berlin darf seine Wohnraumfrage nicht auf Kosten der letzten Grünstrukturen in innerstädtischen Wohngebieten lösen. Noch immer sind viele Flächen inmitten dichtbebauter Stadtteile nur durch einstöckige Einzelhandelsstandorte geprägt, häufig umrahmt von großen, versiegelten Parkplätzen, welche viel zu wenig genutzte Freiflächen darstellen. Hier ist eine sozial und ökologisch angemessenere Nutzung angebracht und es ist Aufgabe der Politik, diese notfalls auch gegen bestimmte Marktinteressen durchzusetzen. Friedhofsflächen sind zu wertvoll um Bauland zu werden, zumal sie neben ihrer ursprünglichen Bestimmung schon seit vielen Jahren auch weitere wichtige Aufgaben für die Stadt wahrnehmen, wie den klimatischen Ausgleich, die Versickerung von Niederschlägen und mit Naturerfahrung verbundene Erholungsnutzung. Diese ausgleichenden Funktionen werden insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung gerade in Zukunft dringender denn je benötigt.

23.06.2021

Für die AG Friedhöfe
Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz
Manfred Schubert
Geschäftsführer


ihre ansprechpartnerin

Janna Einöder - Foto: Ruth Lankeit
Janna Einöder
Pressereferentin und Referentin für Stadtgrün jeinoeder@nabu-berlin.de 0157 581 775 20

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