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Baumschutz trifft auf Ignoranz

Baumschutz trifft auf Ignoranz

Trotz Moratorium sollen 60 Bäume fallen

Ottopark

Anfang Oktober sind die ersten Bäume gefallen.

Und ein weiteres Mal trifft Bürgersinn und Baumschutz auf Ignoranz. Im Ottopark sollen trotz eines Moratoriums ab heute rund 60 der 110 Bäume fallen. Die Bürgerinitiative vor Ort protestiert lautstark und der NABU Berlin ist fassungslos ob der Argumentation seitens des Bezirksamtes und des zuständigen Baustadtrats Gothe vom Bezirk Berlin-Mitte.

Für den Ottopark ist eine Umgestaltung geplant, die ein „vorsichtiges Zurücknehmen des Baumbestands“ und eine „behutsame Umgestaltung des dichten Gehölzrandes“ vorsah. Doch was sich in der Planung nett anhörte, sieht in der Realität ganz anders aus, denn bei den anstehenden Fällungen von insgesamt rund 110 Bäumen kann man beim besten Willen nicht mehr von einem behutsamen Umgang sprechen. Dieser Meinung hatte sich nach Bürgerprotesten auch die Bezirksversammlung (BVV) angeschlossen und ein Moratorium auf die Maßnahmen gelegt, welches bis Dezember gelten sollte. Doch heute zeigte es sich, wie der Bezirk mit dem Bürgerwillen umgeht und was von seinen Versprechen zu halten ist.


Bürgerbeteiligung nicht rechtzeitig?

Das Bezirksamt verweist auf bereits seit längerem anstehende Planungen und die Tatsache, dass sich die Bürger erst relativ spät in den Prozess eingebracht hätten. Daher hätten ihre aktuellen Einwände gar nicht mehr in den Planungen berücksichtigt werden können.
Für den NABU Berlin ist das ein vorgeschobenes Argument: „Der NABU Berlin bemängelt schon seit längerem, dass gerade Planungen im öffentlichen Grün nicht frühzeitig bekannt gemacht werden“, gibt Anja Sorges, NABU Berlin, verärgert zu bedenken und zählt auf: „Bäume und Grünflächen prägen das Stadtbild. Die Anwohner lernen diese grünen Inseln über viele Jahre zu schätzen. Straßenbäume und Parkanlagen wirken sich positiv auf das Kleinklima und die Lebensqualität in den Kiezen aus. Eigentlich sollte auch dem Bezirksamt Mitte klar sein, dass man hier nicht einfach innerhalb kürzester Zeit vollendete Tatsachen schaffen kann.“
Was den NABU Berlin jedoch besonders schockiert, ist der Umgang mit vitalem Grün, denn nicht alle der zur Fällung anstehenden Bäume müssen aus gesundheitlichen Gründen verschwinden. „Es geht hier um eine schlichte Neugestaltung auf Biegen und Brechen – komme was da wolle“, ist Sorges entsetzt.

Moratorium gebrochen

Die BVV Mitte hatte das Moratorium Ende September einstimmig beschlossen, gerade weil noch so viele Fragen auch von Seiten der Bürgerinnen und Bürger offen waren. Nun ist das Vertrauen nachhaltig erschüttert, denn obwohl noch Gesprächsbedarf bestand, röhren nun die Motorsägen. Von einem Runden Tisch gemeinsam mit den Bürgerinitiativen ist nun nicht mehr die Rede, stattdessen hält sich der Bezirk anscheinend nicht mal mehr an seine eigenen Beschlüsse.

Aus diesem Grund fordert der NABU Berlin den Bezirk Berlin-Mitte und seinen zuständigen Stadtrat dazu auf

  • umgehend die Fällungen einzustellen und das Ergebnis des Moratoriums bzw. des Runden Tisches abzuwarten,
  • sich ansonsten an die Planungsgrundsätze einer „behutsamen Umgestaltung“ zu halten,
  • und nicht vitale Bäume zu vernichten, nur weil gerade zufällig für eine nicht nachhaltige Umgestaltung der Grünanlage Geld vorhanden ist.

10. Oktober 2011

Bürgerbeteiligung richtig gemacht?

Naturschutzverbände kritisieren Bezirksamt Mitte

Mit Unverständnis haben die Berliner Naturschutzverbände BUND und NABU das Vorgehen des Bezirksamtes Mitte rund um die Umgestaltungsmaßnahmen im Kleinen Tiergarten/Ottopark verfolgt. In einem offenen Brief kritisieren sie sowohl Bezirksamt als auch Bezirksvertreterversammlung.

Für die Zukunft fordern die beiden Natur- und Umweltschutzverbände eine frühzeitige und praxisorientiere Planung und Einbeziehung aller Akteure. Außerdem müssen Moratorien und Beschlüsse belastbar sein, dürfen nicht der reinen Beschwichtigung dienen und dürfen keine falschen Hoffnungen wecken.

NABU und BUND möchten mit ihrem Schreiben ihr Unverständnis über diesen Vorgang zum Ausdruck bringen und bieten zum wiederholten Male ihre fachliche Unterstützung an.


Offener Brief des NABU Berlin und des BUND vom 6. Oktober 2011
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