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Vorlesen

Die Panke in Berlin

Das Projekt "Panke 2015"

Die Panke ist ein Fluss im hochurbanen Raum in Berlin. Das Projekt "Panke 2015" soll dabei helfen, sie naturnah zu gestalten und den Lebenswert in der Stadt zu erhöhen. Wie ist der aktuelle Projektstand und was für Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung gibt es?

Fischtreppe im Schlosspark Niederschönhausen - Foto: Wulf Geißler

Fischtreppe im Schlosspark Niederschönhausen - Foto: Wulf Geißler


Wozu Infoforen und Beteiligungswerkstätten?

Die Einbeziehung der Öffentlichkeit in Natur- und Umweltschutz relevante Projekte ist gesetzlich vorgesehen. Für die Umsetzung von Projekten soll in der Bevölkerung mehr Akzeptanz geschaffen werden. Daher müssen die Projekte einen transparenten Zugang bieten und aktive Bürgerbeteiligung fördern und zulassen. Im Vorfeld sollen mögliche Interessenkonflikte erkannt werden. Nur durch einen Informationsaustausch kann eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werden. Darüber stehen die Ziele der Förderung des Umweltschutzes, der Umweltbildung und eine Erhöhung des Umweltbewusstseins.


Wo fließt die Panke?


Die Panke hat ihren Ursprung im brandenburgischen Bernau. Auf ihrem Lauf durch das Berliner Stadtgebiet durchfließt sie die Bezirke Pankow und Mitte. Der größte Teil der Panke fließt mit rund 18 Kilometern durch Berlin bei einer Gesamtlänge von 27 Kilometern. Sie mündet in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal am Nordhafen in Berlin-Mitte.
Von seiner Ursprünglichkeit konnte sich der Fluss wenig bewahren. Die Panke wird vor allem durch viele Begradigungen und ihre Verlegung in Stein- und Betonbetten charakterisiert. Das Projekt „Panke 2015“ soll daher wieder für mehr Natürlichkeit in ihrem Verlauf und Umfeld sorgen. Den Hintergrund für diese Maßnahmen bilden die Bestimmungen der Wasserrahmenrichtlinie.

Beteiligungswerkstätten an der Panke

Im Juli und November 2008 fanden die Beteiligungswerkstätten in den Bezirken Pankow und Mitte statt. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit sollte für eine höhere Akzeptanz der Planungen sorgen. Es erfolgte eine Bestandsaufnahme zum Ist-Zustand der Panke in Bezug auf die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die direkte Bürgerbeteiligung sorgte für eine große Zahl an Anregungen und Anmerkungen. Nicht alle Anmerkungen konnten im Planungsprozess berücksichtig werden. Im Vorfeld informierten die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz und das „Büro Landschaft planen + bauen“ durch Vorträge über ihre Pläne. Wesentliche Kritikpunkte der Bürger sind der gradlinige Verlauf, der starke Uferverbau durch Beton und Mauern und das Fehlen von Ufervegetation, Beschattung und Fußwegen. Insgesamt wünscht und fordert die Bevölkerung mehr Zugangsmöglichkeiten, eine größere Artenvielfalt und den Rückbau von Querbauwerken an der Panke.


Umsetzung und Kontroversen

Was wurde bislang Umgesetzt? Im Jahr 2015 wurde ein Querbauwerk im Schlosspark Niederschönhausen zu einer Fischtreppe umgebaut. Im Schlosspark Buch und auf Höhe der Straße Köberlesteig wurden ebenfalls Querbauwerke zurückgebaut. Diese Maßnahmen dienen der Durchgängigkeit der Panke.

Und wie geht es weiter mit dem Panke Projekt? Die angedachten Änderungen zugunsten der WRRL bleiben bislang aus. Das liegt zum Teil daran, dass verschiedene Interessengruppen aufeinander treffen und Konflikte entstehen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ist zuständig für die Umsetzung nach den Bestimmungen der WRRL.
Kritik an den Plänen des Senats kommt vom Bezirksamt Pankow, dem Landesdenkmalamt und der Bürger-Park-Initiative Pankow auf. Nach den WRRL-Maßnahmen soll die Panke sich in ihrem Lauf frei entfalten, also „mäandern“ können. Mit den Umsetzungen wäre auch die Fällung von Bäumen im Bürgerpark unausweichlich. Eine mäandernde Panke würde ufernahe Bäume wahrscheinlich abrutschen lassen. Zusätzlich würde ein Teil der Parkflächen für die Ufervegetation verschwinden. Die Bürger-Park-Initiative und das Landesdenkmalamt sprechen sich deshalb für einen Erhalt der bisherigen Parkstruktur aus, da sie den Erholungswert gefährdet sehen.


Fischtreppe Schlosspark Niederschönhausen - Foto: Wulf Geißler

Fischtreppe Schlosspark Niederschönhausen - Foto: Wulf Geißler

Nicht nur der Standort Bürgerpark Pankow wäre von den Projektmaßnahmen der WRRL betroffen. Auch der Schlosspark Niederschönhausen, durch welchen die Panke fließt, ist betroffen. Gerade dem Erholungswert der Parks wird von Seiten des Bezirksamts Pankow ein hoher Nutzen zugeschrieben. Auch hier wären für die Renaturierung der Panke Baumfällungen notwendig. Im Schlosspark Schönhausen ist das nicht möglich. Denn im Schlosspark kommt der stark bedrohte Heldbock-Käfer vor, einige der wenigen Populationen in Berlin.

Die beschriebenen Konflikte verzögern den Start der Maßnahmenumsetzungen. Bis eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden ist, wird noch einige Zeit vergehen. Mit der Umsetzung der Maßnahmen ist daher frühestens 2018 zu rechnen. Eine Reaktion des Senats auf die Einwendungen von Bezirksamt und Bürgern blieb auch nicht aus. Die angedachten Maßnahmen sollen in ihrem Umfang reduziert durchgeführt werden und eine Renaturierung der Panke soll an Stellen außerhalb der Parkanlagen stattfinden, so eine Stellungnahme des Senats im September 2015. In Bezug auf die neue Senatsverwaltung die aus den Wahlen 2016 hervorgegangen ist, bleibt abzuwarten, wie das Projekt und die weiteren Maßnahmen umgesetzt werden.

Marius Wielinski


Ihre Ansprechpartnerin

Katrin Koch
Leiterin der Bezirksgruppe Pankow kkoch@nabu-berlin.de +49 30 986 08 37 - 0

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