Wespen
Portraits ausgewählter Arten
Die meisten der ungefähr 620 in Deutschland bekannten Wespenarten verwenden keine Pollen, sondern Insekten oder Spinnen als Proviant für ihre Brutzellen. Wir stellen Ihnen einige Arten vor. Mehr →
Holzwespen-Schlupfwespe beim Bohren - Foto: Rolf Jantz/Naturgucker.de
Rot-schwarze Beine, ein graziler, bis zu 35 Millimeter langer, dunkel gefärbter Körper mit weißen Tupfen und lange vielgliedrige Fühler: Die Holzwespen-Schlupfwespe (Rhyssa persuasoria) lässt sich anhand ihres Erscheinungsbildes sehr gut von anderen Insektenarten unterscheiden. Das Weibchen der Holzwespen-Schlupfwespe, das vorwiegend in Nadelwäldern zu finden ist, verfügt über einen schlanken Legebohrer, der die Länge ihres Körpers übertrifft und über den Hinterleib lang vorragt.
Auf der Nordhalbkugel der Erde ist die Holzwespen-Schlupfwespe weit verbreitet. Wegen ihrer Eignung zur natürlichen Kontrolle von Baumschädlingen wurde sie zudem in Südamerika, Neuseeland, Südafrika und Australien gezielt zur Bekämpfung der eingeschleppten Blauen Fichtenholzwespe angesiedelt. Die dort im Zusammenspiel mit einem mitgebrachten holzabbauenden Pilz zu einer Baumsterblichkeit von bis zu 80 % in den Forsten führt. Die bewusste Verschleppung in bisher nicht besiedelte Gebiete ist jedoch aus ökologischer Perspektive kritisch zu sehen, da man nie abschätzen kann, ob dort auch heimische Holzwespen durch die neu eingebrachte Art parasitiert werden können. Für die Forstwirtschaft in Deutschland ist die Art als ein natürlicher Gegenspieler von Holzwespen, die auch hier als Forstschädlinge gelten, von Bedeutung.
Obwohl die Präsenz der tief im Holz verborgenen Holzwespenlarve oder Puppe von außen nicht erkennbar ist, wählt das Weibchen der Holzwespen-Schlupfwespe mit beachtlicher Sicherheit ihre Einstichstelle zur Eiablage aus. Rhyssa persuasoria erkennt die von Holzwespen befallenen Bäume am Geruch. Sie riecht zwar nicht die Wespenlarve selbst, aber die von ihr mitgebrachten holzabbauenden Pilze, wie beispielsweise den Braunfilzigen Schichtpilz, mit deren Hilfe die Holzwespenlarven das Holz verdaut.
Für die bis zu einer halben Stunde dauernde Bohrung streckt das Weibchen ihren langgestreckten Hinterleib nach oben und bringt den Legebohrer in eine nahezu senkrechte Stellung. Ist das Ziel erreicht, wird das langgestreckte Ei auf den Wirt, also die Holzwespenlarve, abgelegt.
Während der ersten drei Larvenstadien verankert sich die Schlupfwespenlarve mit ihren langen, sichelförmigen Beißwerkzeugen (Mandibeln) in der befallenen Larve und ernährt sich von der austretenden Körperflüssigkeit. Im vierten Larvenstadium wird die Wirtslarve dann komplett aufgefressen. Insgesamt dauert es etwa fünf Wochen, bis die Puppe der Holzwespen-Schlupfwespe schließlich einen dünnen Kokon im Fraßgang der Holzwespenlarve spinnt und darin überwintert. Die erwachsenen Tiere fliegen vom späten Frühjahr bis in den Spätsommer in Wäldern und ernähren sich von Honigtau oder vom Saft der Kiefernnadeln.
Man kann die „Nestansammlungen“ der Holzwespen-Schlupfwespe nicht als physische Nester sehen, sondern eher als Ansammlungen von befallenen Wirtstieren, in denen die Holzwespen-Schlupfwespenlarven heranwachsen. Die Nestansammlungen der Schlupfwespen entstehen also nicht direkt, sondern sind das Resultat der parasitären Eiablage in den Larven von Holzwespen.
Die erwachsenen Tiere fliegen vom späten Frühjahr bis in den Spätsommer in Wäldern und ernähren sich von Honigtau oder vom Saft der Kiefernnadeln. Der Nachwuchs des Insekts ernährt sich von Larven der Holzwespen und trägt so dazu dabei, deren Bestand zu kontrollieren.
Die Holzwespen-Schlupfwespe ist nicht bedroht oder besonders geschützt.
Text: Licia Kolmsee, 25.04.2025
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