Das Storchenjahr 2023
Die Storchensaison neigt sich dem Ende entgegen. Sie war geprägt durch viele Wetterextreme, traurige Abwürfe von Küken und vielen neuen Jungstörchen. Mehr →
Hinweis: Diese Kamera dokumentiert das natürliche Brutverhalten der Störche und damit auch häufig Verhaltensweisen, die sonst unbemerkt bleiben. Sie ermöglicht schöne und spannende Beobachtungen, zeigt gelegentlich aber auch aus unserer Sicht traurige Entwicklungen bis hin zum Tod von Jungvögeln. Es ist jedoch natürlich, dass Störche bei Nahrungsmangel schwächere Jungvögel aus dem Nest werfen oder gelegentlich den Nachwuchs in fremden Nestern attackieren. Wir Zuschauer sind hier Beobachter des natürlichen Geschehens, auch wenn uns das manchmal schwerfällt. Ein menschliches Eingreifen bei inner- oder zwischenartlichen Konflikten ist jedoch nicht wünschenswert und in der Regel auch nicht möglich.
Für Rückfragen, bei Beratungs- oder Meldebedarf melden Sie sich bitte hier:
1. Storchenschmiede Linum, Tel: 033922 50500
2. NABU Landesverband Berlin – Wildvogelstation
Telefonische Beratung: 030 54 71 28 92
Mo - Fr 8 - 16 Uhr, Sa + So 8 - 12 Uhr (auch an Feiertagen)
E-Mail: wildvogelstation@nabu-berlin.de
Zur Priorisierung besonders eiliger Notfälle arbeiten wir bewusst über den Anrufbeantworter. Dieser wird permanent während unserer Beratungszeiten abgehört. Bitte unbedingt Ihren Namen, Anliegen und Rückrufnummer hinterlassen!
3. NABU Berlin, Tel: 030 98 60 83 70
09. Juli: Der Jungstorch ist nun bereits neun Wochen alt. Seine Beine und die Schnabelbasis färben sich langsam rot, doch man kann ihn noch gut von den Altvögeln unterscheiden. Richtig ausfärben wird sich der Schnabel erst im zweiten Lebensjahr.
In den letzten Tagen haben wir vereinzelt bereits Flugübungen beobachtet, wo er sich flügelschlagend knapp über das Nest erhebt. Auf diese Weise trainiert er seine Flugmuskulatur und probt Start und Landung. Treten die Übungen vermehrt auf, deuten sie darauf hin, dass der erste Abflug bevorsteht. Die ersten Flugversuche sind für junge Störche übrigens nicht ganz ungefährlich, denn Ausweichmanöver und gezieltes Landen müssen geübt sein. So kann es auch zu Kollisionen mit Stromleitungen oder Glasscheiben kommen. Wir drücken die Daumen, dass es unser Jungstorch sicher durch die Probezeit schafft!
30. Juni: Die extreme Hitze des vergangenen Wochenendes hat auch dem verbliebenen Jungstorch zu schaffen gemacht - zum Glück hat er die heißen Tage aber gut überstanden. Die Storchenhorste sind durch ihre exponierte Lage den Wetterverhältnissen voll ausgesetzt. Da Vögel keine Schweißdrüsen haben und somit auch nicht schwitzen können, sperren sie ihre Schnäbel auf und verschaffen sich so durch die verdunstende Feuchtigkeit an den Schleimhäuten im Rachenraum ein wenig Abkühlung. Um den Flüssigkeitsbedarf des Jungen zu decken, tragen die Altvögel im Kropf auch Wasser für das Junge heran, welches sie aus dem Schnabel rinnen lassen, von wo aus das Junge es aufnimmt.
Störche haben außerdem eine besondere und in manchen Augen vielleicht etwas unappetitliche Strategie entwickelt, mit der sie sich während der warmen Zeit Kühlung verschaffen. Ist es besonders heiß, lassen sie flüssigem Kot an ihren Beinen herunter rinnen. Durch die Verdunstung der Flüssigkeit wird dem Körper Hitze entzogen. An heißen Tagen erscheinen die Beine der Störche deshalb oft weiß. Die Hitze ist aber noch kein Grund sich Sorgen um die Jungstörche zu machen, mit einer durchschnittlichen Körpertemperatur von circa 41 Grad Celcius können die Vögel Hitze gut verkraften. Solange die Altvögel weiterhin für ausreichend Nahrung und Flüssigkeitsnachschub sorgen, können sie auch extreme Temperaturen aushalten.
23. Juni: Die letzten Wochen im Storchennest waren sehr ereignisreich: Nach dem Rauswurf zweier Storchenjungen im Mai und einem Angriff eines fremden Storches auf die letzten zwei Jungvögel, sitzt nun nur noch ein Jungstorch in unserem Linumer Nest. Der verletzte zweite Jungvogel hat den Angriff leider nicht überlebt. Dafür gibt es aktuell positive Nachrichten vom ersten Storchenjungen, der am 27.05. aus dem Nest geworfen wurde: Er entwickelt sich gut in der Pflegeeinrichtung, sodass eine Auswilderung wahrscheinlicher wird. Wir drücken nun die Daumen, dass der Rest der Saison etwas ruhiger verläuft.
Hinweis in eigener Sache (siehe oben): Wir freuen uns, vielen Menschen die Storchenkamera zur Verfügung stellen zu können, um einen Einblick in das Brutgeschehen der Störche zu gewähren. Wir Zuschauer*innen sind hier aber lediglich Beobachter*innen des natürlichen Geschehens, auch wenn uns das manchmal schwerfällt. Ein menschliches Eingreifen bei inner- oder zwischenartlichen Konflikten ist jedoch nicht wünschenswert und in der Regel auch nicht möglich.
15. Juni: Dramatische Entwicklungen im Storchennest: Ein fremder Storch, der offenbar bereits in der Vorwoche die beiden Jungstörche attackiert hatte, taucht wieder auf und verletzt den einen Jungvogel am Kopf. Das blutende Tier wird geborgen und befindet sich in einer Pflegeeinrichtung. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.
01. Juni: Am Freitag wurde leider ein weiteres Storchenküken aus dem Nest geworfen - das Schwächere im Vergleich zu den beiden Ältesten. Die Hitze und Trockenheit und damit verbundene Nahrungsknappheit der vergangenen Tage könnte bei dieser Entscheidung der Altstörche eine Rolle gespielt haben. Aber auch andere Stressoren wie Krankheiten
können Ursache sein und sind von außen schwer zu beurteilen. Was aus menschlicher Sicht grausam erscheint, ist eine Überlebensstrategie im Tierreich und kommt bei Weißstörchen sehr häufig vor. Nur selten überleben alle Küken die ersten Monate.
Die beiden ältesten, noch verbliebenen Jungvögel sehen jedoch sehr vital aus. Wir hoffen, dass sie nun gut durchkommen.
Zu dem ersten Jungen, das am 27.05. aus dem Schmiedehorst geworfen wurde, haben wir noch einen Nachtrag: Es wurde von Menschenhand aufgelesen, in eine Auffangstation gebracht
und liegt nun im Inkubator. Ob es aber aufwachsen und den weiten Weg nach Afrika antreten kann, bleibt abzuwarten.
27. Mai: Traurige Nachrichten aus dem Horst: Leider wurde das jüngste und kleinste Storchenjunge gestern Nachmittag von einem Elterntier aus dem Nest geworfen, sodass nur noch drei der Jungstörche leben.
Dass Störche ihre Jungvögel aus dem Nest werfen, wird häufiger beobachtet, sehr kleine Küken werden manchmal sogar gefressen. Die Ursache für dieses Verhalten ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen Nahrungsknappheit und andere Stressoren eine Rolle. Da in der Regel, wie auch in diesem Fall, die jüngsten und schwächsten Storchenkinder Ziel dieser Aggression sind, liegt es nahe, dass die Eltern so das Überleben der kräftigeren Jungvögel sichern.
22. Mai: Die Jungstörche haben schon ordentlich zugelegt und verschlingen mittlerweile auch größere Happen, wie Mäuse und Frösche, die ihnen die Eltern auf den Nestboden würgen. Schon bald benötigen sie über ein Kilogramm Nahrung täglich, bei vier Jungen eine große Herausforderung für die Eltern. Bisher läuft die Versorgung gut, das jüngste Küken ist zwar deutlich kleiner als seine Geschwister, bekommt aber bei den Fütterungen etwas ab und macht einen munteren Eindruck. Noch bleibt immer ein Elternteil bei den Kleinen, um sie vor Regen, Kälte, Sonne und Nesträubern zu schützen. Die Jungen sind aber mittlerweile schon so groß, dass sie nicht mehr vollständig im Gefieder der Altvögel Platz finden, lange starke Regengüsse und Kälteperioden können den Jungen jetzt noch einmal gefährlich werden.
07. Mai: Nun ist auch der vierte und letzte Jungstorch da - damit sind alle Eier ausgebrütet. In den nächsten Wochen können wir gespannt verfolgen, wie sie größer werden und sich entwickeln.
05. Mai: Heute früh ist das dritte Küken geschlüft.
03. Mai: Die ersten beiden Küken sind geschlüpft! Noch sind die Jungen winzig klein, gerade einmal 80g wiegen sie, wenn sie aus dem Ei schlüpfen. Die grauen Daunen wärmen zwar, bieten jedoch noch wenig Schutz vor Wind und Regen. Die Altvögel hudern die Jungen deshalb die meiste Zeit unter ihrem Gefieder und stehen nur auf, um zu Füttern und die verbleibenden Eier zu wenden. Bei der Fütterung würgen die Altvögel das Futter, das sie im Kropf vorverdaut haben, auf den Nestboden, wo es von den Jungen aufgepickt wird. Noch können die Kleinen nur kleinteilige Nahrung wie Würmer oder Insekten schlucken, die größeren Brocken nehmen die Altvögel wieder auf und verspeisen sie selbst.
07. April: Unsere Störche waren fleißig - über Ostern sind drei weitere Eier dazu gekommen! Ab jetzt sitzt immer einer der Störche auf dem Horst und bebrütet die Eier. Bei der Ablöse begrüßen sie sich mit lautem Geklapper. Bei einer Brutzeit von ca. 31 Tagen erwarten wir den ersten Jungvogel, wenn alles gut geht, Anfang Mai.
31. März: Das erste Ei ist da! Die Störche wechseln sich bei der Brut ab und stehen regelmäßig auf, um das Ei behutsam zu wenden. Mit etwas Glück oder viel Geduld können aufmerksame Beobachter so auch einen Blick auf das Gelege erhaschen. Häufig fangen die Störche aber erst nach der Ablage des zweiten Eis an, richtig zu brüten, so dass die beiden ersten Jungvögel am gleichen Tag schlüpfen. Die nächsten Eier folgen dann im Abstand von jeweils zwei Tagen.
21. März: Nachdem unser Storch einige Wochen allein in seinem Horst verbracht hat, ist nun auch das Weibchen eingetroffen. Das Nest ist schon vorbereitet - nun kann es mit der Paarung losgehen!
24. Februar: Unser Storch ist zurück! Jetzt sitzt er in seinem Nest und wartet auf ein Weibchen, das aber noch auf sich warten lassen wird.
Der Großteil der Linumer Störche sind Ostzieher, die über den Bosporus ihre Winterquartiere in Afrika beziehen und brauchen für die Rückkehr nach Deutschland länger als unser Männchen, das über die Westroute aus Spanien kommt. Die Zeit, bis die passende Storchendame auftaucht, wird das Männchen nun damit zubringen, sich wieder ordentlich Kraftreserven anzufuttern und den Horst für die Aufzucht der Jungstörche vorzubereiten.
Die Storchensaison neigt sich dem Ende entgegen. Sie war geprägt durch viele Wetterextreme, traurige Abwürfe von Küken und vielen neuen Jungstörchen. Mehr →
Drei Jungstörche konnten wir am Ende der Storchensaison in Richtung Süden verabschieden. Es war ein besseres Jahr für Meister Adebar als 2021. Mehr →