Berlin.NABU.de Themen Artenschutz & Biodiversität Countdown 2010

Countdown 2010

Ausgezählt

Der IUCN Countdown 2010 wurde mit ambitioniertem Rettungsplan beendet

Der IUCN Countdown 2010 wurde mit ambitioniertem Rettungsplan beendet

Der IUCN Countdown 2010 ist zu Ende gegangen. Die Beteiligten an der Konferenz in Nagoya schwankten in ihren letzten Reaktionen und Aktionen zwischen Resignation, Ignoranz und Kampfgeist. Doch alle in diesem Prozess gewonnenen Erkenntnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Der Artenschwund kann nur mit weiteren Kraftanstrengungen gebremst werden. Doch Nagoya ist weit und was hat Berlin mit diesem Ergebnis zu tun? mehr Mehr

Berlin-Bilanz IUCN-Countdown 2010

Viel vorgenommen – wenig erreicht

Viel vorgenommen – wenig erreicht

20. Oktober 2010 – Heute geht in Nagoya, Japan, offiziell der IUCN Countdown 2010 zu Ende. Seit 1993 wird weltweit mit verschiedenen Programmen und Ideen versucht, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Doch selbst bei allem Wohlwollen und bei allem positiven Licht, was man versucht auf die verschiedenen kleinen Fortschritte zu werfen – allgemein hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Ergebnisse meilenweit hinter den selbst gesteckten Zielen zurück bleiben. mehr Mehr

Artenvielfalt in Berlin erhalten

Das Jahr 2008 war in Deutschland das Jahr der Biodiversität

Viele Aktionen zum Artenschutz in Berlin und deutschlandweit waren im Jahr 2008 geprägt durch die 9. UN-Vertragsstaatenkonferenz der CBD (Convention on Biological Diversity) im Mai in Bonn. Aus diesem Anlass trat die Stadt Berlin am 22. Mai der Aktion "Countdown 2010" bei. Beim Berliner Naturschutztag war "Artenvielfalt in der Stadt" ein Themenschwerpunkt und auch die Medien widmeten sich verstärkt diesem Thema. Aber lesen Sie selbst...

Der Countdown läuft...

Berlin tritt der Kampagne Countdown 2010 bei

Countdown 2010

Bei einem Aktionstag zur Biologischen Vielfalt Ende Mai 2008 erklärte das Land Berlin gemeinsam mit anderen lokalen Akteuren seinen Beitritt zur Initiative „Countdown 2010“. Das internationale Aktionsbündnis, initiiert durch die Weltnaturschutzorganisation IUCN, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die derzeitige Verlustrate von Tier- und Pflanzenarten bis 2010 zu verringern oder zumindest anzuhalten. Dies entspricht den Zielen der UN-Biodiversitätskonvention, die bisher von 191 Staaten ratifiziert wurde (s. auch www.countdown2010.net).

Ein ehrgeiziges Ziel, dessen Verwirklichung noch nicht annähernd gelungen ist. So ist nach Angaben des Bundesumweltministerums die natürliche Aussterberate von Vögeln und Säugetieren heute weltweit um den Faktor 100 bis 1000 erhöht. Der Anteil Rote-Liste -Arten (Rote Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten) in Berlin liegt im Durchschnitt über der Hälte des Gesamtartenbestandes (z.B. 43% der Farn- und Blütenpflanzen, 57 % der Vögel, 74 % der Amphibien, (s. www.stadtentwicklung.berlin.de).

Weiterhin gilt das Motto "Global denken- lokal handeln" und es bedarf vieler engagierter Menschen, den Artenschwund erfolgreich zu bekämpfen - ob privat, aus der Wirtschaft , aus Behörden oder aus den Umweltverbänden kommend.
Neben der Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer übergaben zum Aktionstag am 22. Mai auf dem Alexanderplatz die Berliner Bezirke, der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, die Wohnungsbaugesellschaft HoWoGe, die Berliner Wasserbetriebe, das Naturkundemuseum, der Zoo, der Landesverband der Berliner Gartenfreunde und das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung ihre Beitrittserklärung zum Aktionsbündniss 2010 dem Direktor des IUCN, Tamas Merghescu. Der Berliner NABU trat als Mitgliedsverband der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) bei.

Die Beitrittserklärungen des Berliner Senates und der BLN finden Sie hier

Countdown 2010 Erklärung Senat
Countdown 2010 Erklärung der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz

Lesen Sie zu diesen Themen auch:


mehr Wichtigste Ergebnisse der 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD (Convention on Biological Diversity)

Berlin: Hot-Spot der Biodiversität in Deutschland?


Bis 2010 soll der Verlust an Biodiversität zumindest gebremst werden – so das anspruchsvolle Ziel einer Selbstverpflichtung der internationalen Staatengemeinschaft. Hierbei ist auch - und vielleicht sogar in besonderem Maße - der Naturschutz in den Städten gefragt. Auch eine Großstadt wie Berlin bietet neben der dicht bebauten City, auch Gebiete mit Wald, Feldern, großen Grünanlagen und Gewässern. Die überraschende Vielfalt der Arten, die hier günstige Lebensbedingungen finden, gilt es zu erhalten.

Spatz02

Der Spatz ist in Berlin noch häufig, deutschlandweit jedoch ein Kandidat für die Vorwarnliste.

Von der Dachrinne tschilpende Spatzen, aus Hecken singende Nachtigallen, im Parkteich quakende Teichfrösche - sie alle sind Beispiele für die Artenfülle der Stadt. Prof. Reichholf, Dozent für Naturschutz und Buchautor zum Thema Artenvielfalt und Stadtnatur, bezeichnet Berlin "als die Stadt mit der größten Artenvielfalt in Deutschland". Siedlungsgebiete und Großstadtregionen leisten bereits heute einen bedeutenden Beitrag für den internationalen Naturschutzes. In Zukunft wird die Bedeutung dieser Ballungsräume für den Naturschutz noch zunehmen, denn weltweit wächst in allen Staaten der Bevölkerungsanteil, der in städtischen Regionen lebt. Viele Millionen Stadtbewohner haben in der Stadt ihre ersten Kontakte mit der Natur und für große Teile der Gesamtbevölkerung wird hier der Grundstein für ihr Naturverständnis gelegt.

Vielfalt in Gefahr - Vielfalt in Veränderung

Schleiereule

Schleiereulen sind in Berlin vom Aussterben bedroht.

Für die Erarbeitung der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere für Berlin wurden 7087 Arten ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, dass von ihnen 44 % in Berlin ausgestorben oder gefährdet sind. Neben den vielen ehrenamtlichen Forschern, die u. a. in Fachgruppen des NABU organisiert sind, sind es vor allem die vielen Wissenschaftler Berlins, die umfangreiche Erkenntnisse über Berlins Naturausstattung zusammentragen. Die tatsächliche Artenvielfalt der Hauptstadt ist dabei wesentlich höher als die bekannten Zahlen vermuten lassen, denn genaue Kenntnisse über einige Artengruppen liegen immer noch nicht vor

Habicht

Der Habicht dagegen hat sich neuen Lebensraum in der Stadt erobert.

Bekannt ist hingegen, dass Pflanzen, wie Feld-Rittersporn, Geflecktes Knabenkraut und Pracht Nelke vom Aussterben bedroht sind. Zu den gefährdeten Vertretern aus dem Tierreich gehören Fischotter, Rebhuhn, Kiebitz, Schleiereule, aber auch Dohle und Saatkrähe. Auch so bekannte und an Siedlungen gebundene Arten wie Rauchschwalbe und Feldsperling zeigen rückläufige Brutbestände. Auch die Rufe von Kreuzkröte und Rotbauchunke sind in Berlin nur noch aus sehr wenigen Gewässern zu vernehmen.
Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten: Entlang der unverbauten Gewässer verraten Nagespuren an Bäumen einen weiteren Einwanderer in die Berliner Stadtnatur: den in den letzten Jahren nach Berlin zurückkehrenden Biber. Grauammer und Wachtel haben die Berliner Feldfluren als geeigneten Lebensraum für sich entdeckt. Einige weitere einst seltene Arten, wie Kranich, Seeadler und Kolkrabe, nisten heute sporadisch in der Hauptstadt. Habicht und Mäusebussard haben die Vorteile der Stadt erkannt und errichten in Grünflächen oder auf Friedhöfen ihre Horste.

Ursachen für den Artenschwund in Berlin

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3D-Modell von Potsdamer Platz mit Tiergarten. Quelle: www.freeware-archiv.de

Ursachen dafür, dass fast die Hälfte der in Berlin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten mehr oder weniger deutlich rückläufige Bestände zeigen, liegen im Wesentlichen in der fortschreitenden Stadtverdichtung und in ihrer Folge der Beseitigung von Frei- und Offenflächen durch Baumaßnahmen. Ebenso wirken sich Grundwasserabsenkungen und das damit verbundene Trockenfallen von Feuchtgebieten, Gewässerausbau und die dadurch ausbleibende natürliche Gewässerdynamik sowie fehlende Ufer- und Unterwasservegetation, aus. Auch aufkommende Vegetation auf offenen Lebensräumen, häufig verbunden mit der Ausbreitung nichtheimischer Gehölz- und Pflanzenarten sowie Nährstoffeinträge reduzieren die Artenvielfalt.
Doch auch Berlin kann seinen Beitrag zur Sicherung der Biodiversität leisten: Noch gibt es Flächen wie den Biesenhorster Sand, die eine Ausweisung als Naturschutzgebiet verdienen, in den Berliner Wäldern können natürliche Zerfallsphasen größerem Umfang zugelassen werden. Auf den Ausbau von Havel von Spree muss nicht nur aus ökonomischen Gründen, sondern vor allem zu Gunsten der Natur verzichtet werden. Und auch auf dem Flughafen Tempelhof können bei einer angemessener Planung und deren Umsetzung weiterhin singende Feldlerchen in den Himmel aufsteigen und Halbtrockenrasen mit ihrer großen Vielfalt an Pflanzen und Insekten das Stadtbild beleben.

Weitere Informationen zum Artenschutz in Berlin finden Sie auch hier:

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