Die BG Reinickendorf bei der Standbetreuung auf dem 11. Schollenfest. - Foto: BG Reinickendorf
Der NABU Berlin im Jahr 2024
Das Jahr 2024 brachte schwierige Herausforderungen für den Naturschutz in der Hauptstadt mit sich. An erster Stelle zu nennen ist das neue „Schneller-Bauen-Gesetz“ des Berliner Senats, das trotz aller Proteste von uns und den anderen Umweltverbänden am 5. Dezember 2024 im Abgeordnetenhaus beschlossen wurde. Schon seit Jahren steigt der Druck auf die verbliebenen Freiflächen in Berlin und am Stadtrand. Das Schneller-Bauen-Gesetz schreibt nun die Devise „Bauen um jeden Preis“ fest und wird es massiv erschweren, den Natur- und Artenschutz bei Bauprojekten zu berücksichtigen.
Trotz oder gerade weil der Naturschutz in Berlin immer stärker in die Defensive gedrängt wird, entwickelte sich das ehrenamtliche Engagement im NABU Berlin 2024 erfreulich weiter. Nach der Gründung zweier neuer Bezirksgruppen in Tempelhof-Schöneberg und Neukölln ist der NABU nun in allen Berliner Bezirken aktiv vertreten. Aber auch die etablierten Gruppen leisteten im vergangenen Jahr wieder ausgezeichnete Arbeit. Ihre praktische Naturschutzarbeit, sei es die Pflege von Trockenrasen, die Reparatur von Schutzzäunen, die Aufwertung von Kleingewässern, das Roden invasiver Gehölze, das Sammeln von Müll oder die Wartung von Nistkästen, ist es, was den NABU auszeichnet und für viele Bürger*innen attraktiv und unterstützenswert macht. Darüber hinaus waren unsere Gruppen wieder mit Info-Ständen bei vielen Anlässen vertreten. Mit mindestens 15.500 Stunden ehrenamtlich geleisteter Arbeit konnten unsere Aktiven den Rekord vom Vorjahr nochmals steigern.
Liebe Ehrenamtliche, wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich für Euren unermüdlichen Einsatz!
Naturschutz und Landschaftspflege
Neben dem Protest gegen das Schneller-Bauen-Gesetz, mit dem wir zumindest die Streichung der „geschützten Biotope“ aus dem Berliner Naturschutzgesetz sowie die Verkürzung der Frist für Stellungnahmen auf zwei Wochen abwenden konnten, haben uns 2024 insbesondere die Themen Windkraft, Tangentiale Verbindung Ost (TVO) sowie natürlich das Pankower Tor beschäftigt.
Scharf kritisierten wir die Windenergiepotenzialstudie für Berlin bei Anhörungen im Wirtschafts- und Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses, da diese unter anderem Natura 2000-Gebiete nicht für die Aufstellung von Windenergieanlagen ausschließt.
Gemeinsam mit den anderen in der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) organisierten Verbänden verfassten wir eine Stellungnahme zur TVO und machten publik, dass für den Bau der Schnellstraße mit insgesamt 22 Hektar anderthalb mal so viel Wald gerodet werden soll als bisher bekannt.
Nachdem das Gerichtsverfahren zum Pankower Tor 2023 in unserem Sinne beendet wurde, bleibt das Schicksal der Kreuzkröten nach wie vor ein Konfliktthema. Gemeinsam mit dem Landesverband Berlin der Gartenfreunde und dem unmittelbar betroffenen Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Weißensee wandten wir uns gegen das Ansinnen des Investors, die Kleingartenkolonie „Feuchter Winkel“ für die Umsiedlung der streng geschützten Amphibien zu nutzen. Nach wie vor fordern wir, die Kreuzkröten in ihrem bisherigen Lebensraum zu belassen und dafür auf den Bau eine Möbelmarkts zu verzichten. Zudem kritisierten wir die zusätzlich geplante Umsiedlung einer Teilpopulation in die Kiesgrube Bralitz in Brandenburg, da wir die Fläche aus mehreren Gründen für ungeeignet halten.
Im Rahmen des Projekts „Wassernetz“ führten wir 2024 mehrere Aufwertungsmaßnahmen sowie Dialogveranstaltungen an Berliner Kleingewässern durch, unter anderem an der Erpe und am Viktoriateich. Ein besonderer Erfolg war das Ausbringen von Wasserpflanzen in der Rummelsburger Bucht vom Boot aus.
Die 2023 gegründete Arbeitsgruppe „Friedhöfe“ setzte sich weiterhin für den Schutz dieser grünen Stadtoasen ein. Sie machte sich unter anderem für die Erhaltung des Emmauswalds in Neukölln stark und veranstaltete einen öffentlichen Pflegeeinsatz zum „Tag des Friedhofs“ auf dem Friedhof St. Paul im Wedding.
Weitere Aktivitäten zum Schutz und zur Förderung des Stadtgrüns insbesondere auf Friedhöfen waren eine Strauchpflanzaktion in Kooperation mit dem Urban-Gardening-Projekt „Elisabeet“ auf dem St. Elisabeth-Kirchhof sowie die Erarbeitung eines Leitfadens zu naturnahen Pflegemaßnahmen. Im Rahmen der Umfeldberatung führte unsere Referentin für Stadtgrün rund 60 Beratungsgespräche zu verschiedenen Aspekten der ökologischen Grünflächenpflege.
Unsere Arbeit im Bereich Naturschutz und Landschaftspflege - Eine Auswahl
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Umweltverbände kritisieren „Schneller-Bauen-Gesetz“
Das geplante „Schneller-Bauen-Gesetz“ von Bausenator Gaebler stößt bei Umweltverbänden auf Unmut. In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren sechs Verbände jetzt den Gesetzesentwurf.
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„Wasserzeichen“-Demo am Weltwassertag
Unseren Gewässern geht es schlecht. Darauf macht der Weltwassertag und die „Wasserzeichen“-Demo am 22. März aufmerksam. Es fehlen politisch geregelte Gewässerschutzkonzepte. Aber auch Privatpersonen müssen etwas tun.
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Emmauswald in Neukölln muss bleiben
Der Emmauswald wird von vielen Neuköllner*innen als Erholungsort genutzt und ist für unzählige Tiere ein Rückzugsort. Trotzdem halten SPD und CDU an Bebauungsplänen fest.
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TVO soll mehr Wald vernichten als bekannt
Für den Bau der TVO müssten 22 Hektar Waldfläche zerstört werden; fast anderthalbmal so viel wie bislang bekannt. Dabei lassen sich alte Eichenwälder wie in der Wuhlheide nicht einfach ersetzen.
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Keine konfliktfreien Flächen für Windkraft in Berlin
Berlin muss nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz der Bundesregierung 446 Hektar Landesfläche für Windenergieanlagen zur Verfügung stellen. Ohne Konflikte mit Natur-, Artenschutz und Erholungsgebieten ist dies nicht möglich, wie eine neue Studie zeigt.
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Möbelmarkt statt Kleingärten? Nein, danke!
Der aktuelle Plan zur Bebauung des Pankower Tors sieht vor, den Kernlebensraum der Kreuzkröte zu zerstören und stattdessen Ausgleichsflächen zu schaffen, die aktuell von Kleingärtnern genutzt werden.
Artenschutz
Unsere Artenschutzaktivitäten kreisten 2024 insbesondere um das Thema Schmetterlinge. Mit unserer im März gestarteten Kampagne „Faszination Falter“ wollen wir die Öffentlichkeit für den Rückgang der Schmetterlinge sensibilisieren und aufzeigen, wie man die Tiere aktiv unterstützen kann. Dabei stehen vor allem Futterpflanzen für Raupen im Vordergrund, die – anders als Blühpflanzen für ausgewachsene Falter – bei der Gestaltung von Gärten und Grünflächen oft nicht berücksichtigt werden. Der NABU Berlin legte in Kooperation mit Schulen, Vereinen und anderen Institutionen 2024 insgesamt acht spezielle „Raupengärten“ mit Futterpflanzen für den Schmetterlingsnachwuchs an. Darüber hinaus riefen wir mehrere Wettbewerbe – einen Malwettbewerb an Schulen, einen Raupenfoto-Wettbewerb auf Social Media sowie einen Garten- und Balkonwettbewerb – aus, um auf die Bedrohung der Schmetterlinge aufmerksam zu machen und für ihren Schutz zu werben.
Unser vom Berliner Senat gefördertes Projekt „Artenschutz am Gebäude“ setzte 2024 seine erfolgreiche Arbeit fort. Es führte unter anderem 14 Schulungen für Architekt*innen, Planer*innen, Energieberater*innen, Handwerker*innen und allgemein Interessierte durch, um diese für das Vorkommen von gebäudebrütenden Vögeln und Fledermäusen zu sensibilisieren und sie über die Rechtslage sowie praktische Artenschutzmaßnahmen zu informieren. Weitere sechs Schulungen gab es für Stakeholder aus der Aus- und Weiterbildung, etwa für Studierende der Architektur an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) der Universität der Künste (UdK) und der TU Berlin, aber auch für Auszubildende des Maler- und Lackiererhandwerks am Oberstufenzentrum für Gestaltung der Wilhelm-Ostwald-Schule. Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts lag wieder auf der Förderung des Nachwuchses sachkundiger Fachkräfte für den Bereich Artenschutz an Gebäuden. So wurden 2024 vier Workshops zur „Einführung in die gutachterliche Praxis“ über das Bildungsforums der Stiftung Naturschutz Berlin angeboten. Auch der „Berliner Gutachter*innen-Stammtisch“ wurde fortgeführt, um die Vernetzung der Sachkundigen insbesondere mit Nachwuchskräften zu fördern.
Eines der wichtigsten Projektziele 2024 war die Zertifizierung sachkundiger Personen im Bereich „Artenschutz am Gebäude“ durch jährlich stattfindende Weiterbildungsveranstaltungen, die sich vor allem an etablierte Gutachter*innen und Mitarbeitende der Naturschutzbehörden, aber auch an Nachwuchsgutachter*innen und Ehrenamtliche des NABU Berlin richten. Den Auftakt bildete im November 2024 die Veranstaltung „Fledermäuse in der gutachterlichen Praxis – erfassen, erforschen, erhalten“, die mit 80 Teilnehmenden vollständig ausgebucht war.
Für das ebenfalls vom Senat geförderte Projekt Hymenopterendienst war 2024 ein Rekordjahr. Es wurden insgesamt 1972 Anfragen bearbeitet – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Die Asiatische Hornisse nahm im Jahr 2024 mit 304 Anfragen einen weiter steigenden Anteil der Beratungsgespräche ein, auch wenn nach dem Vorkommen der meldepflichtigen Art im Jahr 2023 keine weiteren Funde in Berlin bestätigt werden konnten.
Das Projektteam führte 2024 insgesamt 61 Vor-Ort-Beratungen sowie 21 Umsiedlungen von Hornissen-, Wespen- oder Hummelvölkern durch. Weitere 34 Vor-Ort-Beratungen sowie 82 Umsiedlungen leistete unsere ehrenamtlich arbeitende Fachgruppe Hymenopterenschutz. Zudem bot der Hymenopterendienst 30 Veranstaltungen mit insgesamt 708 teilnehmenden Personen an, unter anderem einen Kurs zur naturverträglichen Mahd mit der Sense auf dem Tempelhofer Feld und ein Seminar zur Umsiedlung von Hornissen-, Wespen- und Hummelvölkern.
Seit 1998 errichtet der NABU Berlin alljährlich einen Amphibienzaun am Körnerteich in Mahlsdorf. Nach dem Tiefpunkt 2022, als nur noch 22 Kröten eingesammelt und in den Teich gesetzt werden konnten, hat sich die allmähliche Erholung der Population 2024 fortgesetzt, und es konnten immerhin 124 Kröten sicher über die Straße transportiert werden. Weitere, teils sehr viel längere Amphibienzäune wurden von den Bezirksgruppen Treptow-Köpenick, Spandau und Marzahn-Hellersdorf (mit-)betreut.
Unsere Arbeit im Bereich Artenschutz - Eine Auswahl
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Großes Mausohr in Spandauer Keller
Fledermäuse verlieren immer häufiger ihre Winterquartiere. Der NABU Berlin hat in den letzten Jahren deswegen drei Quartiere entrümpelt und fledermaustauglich gemacht. Diese Arbeit wurde nun mit Erfolg gekrönt.
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Amphibienschutzzaun am Körnerteich aufgebaut
Während der Krötenwanderungssaison stoßen die Tiere auf viele Gefahren und Hindernisse. Um die Kröten am Körnerteich zumindest vor dem Verkehrstod zu schützen, hat der NABU jetzt wie jedes Jahr einen Amphibienzaun aufgestellt.
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Wer Schmetterlinge will, muss Raupen füttern!
Mit der neuen Kampagne „Faszination Falter“ wollen wir auf die zunehmend schwindende Zahl von Schmetterlingen aufmerksam machen.
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Immer weniger Nistplätze für Mehlschwalben
Die Mehlschwalben kommen aus ihren Winterquartieren zurück. Die Vögel sind Sommerboten und fressen zur Freude der Berliner*innen Mücken und Blattläuse. Leider finden Mehlschwalben bei uns immer weniger Brutmöglichkeiten.
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Wespenvielfalt: Mehr als lästige Grillfestbesucher
Wespen sind trotz ihres schlechten Rufs wichtig für den Naturkreislauf. Sie dienen nicht nur als Bestäuber, sondern fressen auch Pflanzenschädlinge. Eine besonders interessante Art ist die Gemeine Schornsteinwespe.
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Seltene Zwergdommel brütet am Flughafensee
Die Zwergdommel ist der kleinste Reiher Europas und wird bundesweit als gefährdet eingestuft. Umso erfreulicher die Nachricht, dass am Flughafensee gleich vier Jungvögel großgezogen wurden.
Wildvogelstation
Unsere Wildvogelstation setzte ihre Arbeit 2024 unter erschwerten Bedingungen fort, da es krankheitsbedingt an Personal mangelte. Trotzdem versorgte die Station 209 Wildvögel, darunter 62 Greifvögel und 16 Eulen, von denen sie 176 erfolgreich auswildern konnte. 30 Vögel wurden an andere Institutionen zur weiteren Pflege übergeben. Hinzu kamen 154 Stockentenbruten mit mehr als 1.000 Küken, die von Dächern oder Balkonen an nahe gelegene Gewässer umgesiedelt wurden. In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung (Engler et al., Journal of Urban Ecology, 2025, 11(1)) untersuchte Mitarbeitende der Wildvogelstation die Frage, welche Faktoren Stockenten zur Brut an derartigen Standorten verlocken. Diese Frage ist von hoher Relevanz für die weitere Arbeit der Wildvogelstation.
Highlights des Jahres 2024 in der Wildvogelstation waren die Betreuung eines jungen Habichts, der sich in ein Altchemikalien-Lager verirrt und dort offenbar vergiftet hatte, sowie einer Waldohreule, die mit einer Glasscheibe oder einem Auto zusammengeprallt war. Darüber hinaus führte das Team 4.612 telefonische Beratungsgespräche und beantwortete mehr als 1.000 Anfragen per Mail. Damit wurden fast 10 Prozent mehr Beratungen geleistet als 2023. Dies war nur möglich, weil eigens zu diesem Zweck zwei Werksstudentinnen eingestellt und geschult werden konnten.
Besonders gefreut hat uns, dass das Team der Wildvogelstation im Juli bereits eine erfolgreiche Mauersegler-Adoption durchführen konnte – nur ein Jahr, nachdem die ersten speziellen Adoptionskästen in Kooperation mit der Berliner Baugenossenschaft (bbg) eingebaut wurden. Weitere derartige Adoptionskästen, die vom Hausinneren zugänglich sind, wurden 2024 installiert.
Unsere Arbeit der Wildvogelstation - Eine Auswahl
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Erster verwaister Mauersegler erfolgreich adoptiert
Nach nur einem Jahr ist der erste Jungvogel aus unserem Mauersegler-Adoptionsprogramms erfolgreich adoptiert worden! Ein großer Erfolg, da so die aufwändige Handaufzucht der verwaisten Jungtiere umgangen werden kann.
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Verirrter Habicht aus Chemie-Lager gerettet
Im November fanden Bürger*innen einen geschwächten Habicht in der Halle eines Altchemikalien-Lagers. Das Tier wurde tiermedizinisch versorgt und später für die Pflege an die Wildvogelstation übergeben.
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Was sucht die Stockente auf dem Balkon?
Die Wildvogelstation des NABU Berlin rettet jährlich mehr als 100 Stockentenfamilien von Balkonen. In einer Langzeitstudie untersuchte die Station nun, welche Faktoren die Stockenten dazu bringen auf Balkonen zu brüten.
Wildtierberatung
Das seit 2014 existierende Wildtiertelefon des NABU Berlin ist mittlerweile berlinweit bekannt und wurde auch in diesem Jahr rege in Anspruch genommen, wie die im Vergleich zu den Vorjahren leicht erhöhte Zahl von über 3.000 beantworteten Anfragen bestätigt. Im Spannungsfeld zwischen dem Unvermögen, Wildtiere in der Stadt zu akzeptieren, einerseits und einer (oft exzessiv gelebten) Tierliebe andererseits ist es unser Ziel, den Bürger*innen adäquate Handlungsempfehlungen im Umgang mit „tierischen Mitbewohnern“ zu geben. So war die Fütterung von Wildtieren als Beispiel für missverstandene Tierliebe auch 2024 ein wiederkehrendes Thema vieler Beratungsgespräche.
Auch 2024 drehte sich die Mehrzahl der Beratungen (1.953) um jagdbare Arten. Wie bereits im Vorjahr führte auch in diesem Jahr der Waschbär mit insgesamt 769 Meldungen das Ranking an. Ihm folgte der Fuchs mit 687 Anfragen, auf den weiteren Plätzen rangierten Wildschwein (105), Steinmarder (86) und Dachs (11). Damit blieb die Zahl der Beratungen zum Thema Waschbär in diesem Jahr in etwa gleich hoch wie 2023 (786 Beratungen). Zum Fuchs erreichten uns hingegen knapp 100 Meldungen weniger als 2023 (777). Nach wie vor stellt die von Carolin Weh als private Dienstleistung angebotene „Waschbär-vor-Ort-Beratung“ eine wichtige Ergänzung unserer Arbeit dar. In diesem Jahr gaben wir ihre Kontaktdaten direkt an 87 Ratsuchende weiter.
Umweltbildung und Jugendarbeit
Im Jahr 2024 waren zwölf Kinder- und Jugendgruppen der NAJU Berlin aktiv, die von ehrenamtlichen Jugendleiter*innen in regelmäßigen Gruppentreffen betreut und von uns unterstützt wurden. Ornithologisch interessierte Kinder und Jugendliche konnten sich beispielsweise im „Mini Birders Club“ oder „Young Birders Club“ mit Gleichgesinnten zusammenschließen. Neu gegründet wurde 2024 die Kindergruppe „Die Reinis“ in Reinickendorf.
Für Kitas und Schulen boten wir eine breite Auswahl verschiedener Exkursionen und Vorträge an. Die Nachfrage war groß, so dass wir in 35 pädagogischen Einrichtungen Umweltbildungsveranstaltungen abhalten konnten. Im Rahmen der Kampagne „Faszination Falter“ führten wir gemeinsam mit Kindern und Lehrer*innen von vier Berliner Schulen Pflanzaktionen durch. Beim Falter-Malwettbewerb der Kampagne konnten Grundschulklassen Bilder von heimischen Schmetterlingen einreichen. Insgesamt wurden 117 Bilder eingesandt und drei Schulklassen mit Preisen ausgezeichnet.
In der Erwachsenenbildung engagierten wir uns, rege unterstützt von unseren ehrenamtlichen Bezirksgruppen, mit zahlreichen Führungen, Vorträgen und Workshops für ein breites Publikum. Besonders beliebt waren wie immer Vogelführungen in Berliner Parks und auf Friedhöfen, aber auch Exkursionen zum Thema Schmetterlinge und die botanischen Führungen der Bezirksgruppe Reinickendorf kamen gut an.
Rund 200 Interessierte, darunter viele aus Behörden, Verbänden und Forschungseinrichtungen, nahmen an unserem 23. Berliner Naturschutztag zum Thema Schutzgebiete Ende Februar teil. In unserer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift „Natur in Berlin“ informierten wir auch 2024 wieder unsere Mitglieder und andere Naturinteressierte über Themen rund um den Naturschutz und die Artenvielfalt in der Hauptstadt. Auch auf unseren Social-Media-Kanälen werben wir um Aufmerksamkeit für unsere Themen und informieren über Naturphänomene, besonders erfolgreich auf Instagram. Auf Facebook und X waren wir ebenfalls präsent und seit März 2024 auch auf TikTok, um dort speziell ein junges Publikum anzusprechen.
Unsere Arbeit im Bereich Umweltbildung und Jugendarbeit - Eine Auswahl
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Berliner Schüler*innen malen bunte Falter
Die Siegerinnen des Falter-Malwettbewerbs stehen fest! Insgesamt sind 117 Bilder beim NABU Berlin eingegangen. Der Malwettbewerb für die Klassenstufen eins bis sechs fand im Rahmen der „Faszination Falter“ Kampagne statt.
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Berliner Naturschutztag 2024
Auf dem Berliner Naturschutztag 2024 ging es hoch her zum Thema Naturschutzgebiete. Referent*innen hielten spannende Vorträge zu Themen wie Beweidung, Pestizide oder Naturerfahrung. Eins wurde jedoch deutlich: Schutzgebiete schützen häufig nicht richtig.
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Mitgliedermagazin „Natur in Berlin“
Unser Mitgliedermagazin berichtet über alle Themen rund um die Berliner Stadtnatur. „Natur in Berlin“ erscheint viermal im Jahr und wird allen Berliner NABU-Mitgliedern kostenlos zugestellt.
Ehrenamtliches Engagement
Wie in den Vorjahren betreuten unsere ehrenamtlichen Gruppen wieder zahlreiche wertvolle Naturgebiete, unter anderem das Vogelschutzreservat am Flughafensee, die Sanddünen im Wedding und in Karlshorst, Flächen im NSG „Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ“ (Köppchensee), im NSG Biesenhorster Sand, im Glühwürmchengrund (Spandau), in der Gatower Heide, geschützte Biotope an der Rummelsburger Bucht sowie rund 3,5 Hektar Frisch- und Streuobstwiesen sowie Halbtrockenrasen in Marzahn-Hellersdorf.
Im eher innenstädtischen Bereich pflegten unsere Ehrenamtlichen viele Blühflächen und Wildstaudenbeete, etwa in der Palisadenstraße (BG Friedrichshain-Kreuzberg), im Stadtpark Steglitz, im Märkischen Viertel und den Duftgarten im Volkspark Friedrichshain. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Engagement der Bezirksgruppe Reinickendorf, die allein 15 Frühblüherflächen sowie mehrere Wildstaudenbeete in Grünanlagen des Bezirks betreut. Mit dem Projekt „Weniger Mähen für mehr Artenvielfalt!“ werben die Reinickendorfer Aktiven zudem erfolgreich für ein ökologisch verträgliches Mahd-Regime auf Schulwiesen.
Ein wichtiges Thema der NABU-Ehrenamtlichen ist auch die Aufhängung und Kontrolle von Nistkästen in Parks und Wäldern, woran sich beispielsweise die Bezirksgruppen Mitte (im Tiergarten), Spandau (Spandauer Forst), Reinickendorf (im Park des Humboldt-Schlosses und auf der Halbinsel Reiherwerder) sowie Treptow-Köpenick (Treptower Park) mit viel Engagement beteiligten. Nistgelegenheiten der besonderen Art pflegten die Spandauer Aktiven, indem sie die Uferschwalbenwand auf dem Gatower Golfplatz frisch abstachen, sowie die AG Flughafensee, die eine Nistwand für Eisvögel anlegte. Die BG Reinickendorf wiederum pflegt 45 spezielle Waldkauznistkästen, währen die BG Marzahn Hellersdorf mehr als 50 Turmfalkenreviere betreut.
Auch an Müllsammelaktionen beteiligen sich ehrenamtlich Aktive des NABU Berlin regelmäßig, etwa auf dem Schöneberger Südgelände (BG Steglitz-Zehlendorf), an der Moorlinse Buch und im Ernst-Thälmann-Park (BG Pankow) sowie im Rahmen des „World Cleanup Days“ im September im Park Thomashöhe (BG Neukölln).
Berichte aus unseren Gruppen - Eine Auswahl
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Neue Bienenweide in Reinickendorf
In Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt Reinickendorf legte die Bezirksgruppe eine Wildkräuterfläche an. Zweimal jährlich übernimmt die Gruppe dort ab jetzt die Pflege.
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Nistkastenkontrolle im Treptower Park 2024
Die BG Treptow-Köpenick hat im Herbst 2024 im Treptower Park Nistkästen kontrolliert. Neben der Reinigung und Reparatur hat sie auch die Tiere bestimmt, die die Kästen als Bruthöhle oder Unterschlupf genutzt haben.
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Bruterfolg der Weißstörche in Lichtenberg und Pankow
Ganze acht Jungstörche gab es dieses Jahr in Berlin, so viele wie seit 2008 nicht mehr! Mit dieser Anzahl an Jungvögeln bleibt der Brutbestand erhalten. Grund für dieses erfolgreiche Storchenjahr sind die vielen Niederschläge seit Herbst letzten Jahres.
Schnappschüsse aus den Gruppen
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Die AG Flughafensee beim Arbeitseinsatz an der Eisvogelwand. - Foto: Frank Sieste
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Die BG Steglitz-Zehlendorf bei der Blühstreifenpflege. - Foto: BG Steglitz Zehlendorf
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Die AG Köppchensee beim Baumschnitt. - Foto: AG Köppchensee
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Auftrieb der Weidetiere am Biesenhorster Sand. - Foto: Jens Scharon
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Die BG Friedrichshain-Kreuzberg nach ihrem Einsatz für den Trockenrasen. - Foto: BG Friedrichshain-Kreuzberg
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Die BG Marzahn-Hellersdorf bei der Wiesenpflege. - Foto: BG Marzahn-Hellersdorf
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Die FG Baumschutz bei einer Pflanzaktion. - Foto: FG Baumschutz
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Die BG Pankow bei einem Einsatz am Viktoria-Teich. - Foto: BG Pankow
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Die BG Lichtenberg bei der Neophytenbeseitigung auf dem Biesenhorster Sand. - Foto: Jens Scharon
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Die BG Neukölln nach einer erfolgreichen Müllsammelaktion. - Foto: BG Neukölln
Einnahmen
Im Jahr 2024 konnte das zwischenzeitliche Überschreiten der 22.000-Mitglieder-Marke leider nicht bis zum Jahresende gehalten werden. Im Saldo verlor der NABU 95 Mitglieder und startete 2025 mit 21.898 Mitgliedern. Die niedrige Kündigungsquote von 5,8% unserer Mitglieder (die zweitniedrigste im ganzen Verband) spricht jedoch für eine hohe Zufriedenheit unserer Mitglieder; inzwischen (Mitte Mai 2025) liegen wir mit 22.166 Mitgliedern auch wieder im Plus.
Unverändert stellten die Mitgliedsbeiträge in Höhe von 613.362 € Im Jahr 2024 die Hauptsäule unserer Einnahmen. Hinzu kamen Projektförderungen durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz (SenMVKU) in Höhe von 758.039 €, die für Personal und Sachmittel spezifischer Projekte wie “Artenschutz am Gebäude” und den Hymenopterendienst verwendet wurden. Herbei war eine unerwartete Erhöhung des Ausgabenersatzes für den Betrieb der Wildvogelstation durch SenMVKU besonders erfreulich, da sie erstmals für einen kostendeckenden Betrieb der Station sorgte. Die dritte Säule, die Spenden und Patenschaften, trugen mit 161.631 € zur Finanzierung unserer Naturschutzarbeit bei. Infolge mehrerer Erbschaften in Höhe von insgesamt 209.075 € wurden die projektierten Einnahmen unerwartet zusätzlich erhöht. Erfreulich entwickelten sich die Einnahmen aus dem Zweckbetrieb, die mit etwas über 8.000 € auf den höchsten Stand seit 2021 stiegen.
Der Verkauf von Ersatzniststätten und anderen Produkten fiel hingegen nur halb so groß aus wie im Vorjahr (23.196 €), und die uns zugesprochene Bußgelder in Höhe von 12.620 € lagen etwas unter dem Vorjahresergebnis. Insgesamt wurden Einnahmen in Höhe von 1.805.669 € erzielt, die unseren (wie üblich eher konservativen) Haushaltsansatz um rund 448.208 € überschritten. Vor dem Hintergrund der unerwarteten Erbschaft und des erhöhten Ausgabenersatzes für die Wildvogelstation liegt die Einnahmenüberschreitung in etwa wie im Vorjahr.
Einnahmen des NABU Berlin 2024 - Illustration: Ruth Lankeit
Ausgaben
Die projektierten Kosten der Geschäftsstelle wurden um rund 31.000 € überschritten, was vornehmlich Kostensteigerungen im Bereich IT-Lizenzen und -Betreuung zuzuschreiben war. Mit insgesamt 831.704 € wurde der Natur- und Artenschutz in Berlin mit fast 100.000 € zusätzlichen Mitteln (bezogen auf 2023) vorangebracht. Auch die Öffentlichkeitsarbeit konnte mit rund 45.000 € zusätzlichen Mitteln gestützt werden. Auf die Gehälter entfielen rund eine Million Euro der Gesamtausgaben in Höhe von 1.557.485 €.
In der Bilanz ergab sich für den NABU Berlin im Jahr 2024 ein Gewinn von 248.184 €, der das eigentlich geplante Defizit von -96.616 € mehr als ausglich. Die Rücklagen stiegen daher auf 1.702.261 €.
Der Jahresabschluss 2024 wurde im März 2024 durch eine Kassenprüferin und einen Kassenprüfer geprüft und blieb ohne inhaltliche Beanstandungen.
Ausgaben 2024 - Illustration: Ruth Lankeit
Ausblick 2025
Der Finanzplan 2025 wurde etwas progressiver, doch unverändert unter Ausblendung nicht antizipierbarer Einnahmen wie Erbschaften aufgestellt. Bei den Mitgliedsbeiträgen sind wir aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren von höheren Planzahlen ausgegangen und haben die Einnahmeerwartungen etwas heraufgesetzt sowie den “strukturellen Finanzausgleich” mit eingeplant.
Dieser wird sich nach Beschluss der BVV wie folgt entwickeln:
- 2022 : 29.137,00 €
- 2023: 51.923,00 €
- 2024: 82.696,00 €
- 2025: 99.220,00 €*
- 2026: 115.238,00 €
- 2027: 130.577,00 €
* Aufgrund der Unterstützung des wirtschaftlich angeschlagenen LV Bremen wird diese Zuweisung um voraussichtlich 9.100 € auf 90.110 € gesenkt.
Das für 2025 geplante Defizit ist mit -121.948 € infolge der Berücksichtigung der erhöhten Kosten für die IT und der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben (zum Beispiel E-Rechnung und Datensicherung) höher als der Planansatz für 2024.
Für die Wildvogelstation hoffen wir aktuell auf einen deutlich erhöhten Ausgabenersatz durch das Land Berlin. Zusätzlich hoffen wir auf Unterstützung des Umweltbildungsstandorts der „Artengärtnerei“ durch das Land. Bei den Ausgaben erwarten wir im Jahr 2025 (ggf. auch erst 2026) höhere Investitionen für die Geschäftsstelle, da wir aktuell die Sanierung und Verschönerung des Ladengeschäfts sowie des Versammlungsraums planen, um die Attraktivität, aber auch die Nutzbarkeit durch die Gruppen zu verbessern.
