Das Mauerseglerjahr 2026
Glück und Pech im Nistkasten
Mauersegler verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft – außer zur Brutzeit. Um sie während der kurzen Zeit am Brutplatz ungestört beobachten zu können, haben wir in diesem Jahr eine neue Webcam gestartet: In mehreren Nistkästen, die im Rahmen des Mauersegler-Adoptionsverfahrens der NABU-Wildvogelstation angebracht worden waren, wurden in Kooperation mit einem Hausbewohner Kameras installiert. In zwei dieser Nistkästen zogen Anfang Mai zwei Mauersegler-Familien ein.
Im ersten Nistkasten bezog das „Paula und Paul“ getaufte Pärchen ihr Quartier und begann eifrig mit dem Nestbau. Dafür sammelten sie leichte Materialien wie Grashalme, Federn und Blätter während des Fluges ein und verkleben sie mit ihrem Speichel zu einem Nest.
Mitte Mai war das Gelege mit drei Eiern bereits vollständig. Mauersegler bebrüten ihre Eier etwa 18 bis 20 Tage lang abwechselnd von beiden Elternvögeln. Anfang Juni schlüpfte das erste Küken, wenig später folgten auch die beiden anderen. Die drei Jungvögel entwickelten sich prächtig und wurden regelmäßig von ihren Eltern gefüttert und in den ersten Wochen unter dem Federkleid gehudert.
Auch die extreme Hitze Ende Juni überstanden die Jungvögel glücklicherweise gut. Schon bald waren sie kräftig genug, um mit ihren ersten „Liegestützen“ zu beginnen – einer wichtigen Übung für die bevorstehenden ersten Flugversuche. Die Nestlingszeit der Mauersegler dauert etwa 40 bis 45 Tage und wird auch vom Wetter beeinflusst: Die Jungvögel verlassen das Nest erst, wenn die Bedingungen für ihren ersten Flug günstig sind.
Am 13. Juli war es dann so weit: Alle drei Jungvögel von „Paul und Paula“ flogen aus und kehrten – wie üblich bei Mauerseglern – auch nicht mehr in ihre Brutstätte zurück. Die Alttiere wurden jedoch interessanterweise vor allem in den Abendstunden immer wieder im Nistkasten beobachtet. Vermutlich wollten „Paul und Paula“ ihr vertrautes Quartier für die nächste Brutsaison „reservieren“, denn Mauersegler sind ausgesprochen nistplatztreu und kehren mit etwas Glück im kommenden Jahr zurück.
Eine späte und leider erfolglose Brut bei „Giesela und Gerd“
Auch der zweite Nistkasten bekam in diesem Jahr Bewohner: „Giesela und Gerd“ zogen dort ein, allerdings deutlich später als „Paul und Paula“. Sie waren sehr lange mit dem Nestbau beschäftigt und zunächst vor allem am Abend im Nistkasten zu beobachten.
Ende Juni lag schließlich das erste Ei in der Nistmulde, kurz darauf das Zweite. Ein weiteres Ei lag außerhalb des Nestes. So späte Bruten wie diese kommen bei Mauerseglern zwar vor, sind jedoch äußerst ungewöhnlich und enden oft ohne Erfolg.
So kam es leider auch in diesem Fall. Vier Wochen nach der Eiablage waren keine Küken geschlüpft. Ende Juli war schließlich klar, dass die Brut nicht mehr klappen würde: „Giesela und Gerd“ warfen ihre beiden Eier aus dem Nest und gaben die Brut für dieses Jahr auf.
Rückzug nach Afrika
Nach der Bruttzeit neigt sich für die Mauersegler die Zeit in unseren Breitengraden dem Ende zu: Im August bereiten sich die Tiere als Langstreckenzieher auf ihren Rückzug nach Afrika vor und werden immer seltener in der Stadt gesehen – und gehört.
Damit endet eine ereignisreiche Brutsaison, in der wir dank der Webcam faszinierende Einblicke in das verborgene Leben der Mauersegler gewinnen konnten. Wir hoffen, dass die Vögel ihre lange Reise gut überstehen und wir sie im kommenden Frühjahr wieder in Berlin und vielleicht sogar vor unserer Webcam wiedersehen!
Text: Jasmin Sadig, August 2026
