Berlin-Wahl 2026
Mehr Klima- und Artenschutz in der Hauptstadt!
Am 20. September 2026 wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Dabei entscheidet sich auch, wie zukunftsfähig unsere Stadt sein wird. Der aktuelle Hitzesommer hat gezeigt: Der Schutz des Klimas, der Gewässer und Grünanlagen sind zentrale Themen, die in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Um den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen braucht es verbindliche Artenschutzprogramme und Strukturen, die Lebensräume schaffen und erhalten.
Wir erwarten von der künftigen Landesregierung klare und verbindliche Ziele statt weiterer Verzögerungen! Berlin muss seine Verantwortung für den Klima- und Artenschutz ernst nehmen. Worauf es dabei besonders ankommt, fassen wir in unserem 8-Punkte-Programm zusammen.
Wahl-Check
20 Thesen zu Natur- und Umweltschutz in Berlin
Wie stehen die Berliner Parteien zu zentralen Fragen im Natur- und Umweltschutz in Berlin? Vergleichen Sie Ihre Überzeugungen mit denen der SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE mit Hilfe unseres Wahl-Checks! Die Position des NABU Berlin finden Sie zusätzlich zur Einordnung direkt unter jeder These.
Unser 8-Punkte-Programm zur Berlin-Wahl
Hausaufgaben für den neuen Senat
1. Freiflächen freihalten!
Die Hitzewelle im Juni 2026 hat uns die Bedeutung von Freiflächen drastisch vor Augen geführt. Sie sind nicht nur Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, sondern auch unverzichtbar für das Stadtklima und damit das Wohlbefinden der Berliner*innen. Wir fordern daher, alle im Stadtentwicklungsplan (StEP) Wohnen 2040 vorgesehenen Neubaugebiete unter Naturschutzaspekten neu zu bewerten. Flächen mit hoher Bedeutung für Artenvielfalt, Biotopverbund, Stadtklima oder Landschaftsschutz dürfen nicht bebaut werden, insbesondere die Elisabeth-Aue, das Tempelhofer Feld und sämtliche Berliner Friedhöfe. Stattdessen muss Berlin konsequent bereits versiegelte Flächen für den Wohnungsbau nutzen, auch durch die Umnutzung von Büroflächen und Aufstockung bestehender Gebäude.
2. Erst entsiegeln, dann bauen!
Um das Ziel der Netto-Null-Versiegelung bis 2030 zu erreichen, muss der Senat seinen Absichtserklärungen endlich verbindliche Maßnahmen folgen lassen. Wir fordern, dass für jeden neu versiegelten Quadratmeter bereits vor Baubeginn eine gleich große Fläche im selben Bezirk entsiegelt und ökologisch aufgewertet wird. Um die Kosten der Entsiegelung und Bodensanierung zu decken, fordern wir, die Einrichtung eines Entsiegelungsfonds zu prüfen. Dieser Fonds soll durch eine Abgabe auf jede unvermeidbare Neuversiegelung gespeist werden.
3. Mit Klimaanpassung ernst machen!
Neue Bäume pflanzen ist wichtig, reicht aber nicht aus. Wir fordern, existierende Bäume besser zu schützen und Grünflächen naturnah zu pflegen, damit sie ihre kühlende Wirkung für das Stadtklima entfalten, Wasser speichern und Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten können. Der Senat soll daher das „Handbuch gute Pflege“ für alle öffentlichen Berliner Grünanlagen verbindlich machen. Der Schutz alter Bäume muss bei Bauvorhaben stärker berücksichtigt werden. Fällungen sind durch gründliche Prüfung von Alternativen nach Möglichkeit zu vermeiden. Fassadenbegrünungen müssen als wichtiger Baustein der Klimaanpassung wirksamer gefördert werden. Wir fordern, rechtliche und praktische Hürden für Begrünungsprojekte abzubauen und die Nutzung des öffentlichen Raums dafür zu erleichtern.
4. Wasser sparen, Gewässer schützen!
Berlin muss Wasser als wertvolle Ressource schützen und dabei sowohl seine Verfügbarkeit als auch seine Qualität im Blick behalten. Klimawandel, zunehmende Trockenperioden und sinkende Grundwasserstände setzen den Berliner Wasserhaushalt unter Druck. Besonders sensible Ökosysteme wie FFH-Gebiete dürfen nicht durch weitere Wasserentnahmen geschädigt werden. Wir fordern deshalb, Wasserentnahmen aus geschützten Gebieten konsequent zu begrenzen und mehr Ressourcen für die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bereitzustellen. Gleichzeitig muss Berlin die Abkopplung des Gebäudebestands von der Kanalisation deutlich beschleunigen. Regenwasser soll verstärkt vor Ort zurückgehalten und dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt werden. Für Neubauquartiere müssen innovative Wasserkonzepte zum Standard werden, die Regen- und Grauwasser nutzen, um Trinkwasser zu sparen.
5. Verbindliche Artenhilfsprogramme auflegen!
Das Berliner Landschaftsprogramm (LaPro) sieht für eine Reihe besonders gefährdeter Arten Hilfsprogramme vor. Für die meisten dieser Arten gibt es jedoch noch immer keine konkrete Programme. Wir fordern, für alle im LaPro benannten Arten systematisch zu prüfen, ob wirksame Artenhilfsprogramme existieren. Die Lücken sind unverzüglich durch Programme mit konkreten Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zu schließen. Besonderer Handlungsbedarf besteht bei wiesenbrütenden Vögeln und Amphibien.
6. Lebensraum an Gebäuden schützen und schaffen!
Durch Sanierungen und Neubauten mit glatten Glas- und Betonfassaden gehen wichtige Nist- und Quartiermöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse verloren. Der Bestand gebäudebewohnende Arten wie Haussperling und Mehlschwalbe geht deutlich zurück. Wir fordern, den Schutz gebäudebewohnender Arten durch verlässliche Beratungsangebote, die Qualifizierung von Artenschutzgutachter*innen und die systematische Erfassung von Lebensstätten zu stärken. Bei Neubauten reicht Beratung allein nicht aus. Der Einbau von Nisthilfen und Quartieren für Gebäudebrüter und Fledermäuse muss daher in der Berliner Bauordnung verpflichtend vorgeschrieben werden.
7. Vogelschlag an Glas verhindern!
Jedes Jahr sterben allein in Berlin rund vier Millionen Vögel durch Kollisionen mit Glasflächen. Deshalb fordern wir, vogelfreundliches Bauen durch eine Anpassung der Bauordnung verpflichtend zu machen: Große oder spiegelnde Glasflächen sind bei Neubauten und grundlegenden Sanierungen möglichst zu vermeiden. Wo Glas unverzichtbar ist, muss es so gestaltet werden, dass Vögel es erkennen und dem Hindernis ausweichen können. Auch bestehende Gebäude müssen sicherer werden. Wir fordern daher ein Programm zur Nachrüstung besonders gefährlicher Glasflächen – beginnend mit öffentlichen Gebäuden, die bis 2030 vogelfreundlich umgestaltet werden sollen.
8. Artenschutz nicht kaputt sparen!
Naturschutz- und Umweltverbände leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz der Berliner Natur. Damit sie ihre Aufgaben erfüllen können, braucht es eine verlässliche und ausreichende Finanzierung. Wir fordern deshalb, erfolgreiche Artenschutzprojekte langfristig abzusichern und nicht durch kurze Förderperioden zu gefährden. Dazu gehören beim NABU Berlin unter anderem die Wildvogelstation, deren dringend notwendiger Neubau seit Jahren aussteht, und die Projekte "Artenschutz am Gebäude" und "Hymenopterendienst". Auch die Arbeit anderer Berliner Umweltverbände muss verlässlich abgesichert werden. Denn Artenschutz braucht nicht nur Ziele, sondern auch tragfähige Strukturen für die Umsetzung.
