Männerfresserin auf dem Vormarsch
Die Gottesanbeterin lässt sich im Hitzejahr 2026 besonders früh und häufig beobachten
Gottesanbeterin - Foto: NABU/CEWE/Michael Reuter
Berlin, 7. August 2026 – Aufgrund des Klimawandels breitet sich die Gottesanbeterin seit einigen Jahren in Deutschland aus – auch in der Hauptstadt. Der Hitzesommer 2026 scheint der Fangschrecke besonders gutzutun. Üblicherweise werden die meisten Gottesanbeterinnen erst im August auf NABU-naturgucker.de gemeldet. Doch allein in der letzten Juliwoche gingen auf der Plattform bereits mehr als 2.000 Beobachtungen ein, darunter 166 Meldungen aus Berlin. Wir sind gespannt, wie sich die Saison weiterentwickelt.
Auf dem Weg von der Larve zum erwachsenen Insekt häuten sich Gottesanbeterinnen mindestens sechs Mal. Je nach Umgebung sind sie grün oder braun gefärbt und dadurch bestens getarnt. Flügel haben nur die erwachsenen Tiere. Jetzt fallen sie besonders auf: Auf der Suche nach Nahrung und Paarungspartnern unternehmen sie kurze Flüge, landen in Gärten oder verirren sich sogar in Häuser. Die Hitzewellen haben vermutlich ihr Übriges getan und die Gottesanbeterinnen schneller wachsen lassen.
Bis vor wenigen Jahrzehnten galt die auch Mantis genannte Gottesanbeterin als Exotin und kam nur in den wärmsten Regionen Deutschlands vor. Im Zuge des Klimawandels hat sie ihr Verbreitungsgebiet deutlich ausgedehnt und ist inzwischen in allen Berliner Bezirken anzutreffen. Auf dem Schöneberger Südgelände wurden vermutlich bereits seit den 1980er-Jahren ausgesetzte Tiere gefunden. Heute kann man in ganz Berlin auf Brachen, Schuttflächen oder an sonnigen Wegrändern mit etwas Glück diesem faszinierenden Insekt begegnen.
Wer eine Gottesanbeterin entdeckt, sollte sie unbedingt melden. Die Art eignet sich hervorragend für Citizen Science. Sie ist ruhig, lässt sich gut fotografieren und ist durch ihre großen Fangarme praktisch unverwechselbar. Unsere Auswertungen zeigen, dass es nur selten zu Fehlbestimmungen kommt.
In den kommenden Wochen beginnt die Paarungszeit. Noch bis etwa Mitte September sind Gottesanbeterinnen häufig zu beobachten, danach nimmt ihre Zahl rasch ab. Rund ein Drittel der Männchen stirbt unmittelbar nach der Paarung, weil es vom Weibchen gefressen wird. Was grausam klingt, ist biologisch sinnvoll: Die Männchen haben zur Fortpflanzung beigetragen, und die Weibchen gewinnen Energie für die aufwendige Produktion der Eier. Im Herbst sterben auch die Weibchen. Den Winter überstehen nur die sogenannten Ootheken – die schaumartigen Eipakete.
Text: Janna Einöder, 07.08.2026
Sie haben eine Gottesanbeterin in Berlin gesichtet? Melden Sie den Fund auf NABU-Naturgucker - gern mit Fotos!
Jetzt Gottesanbeterinnen melden!Einst war die Gottesanbeterin eines der seltensten Insekten Deutschlands. Inzwischen ist sie immer öfter in neuen Regionen zu finden. Berühmt und berüchtigt ist die Fangschrecke vor allem wegen ihres Paarungsverhaltens: dem sexuellen Kannibalismus. Mehr →
