Wie gut schützt uns die Natur noch?
Grün-Feucht-Kühl-Index: In Berlin besteht großer Handlungsbedarf bei der Klimaanpassung
Der Schutz des Stadtgrüns ist eine wichtige Voraussetzung für den Klimaschutz in der Hauptstadt - Foto: Jens Scharon
Berlin, 13. Juli 2026 – Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften: Der heute vom NABU und dem ECONICS Institut in Berlin vorgestellte Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) 2026 zeigt bundesweit, wie leistungsfähig Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung ist. Das Ergebnis alarmiert: Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern.
Auch in Berlin zeigt sich nach der letzten Hitzewelle einmal mehr, wie wichtig intakte Natur für den Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen ist. Langanhaltende Trockenheit schwächt Berliner Wälder seit Jahren massiv, Starkregenereignisse belasten regelmäßig die Fischpopulation der Spree und Hitze beeinträchtigt die Gesundheit von Mensch und Natur.
Der Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich: Natur ist keine Kulisse, sondern unsere natürliche Infrastruktur. Intakte Wälder, Moore, Auen und Grünflächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise. Der GFKI bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren Grün, Feucht und Kühl. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume weisen häufig Defizite auf. Der bundesweite Trend ist negativ.
„Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch.
Karte Grün-Feucht-Kühl-Index Berlin - Grafik: ECONICS Institute
Auch in Berlin sehen wir, dass wir die Schutzfunktionen der Grünflächen stärken müssen. Funktionierende Schutzgebiete, keine weitere Bebauung auf der ‚grünen Wiese‘ und der Schutz des Stadtgrüns sind wichtige Voraussetzungen für Klimaschutz und die Klimaanpassung. Gleichzeitig zeigt der Index: Renaturierung wirkt. Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen, etwa durch regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und Auen oder mehr Grün in den Städten.
Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Fast 85 Prozent der Menschen in Deutschland, in Berlin sogar 89 Prozent, befürworten das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.
Der NABU Berlin fordert den Senat auf, die natürliche Infrastruktur der Hauptstadt konsequent zu stärken. Dazu gehören die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung, die Unterschutzstellung wertvoller Naturräume wie der Moorlinse Buch sowie mehr Tempo bei der Renaturierung und der Vernetzung von Lebensräumen.
Text: Janna Einöder, 13.07.2026
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