Aktenzeichen Kreuzkröte: Noch immer ungelöst
Öffentlichkeitsbeteiligung zum Pankower Tor beginnt
Kreuzkröte auf Bahnbrache Berlin-Pankow - Foto: Jens Scharon
Berlin, 22. Juni 2026 – Nach wie vor ist das Kreuzkrötenproblem nicht gelöst. Die als Ersatzlebensraum für die Kröten eingeplante sogenannte Ostfläche kommt zwar prinzipiell als Habitat in Frage, ist aber mit fünf Hektar viel zu klein. Wir brauchen noch mindestens 25 weitere Hektar Ausgleichsfläche für die Kreuzkröten – und zwar nicht irgendwo in Brandenburg, sondern im Land Berlin! Bei einer gemeinsam mit dem BUND Berlin angebotenen Dialogveranstaltung am Donnerstag wird Rainer Altenkamp, 1. Vorsitzender des NABU Berlin, unsere Forderungen im Gespräch mit Politiker*innen und allen Interessierten erläutern.
Nach derzeitiger Planung sollen die Kreuzkröten auf die benachbarte Ostfläche, die zuvor eine Kleingartenkolonie war, umziehen. Dafür müsste das Areal jedoch erst hergerichtet werden. Insbesondere ein offener Graben, der die Ostfläche zerschneidet, stellt für die Kreuzkröten eine existenzielle Gefahr dar. Der Graben ist nicht nur eine Barriere, sondern erlaubt es auch anderen Amphibien, die Fläche zu besiedeln. Diese würden die konkurrenzschwache Kreuzkröte alsbald verdrängen.
Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Ostfläche als Ersatzhabitat. Ihr Charme ist, dass die Kröten sie von selbst besiedeln könnten – ohne das Risiko einer Umsiedlung von Menschenhand. Doch die Ostfläche muss erst einmal in einen brauchbaren Zustand versetzt werden. Und selbst wenn das Problem des Grabens gelöst wird, kann die Ostfläche lediglich ein Teil der Lösung sein.
Nach der wissenschaftlichen Literatur benötigen 10 bis 15 erwachsene Kreuzkröten einen Hektar Fläche. Wir haben hier am Pankower Tor mehrere hundert Tiere, für die fünf Hektar definitiv nicht ausreichen, zumal auch noch Zauneidechsen auf der Ostfläche angesiedelt werden sollen. Zauneidechsen haben etwas andere Bedürfnisse als Kreuzkröten, sodass die netto für die Amphibien geeignete Fläche nochmals schrumpfen würde.
Die einfache Lösung: Verzicht auf Möbelmarkt
Es ist eine grobe Täuschung der Öffentlichkeit, wenn Politiker*innen suggerieren, dass es bald mit den Bauarbeiten losgehen könnte. Eine Baufeldfreimachung schon 2027 geht völlig an der Realität vorbei. Eine schnelle Lösung gäbe es jedoch: Wenn der Investor darauf verzichtet, im jetzigen Kernlebensraum der Kreuzkröten seinen Möbelmarkt zu bauen, würde das den Planungsprozess enorm vereinfachen. Wir haben schon 2021 ein Alternativkonzept vorgelegt, wie sich sowohl ein Kreuzkröten-Reservat als auch Wohnungsbau am Pankower Tor vereinbaren ließen.
Die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens 3-60a zum Pankower Tor startet am 29. Juni 2026 und wird sechs Wochen dauern. Am morgigen Dienstag bietet das Pankower Bezirksamt eine digitale Informationsveranstaltung zum Stand der Planungen an, während am Donnerstag NABU Berlin und BUND Berlin zu einer gemeinsamen Dialogveranstaltung vor Ort einladen.
Die gemeinsame Veranstaltung von NABU Berlin und BUND Berlin zum Artenschutz am Pankower Tor findet am Donnerstag, 25. Juni 2026, von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr vor Ort statt und steht allen Interessierten offen. Treffpunkt ist vor dem Hauptzugang des S-Bahnhofs Pankow-Heinersdorf.
Text: Alexandra Rigos, 22.06.2026
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