Livestream aus der Mauersegler-Kinderstube
Neue Webcam zeigt seltene Einblicke ins Familienleben der Flugakrobaten
Mauersegler im Nistkasten - Foto: Carolin Zimmermann/naturgucker.de
Berlin, 02. Juni 2026 – Die Mauersegler sind zurück in Berlin und kreisen über der Stadt. Unverkennbar sind ihre schrillen “srieh srieh”-Rufe. Nun haben die Berliner*innen Gelegenheit, die Flugakrobaten von einer ganz anderen Seite zu erleben: Eine neue Webcam gibt einzigartige Einblicke in die Kinderstube zweier Mauersegler–Familien. Die beiden Paare nisten in zwei Kästen, die im Rahmen des Mauersegler-Adoptionsverfahrens der NABU-Wildvogelstation angebracht wurden.
Die neue NABU-Webcam wurde im Kooperation mit einem Hausbewohner installiert und sendet live im Wechsel jeweils zehn Minuten lang aus den beiden Kästen. Im ersten hat das “Paul und Paula” getaufte Paar schon vor einigen Wochen mit der Brut begonnen, und das erste Küken ist vor wenigen Tagen geschlüpft. Im zweiten Kasten bereiten sich “Gisela und Gerd” derzeit auf ihre Brut vor.
Wir freuen uns sehr, den Berliner*innen das sonst verborgene Leben der Mauersegler zeigen zu können. Außerhalb der Brutzeit verbringen die Flugkünstler fast ihr gesamtes Leben in der Luft. Umso besonderer ist es, sie während der kurzen Zeit am Brutplatz ungestört beobachten zu können.
Nester aus Halmen, Haaren und Federn
Mauersegler bauen ihre Nester aus Materialien, die sie im Flug sammeln: Halme, Haare, Federn oder Papierfetzen werden mit Speichel zu einem stabilen Nestring verklebt. Häufig nutzen sie auch bestehende Sperlingsnester als Grundlage.
Die zwei bis drei Eier werden von beiden Elternteilen etwa 18 bis 20 Tage lang bebrütet. Wir sind sehr gespannt, wie viele Junge die beiden Mauersegler-Paare in unseren Kästen großziehen wird. Natürlich hoffen wir auf gesunden Nachwuchs. Bis zu 55 Tage bleiben die Jungvögel anschließend im Nest.
Positiver Trend trotz aller Probleme
Die Nahrung der Mauersegler besteht ausschließlich aus Fluginsekten, die die Tiere während des Fluges im Kehlsack sammeln. Die Jungvögel werden mit haselnussgroßen Nahrungsballen gefüttert, die aus zahlreichen kleinen Insekten bestehen.
Neben Gebäudesanierungen, durch die viele der brutplatztreuen Tiere ihre Nistplätze verlieren, machen vor allem der Rückgang der Insekten und zunehmende Sommerhitze den Mauerseglern zu schaffen. Umso erfreulicher ist es, dass die aktuelle Rote Liste einen positiven Trend zeigt: In Berlin gibt es schätzungsweise 25.000 bis 35.000 Brutpaare. Dazu tragen sicher auch die vielen geschaffenen Ersatznistplätze bei. Wir hoffen sehr, dass sich dieser Trend fortsetzt.
Die Aufenthaltszeit der Langstreckenzieher in Berlin ist kurz: Anfang Mai kehren sie aus ihren Überwinterungsgebieten zurück, bereits im August und September treten sie wieder den Rückzug nach Afrika an.
Text: Alexandra Rigos, 02.06.2026
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