Plötzliche Wärme lässt Wildbienen früh erwachen
Wir rufen zur Pflanzung von Weiden auf
Mauerbienen - Foto: Wolfang Loth/naturgucker.de
Berlin, 04. März 2026 – Mit den ersten warmen Tagen erwacht die Stadtnatur: Wildbienen fliegen, erste Falter zeigen sich, und Amphibien sind auf Wanderschaft. Doch der abrupte Start in den Frühling birgt für manche Arten Risiken. Denn wenn Bestäuber wie die Weiden-Sandbiene aktiv werden, bevor ihre wichtigsten Nahrungspflanzen, frühblühende Weidenarten der Gattung Salix, in voller Blüte stehen, kommt ihre ökologische Beziehung aus dem Takt.
Die milde Witterung lockt viele Wildbienenarten, wie die Weiden-Sandbiene früh aus ihren Winterquartieren. Gleichzeitig sehen wir, dass die Weiden noch nicht oder nur zögerlich blühen. Das kann dazu führen, dass Wildbienen unterwegs sind, aber noch nicht genügend Nahrung finden, denn sie sind auf diese Pollen- und Nektarquelle angewiesen.
Weiden – unverzichtbares Blühangebot im Frühjahr
Frühblühende Weidenarten wie die Sal-Weide (Salix caprea) oder die Grau-Weide (Salix cinerea) liefern eiweißreichen Pollen und energiereichen Nektar – genau dann, wenn sich andere Blühpflanzen noch rarmachen. Während zum Beispiel Blumenwiesen erst ab Mai nennenswerte Blütenmengen hervorbringen, stehen Weidenkätzchen schon sechs bis acht Wochen früher zur Verfügung.
Weiden sind weit mehr als dekorative Frühlingsboten. Als heimische Gehölze bieten sie über Jahrzehnte hinweg verlässlich Nahrung und sind Lebensgrundlage für zahlreiche Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um sich eine Weide in den Garten zu holen. Das Schöne ist: Ausreichend Feuchtigkeit vorausgesetzt, sind Weiden robust und anspruchslos. Vor allem strauchartig wachsende Arten wie die Rosmarin-Weide (Salix rosmarinifolia) sind auch für den Garten geeignet, zwergwüchsige wie die Kraut-Weide (Salix herbacea) und gedeihen sogar im Topf auf dem Balkon an sonnigen bis halbschattigen Standorten.
Stadtnatur widerstandsfähig gestalten
Neben den Weiden sind auch andere Strukturen und Lebensräume und deren Zusammenspiel wichtig für das Überleben von Wildbienen. Jeder und jede kann einen Beitrag zur Förderung einer vielfältigen Stadtnatur leisten:
- Heimische Gehölze pflanzen: Weiden und andere früh blühende Sträucher wie die Kornelkirsche bieten Nahrungsquellen für Insekten in einer Zeit, in der noch wenig anderes blüht.
- Strukturvielfalt erhalten und schaffen: Neben Gehölzen tragen artenreiche Wiesen, extensiv gepflegte Grünflächen, “Wilde Ecken” im Garten und Totholz- oder Steinhaufen zur Biodiversität bei.
- Pflegezeiten anpassen: Wildbienen und andere Insekten profitieren, wenn Grünflächen später oder weniger intensiv gemäht werden, weil so Larven, Eier und Neststandorte geschützt werden.
- Entsiegelung und Boden-Lebensräume: Freigelegte, offene Bodenstellen sind wichtig für im Erdreich nistende Wildbienen.
Text von Janna Einöder, 04.03.2026
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