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Streusalz ist kein Wundermittel bei Eisglätte

Bedeutung wird allgemein überschätzt

Die Glätte auf Berliner Gehwegen ist nicht durch das Streusalzverbot bedingt, sondern durch vielerorts überhaupt nicht gestreute Wege.  Wir fordern von Senat und Bezirken, ihre Verantwortung für die Räumung von Straßen, Rad- und Gehwegen besser wahrzunehmen.

Man sieht die Beine einer Person, die über einen vereisten Gehweg gehen.

Foto: dimaberlinphotos/Canva

Berlin, 06. Februar 2026 – Angesichts der fortdauernden Debatte um die wirksame Räumung von Eis und Schnee in der Hauptstadt fordern wir von Senat und Bezirken, ihre Verantwortung für die Räumung von Straßen, Rad- und Gehwegen besser wahrzunehmen, statt den Bürger*innen zu suggerieren, Streusalz sei die einzige Lösung des Problems.

Die seit Wochen andauernde Glätte führt zu Stress und vielen Unfällen. Die Situation geht an die Nerven, das verstehen wir. Allgemein wird jedoch die Bedeutung von Streusalz massiv überschätzt. Viele Menschen halten Streusalz offenbar für eine Art Wundermittel, das die Glätte im Handumdrehen beseitigen würde. Aber so ist es nicht.

Auch die Berliner Stadtreinigung bestätigt, dass Salz allein vereiste Gehwege häufig nicht gefahrlos passierbar macht. Vor allem, wenn es sehr kalt wird, kann Streusalz die Lage sogar verschlimmern, da die angetaute Schicht zu einer spiegelglatten Eisfläche gefriert. Abstumpfende Mittel wie Sand und Splitt sind nicht nur wesentlich umweltverträglicher, sondern wirken auch bei sehr tiefen Temperaturen und über längere Zeit. Das Berliner Straßenreinigungsgesetz schreibt den Einsatz abstumpfender Mittel bei Schnee- und Eisglätte explizit vor. Streusalz kann und darf Sand und Splitt also nicht ersetzen.

Der NABU Berlin weist nochmals darauf hin, dass die gefährliche Glätte auf Berliner Gehwegen und Plätzen nicht durch das Streusalzverbot für Privatpersonen bedingt war, das im Übrigen in Berlin seit 1978 gilt (StrReinG vom 19.12.1978). Denn vielerorts wurde überhaupt nicht geräumt oder gestreut. Ein Grundstücksbesitzer, der den Gehweg vor seinem Haus nicht räumt, hätte es auch mit Streusalz nicht getan. Statt über die vermeintliche Wunderwaffe Streusalz zu streiten, sollten Senat und Bezirke lieber zusehen, dass sie den Räumdienst auf öffentlichen Flächen und Wegen in den Griff bekommen und die Räumungspflicht der Grundstücksbesitzer*innen wirksam durchsetzen.


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Faktencheck zum Streusalzverbot


Streusalz ist das einzige Mittel, das in der jetzigen Situation hilft.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) weist aktuell darauf hin, dass bei geschlossener Eisschicht Streuen allein – auch mit Salz – nicht hilft. Entscheidend ist das mechanische Aufbrechen des Eises und das Freiräumen eines begehbaren Streifens; erst danach wirken Splitt oder Sand. Salz ist dann nicht erforderlich.  

Die gefährliche Glätte auf Berliner Gehwegen und Plätzen ist daher nicht Folge des Streusalzverbots für Privatpersonen, sondern entstand vielerorts dort, wo überhaupt nicht oder nur unzureichend geräumt wurde.

Über das Salz regt ihr euch auf, aber seid damit einverstanden, dass hunderte Bäume für Windkraft gefällt werden.

Der NABU Berlin lehnt Windenergieanlagen im Wald strikt ab und hat diesen Standpunkt stets öffentlich vertreten. Auch im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zu den Windenergiegebieten in Berlin haben wir unsere Bedenken im Sommer 2025 in einer Stellungnahme formuliert. Wälder sind besonders schützenswerte Lebensräume und daher aus naturschutzfachlicher Sicht als Standorte für Windenergieanlagen ungeeignet. Unsere Position zur Windenergie finden Sie hier: https://berlin.nabu.de/stadt-und-natur/stadtentwicklung/33743.html 

Ihr stellt das Leben von Bäumen über das Leben von Menschen.

Der Mensch ist ein Teil der Natur. Der Schutz von Menschen und der Schutz der Natur sind kein Gegensatz. Gesunde Stadtbäume, Grünflächen und eine intakte Umwelt sind Teil unserer Lebensgrundlage: Bäume kühlen die Stadt in Hitzeperioden, verbessern die Luftqualität, speichern Wasser, mindern Lärm, Grünflächen bieten Räume für Erholung, Bewegung und Begegnung. Deshalb setzen wir uns für Lösungen ein, die den Schutz von Menschen und Umwelt gleichermaßen berücksichtigen – etwa durch den umweltverträglichen Einsatz von Splitt und Sand auf beräumten Gehwegen und Plätzen.

Das ist eine Ausnahmesituation. Für zwei Wochen Salz streuen ist okay und schadet den Bäumen nicht.

Auch in Ausnahmesituationen ist der Einsatz von Streusalz nicht folgenlos. Streusalz (Natriumchlorid) gelangt mit dem Schmelzwasser in den Boden, wird über die Wurzeln aufgenommen und verursacht sogenannten Salzstress. Die Folgen zeigen sich häufig zeitverzögert, etwa durch verspäteten Austrieb, sehr kleine und braune Blätter oder vorzeitigen Laubfall – besonders bei salzempfindlichen Arten wie Ahorn, Linde und Kastanie, die einen Großteil der Berliner Straßenbäume ausmachen. 

Zudem schädigt Streusalz die Böden, indem es ihre Struktur verändert, das Auswaschen von Nährstoffen begünstigt und die Wasserspeicherfähigkeit verringert. Bodenlebewesen werden beeinträchtigt, Pflanzen anfälliger für Krankheiten und die Entwicklung neuer Vegetation erschwert. Das Salz reichert sich in Böden und Stadtbäumen an und beeinträchtig so langfristig ihre Vitalität sowie die ökologische Funktionsfähigkeit der Stadtnatur. 

Quellen: Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/streumittel-umweltschonend-gegen-glaette-ohne-salz#wie-sie-klimafreundlich-gegen-gltte-auf-gehwegen-vorgehen 
Łuczak, K., Czerniawska-Kusza, I., Rosik-Dulewska, C., & Kusza, G. (2021). Effect of NaCl road salt on the ionic composition of soils and Aesculus hippocastanum foliage and leaf damage intensity. Scientific Reports, 11, 5309 

Was sollen denn alte Leute tun, die nicht mehr rausgehen können?

Die Sorge um ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen ist sehr gut nachvollziehbar – niemand soll wegen Glatteis stürzen oder seine Wohnung nicht mehr sicher verlassen können. 

Gleichzeitig ist wichtig klarzustellen: Die gefährliche Glätte in Berlin ist nicht durch das Streusalzverbot entstanden, sondern dort, wo Gehwege nicht ausreichend geräumt und Eisflächen nicht aufgebrochen wurden. 

Sicherheit entsteht durch einen verlässlichen Winterdienst: rechtzeitiges Räumen, Eisbrechen und anschließend der Einsatz von Splitt oder Sand, die das Ausrutschen verhindern. 

Für den Winterdienst auf Gehwegen gibt es klare Zuständigkeiten; Umweltverbände wie wir tragen dafür keine Verantwortung. Uns geht es darum, Lösungen zu fördern, die Menschen sicher durch den Winter bringen und gleichzeitig unsere Stadtbäume sowie die Böden und das Grundwasser schützen, von denen letztlich auch unsere Gesundheit abhängt. 

In anderen Städten wird auch gestreut und da geht es den Bäumen auch gut.

Auch in vielen anderen Bundesländern und Kommunen in Deutschland ist der Einsatz von Streusalz – insbesondere auf Gehwegen – seit Jahrzehnten stark eingeschränkt oder verboten, um die Umwelt, Böden und Stadtbäume zu schützen. Dort, wo Streusalz eingesetzt wird, sind Umweltbelastungen und Schäden gut dokumentiert. Das Umweltbundesamt fordert deshalb, Salz nur sehr begrenzt und gezielt einzusetzen und vorrangig mechanisch zu räumen sowie abstumpfende Mittel wie Sand oder Splitt zu verwenden. 

Am Meer und in Küstenregionen gibt es auch Bäume. Denen macht das Salz auch nichts aus.

Küstenwälder sind spezielle Biotope, die an salzhaltige Luft, sandige Böden und besondere Standortbedingungen angepasst sind. Diese natürlichen oder naturnahen Wälder unterscheiden sich grundlegend von Straßenbäumen im Binnenland. Unsere Stadtbäume wachsen auf verdichteten, oft ohnehin stark belasteten Böden und sind nicht an regelmäßige Salzeinträge angepasst. Streusalz wirkt dort hochkonzentriert im Boden und schädigt Wurzeln und Bodenleben – ein direkter Vergleich mit Küstenstandorten ist daher fachlich nicht zulässig.

Ihr seid dafür verantwortlich, dass die Glatteissituation in Berlin so schlimm ist.

Die Glätte in Berlin ist nicht durch das Streusalzverbot verursacht worden, sondern dort entstanden, wo Gehwege gar nicht oder nur unzureichend geräumt wurden. Für den Winterdienst auf Gehwegen sind in Berlin die Anlieger verantwortlich – nicht Umweltverbände. Salz ist zudem bei geschlossener Eisschicht allein nicht wirksam.

Splitt und ähnliche Streumittel verstopfen Gullys und Abflussrohre und sind schädlicher als Salz.

Die Fahrbahnen werden im Winterdienst in der Regel mit Auftaumitteln behandelt, während Sand und Splitt vor allem auf Gehwegen eingesetzt werden. Der dort ausgebrachte Sand und Splitt wird von der Berliner Stadtreinigung größtenteils entfernt, um einen Eintrag in die Kanalisation zu vermeiden. 

Maßnahmen aus dem Winterdienst haben keinen maßgeblichen Einfluss auf die Gullyreinigung. Straßenabläufe sind technisch dafür ausgelegt, Sedimente wie Sand aufzunehmen, und werden regelmäßig gereinigt.  

Bäume kann man nachpflanzen, Menschen nicht.

Die Fahrbahnen werden im Winterdienst in der Regel mit Auftaumitteln behandelt, während Sand und Splitt vor allem auf Gehwegen eingesetzt werden. Der dort ausgebrachte Sand und Splitt wird von der Berliner Stadtreinigung größtenteils entfernt, um einen Eintrag in die Kanalisation zu vermeiden. 

Maßnahmen aus dem Winterdienst haben keinen maßgeblichen Einfluss auf die Gullyreinigung. Straßenabläufe sind technisch dafür ausgelegt, Sedimente wie Sand aufzunehmen, und werden regelmäßig gereinigt.  

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