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Berlins Spatzen in Gefahr?

Haussperling verliert Spitzenplatz bei der „Stunde der Wintervögel“

Der Haussperling ist erstmals seit Beginn der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ nicht mehr der am häufigsten gesichtete Vogel in Berlin. Welche Ursache der drastische Rückgang hat, ist noch nicht geklärt.

Ein Haussperlingweibchen sitzt auf einem Zaunpfahl.

Haussperling - Foto: Frank Derer

Berlin, 15. Januar 2026 – Der Haussperling ist erstmals seit Beginn der NABU-Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ im Jahr 2011 nicht mehr der am häufigsten gesichtete Vogel in Berlin. Die aktuelle Auswertung zeigt einen dramatischen Rückgang: Im Vergleich zum Vorjahr wurden 46 Prozent weniger Haussperlinge gemeldet.

Der Rückgang zeigt sich sowohl in der Fläche als auch in der Individuenzahl. Während der Spatz 2025 noch in 58 Prozent der Gärten vorkam, waren es 2026 nur noch 43,1 Prozent. Auch dort, wo er noch beobachtet wird, sank die durchschnittliche Zahl von 10,9 auf 8,1 Tiere pro Garten. Beim Feldsperling ist die Entwicklung ähnlich alarmierend: Seine Sichtungen gingen gegenüber 2025 um 39 Prozent zurück.

Bundesweit beobachten wir seit Jahren einen Negativtrend bei Haus- und Feldsperlingen. In Berlin war eine Abnahme des Haussperlings bislang aber nicht flächendeckend erkennbar und es ging ihm vergleichsweise gut. Der abrupte Einbruch in diesem Sommer und Winter ist allerdings alarmierend. Sowas lässt sich nicht allein durch bekannte Ursachen wie Nahrungs- oder Brutplatzmangel erklären. Möglicherweise hat auch das kalte und sehr trockene Wetter im Frühjahr und der Kälteeinbruch in den letzten Wochen den Spatzen zugesetzt, doch das Wetter ist wohl nicht der einzige Auslöser. Deshalb brauchen wir dringend eine gezielte Ursachenforschung zu dieser Dynamik.

In anderen Großstädten sind Spatzenbestände bereits seit Langem rückläufig – vor allem durch Sanierungen, Flächenversiegelung und den Verlust von Grünflächen. Das bestätigen auch die Zahlen der „Stunde der Wintervögel“, wo bundesweit 15 Prozent weniger Haussperlinge in Gärten gezählt wurden. Berlin galt bislang als vergleichsweise spatzenfreundlich, doch auch hier nehmen Versiegelung und Grünverlust stetig zu. Ob damit ein Kipppunkt erreicht ist oder andere Faktoren wie Krankheiten eine Rolle spielen, ist ebenfalls unklar. 

Wir rufen die Berliner*innen dazu auf, Spatzen besonders aufmerksam zu beobachten und ungewöhnliche Vorkommnisse wie ein plötzliches Verschwinden ohne erkennbare Ursache zu melden, um die Ursachen des starken Rückgangs besser verstehen zu können. Die Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (BOA) startet Ende April eine Erfassung der Haussperlingsbrutbestände in Berlin. Die Erfassung ersetzt keine Ursachenforschung, zeigt uns aber, ob sich der Negativtrend fortsetzt.

Text: Janna Einöder, 15.01.2026


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