Im Reich der Eulen
Tag des Friedhofs weist auf Rückzugsräume hin
Waldohreule - Foto: NABU/CEWE/Anskar Lenzen
Berlin, 17. September 2025 – Zum bundesweiten Tag des Friedhofs am 20. und 21. September weist der der NABU Berlin auf die enorme Bedeutung dieser besonderen Naturoasen hin. Sie bieten nicht nur Menschen Ruhe und Erholung, sondern auch zahlreichen Tieren ein Zuhause – darunter ganz besonderen Vögeln: Eulen. Auf den 220 Berliner Friedhöfen finden Waldkauz und Waldohreule wertvolle Rückzugsräume. Wer bei einem Herbstspaziergang in der Dämmerung unterwegs ist, kann mit etwas Glück die faszinierenden Vögel sogar beobachten.
Eulen lieben alte Bäume
Dank ihres vielfältigen und alten Baumbestands bieten Friedhöfe ideale Lebensräume für Eulen. Waldkäuze brüten bevorzugt in Baumhöhlen, zum Beispiel an alten Eichen, während Waldohreulen meist verlassene Krähennester oder Greifvogelhorste auf Kiefern nutzen. Ohne unsere Friedhöfe gäbe es wohl deutlich weniger Eulen in Berlin. Auch ihretwegen müssen wir Friedhöfe unbedingt von Bebauung freihalten und als besonderen Ort für Mensch und Natur erhalten – nur so können wir ihre einmalige Artenvielfalt bewahren.
Friedhöfe unter Druck
Doch Friedhöfe geraten zunehmend unter Bebauungsdruck. An der Landsberger Allee 48 in Friedrichshain-Kreuzberg steht bereits ein Wohnhaus auf einem ehemaligen Friedhofsgelände. Auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof III in Mariendorf sollen Wohnungen entstehen – überwiegend teure Luxusimmobilien. Auch auf den Nordend-Friedhöfen in Pankow planen Friedhofsträger und die GESOBAU, Teile der Flächen zu bebauen.
Ein Grund: Die Friedhofskultur verändert sich. Immer mehr Menschen wählen Urnen- statt Erdbestattungen, wodurch größere Flächen ungenutzt bleiben. Für Friedhofsträger bedeutet die Pflege dieser Areale jedoch hohe Kosten, die vielerorts nicht mehr gedeckt werden können – und die Gefahr wächst, dass Naturflächen dem Profit geopfert werden.
Appell zum Tag des Friedhofs: Friedhöfe erhalten!
Anlässlich des Tags des Friedhofs appelliert der NABU Berlin an den Senat, endlich Anreize für den Erhalt dieser wertvollen Grünflächen zu schaffen. Entweder müssen die Pflegekosten dauerhaft übernommen oder andere nationale oder europäische Fördertöpfe angezapft werden. Damit könnten beispielsweise alte Bäume, die zunehmend unter Trockenstress leiden, besser gepflegt oder Gerätschaften für eine naturnahe Mahd der Flächen angeschafft werden. Das würde Waldkauz, Waldohreule und Co. enorm nützen.
Die Waldohreule gehört übrigens zu den fünf Kandidaten, die derzeit als „Vogel des Jahres 2026” zur Wahl stehen. Da sie ein perfektes Beispiel für die überraschende Artenvielfalt der Hauptstadt ist, ruft der NABU Berlin zu ihrer Wahl auf. Abstimmen kann jeder unter: https://www.vogeldesjahres.de/wahl/Waldohreule/Team+Puschelohr/
Text: Janna Einöder, 17.09.2025
Seit 1950 ist sie das Symbol für den Naturschutz. In Berlin sind rund 30 Paare zuhause – meist heimlich und unbemerkt. Wegen ihrer dämmerungs- bzw. nachtaktiven Lebensweise und das unauffällige Balzverhalten wird die Eule mit den Federohren leicht übersehen. Mehr →
Der Waldkauz verkörpert Eulen, so wie wir sie aus Märchen, Friedhofsszenen oder Krimifilmen kennen. Doch wer hat heutzutage schon mal ein „Käuzchen“ gehört oder gar gesehen? Die lautlosen Jäger sind scheu und sehr gut getarnt. Mehr →
Friedhöfe werden von der Gesellschaft meist mit Düsternis, Trauer und Tod assoziiert. Dass auf den grünen Flächen aber das Leben erblüht, viele Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause finden und sie einen unverzichtbaren Naherholungsort darstellen, wird oft vergessen. Mehr →
Naturnahe Friedhöfe leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Berliner*innen und zum Schutz der Natur. Der NABU Berlin hat deswegen fünf Forderungen formuliert, um Friedhöfe als lebenswichtige urbane Grünflächen zu entwickeln und zu erhalten. Mehr →
