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Ringelnatter
Nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen!
Die Schlange im Garten entpuppt sich meist als harmlose Ringelnatter
Foto: Scharon
Sich in den letzten Jahren häufende Beobachtungen deuten darauf hin: die einzige im Berliner Raum wild vorkommende Schlange, die Ringelnatter, besiedelt zunehmend Gebiete, von wo bis vor kurzem noch keinerlei Nachweise bekannt waren. Natrix natrix, eine zu den Wassernattern gehörende Art, wird dabei immer in der Nähe von Feuchtgebieten beobachtet, die ihre Ausbreitung fördern.
Gibt es in der Nähe dieser Gewässer Gärten, womöglich mit von Fröschen besiedelten Teichen, in die auch noch Goldfische gesetzt wurden, so sind das für die Ringelnatter reich gedeckte Tische, die zum Verweilen einladen. Und dann kommt es schon mal zu Begegnungen zwischen völlig harmloser Schlange und für sie leider oft ungleich weniger harmlosen Menschen.
Foto: Scharon
Schlangen gehören zu den wechselwarmen Tieren, deren Mobilität durch die Außentemperatur gesteuert wird. An warmen Tagen flüchtet die Ringelnatter bei Annäherung des Menschen blitzschnell und lässt sich allenfalls noch beim Verschwinden in Felsspalten oder Bodenöffnungen für Sekunden beobachten. Frühmorgens dagegen oder an kühleren Tagen, deren Temperatur gerade noch ausreicht, die Reptilien zum Aufwärmen ins Freie zu locken, ist ihre Fluchtdistanz stark vermindert und die Tiere verharren länger auf dem gewählten Sonnenplatz.
Trächtiges Weibchen auf der Suche nach Laichplatz / Foto: eingesendet
In der Regel wenig vertraut mit den Artmerkmalen unserer heimischen Reptilien, befürchten Gartenbesitzer nicht selten, es handele sich bei ihrem "Gast" um eine Giftschlange. Die Beschreibungen, die sie dem NABU durchgeben, sprechen dann auch häufig für eine nicht-heimische Art. Dass aus fernen Landen stammende Gift- oder Riesenschlangen durchaus in einer so großen Stadt wie Berlin auftreten können, erfahren wir nicht zuletzt in Fernsehsendungen à la "Wildes Wohnzimmer" und sind beeindruckt, welche Tierarten in Berliner Wohnungen und auf Grundstücken gehalten werden. Da kann schnell mal eine Schlange entweichen und wie vor 14 Tagen auf der Frankfurter Allee überfahren werden. Sicherlich ist auch nicht auszuschließen, dass manches Tier ausgesetzt wird, wenn die BesitzerInnen seiner erst überdrüssig geworden sind.
dito
Am besten ist wie es kürzlich ein Grundstücksbesitzer aus Charlottenburg-Wilmersdorf getan hat , wenn digitale Fotos von der entdeckten Schlange gemacht und uns schnell per Mail zugesandt werden, damit dann eine sachkundige Person den Fund rasch bestimmen kann: Schon ein kurzer Blick auf die nebenstehenden Aufnahmen genügte, um die Schlange als völlig harmlose Ringelnatter zu identifizieren.
Weibliche Ringelnattern können durchaus eine Länge von 1,20 Meter erreichen, bleiben jedoch meist darunter. Die Färbung variiert stark von Olivgrün über schiefergraue bis zu bräunlichen Farbtönen, die mitunter in wechselndem Licht changieren. Die Bauchseite ist deutlich heller. Auffälligstes Bestimmungsmerkmal sind jedoch die beiden meist gelben, aber auch weißlich erscheinenden Nackenflecken. Aus der Nähe gewahrt man ein häufiges Züngeln bei geschlossenen Kiefern und in den Augen runde Pupillen.
Foto: Scharon
Die Ringelnatter ist, wie gesagt, an feuchte Lebensräume gebunden, kann aber auf ihren Wanderungen auch etwas davon entfernt angetroffen werden. Deutlich erhöhte Wanderbewegungen sind zwischen Mai und Juli zu beobachten. Anfangs dreht sich natürlich alles um Partnersuche und Paarung; spätere Wanderungen dienen der Suche nach Eiablageplätzen. Die meist zehn bis dreißig (bisweilen auch 6 bis 116) Eier werden in feuchtem Erdreich oder faulendem Pflanzenmaterial, gerne auch in Komposthaufen abgelegt. Da sich diese bevorzugt in Gärten finden, resultieren hieraus weitere Begegnungsmöglichkeiten von Mensch und Schlange.
In der Zeit von Ende Juni bis Anfang August legen die Weibchen ihre Eier ab, und Beobachtungen deuten darauf hin, dass sie es gerne dort tun, wo sie selber einst aus der schützenden Hülle geschlüpft sind, in der sie sich zwischen 30 und 50 Tage entwickelt haben. Die Jungtiere haben zunächst eine Länge von ca. zwanzig Zentimetern und legen nur fünf weitere zu, bevor sie sich von Oktober bis April ins Winterquartier zurückziehen. [Siehe auch hier.]
Gleichgültig, wie Sie persönlich nun zu Schlangen stehen: es gibt jedenfalls nicht den mindesten Grund, sie zu töten! Wenn Sie außerhalb eines Terrariums auf eine stoßen sollten, bewahren Sie Ruhe, versuchen Sie im günstigen Fall ein oder mehrere Fotos zu machen bzw. machen zu lassen und mailen Sie die Bilder einer mit den Artmerkmalen vertrauten Person. Abgesehen vom NABU empfehlen sich die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), das Naturkundemuseum, Zoologischer Garten oder Tierpark, Tierärzte sowie zahllose Zoohandlungen.
27.07.07
Hier geht's zur FG Feldherpetologie...

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