Berlin.NABU.de Tiere & Pflanzen Amphibien Amphibienschutz
Amphibienschutz
Amphibienschutz
Maßnahmen für kleine Wanderer
Moorfrosch
Zu den kontinuierlichen Arbeitsschwerpunkten des NABU gehört der Amphibienschutz an Verkehrsstraßen. Im Frühling, wenn die Nachttemperaturen über 5 Grad steigen, beginnen die Amphibien oder Lurche ihre Wanderungen von den Überwinterungsgebieten zu den Laichgewässern. Vor allem bei warmem Regen beginnt dann das Naturschauspiel die Amphibien- oder Krötenwanderung. Vor allem die laichplatztreuen Arten, zu denen in Berlin die Erdkröte (Bufo bufo), die Braunfrösche Moor- (Rana arvalis) und der Grasfrosch (Rana temporaria) sowie die beiden Molcharten Teich- (Triturus vulgaris) und Kammmolch (Triturus cristata) gehören, suchen immer wieder die Gewässer auf, in denen ihre Entwicklung vom Wasser- zum Landleben erfolgte.
Erdkrötenpaar / Foto: Scharon Bild größer sehen
Die Bezeichnung Amphibien stammt vom griechischen amphibios, was soviel wie doppellebig, an Land und im Wasser lebend bedeutet. Ihre Gewässertreue kann den Tieren schnell zum Verhängnis werden. Verlaufen Straßen zwischen dem Laichgewässer und dem Sommerlebensraum werden wandernde Amphibien schnell zu Verkehrsopfern. Vor allem bei kleinen und verinselten Populationen, wo eine Zuwanderung nicht mehr möglich ist, kann das zum Verschwinden des Vorkommens führen. Erdkröten z. B. können Distanzen von bis zu 3000 m zwischen den einzelnen Teillebensräumen zurücklegen.
Aufstellen eines Krötenzauns
Untersuchungen haben gezeigt, das ein Auto pro Stunde ca. 10 Prozent der die Straße überquerenden Tiere gefährdet, 14 Autos gefährden schon 30 Prozent, und ab 60 Kfz pro Stunde ist ein Überqueren der Straße für Amphibien unmöglich.
An Straßenabschnitten, an denen jährlich eine größere Anzahl Amphibien überfahren wird, errichten Anwohner, Naturschutzbehörden und Mitglieder von Naturschutzverbänden Amphibien- oder Krötenschutzzäune. Diese verhindern ein Wandern der Tiere auf die Straße. Während der Wanderung entlang des Zaunes fallen die Tiere in Fanggefäße, aus denen sie entnommen und über die Straße gebracht werden, so dass sie dort ihre Wanderung fortsetzen können.
2004 wurden in Berlin zwölf Amphibienschutzzäune mit einer Gesamtlänge von ca. 5300 Metern unterhalten. Neben dem NABU sind es verschiedene Bezirksämter, die Naturschutzstation Malchow, Bürgerinitiativen und das Ökowerk, die sich im Amphibienschutz engagieren. Durch diese sehr zeitaufwändigen Maßnahmen die Zäune müssen errichtet, gewartet und täglich mindestens einmal kontrolliert werden wurden 2004 mindestens 14.000 Amphibien vor dem Straßentod bewahrt!
Da der Auf- und Abbau der Zäune sehr zeitaufwändig ist, diese meistens nur während der Wanderung der Alttiere, nicht aber während der Rückwanderung der Alt- und Jungtiere unterhalten werden können und die Zäune in die Biologie der wandernden Tiere eingreifen (Unterbrechung der Wanderung, Auflösen bereits verpaarter Tiere u. a.), setzt sich der NABU dafür ein, das an bedeutsamen Wanderwegen in Berlin dauerhafte Kleintierschutzanlagen oder Krötentunnel eingebaut werden.
Eine alle gegenwärtig vorhandenen Erkenntnisse über Amphibienschutzanlagen berücksichtigende Anlage wurde im August 2003 an der Schönerlinder Chaussee, im Bucher Forst (Bezirk Pankow) eingeweiht. Weitere Kleintierdurchlässe sollen 2004 im Norden Berlins errichtet werden.
Weitere Informationen über den Amphibienschutz und eine Auflistung der Berliner Amphibienschutzzäune finden Sie unter:
- www.Amphibienschutz.de
und auf den Amphibienseiten des NABU-Bundesverbandes
Bitte helfen Sie uns bei der Bestandsaufnahme der Amphibien in den Berliner Gärten und schreiben Sie uns, wenn Sie Frösche, Kröten, Molche oder Reptilien beobachten konnten. Am einfachsten ist es, Sie benutzen unser
Online-Meldeformular.
Amphibienschutzsysteme in Berlin
Karte: U. Jochmann / pdf-download
Nebenstehend eine Karte mit den Amphibienschutzanlagen in Berlin,
die der NABU Berlin, andere Naturschutzorganisationen sowie verschiedene Behörden derzeit unterhalten.
Ältere Berichte
Frosch- und Krötenregen?
Die diesjährigen Amphibien gehen zum Landleben über.
Junger Braunfrosch
Seit knapp einer Woche ist es so weit: Der diesjährige Nachwuchs der Frühlaicher, wie Erdkröte und Braunfrosch, geht zum Landleben über. Ab dem 22. März 06 hatten alle am Amphibienschutz in Berlin Interessierten damit begonnen, Amphibienschutzzäune dort zu errichten, wo Wanderwege der Amphibien vom Winterquartier zum Laichgewässer über stark befahrene Straßen führen. Am Laichgewässer angekommen, verpaaren sich die Frösche und Kröten und beginnen mit dem Ablaichen. Die als erste Arten laichenden Moor- und Grasfrösche setzen die bekannten Laichklumpen ab, wohingegen die Erdkröte Laichschnüre zwischen Ästen und anderen Strukturen im Gewässer absetzt. Im Schutz einer Gallerthülle entwickeln sich die befruchteten Eizellen zu Larven. In Abhängigkeit von der Wassertemperatur erfolgt das Schlüpfen nach zwei bis drei Wochen.
Junge Braunfrösche
Jetzt beginnt die erste Lebensphase der amphibischen Organismen. Amphibios kommt aus dem Griechischen und heißt doppellebig, d. h. die Arten verbringen einen Teil ihres Lebens im Wasser, wo sie sich durch Kiemenatmung mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff versorgen. Noch bevor sie das Wasser verlassen, beginnt dann der zweite Lebensabschnitt, den die Tiere als Lungenatmer durchlaufen: zum Luft holen müssen sie immer wieder aus dem Wasser oder an die Oberfläche kommen. Im Laufe ihrer ca. sechswöchigen Zeit im Wasser verwandeln sich die Larven in kleine, ca. 1 cm große Frösche und Kröten und verlassen in großer Anzahl das Laichgewässer, so dass es auf den umliegenden Flächen zu dem bekannten Frosch- oder Krötenregen kommt.
Krähenvögel beim Froschmahl
Ob im Wasser oder an Land: überall lauern vielfältige Gefahren auf die heranwachsenden Amphibien, schon weil sie ein wichtiges Glied innerhalb der Nahrungsketten sind. Im Wasser sind es neben Fischen Libellenlarven und andere Insekten, die ihnen nach dem Leben trachten. Am Ufer warten dann schon die ersten Vogelarten, wie Elster und Nebelkrähe, die sich über die Bereicherung ihres Speisezettels freuen. Im Gegensatz zur Erdkröte mit ihrer Sekrete absondernden Haut sind junge Frösche als Nahrung wesentlich beliebter, aber auch Kröten werden letztlich nicht verschmäht.
Unterm Rad / Fotos: Scharon
Meist führen die Wanderwege der Jungtiere entlang jener der Alttiere, und so kommt es vor, dass auch sie Straßen überqueren müssen und zu Verkehrsopfern werden. Nur fallen 1 cm große Jungtiere auf der Straße nicht so auf wie fünfmal größere Alttiere. Sind sie überfahren, kann man die Jungamphibien kaum noch im Straßenbelag oder Reifenprofil als solche erkennen. Um eine große Ausfallquote zu kompensieren, wird deutlich mehr Nachwuchs produziert als für den Erhalt der Art notwendig, nur das Phänomen von Autostraßen und die anthropogene Zerstörung für Amphibien geeigneter Lebensräume konnte die Evolution nicht berücksichtigen. Immerhin dauert es drei bis vier Jahre, bis sich der diesjährige Nachwuchs an der Reproduktion beteiligen kann; bis dahin warten noch viele Gefahren auf die gerade zum Landleben übergegangenen Kröten und Frösche.
Geschafft! NABU Berlin errichtete 2200 Meter Amphibienschutzzaun
Das Laichgeschäft der Amphibien ist in vollem Gange
Verkehrstod / Foto: Scharon
Buchstäblich über Nacht begann in diesem Jahr der Frühling und damit die Wanderung der Amphibien zu ihren Laichgewässern. Sobald die nächtlichen Temperaturen über dem Gefrierpunkt bleiben, gibt es für die laichplatztreuen Lurche kein Halten mehr. Begünstigt wird ihr vorwiegend in der Dämmerung und den Abendstunden stattfindende Marsch durch Regen. Angesichts des nicht enden wollenden kalten Winters warteten die Tiere offenbar schon ungeduldig, was erklärt, dass sie den ganzen Tag über angetroffen wurden und bereits wenige Tage nach dem Ende der Frostperiode ein Großteil der Tiere in den Fanggefäßen gelandet war. Die frühsten Arten sind Grasfrosch und Kammolch. Vom Grasfrosch ist bekannt, dass er, wie auch der Teichfrosch, am Grund der Gewässer überwintert. Fast gleichzeitig machen sich Teichmolche und Moorfrösche auf den Weg, gefolgt von den Erdkröten. Nach einer Woche konnten bereits die ersten Teichfrösche und Knoblauchkröten festgestellt werden.
Fanggefäß / Foto: Scharon Bild größer sehen
Probleme machte der abrupte Beginn der Wanderungen zu einer Zeit, da der Boden noch häufig gefroren war, weshalb die notwendigen Amphibienschutzzäune nur sehr schwer oder gar nicht aufgebaut werden konnten. Und vor allem musste der Aufbau an allen bekannten Abschnitten, wo Amphibien-Wanderwege über befahrene Straßen führen, gleichzeitig erfolgen, so dass in den letzten Wochen alle verfügbaren Kräfte mit dem Aufbau der Zäune beschäftigt waren.
Inzwischen haben in vielen Gewässern die beiden Braunfroscharten Moor- und Grasfrosch bereits abgelaicht und wandern zurück in ihre Sommerlebensräume, wo sie erstmals wieder mit der Nahrungsaufnahme beginnen. Die Erdkröten sind gerade dabei, ihre Laichschnüre abzusetzen. Sind die Hinwanderungszäune eben erst errichtet, müssen jetzt auf der anderen Straßenseite die Rückwanderungszäune aufgebaut werden.
Fanggefäß / Foto: Scharon Bild größer sehen
Trotz dieser immer noch arbeitsaufwendigen und in kurzer Zeit zu erfolgenden Artenschutzmaßnahmen hat sich der Aufwand gegenüber den Vorjahren verringert. Ursache dafür ist die Fertigstellung weiterer stationärer Amphibienschutzanlagen in Berlin, die die Errichtung von Krötenzäunen unnötig machen. Derartige Schutzanlagen befinden sich an der Schönerlinder Chaussee im NSG Bucher Forst sowie an der Straße am Freibad im Bereich des Tegeler Fließ in Berlin-Reinickendorf. Die neuste Anlage wurde zur diesjährigen Wandersaison an der Schönwalder Chaussee im Spandauer Forst eingeweiht. Hier führen unter den Fahrbahnen Tunnel hindurch, die natürlich nicht nur Amphibien, sondern auch anderen Tieren ein ungefährdetes Überwinden der ihren Lebensraum zerschneidenden Straßen ermöglichen. Dass die Tiere nicht mehr auf die Straße gelangen, verhindern Leitelemente zwischen den einzelnen Tunneln.
Amphibienzaun-Errichtung
Außer dem NABU betreiben weitere Naturschutzverbände, Bürgerinitiativen und Naturschutzbehörden jährlich ca. 15 Amphibienschutzzäune in Berlin. Neben dem Auf- und Abbau sowie der ständigen Wartung der Anlagen sind es vor allem die täglichen Kontrollen, die den Unterhalt einer Amphibienschutzanlage so aufwendig machen. Diese Arbeit wäre ohne die ehrenamtliche Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern nicht zu leisten.
In den folgenden Wochen stellen wir Ihnen in loser Folge die in Berlin vorkommenden Amphibien- bzw. Lurcharten näher vor.
Kleintierschutzanlage im Bucher Forst hat sich bewährt!
Studie an der HU Berlin belegt hohe Akzeptanz
Amphibientunnel / Foto: Scharon
Die 2003 an der Schönerlinder Chaussee im "NSG Bogenseekette und Lietzengrabenniederung" errichtete Kleintierschutzanlage der Firma Zieger hat sich bewährt. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2004 im Rahmen einer Diplomarbeit an der Berliner Humboldt-Universität durchgeführte Untersuchung.
Die täglich von 5 bis 10.000 Kfz befahrene Straße zerschneidet das Naturschutzgebiet und gleichzeitig die Teillebensräume mehrerer Tausend Amphibien, die während der Laichplatzwanderung zum Bogensee die Straße überqueren mussten.
Nachdem seit Anfang der neunziger Jahre unter den Tieren immer mehr Verkehrsopfer zu verzeichnen waren, begann der NABU ab 1994 mit dem alljährlichen Aufstellen von Amphibienschutzzäunen. Um eine dauerhafte Alternative für diese aufwendige und für die Betreuer nicht ungefährliche Naturschutzmaßnahme zu finden, wurden verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft und 2003 eine stationäre Schutzanlage errichtet. Die Leiteinrichtungen sind 675 Meter lang, und 15 Straßendurchlässe verbinden jetzt die beidseitig der Straße gelegenen Teile des NSG. Somit stellt diese Anlage auch einen wichtigen Beitrag im Rahmen des Biotopverbundes dar, da sie einem breiten Artenspektrum bodengebundener Organismen das ungehinderte Wechseln ermöglicht.
Im Tunnel
Es war deshalb auch nicht überraschend, dass in der Wandersaison 2004 die Durchlässe nicht nur von 2.425 Amphibien, sondern auch von 172 Reptilien und 304 Kleinsäugern genutzt wurden und zwar insgesamt von 2901 Tieren, die 13 Wirbeltierarten angehörten. Am meisten profitiert die Erdkröte von den Durchlässe: von dieser Art wurden 1.056 Tiere gezählt.
Dieses Artenspektrum deutet auf eine hohe Akzeptanz der Anlage hin. 99,2 Prozent aller festgestellten Tiere erreichten lebend die andere Straßenseite, so dass die Effizienz ebenfalls als sehr gut zu bewerten ist. 15 Verkehrsopfer traten im Bereich der die Waldwege querenden Stopprinnen auf.
Die Frequentierung der Tunnel zeigt, dass alle angenommen wurden, was für gute mikroklimatische Verhältnisse der Anlage spricht, ein wichtiger Faktor ihrer Akzeptanz.
Die im Unterschied zu vorjährigen Erfassungsergebnissen geringe Anzahl rückwandernder Jungtiere wird mit dem feuchten Sommer 2004 und dem dadurch ausbleibenden "Froschregen" (also dem massenhaften Auftreten von Jungfröschen während Regengüssen nach längeren Trockenperioden) erklärt. Ob diese Schutzanlage möglicherweise eine Barriere für rückwandernde Jungtiere darstellt, soll in einem der nächsten Jahre untersucht werden.
Abnehmer für Schmuckschildkröten gesucht!
Aussetzen ist nach BNatSchG untersagt!
Rotwangenschmuckschildkröten/Foto:Scharon
Auch wenn die Schmuckschildkröten nicht zu unserer heimischen Tierwelt gehören, muss sich der Naturschutzbund Berlin zunehmend mit diesen Tieren beschäftigen. Gerne gekauft als unkomplizierte Haustiere für quengelnde Kinder, wenn sie 5 cm groß sind und in jedes Terrarium passen, werden sie mit zunehmender Größe häufig zum Problem. Da Schildkröten ein hohes Alter erreichen können, möchten sie viele Besitzer, spätestens wenn die Kinder das Haus verlassen, wieder loswerden. Nicht selten werden sie dann in Parkteiche ausgesetzt, so dass man heute in vielen Berliner Gewässern Rot- und Gelbwangenschmuckschildkröten beim Sonnen beobachten kann.
Regelmäßig fragen Bürger beim NABU an, ob wir Schmuckschildkröten aufnehmen oder Stellen benennen können, wo man die Tiere abgeben kann. Wir können dann auch nur an Zoohandlungen oder Schulen mit kleinen Tierhaltungen verweisen, wohl wissend, dass die Anrufer auch dort ihre Schildkröten nicht loswerden.
Aus diesem Grund möchten wir die Nutzer unserer Internetseiten fragen, wer solche Tiere aufnehmen würde oder andere Möglichkeiten sieht, um Abnehmer zu finden, bspw. bekannte Schulzoos, Terrarianer o.ä., damit die Schildkröten nicht weiterhin in freier Natur entsorgt werden. Das Aussetzen, insbesondere von fremdländische Arten, kann der NABU nicht unterstützen, schon aus dem Grund, dass die Folgen für die heimischen Lebensgemeinschaften nicht abzusehen sind. Auch ist das Aussetzen nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten.
Wer helfen kann, wende sich bitte an den NABU Berlin unter den Telefonnummern
9860837-15 oder 9860837-0 oder per e-mail jscharon@nabu-berlin.de.
Der Goldfisch - ein Problem in unseren Gewässern
Geben Sie ihm keine Chance, die hiesige Artenvielfalt zu zerstören!
Ausgesetzte Goldfische / Foto: J. Scharon
Der Goldfisch, eine Zuchtform des Giebels und bekanntlich kein Vertreter unserer heimischen Fauna, sondern aus Asien importiert, stiftet - in unsere Gewässer ausgesetzt und sich dort stark vermehrend - enormen Schaden!
Goldfische sind Allesfresser und ernähren sich von Eiern, Larven und Pflanzenteilen sowie verschiedenen für den Naturhaushalt wichtigen Kleintieren wie z. B. Wasserflöhen, die das Wasser durch ständiges Filtern säubern. Damit wird durch das Aussetzen von Goldfischen das lokale Aussterben besonders gefährdeter Tierarten wie etwa Amphibien massiv beschleunigt. Während die relativ häufige Erdkröte aufgrund von in den Kaulquappen eingelagerten Bitterstoffen wenig dezimiert wird, sind es gerade die seltenen Amphibienarten wie Laubfrosch und Kammmolch, die binnen weniger Jahre lokal ausgerottet werden können. Dieser Vorgang geht schleichend vor sich, da in der Regel nicht erwachsene Tiere, sondern die Eier, Larven und Kaulquappen vertilgt werden.
mehr...
Dramatischer Amphibienrückgang
32 Prozent aller Amphibienarten weltweit vom Aussterben bedroht!
Erdkrötenpaar / Foto: Scharon
Die Witterung wird kühler, die Nahrung knapper. Molche, Kröten und Frösche, bekanntlich allesamt wechselwarme Tiere und in ihrer Körpertemperatur weitgehend von der Temperatur der Umgebung abhängig, ziehen sich in Erdlöcher, Felsspalten oder Hohlräume im Wurzelbereich von Bäumen zurück bzw. graben sich in den Bodenschlamm ihrer Laichgewässer. Dort fallen sie in eine todesähnliche Winterstarre, um erst im nächsten Frühling wieder aktiv zu werden.
Oder eben auch nicht: Denn was mehr als 500 WissenschaftlerInnen aus über 60 Ländern im Rahmen des "Global Amphibian Assessment" zur Verbreitung aller 5.743 Amphibienarten in den letzten drei Jahren herausfanden und dieser Tage vorab veröffentlichten, ist tatsächlich erschreckend:
- gemäß der IUCN-Kriterien sind mindestens 1.856 (32 %) Amphibienarten vom Aussterben bedroht. (Zum Vergleich: nur 12 Prozent aller Vogelarten und 23 Prozent aller Säugetiere sind weltweit gleichermaßen bedroht.)
- Mindestens neun Amphibienarten sind seit 1980, als der dramatische Rückgang begann, ausgestorben. Für 113 weitere Amphibienarten liegen aus den letzten Jahren keine Beobachtungen mehr vor. Sie sind möglicherweise ebenfalls ausgestorben.
- 43 Prozent der Amphibienarten weisen einen Bestandsrückgang auf, wogegen sich nur 1 Prozent derzeit weiter ausbreitet. Nur die Bestände von 27 Prozent der Amphibienarten gelten als stabil, während der Status der übrigen Arten unbekannt ist.
Die Gründe für den weltweiten Rückgang sind vielfältig und werden zunehmend mit dem globalen Klimawandel in Zusammenhang gebracht, doch in Europa sind vor allem Habitatzerstörung, Wasserverschmutzung und die Nutzung für die Ernährung als Hauptursachen verantwortlich zu machen.
Dass die Amphibienpopulationen bedroht sind, war schon länger bekannt, doch das Ausmaß der Bedrohung ist erst mit Fertigstellung der Studie deutlich geworden. Es werden dringend größere Schutzgebiete und eine verstärkte Erforschung von Amphibienkrankheiten benötigt, um die Aussterbewelle aufzuhalten.
Die vollständige Studie wurde in der Zeitschrift Science veröffentlicht.

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
Desktopmotive
Verbandsnetz
Veranstaltungen Juni bis August
Das Veranstaltungsprogramm aus "Natur in Berlin" Heft 2/2012 zum Download. Mehr
Veranstaltungen März - Mai
Das Veranstaltungsprogramm aus "Natur in Berlin" Heft 1/2012 zum Download Mehr
Naturschutzjugend Berlin
Die NAJU hat super Angebote für junge Menschen, wie die AG Umweltpolitik, eine Jugendgruppe, Kindergruppen oder einen Naturerlebnisgarten. Mehr
Mitgliederservice
Für Fragen um Ihre Mitgliedschaft steht Ihnen der NABU-Mitglieder- service gerne zur Verfügung:
Service@NABU.de
Tel. 030.28 49 84-40 00
'NATURSCHUTZ AM HAUS'
Broschüre hier als PDF (1,8 MB) runterladen. Mehr
