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Amphibien-News
Saison 2011
Froschklau an der Moorlinse
Rätselhafte und ärgerliche Vorkommnisse am Amphibienzaun

Seit dem die Amphibienwanderung von Fröschen und Kröten begonnen hat, ist der Alltag für die Naturschützer vom NABU Berlin nicht mehr das, was er einmal war. Dies hat allerdings nur bedingt mit der zeitlichen Mehrbelastung zu tun, die die tägliche Kontrolle des Amphibienzauns an der Moorlinse in Buch mit sich bringt, sondern es haben sich teilweise seltsame und auch äußerst ärgerliche Dinge ereignet, die ihnen ihr Engagement für die Natur verleiden.
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Die Wanderung beginnt
Amphibienschutzzaun an der Moorlinse Buch rechtzeitig aufgestellt

Wenn die jährliche Wanderung der Kröten, Frösche und Molche einsetzt, ist das ein deutliches Zeichen für den immer näher rückenden Frühling. Auch wenn jetzt noch einmal der Frost eingezogen ist, konnten doch an wärmeren Tagen schon die ersten wandernden Amphibien beobachtet werden. Der NABU Berlin baute deshalb am 14. Februar den Schutzzaun an der Moorlinse Buch auf.
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Saison 2010
Safety fence
S.L.Wong berichtet über Krötenzaun an der Moorlinse
"Migrating frogs, often squashed by passing vehicles when crossing roads, get a helping hand." ... so beginnt S.L.Wong ihren Artikel über Christine Zorn und den Pankower Krötenzaun, der jährlich von Berliner NABU-Aktiven aufgestellt und betreut wird. Veröffentlicht hat ihn das Malayische Online-Medium "The star online" am 15. Juni 2010. Aber lesen Sie selbst ....
"Safety fence" von S.L.Wong
Eine Übersetzung des Artikels finden Sie hier.
Saison 2009
Der Winter geht, die Amphibien kommen
NABU bittet Autofahrer um erhöhte Vorsicht

Am 3. März haben NABU-Mitarbeiter/innen mit der Arbeit am ersten Amphibienschutzzaun dieser Saison an der Moorlinse Buch in Pankow begonnen. Hier sowie im Krankenhauspark Herzberge in Lichtenberg und am Hermsdorfer Damm stehen die vom NABU betreuten Zäune inzwischen; am Marzahner Körnerteich nahm man am 11. März die alljährliche Artenschutzmaßnahme in Angriff. Wegen der Kälteperiode im Februar haben sich Kröte, Molch und Co. knapp fünf Wochen später als im letzten Jahr auf den Weg in Richtung ihrer Laichgewässer gemacht.
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Saison 2008
Verwandlungskünstler auf Tour
Amphibienwanderung im vollen Gange
Der Zaunbau - hier an der Moorlinse Buch - kann schon mal Knochenarbeit sein. Foto: Gehring
Anfang März 2008: Von den Teichmolchen und ihren größeren Verwandten, den Kammmolchen, sind die meisten Tiere bereits im Laichgewässer angekommen. In den letzten Tagen waren es vor allem Moor- und Grasfrösche sowie Erdkröten, die in den Fanggefäßen landeten. Auch die ersten Teichfrösche und Knoblauchkröten haben mit ihrer Laichplatzwanderung begonnen.
Durch die Errichtung von Tunnelanlagen, die ein ständiges und gefahrloses Unterqueren von Straßen einer Vielzahl von Kleintieren ermöglichen, konnte die Anzahl mobiler Amphibienschutzzäune und der damit verbundene hohe Betreuungsaufwand für den NABU stark reduziert werden. Im letzten Winter wurde eine Straße im Park Herzberge zurückgebaut, so dass auch hier auf einen Schutzzaun verzichtet werden kann.
Teich- und Wasserfrösche überwintern häufig auch im Gewässer. Foto: Strukow-Hameln
Besonders wichtig sind die Zäune an Gewässern wie der Moorlinse Buch, wo sich die Anzahl der vor dem Straßentod bewahrten Amphibien in den letzten 3 Jahren auf 2411 Tiere verdoppelt hat. Für betroffene Straßenabschnitte in Berlin, etwa am Marzahner Körnerteich oder am Rahnsdorfer Stausee, wird nach dauerhaften Lösungen gesucht, so dass der NABU vielleicht bald seine Kapazitäten für andere Schutzprojekte nutzen kann.
Noch werden jährlich in Berlin um die 12 Schutzzäune betreut. Sollten diese in naher Zukunft durch dauerhafte Lösungen, also durch Amphibientunnel, ersetzt werden, dann ist nicht nur das Leben für wandernde Amphibien sicherer, sondern es würde gleichzeitig ein praktischer Beitrag für den Biotopverbund geschaffen, wie er im Bundesnaturschutzgesetz gefordert wird.
Saison 2007
Was war los an unseren Zäunen?
Eine Bilanz der Amphibiensaison 2007
Zaunaufstellung an der Moorlinse Buch / Foto: Berger
Die Folien sind eingerollt, die Fang-Eimer ausgegraben, und alle Utensilien bis zum nächsten Jahr im Keller verstaut: Die Amphibiensaison 2007, also die Wanderung von Kröte, Frosch und Molch vom Winterquartier zu den Laichgewässern, ist beendet. An drei verschiedenen Amphibien-Schutzzäunen konnte der NABU in diesem Jahr insgesamt 3149 Amphibien auf ihrer jährlichen Wanderschaft vor dem möglichen Straßentod retten!
Obgleich agroindustrielle Versteppung, Flächenversiegelung, fortschreitender Verlust von Kleingewässern, rätselhafte Krankheiten und nicht zuletzt der Klimawandel gerade den Amphibien massiv zusetzen und ihre Artenvielfalt weltweit schon derart dezimiert haben, das sie als Indikator des rapiden Biodiversitätsverlustes gelten können, gibt es zumindest von zwei Berliner Amphibienschutzzäunen und zwar an der Moorlinse Buch und im Park des Evangelischen Krankenhauses Herzberge auch Positives zu berichten. An beiden Zäunen konnte im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg der Individuenzahlen verzeichnet werden. Zwar ist am Kleinen Weiher im Krankenhausgelände Herzberge der Zuwachs der laichwilligen Erdkröten um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr relativ gering, aber nach vier Jahren mit rückläufigem Bestand ist erstmals eine Trendwende zu verzeichnen. Und der Amphibienfangzaun hat sich bewährt!
Moorfrosch-Paar / Foto: Scharon
Noch erfreulich ist der doch sehr deutliche Anstieg der Amphibien-Zahlen an der Moorlinse in Buch. Die Gesamtzahl der am Schutzzaun nachgewiesenen Individuen stieg im Vorjahresvergleich um knapp 70 Prozent! Auch in diesem Jahr konnten an der Moorlinse wieder sechs Amphibienarten (von insgesamt 21 heimischen Arten) protokolliert werden. Die zahlenmäßig am häufigsten und mit dem höchsten Anstieg auftretende Art (plus 59 Prozent) ist der Teichmolch mit 1477 Nachweisen. Gefolgt wird er vom Teichfrosch (280), wobei hier der Anteil an subadulten (also noch nicht geschlechtsreifen) Tieren immens ist, was wiederum für eine erfolgreiche Reproduktion in der Moorlinse spricht. Dasselbe gilt auch für die beiden Braunfroscharten: Auch hier sind die subadulten Tiere deutlich in der Überzahl. Der Moorfrosch mit 158 Exemplaren dominiert deutlich gegenüber dem Grasfrosch mit nur 82, der hier übrigens die niedrigste Individuenzahl beisteuert. Die Erdkröte, als einzige Art im Bestand rückläufig, rangiert zahlenmäßig (213 Individuen) hinter dem Teichfrosch. Die Knoblauchkröte, Amphib des Jahres 2007, konnte mit exakt der gleichen Anzahl wie im Vorjahr nachgewiesen werden, nämlich mit 110 Tieren und belegt hier Platz 5. Auch konnten mit Zauneidechse und Ringelnatter wieder zwei Reptilienarten festgestellt werden.
Grafik: Zorn vergrößern
Deutlich negativ war dagegen die Bilanz an Schutzzaun entlang der Pankgrafenstraße in Berlin Karow. Die 2006 hier noch signifikant steigende Bestandsentwicklung kippte in diesem Jahr steil nach unten: Nur noch 23 Prozent der im letzten Jahr in das NSG "Karower Teiche" wandernden Tiere wurden registriert, kein einziger Teichmolch war mehr darunter. Die Ursachenforschung dauert noch an.
Amphibienschutz und Biotopverbund
Neue Kleintierschutzanlage verbindet Lichtenberg mit Marzahn-Hellersdorf � und umgekehrt
Amphibienschutzanlage Gehrenseestraße
Fast im Jahresrhythmus wurden in letzter Zeit in Berlin Amphibienschutzanlagen fertig gestellt. Diese Leitsysteme ermöglichen nicht nur Amphibien das ungefährdete Unterqueren von Straßen, sondern bewahren auch viele andere bodengebundene Organismen, wie Insekten, Reptilien und Kleinsäuger, vorm Überfahrenwerden durch Kraftfahrzeuge. Durch solche Schutzeinrichtungen wird eine Ausbreitung der Arten sowie ihre Vernetzung mit umliegenden Vorkommen befördert.
Am 20. März wurde eine weitere, von den Bezirksämtern Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf errichtete Anlage offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Auf ca. 300 Metern Länge wird eine Wanderung von Amphibien und anderen Kleintieren über die Straße durch eine Leiteinrichtung verhindert, die die Tiere zu einem der insgesamt drei Tunnel führen, durch den sie dann ungefährdet auf die andere Straßenseite gelangen können.
Blick in den Durchlass
Unmittelbar an der Bezirksgrenze und schon auf Lichtenberger Gebiet befindet sich das LSG Falkenberger Krugwiesen mit dem Faulen See und mehreren kleinen Feuchtflächen, die von verschiedenen Amphibienarten wie Moor- und Teichfrosch sowie Erdkröten als Laichgewässer genutzt werden. Totfunde auf der angrenzenden Gehrenseestraße zeigten, dass jährlich eine größere Anzahl wandernder Amphibien die Straße quert, um von ihren Winterquartieren auf Marzahner Gebiet zu ihrem Laichgewässer im LSG Falkenberger Krugwiesen zu gelangen. Aus diesem Grund wurde in den letzten Jahren jeweils ein mobiler Amphibienschutzzaun errichtet, der zwar ebenfalls einen Großteil der Tiere vor dem Verkehrstod bewahrt, aber einen sehr hohen Betreuungsaufwand erfordert und auch nur zeitlich befristet, während der Frühjahrswanderung, Schutz bietet. Die Fertigstellung der Tunnelanlage erübrigt nunmehr die Verwendung eines mobilen Fangzauns und den damit einhergehenden Arbeits- und Zeitaufwand.
Neben drei kleineren Amphibiendurchlässen, die im Zuge von Baumaßnahmen in Berlin errichtet wurden, gibt es aktuell fünf Tunnelanlagen. Die erste wurde 1996 an der Pankgrafenstraße unweit des NSG Karower Teiche gebaut, leider nur auf nach den früheren Bezirksgrenzen Pankower Gebiet, so dass angrenzend auf der (vormals) Weißenseer Seite weiterhin jährlich ein Folienzaun aufgestellt und täglich kontrolliert werden muss. Weitere Anlagen folgten 2003 an der Schönerlinder Straße im NSG Bogenseekette und Lietzengrabenniederung, 2004 an der Straße am Freibad am Tegeler Fließ sowie 2006 entlang der Schönwalder Allee im Spandauer Forst.
Bei mindestens sieben bekannten Amphibienwanderwegen im Berliner Raum, die von stark befahrenen Straßen gekreuzt werden, sieht der NABU noch Bedarf an solchen Tunnelanlagen. Für einige Straßen sollte eine Sperrung oder ein Rückbau erwogen werden, z. B. an der Moorlinse am S-Bhf. Buch.
Bindeglieder im Biotopverbund
Fotos: Scharon
Nicht zuletzt bilden Kleintierschutzanlagen ein wichtiges Bindeglied innerhalb des Biotopverbundes, da sie einer Verinselung von Artenvorkommen entgegenwirken! Gerade in Städten wie Berlin führt das dichte Straßennetz und der starke Verkehr zu kleinteiliger Zerschneidung der Lebensräume und unterbindet einen Austausch vorhandener Vorkommen. Wird die Mindestgröße, die eine Art an Lebensraum beansprucht, unterschritten oder entfällt ein wichtiger Teillebensraum bei Amphibien bspw., wenn das Laichgewässer dauerhaft trocken fällt und können die Tiere dann nicht abwandern bzw. fallen dabei dem Straßenverkehr zum Opfer, führt dies unweigerlich zum Verschwinden des Vorkommens.
Aus diesem Grund fordert das Bundesnaturschutzgesetz von 2002 die Schaffung eines Biotopverbundes auf zehn Prozent der gesamten Landesfläche. Diese gesetzliche Verpflichtung wurde in die aktuelle Fassung des Berliner Naturschutzgesetzes vom 9. November 2006 übernommen. Die Errichtung der achten Kleintierschutzanlage in Berlin ist hierfür ein Baustein, aber eben nur einer!
27.03.07
Komasaufen jetzt auch bei Lurchen -
oder warum sind die Moorfrösche plötzlich blau?
Moorfrösche vergrößern
Der Moorfrosch (Rana arvalis) braucht keinen Alkohol, um in Stimmung zu kommen. Durch die Freisetzung von Lymphflüssigkeit unter der Haut, bedingt durch eine hormonelle Umstellung, färbt sich das Männchen während der Paarungszeit himmelblau. So farbenprächtig und etwas aufgedunsen schwimmt er, nach den Strapazen der Wanderung im Laichgewässer angekommen, um sich alljährlich auf Brautschau zu begeben und die Froschdamenwelt ist entzückt.
Nicht nur die Moorfroschweibchen stehen auf blau, sondern auch für uns Menschen ist dieses kleine Naturschauspiel sehr spektakulär. Mit viel Glück lassen sich in Abhängigkeit von der Witterung ab Anfang März an kleineren Gewässern die Moorfrösche bei der Paarung beobachten.
Quakendes Männchen
Die mittels innerer Schallblasen erzeugten Laute der Männchen erinnern an das glucksende Geräusch einer unter Wasser gehaltenen Flasche, aus der Luft entweicht. Unverwechselbar ist dann der Chor von mehreren blubbernden Männchen, welcher weit in der Umgebung des Gewässers zu hören ist und dann den Anschein erweckt, das Wasser würde kochen. Da die Weibchen der Froschlurche nur in mehrjährigem Abstand, die Männchen das Laichgewässer jedoch jährlich aufsuchen, ist der Männchenüberschuss vorprogrammiert. Klingt erst einmal gut für die Weibchen. Wer jedoch die paarungswilligen "Bläulinge" beobachten konnte und sah, wie bis ein Dutzend Männchen sich auf ein Weibchen stürzen, kann dieses nur bedauern. Hat sich ein Paar gefunden, dann heißt es nicht nur, den Laich absetzen sondern gleichzeitig die Nebenbuhler auf Distanz halten. Kein Wunder, dass der verwunschene Prinz lieber eine Partnerin unter den Menschen haben wollte.
Quakendes Männchen vergrößern
Der zu den Braunfröschen1) zählende Moorfrosch besiedelt Nass- und Feuchtwiesen sowie Moor- und Sumpfgebiete. Die oft sehr flachen Gewässer sind meist von krautiger Vegetation umgeben mit angrenzenden lichten Feuchtwäldern, wie z. B. Erlenbrüchen. Nach der Winterpause kommt es in den ersten wärmeren und feuchten Abenden zu regelrechten Massenwanderungen in die Laichgewässer. Die in ein bis zwei Klumpen abgegebenen Eier sinken anfangs auf den Gewässerboden, steigen aber dann wieder an die Oberfläche. Die 6 bis 10 mm langen Larven schlüpfen nach vier bis vierzehn Tagen und werden bis zur Metamorphose nach anderthalb bis drei Monaten bis zu 4,5 cm lang.
Moorfrosch-Hcchzeitspaar vergrößern
Nach der Paarung, die meist nur ein bis zwei Tage dauert, verlassen die Moorfrösche ihr über viele Jahre angestammtes Laichgewässer und gehen an Land, wo sie nach Asseln, Spinnen, Würmern und Schnecken Ausschau halten. Ab September/Oktober erfolgt die Überwinterung in Verstecken an Land.
Der etwas kleinere, 6,5 bis 8 cm messende Lurch unterscheidet sich vom zweiten in Berlin vorkommenden Braunfrosch, dem Grasfrosch durch seine spitz zulaufende Schnauze. Beide Froscharten sind im Grundton bräunlich, rötlich bis gelblich gefärbt.
Ein auffällig heller, von der Schnauze zur Kloake reichender Rückenstreifen beim Moorfrosch kann eine Unterscheidungshilfe zum sonst sehr ähnlichen Grasfrosch sein. Allerdings ist dieser Streifen nicht immer vorhanden. Der Bauch ist beim Moorfrosch in der Regel ungefleckt, allerdings kann die Kehle leicht dunkel gesprenkelt sein. Durch die häufig auffällig marmorierten Flanken wirkt der Moorfrosch lebhafter gezeichnet als der Grasfrosch. Dafür hat der Grasfrosch eine gelbliche Unterseite, die mit schwarzen Sprenkeln übersät ist.
Moorfrosch-Exkursion
Auch wenn der streng geschützte Moorfrosch in Berlin und Umgebung noch ab und zu anzutreffen ist und hier die Bestände relativ stabil sind, gehört er doch zu den seltenen und bedrohten Arten hierzulande. Er wird in der Europäischen Fauna- Flora- Habitatrichtlinie (FFH) im Anhang IV geführt, wodurch sich besondere Verpflichtungen für den Schutz dieser Art ergeben. Bei den Laichgewässern handelt es sich meistens um geschützte Biotope.
Theoretisch gute Vorraussetzungen für den Schutz des Moorfrosches, um auch in Zukunft die blauen Männchen für wenige Tage im Jahr beobachten zu können.
21.03.07
Achtung: Kröten, Frösche und Molche sind auf Wanderschaft!
Und alle Krötenzäune des Jahrgangs 2007 stehen!
Wie viele sind's?
Viele der 13 in Berlin vorkommenden Amphibienarten befinden sich auf der Wanderschaft in ihre angestammten Laichgewässer. Das heißt für Autofahrer besondere Achtsamkeit in der Nähe von Gewässern und das Reduzieren der Geschwindigkeit auf max. 30 km/h. Nicht nur das Überfahren, sondern auch die durch hohe Geschwindigkeit erzeugte Druckwelle kann zum Tod von Amphibien führen. Gerade bei Zweiradfahrern geht es nicht nur um das Leben der Lurche sondern auch ums eigene.
Teichfrösche, im Tode vereint
An besonders stark von Amphibien frequentierten Straßenabschnitten errichteten Mitglieder des NABU Berlin und anderer Naturschutzverbände wie zu Beginn jeder Saison mobile Amphibienschutzzäune, um die Lurche am Überqueren der Straßen zu hindern. Untersuchungen zeigten, dass bereits ab einer Verkehrsdichte von 60 Fahrzeugen/Std. den Tieren eine erfolgreiche Überquerung von Straßen unmöglich ist. Jährlich werden 12 bis 15 Zäune mit einer Gesamtlänge von 8 km errichtet und über mindestens zwei Monate betreut. Betreuung heißt hier, eine morgendliche und mitunter abendliche Kontrolle der Fanggefäße und das Umsetzen der Tiere auf die andere Straßenseite, damit sie die Wanderung zum Laichgewässer fortsetzen können, sowie die Wartung der Zäune, die nicht selten Ziel von Vandalismus werden.
Kleintierleitanlage
Um den Aufwand und die Beeinträchtigungen der Tiere durch diese mobilen Amphibienzäune zu reduzieren, wurden in der Vergangenheit mehrere Kleintierschutzanlagen in Berlin errichtet. Durch Leitvorrichtungen, die eine Wanderung auf die Straße verhindern, werden die Tiere zu unter den Straßen führenden Tunneln gelenkt, so dass sie ungehindert die Fahrbahn unterqueren können. Gerade pünktlich zum Beginn der diesjährigen Amphibienwanderung wurde die siebte derartige Anlage am LSG Falkenberger Krugwiesen in Lichtenberg fertig gestellt. Neben dem Schutz für Amphibien leisten derartige Einrichtungen einen wichtigen Beitrag zum angestrebten Biotopverbund, denn diese Kleintierschutzanlagen können auch von vielen anderen bodengebundenen Organismen bis etwa zur Größe eines Fuchses genutzt werden.
Hochzeitendes Moorfrosch-Paarit / Fotos: Scharon
In Abhängigkeit von der Temperatur zeigen die einzelnen Arten eine Abfolge in ihrem jährlichen Auftreten. Zuerst wandern die Braunfrösche, nämlich Gras- und Moorfrösche, dann fast gleichzeitig Teich- und Kammolch, gefolgt von Erdkröte und Teichfrosch. Bedingt durch den milden Winter wurde, wie berichtet, bereits Anfang Februar der erste Fangzaun aufgestellt, an dem bereits am 2. Februar der erste Teichmolch gefangen wurde (siehe hier). Die oben genannten Arten folgten. Auch hier gibt es zeitliche Unterschiede. Vorkommen in wärmeren Gebieten wandern früher als Tiere in solchen mit niedrigeren Temperaturen. Am 13. März wurde die erste Knoblauchkröte, der Froschlurch des Jahres 2007, nachgewiesen! Während es nach strengen Wintern in den ersten wärmeren und regnerischen Nächten zu Massenwanderungen durch Amphibien kam, erfolgt in diesem Jahr seit Anfang Februar das Wandergeschehen kontinuierlich. Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Aber bis Mitte April werden die Schutzzäune auf alle Fälle noch betreut. Nach dem Ablaichen die sich während der Laichgeschäfts blau färbenden Moorfrösche sind bereits an sonnenexponierten Gewässern zu beobachten, beginnt sodann die Rückwanderung von Frosch, Kröte & Molch in ihre Sommerquartiere, gefolgt von den Jungtieren. Für Fahrzeugführer aber heißt es vor allem in den nächsten Wochen: Achtung! Lurche kreuzen die Fahrbahn.
14.03.07
Neues vom Fangzaun
Früher Aufbruch von Molch und Frosch nicht notwendig schon Zeichen des Klimawandels
Erdkrötenpaar / Foto: Scharon
Gleich nach dem Zaunaufbau in Berlin-Buch (siehe hier) haben bereits ca. 300 der zu den Frühlaichern gehörenden Teichmolche ihre Winterquartiere verlassen und sind in das Laichgewässer "Moorlinse" eingewandert.
Bei diesen Tieren liegt in klimatischen "Normaljahren" der Beginn der sich über mehrere Wochen hinziehenden Frühjahrswanderung Mitte Februar, kann aber regional variieren und in ausgesprochen frühwarmen Jahren wie in diesem durchaus ein bis zwei Wochen früher bzw. bei spätwarmen Jahren wie 2006 auch entsprechend später zu beobachten sein. Wie bereits berichtet, konnte der erste Teichmolch schon am 2. Februar am Fangzaun registriert werden. Dazu kommen die ersten fünf Braunfrösche.
Erdkröten laichend / Foto: Scharon
In anderen Bundesländern wie zum Beispiel Nordrhein- Westfalen und Baden- Württemberg waren die ersten Amphibien schon Mitte Januar unterwegs.
Für die frühwandernden Arten, zu denen u. a. Gras- und Moorfrosch, Teich- und Kammmolch und die Erdkröte gehören, wird ein Temperatur-Schwellenwert von ca. 5°C als Auslöser für den Wanderbeginn angegeben. Wird die Laichwanderung durch Frost unterbrochen, verkriechen sich die Tiere an Ort und Stelle und setzen bei besseren Bedingungen ihren Weg fort. Aufgrund der milden Temperaturen im Januar und Februar konnten in den oben genannten Bundesländern schon über 100 Erdkröten und ebenso viele Grasfröschen an Fangzäunen nachgewiesen werden.
Teichmolch / Foto: C. Fischer - WikiCommons
Die erste Erdkröte für Berlin wurde am 15.2.07 bei einer nächtlichen Temperatur von 4,6°C und 82-prozentiger Luftfeuchte am Fangzaun auf dem Gelände des Königin Elisabeth Krankenhauses Herzberge "gefangen". Ebenda konnten auch mittlerweile elf Kammmolche nachgewiesen werden.
Auch der bei den Erdkröten an sich stark witterungsabhängige Laichbeginn kann sich bei extrem frühwarmen Jahren bei einigen Tieren nach vorn verschieben. Die Massenwanderung wird aber vermutlich erst im März beginnen.
In jüngster Zeit gibt es immer wieder Pressemeldungen, wonach Frösche, Kröten und Molche erste Opfer des Klimawandels seien. Langzeitstudien wie z. B. die fünfjährige Untersuchung am schon erwähnten Weiher in Herzberge belegen jedoch wie gesagt, dass eine zeitliche Verschiebung der Laichaktivität der Amphibien in klimatischen Ausnahmejahren um ein bis zwei Wochen nach vorn oder hinten nicht ungewöhnlich ist. Andererseits wird dem aufmerksamen Flaneur nicht verborgen bleiben, dass die Berliner Gewässer von Jahr zu Jahr immer weniger Wasser führen und somit zu befürchten ist, dass, wenn sich dieser Trend fortsetzt, die Laichgewässer für Amphibien knapp werden.
21.02.07
Die alljährliche Wanderung der Lurche hat bereits begonnen!
Und pünktlich stehen die ersten Fangzäune
Amphibienzaun Moorlinse / Foto: Gehring
Wesentlich unauffälliger als die Vertreter der Vogelwelt wie Amsel und Rotkehlchen, die bei mehr oder weniger mildem Wetter schon jetzt ihre Reviergesänge erklingen lassen oder wie die Graugänse bereits laut rufend ihre Brutgebiete bezogen oder gleich den Blaumeisen gar schon Gelege gezeitigt haben , heimlicher als diese alle verließen am vergangenen, noch schneefreien Wochenende auch die ersten Lurche ihre Winterquartiere und machten sich auf den gefahrvollen Weg zu ihren Laichgewässern.
Ein Fangeimer ist eingegraben
Auffällig werden vielen Menschen diese Tiere Teichmolche, Erdkröten, Moor- und Grasfrösche häufig erst dann, wenn sie auf ihrer Wanderung Straßen überqueren müssen und dabei unter die Räder kommen. Ist sie erst in vollem Gange, kommt es zu regelrechten Massakern. Amphibienleiteinrichtungen mit Tunneln, wie an der Schönerlinder Chaussee in Berlin Buch, verhindern dieses Massensterben.
Doch nicht überall stehen für solch aufwändige Einrichtungen sofort die finanziellen Mittel bereit. Dort bewähren sich dann Amphibienfangzäune aus Folie, die den wandernden Tieren den Weg versperren und sie "zwingen", entlang des Zaunes nach einem Durchlass zu suchen, bis sie in die eingegrabenen Fangeimer fallen. Freiwillige HelferInnen kontrollieren diese Eimer täglich, bestimmen, zählen und vermessen die Tiere und tragen sie anschließend über die Straße, wo sie ohne Gefahr die Wanderung zu "ihrem" Gewässer fortsetzen können.
Der erste Teichmolch / Foto: Gehring
Schon am 1. und 2. Februar wesentlich früher als in den vorhergehenden Jahren wurde der Fangzaun an der Moorlinse Buch gestellt, denn die relativ warme Witterung mit Niederschlägen ließ vermuten, dass sich insbesondere Teichmolche aus ihrem schützenden Winterversteck in Erdlöchern, unter Reisig, in Spalten oder Ritzen hervorwagen und über die stark befahrene Straße entlang des Bahndamms zum Laichgewässer streben würden. Und tatsächlich: Breits am Sonnabend, 3. Februar, waren über 60 Teichmolche in den Fangeimern! Angesichts des neuerlichen Wintereinbruchs wird die Wanderung natürlich vorerst ausgesetzt.
Zum Teichmolch (Triturus vulgaris)
Teichmolche verändern ihre Gestalt auf verblüffende Weise: Bräunlich, trocken, feinkörnig und wasserabweisend ist ihre Haut, wenn sie als Jungmolche im Juli das Wasser verlassen haben. Sieht man von der hellen, zum Teil leuchtend orangefarbenen, schwarz gefleckten Bauchseite ab, erinnern die Molche dann im Aussehen sehr an kleine Eidechsen. Diese "Landtracht" ist eine Anpassung ans Leben außerhalb des Wassers. In ihren Laichgewässern aber verwandeln sich die Molche zur Paarungszeit stark: Ihre Haut wird weich und zart und bildet bei den Männchen vom Hinterkopf über den Rücken bis zum Schwanz einen hohen, gezackten oder gewellten Kamm, mit blauen Säumen schön anzusehen. Dazu noch die bunte Bauchseite, und die ehedem so unscheinbaren Tierchen präsentieren sich beim Werben um die Weibchen in farbenprächtigem Outfit.
Teichmolch im Aquarium
Spektakulär ist der "Balztanz" oft mehrerer Männchen um ein Weibchen: Sie bringen sich vor ihr in Position und wedeln ihr mit eingeschlagenem Schwanz Duftstoffe zu. Reagiert sie auf einen Freier interessiert, indem es auf ihn zuschwimmt, setzt dieser eine Spermatophore (Samenpaket) ab, die das Weibchen mit ihrer Kloake aufnimmt. Anders als etwa bei Fischen handelt es sich also um eine innere Befruchtung. Nach einigen Tagen heftet das Weibchen bis zu 300 Eier an Wasserpflanzen, Steine, Wurzeln etc. und nach weiteren acht bis vierzehn Tagen schlüpfen die Larven, deren Umwandlung in etwa vier bis sechs Wochen beendet ist. Bis zu ihrer Geschlechtsreife in zwei bis fünf Jahren leben die Jungmolche an Land. In flachen klaren Gewässern oder auch Gartenteichen kann man die Tiere sehr gut beobachten, wenn man möglichst keine bzw. ruhige Bewegungen macht.

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