Berlin.NABU.de Themen Verkehrsprojekte Weiterbau A 100
Erholung am Rand der Autobahn?
Erholung am Rand der Autobahn?
Nächster Bauabschnitt der A 100 soll bis zum Treptower Park führen
Am 30. Januar 2008 stellten Senatsvertreter die Pläne zum Weiterbau der A 100 in Treptow vor. Der neue Autobahnabschnitt vom Dreieck Neukölln bis zum Treptower Park ist nur ein weiteres Glied des sogenannten kleinen Autobahnringes, der nach dem Willen der Planer zukünftig - die Spree und das Ostkreuz querend - an der Landsberger Allee enden soll. Allein das nun geplante, teils in Tunnel- und Troglage verlaufende Teilstück führt zum Verlust mehrerer Häuser in der Treptower Beermannstraße und von knapp 300 Kleingartenparzellen in Neukölln und Treptow. Statt auf grüne Oasen in der Betonwüste, werden die Bewohner der Neuköllner Aronstraße zukünftig auf die neue Autobahn blicken, denn hier soll sie in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung verlaufen.
Rund 500 Bäume sollen für den Bau des neuen Autobahnabschnittes fallen. Der Treptower Park, ein gartenbauliches Denkmal und als Ort der Erholung für die Bürger der dicht besiedelten Stadtteile Alt-Treptow, Kreuzberg und Nord-Neukölln von großer Bedeutung, wird zusätzlich „verlärmt“ und mit Abgasen belastet. Denn, obwohl in Berlin erstmals ein besonders geräuscharmer Asphalt verwendet werden soll, räumt die Planungsbehörde laut eines Berichtes der Berliner Morgenpost erhebliche Lärmbelästigungen, besonders im Umfeld der Elsenbrücke ein.
Größte Bedenken gibt es seitens der Bürger, wie sich die zu erwartende Menge von rund 65.000 bis 100.000 KFZ pro Tag von der Anschlussstelle Am Treptower Park auf die anschließenden Straßen verteilen soll. Heute passieren rund 25.000 Autos täglich die betreffende Kreuzung. Der Hauptverkehrsstrom soll vom zukünftigen Autobahnanschluss über die Elsenstraße und die Brücke über die Spree auf die Stralauer Allee „abgeführt“ werden. Bis dahin sind fünf, relativ dicht hintereinander liegende, ampelgeregelte Knotenpunkte zu queren - hier wird Dauerstau befürchtet.
Helfen Sie, den Betonteppich zu stoppen!
Spätestens seit den Berichten des Weltklimarates, die im Jahr 2007 veröffentlicht wurden, ist der Klimawandel und die Rolle der energiehungrigen Industrieländer als Hauptverursacher ins Bewusstsein der meisten Deutschen vorgedrungen. Um die Folgen der aufgeheizten Atmosphäre zumindest mildern zu können, ist konsequentes Handeln notwendig! Was liegt da näher, als in einer Großstadt wie Berlin, die als eine von wenigen Städten Deutschlands einen verbindlichen Parlamentsbeschluss mit messbaren Zielen zur Lokalen Agenda 21 erlassen hat, konsequent an der Förderung umweltfreundlicher Fortbewegungsmittel zu arbeiten? Auf dem Papier ist dies bereits geschehen: Im „Handlungsfeld“ Verkehr /Mobilität wird die Veränderung des sogenannten „modal split“ angekündigt. Mittelfristig sollen in der gesamten Stadt 66 % aller Fahrten, in der historischen Mitte Berlins und in der City West 80 % der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen.
Folglich könnte man auf teure Straßenneubauprojekte verzichten und das Geld in die Sanierung bestehender Straßen, den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und die Förderung des Fahrrad- und Fußgängerverkehrs stecken? Weit gefehlt: Es wird weiterhin agiert, als sei die Zunahme des Autoverkehrs in der Stadt ein Naturgesetz!
Nach Presseberichten wird das Projekt für den Bund gar ein Drittel teurer als geplant. Rechnet man die Einnahmen durch den Verkauf landeseigener Grundstücke gegen die Kosten, die das Land Berlin übernimmt, belastet die Autobahnverlängerung den Berliner Haushalt nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung immer noch mit satten 7,3 Millionen Euro!
Bleibt zu hoffen, dass Bürgerprotest und neues Europarecht dieses Mal einer modernen, zukunftsfähigen Stadtentwicklung den Weg ebnen wird.
In der Geschäftsstelle des NABU Berlin liegen Unterschriftenlisten gegen den Bau der A 100 aus. Sie sollen Verkehrsminister Tiefensee überreicht werden. Schriftliche Einwendungen im Rahmen der Bürgerbeteiligung (frühestens ab Mai 2008) sind Voraussetzung für eine spätere Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss. Mit dem Erwerb eines Klagemeters kann man die Kläger auch finanziell unterstützen. Wie das geht, erfahren Sie auf
www.keineautobahntreptow.de

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