Berlin.NABU.de Themen Stadtentwicklung Tempelhofer Feld

Schatzsuche auf dem Tempelhofer Feld

Schatzsuche auf dem Tempelhofer Feld

Der NABU Berlin beim Eröffnungsfest auf dem ehemaligen Flughafenareal

Anderthalb Jahre nach der Schließung des Flughafens Tempelhof wurde das ehemalige Flugfeld mit einem großen Eröffnungsfest am 8. und 9. Mai der Bevölkerung zugänglich gemacht. Ein riesiges Gelände, auf dem sich in Jahrzehnten relativer Ungestörtheit eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickeln konnte. Am 8. Mai war der NABU Berlin mit dabei und lud dazu ein, bei Führungen über das Gelände und Aktionen zur Stunde der Gartenvögel diese Naturschätze zu entdecken.

Tempelhof 8.5.10

Unter der Anleitung von Entomologen konnten Käfer betrachtet werden

Trotz einiger "Bauchschmerzen" wegen des aus Naturschutzsicht unglücklichen Eröffnungstermins – er fiel mitten in die Brutzeit vieler Vögel – nutzte der NABU am 8. Mai die Möglichkeit, möglichst vielen Menschen die Natur des Tempelhofer Feldes erlebbar und auf ihre Schutzwürdigkeit aufmerksam zu machen.
Die Weitläufigkeit des ehemaligen Flughafengeländes mit seinen frischen, blühenden Maiwiesen beeindruckte trotz des kühlen Wetters alle Besucher. Am Morgen war auch noch das Gezwitscher der Feldlerchen zu hören.
An einem eigenen Informationsstand konnten sich interessierte Besucher über die aus Naturschutzsicht besonderen Gegebenheiten des Geländes und über die Arbeit des NABU in Berlin informieren. Der Stand bot auch die Möglichkeit, selbst Naturbeobachtungen anzustellen oder sich verschiedenartigen Führungen anzuschließen.

Tempelhof 8.5.10

Rainer Altenkamp bot orni- thologische Führungen an

So luden Birgit Seitz und Friederike Blenau vom Botanischen Verein Berlin Brandenburg Familien mit Kindern stündlich zum Trip in die Pflanzenwelt der weitläufigen Wiesen und anderer Biotope auf dem ehemaligen Flughafenareal.
Wer wissen wollte, was dort alles krabbelt, hüpft und fliegt, der konnte mit Lupe und Käscher bewaffnet und unter fachkundiger Begleitung durch den NABU-Entomologen Jens Esser die Insekten des Geländes erkunden. (Liste der gefundenen Arten)
Auch ein Schmetterlingskenner der TU Berlin war dabei. Und natürlich fehlten auch die Ornithologen nicht: Über das Gelände, das für seinen Reichtum an Feldlerchen und für die Vorkommen äußerst seltener Vogelarten wie des Steinschmätzers bekannt ist, führten der Greifvogelexperte und NABU-Vize Rainer Altenkamp und Artenschutzreferent Jens Scharon.

Lobenswert: Die geplante Besucherlenkung hat gut funktioniert. Der überwiegende Teil der Besucher respektierte die aufgestellten Markierungen und Hinweisschilder und betrat die Wiesenflächen, die zur Zeit als Brutgebiete dienen, nicht.

Tempelhof Plan Eröffnungsfest

Plan der Angebote beim Öffnungsfest Tempelhofer Park. Bitte vergrößern. Quelle: GRÜN Berlin GMBH.

Tempelhof für Mensch und Natur

Tempelhof 8.5.10

Löwenzahn auf dem Tempelhofer Feld

Den Berliner Umweltverbänden war ihre Präsenz beim Eröffnungsfest in Tempelhof eine Herzensangelegenheit. Nachdem bereits wichtige, aus Naturschutzsicht erforderliche Maßnahmen seitens der Behörden und des Projektentwicklers, der GRÜN Berlin GmbH berücksichtigt worden sind, gilt es nun, die Bevölkerung für den Schutz der Tempelhofer Stadtnatur zu gewinnen. Bodenbrütende Vögel, die sich vom Flugbetrieb nicht stören ließen, sollten davor bewahrt werden, dass ihre Gelege Mensch oder Hund zum Opfer fallen. Seltene Pflanzenarten, die sich durch die extensive Pflege des Gebietes zur Zeit des Flugbetriebes dort angesiedelt haben, sollten nicht Gefahr laufen, unter Picknickdecken "begraben" zu werden.
Auf etwa der Hälfte des Areals werden den künftigen Besuchern daher gewisse Einschränkungen „verordnet“ – Einschränkungen, die durch seltene Stadtnatur-Erlebnisse belohnt werden könnten!

Tempelhof 8.5.10

Birgit Seitz vom Botanischen Verein startet zu einer botanischen Exkursion

Gesonderte Hundesauslaufgebiete und ausgewiesene Grillplätze sowie der Verzicht auf die 24-stündige Öffnung des Geländes sind aus dieser Sicht natürlich begrüßenswert. Der naturschützerisch besonders wertvolle Bereich zwischen den beiden ehemaligen Landebahnen wird als Vogelschutzbereich ausgewiesen und soll von April bis Juni nicht betreten werden, ein 24 Hektar großes Areal im Süden des Tempelhofer Feldes wird aus demselben Grund eingezäunt.
Die vorgesehene Besucherlenkung, ein naturschutzgerechtes Pflegekonzept und eine konsequente Begleitung der Entwicklung durch Fachleute könnte dem Naturschutz-Experiment „Tempelhofer Feld“ schließlich zum Erfolg verhelfen.

Last but not least wünscht der NABU allen Berlinerinnen und Berlinern, die sich auf eine neue Freifläche für Spiel, Spaß und Erholung freuen, viel Freude am neuen Park. Denn auf 250 Hektar neu gewonnener Fläche ist - mit ein wenig Rücksichtnahme - ein Miteinander von Mensch und Natur durchaus machbar!

10. Mai 2010


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