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Psst! Bitte nicht aufwecken!
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Schonende Sicherung von Fledermaus-Winterquartier
Die ehemaligen Sandfilterhallen auf dem Gelände des Wasserwerks Tegel gehören zum europäischen Schutzgebietsnetz NATURA 2000.
Das Gemäuer der alten stillgelegten Sandfilterhallen auf dem Gelände des Wasserwerks Tegel drohte durch den Einwuchs von Pflanzenwurzeln geschädigt zu werden. In den unterirdischen Gewölben überwintern streng geschützte Fledermausarten wie das Große Mausohr. Während der Winterschlafphase wurden Erhaltungsmaßnahmen am Quartier durchgeführt, bei denen äußerst sensibel vorgegangen werden musste.
Ende November 2009 wurden die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (SenStadt) initiierten Maßnahmen zur Sicherung von Fledermausquartieren im Wasserwerk Tegel erfolgreich abgeschlossen (siehe auch Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom 30.10.2009).
Fledermauskontrolle durch einen Experten
Baumwurzeln sind in die unterirdischen Gewölbe hineingewachsen.
Durch eine beauftragte Fachfirma waren Strauch – und Baumaufwuchs vom Dach der Sandfilter entfernt und in Handarbeit bzw. mit Seilzug beräumt worden.
Der NABU-Fledermausexperte Tobias Teige wurde als Sachverständiger sowohl in die Vorbereitung der Maßnahme als auch während der Durchführung mit einbezogen, um auszuschließen, dass bereits eingeflogene Fledermäuse gestört werden oder Schäden am Gebäude entstehen. Aufgrund der behutsamen Herangehensweise der Spezialfirma stellte Teige keine beunruhigenden Verhaltensänderungen fest.
Im Wasserwerk Tegel überwintern jährlich ca. 650-700 Tiere in 7 Arten. Die häufigsten Arten sind Mausohr (Myotis myotis), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) und Fransenfledermaus (Myotis nattereri). Vom Mausohr wurden Winter 2008/09 ca. 340 Tiere gezählt, so dass das Wasserwerk Tegel das bedeutendste bekannte Winterquartier auf Berliner Stadtgebiet ist (Artenhilfsprogramm Fledermäuse, SenStadtUm Berlin).
Durch die Berliner Wasserbetriebe wird in den Folgejahren die Fläche durch eine regelmäßige Mahd zu einem blütenreichen Magerrasen entwickelt und das Aufwachsen von Gehölzen verhindert.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird weitere Maßnahmen zur Verbesserung dieses Winterquartiers einleiten und die Bestandsentwicklung durch Fledermausexperten dokumentieren lassen und somit das „Artenhilfsprogramm Fledermäuse“ mit praktischen Maßnahmen in Berlin ergänzen.
Echo-Ortung und winterliche Energiesparmaßnahmen
Die in Handarbeit entfernten Gehölze werden abgefahren.
Fledermäuse existieren in einer Lebens- und Sinneswelt, in die wir Menschen uns nicht annähernd hineinversetzten können. Das Orientieren im Raum und das Fangen der Nahrung, die bei allen heimischen Arten fast ausschließlich aus Insekten besteht, geschieht mit Hilfe eines Ortungssystems im Ultraschallbereich, ist also für uns Menschen unhörbar. Aus dem meist geöffneten Maul stoßen die Fledermäuse regelmäßig "Schreie" aus. Die reflektierten Echos von den vor ihnen befindlichen Gegenständen fangen sie mit den Ohren wieder auf und erhalten so ein 'Hör-Bild' ihrer Umgebung. Mit diesem Echo-Ortungssystem können sie Objekte mit einem Durchmesser von weniger als 0,2 Millimeter erkennen, ihnen elegant ausweichen, wenn es ein Hindernis ist oder es fangen, wenn es sich um ein Beutetier handelt.
Winterimpression aus dem Wasserwerk: Fledermäuse der Spezies Großes Mausohr ( Myotis myotis) hängen schlafend von der Decke.
Die wärmeliebenden Tiere haben sich durch ihre Fähigkeit zum Winterschlaf unsere kühleren Breiten erobert. Dabei werden alle energieverbrauchenden Prozesse des Körpers gedrosselt- die Körpertemperatur sinkt, Herzschlag und Atmung werden herabgesetzt. Der Körper zehrt in dieser Zeit von dem im Spätsommer angefressenen Fettdepot. Es gibt einige Wachphasen, in denen Harn abgelassen und Flüssigkeit aufgenommen wird. Jedes Erwachen bedeutet jedoch einen hohen Energieverlust, zusätzliche Störungen können daher tödlich sein!
Für ihre Winterruhe benötigen Fledermäuse kühle, ungestörte, zugfreie Orte, z.B. unterirdische Keller oder Gewölbe mit einer bestimmten Luftfeuchte. Das bekannteste Berliner Winterquartier ist die Zitadelle Spandau.
Das durchgeführte Projekt ist ein gutes Beispiel für die Kooperation der Berliner Wasserbetriebe mit der Obersten Naturschutzbehörde (SenStadt) bei der Durchführung von Naturschutzmaßnahmen.
29. Dezember 2009
Unsere Grafik zeigt den Jahresverlauf und saisonalen Quartierswechsel bei Fledermäusen.
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