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12. Berliner Naturschutztag 2011

12. Berliner Naturschutztag voller Erfolg!

Wieder konnten mehr als 350 Teilnehmer begrüßt werden

Spötter sagen bereits „Wir gehen am Samstag zum Kirchentag des NABU“, wenn Sie sich den 26. Februar 2011 fest im Kalender vermerken. Doch der Name ist nur bedingt Programm: bereits zum vierten Mal tagte der NABU Berlin in der Jerusalemkirche und vereinte wieder eine geballte Ladung an Fachkompetenz – dieses Mal in Sachen Waldnaturschutz – in seinen Reihen.

Großer Besucherandrang

Ein großes Auditorium verfolgte die Fachbeiträge.

Der NABU ruft und alle kommen. In diesem Jahr konnten wieder über 350 Besucher begrüßt werden, die sich über Waldnaturschutz im Allgemeinen und den Naturschutzbemühungen in Berliner und Brandenburger Wäldern im Besonderen informieren wollten. Prof. Dr. Hubert Weiger zeigte in seinem Einstiegsvortrag, dass man in Sachen Waldnaturschutz zwar schon eine ganze Menge in Deutschland erreicht hat, aber auch weiterhin noch viel Arbeit bevorsteht, um eine den Ökosystemformen angepasste Waldbewirtschaftung zu erreichen. Ein Appell, dem sich Dr. Flade, ein Kenner der Brandenburger Buchenwälder, nur zu gerne anschloss und bei dem sich Elmar Lakenberg, Chef der Berliner Forsten, wohl fühlen konnte, denn schließlich arbeitet der hiesige Waldbetrieb bereits nach den höchsten in Deutschland zu vergebenen Naturschutzstandards FSC und Naturland.

Einstimmig angenommen!

Naturschutztag 2011

Um die Mittagspause herum wartete der NABU Berlin jedoch noch mit einem anderen Baum-Thema auf. Die Anwesenden waren aufgefordert sich mit einer Resolution zum Schutz der Garten- und Grünflächenstrukturen in unmittelbarer Nachbarschaft zu denkmalgeschützten Siedlungsanlagen zu beschäftigen. Einstimmig begrüßte das anwesende Auditorium die Forderung des NABU Berlin, diese einmalige Form der städtischen Tier- und Pflanzenvielfalt zu schützen, vitale und standsichere Bäume in den historischen Anlagen zu erhalten und die Belange der Anwohner stärker in den Planungen zu berücksichtigen.
Text der Resolution

Blick für das Detail

Naturschutztag 2011

Gelegenheit zu Gesprächen und Informationsaustausch.

In Deutschland ist Wald nicht nur Lebensraum, sondern wird auch vielfach genutzt. Prof. Dr. Murach beschrieb eine weitere Nutzungsform, die zwar nur bedingt mit Wald zu tun hatte, aber doch Perspektiven der Holznutzung für die Gewinnung von Biomasse aufzeigte. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion.
Tiefer in das Detailwissen ging es, als über den Paarungsgesang und das Quartiernutzungsverhalten des Waldbewohners Großer Abendsegler berichtet wurde. Diese Präsentation wurde gleichzeitig auch zu einer Art Hörtest für die Besucher. Selbst die an die menschlichen Frequenzen technisch angepassten Gesänge dieser Großfledermaus waren für manchen Besucher nur schwer zu hören. Genauso spannend und ebenfalls mit anschließender lebhafter Diskussion ging es beim Thema Wolf weiter, wo über das Wanderverhalten der Wolfsrudel berichtet wurde. Das Fazit war hier: über kurz oder lang wird der Wolf sich in Deutschland ausbreiten, aber die Zeiträume in denen er das tut, sind derzeit nur schwer einzuschätzen und es ist fraglich, ob es in der ersten Zeit überhaupt auffällt, weil er doch relativ heimlich und scheu ist.

„Die durchweg positive Resonanz auf unsere Veranstaltung gibt uns die Zuversicht, dass wir mit dieser Art von Fachwissenbündelung auch weiterhin auf dem richtigen Weg sein werden“, zeigt sich Anja Sorges, Geschäftsführerin des NABU Berlin, zufrieden. „Und gerade die Beiträge des heutigen Tages haben gezeigt, dass der große Journalist Horst Stern recht hatte, als er sagte ‚Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume’.“

28. Februar 2011

Das Programm zum Naturschutztag finden Sie hier:

12. Naturschutztag 2011

Kurzfassungen der einzelnen Referate finden Sie hier:

Diese Veranstaltung wurde dank der freundlichen Unterstützung der Stiftung Naturschutz Berlin und der Veolia Stiftung realisiert.

Unterstützer 2011

Wie steht es um den Waldnaturschutz in Deutschland?

Prof. Dr. Hubert Weiger, BUND

Prof. Weiger

„Wald ist unsere wichtigste, zentrale ökologische Ressource, von daher müssen wir sehr verantwortungsvoll mit ihm umgehen und deshalb brauchen wir eine in Waldfragen engagierte Bevölkerung.“

Waldnaturschutz in Deutschland - Die Realität
„Man soll es kaum glauben, wenn man heute durch Deutschland fährt.“, so Weiger, „hier war überwiegend Laubwaldland (ursprünglicher Waldanteil 90%)“ . „Bis heute haben wir den Waldanteil auf 30% deutlich reduziert und erheblich dazu beigetragen, dass sich das Baumartenverhältnis fast genau umgekehrt hat.“ Aus einem vorherrschenden Laubwaldgebiet sei ein dominierendes Nadelwaldgebiet geworden. Außerdem seien wir heute arm an alten Bäumen und allgemein an alten, natürlichen Wäldern in Deutschland, erklärte Weiger.
Der Ursprung dieses Problems liege vor allem bei der intensiven forstlichen Nutzung und naturfernen Forsten mit nicht standortgerechten Baumarten, meint Weiger. Die in Deutschland vorherrschenden Altersklassenwälder besäßen keine natürliche Dynamik und kaum Alt-/Totholz. Dies habe zum Einen Artenarmut, einen Verlust an Biodiversität und zum Anderen auch eine Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel und Insekten-/Krankheitsbefall und Windwurf zur Folge.
Des Weiteren wies Weiger auf den Waldzustandsbericht Deutschlands 2010 hin, in welchem geschrieben steht, dass 62% der Bäume leichte bis starke Schäden aufweisen und sich besonders die Eiche in einem sehr schlechten Zustand befinde, da der Anteil der Kronenverlichtung sich von 9% im Jahr 1984 auf heute 51% erhöht hat. Ursächlich dafür seien Stickstoffeinträge durch industrielle Landwirtschaft und Verkehr, auch der Klimawandel und Raupen-/Pilzbefall.

Waldnaturschutz in Deutschland - Ziele, Herausforderungen und Instrumente
„Ein Paradigmenwechsel wird angestrebt“, lautete die Kernthese Weigers. Aus dem „aufgeräumten“, gleichaltrigen Altersklassenwald solle ein starkholzreicher, wilder und naturnaher Wald werden. Ein echte eigendynamische Entwicklung des Waldes sei nur bei dauerhaft natürlicher Entwicklung ohne Holznutzung möglich. Außerdem müssten alle natürlichen Waldgesellschaften in einem System holzwirtschaftlich ungenutzter Schutzgebiete repräsentiert sein.
Weiger stellte im Rahmen der Waldstrategie 2020 aktuelle Herausforderungen an die Waldwirtschaft dar, wozu eine wachsende Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff Holz und wachsende gesellschaftliche Ansprüche an den Wald, ein genereller Rückgang der Biodiversität und zunehmende Herausforderungen durch den Klimawandel gehörten.
Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es einiger spezieller Mittel. Zu den Instrumenten des Waldnaturschutzes in Deutschland gehören laut Weiger unter anderem die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die FFH-Richtlinien, das nationales Naturerbe, NSGs, Nationalparks, Bannwälder und Naturwaldreservate. Zum Beispiel seien im Rahmen des nationalen Naturerbes gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzflächen des Bundes unentgeltlich an Länder, die DBU und NGOs übertragen worden. 100 000 ha wurden bereits gesichert, als Ziel sollen 125 000 ha gelten.
Die Defizite der staatlichen Instrumente lägen vor allem bei einer schleppenden Umsetzung (Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft noch weit von Zielwert entfernt, Zertifizierung hauptsächlich PEFC (69%), FSC nur 4% ). Weitere Mängel lägen bei der NATURA 2000 durch fehlende Management-Pläne, fehlende Finanzierung und eine ungenügende Umsetzung des Verschlechterungsverbots vor. Darüber hinaus habe die umfassende Privatisierung von Waldflächen schwerwiegende Konsequenzen. Zudem würden Forstämter abgebaut und zusammengelegt werden, um Gewinne zu steigern.
Letztlich fasste Weiger zusammen, dass durch die Fokussierung auf einen möglichst hohen Holzertrag Naturschutzbelange zurückgestellt werden.

Zum Ende des Vortrages präsentierte Weiger eine klare Strategie zum Schutz des Waldes aus Sicht des BUND:

  • öffentliche Wälder sollten ökologisch vorbildlich bewirtschaftet werden, und zwar durch entsprechendes Personal grundsätzlich im Einvernehmen mit Naturschutzbehörden (frei von ökonomischen Interessen),
  • Verkauf von Staatswäldern ist unverzüglich zu stoppen!
  • Holzverbrauch in Deutschland muss reduziert werden (langlebige Produkte, Kaskadennutzung, Energieeffizienz, ...),
  • ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft in D darf nicht zu Lasten von Wäldern in anderen Ländern gehen,
  • „Wald vor Wild“ muss flächendeckend umgesetzt werden,
  • die forstliche Ausbildung muss entsprechend ausgerichtet werden,
  • Prozessschutz: Mindestens 5 % der Waldfläche sind in großen Prozessschutzgebieten (≥ 200 ha) dauerhaft der natürlichen Entwicklung zu überlassen („Urwälder von morgen“),
  • der öffentliche Wald sollte dafür 10 % seiner Flächen zur Verfügung stellen (Vorbildfunktion),
  • Ergänzung der großen Prozessschutzgebiete durch kleinere „Trittsteine“ (≥ 0,5 ha) auf weiteren 5 % der Waldfläche.



Verborgener Schatz: Buchenwälder in Brandenburg

Dr. Martin Flade, Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg

Martin Flade

„Naturschutz im Buchen-Wirtschaftswald ist machbar und auch notwendig“

„Deutsche Buchenwälder als Weltnaturerbe – warum denn das?“ – Diese Frage stellte Flade einige Male und beantwortete sie in seinem Vortrag ausführlich und verknüpft mit vielen Fakten und Bildern. Im Vergleich zum Yellowstone Nationalpark oder dem Grand Canyon scheinen die deutschen Buchenwälder auf den ersten Blick untypisch oder vielleicht sogar unpassend, doch Flade zeigte unter anderem durch folgende Auszüge aus der Begründung der Weltnaturerbe-Nominierung, dass diverse deutsche Buchenwälder durchaus zum Weltnaturerbe gehören sollten: „Das nominierte Cluster ‚Alte Buchenwälder Deutschlands‘ repräsentiert in herausragender Weise die ungestört ablaufenden biologischen und ökologischen Prozesse der Evolution und Entwicklung der Buchenwälder als terrestrisches Ökosystem, das in einzigartiger Weise einen ganzen Kontinent geprägt hat. Die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ erzählen „umfassend und prägnant die Geschichte der nacheiszeitlichen Waldentwicklung in Europa.“ Keine andere Baumart nimmt weltweit in der Zone der nemoralen Laubwälder von Natur aus eine so dominante Rolle ein wie Fagus sylvatica und bestimmt das Erscheinungsbild und das Leben derart wie in natürlichen Buchenwäldern.“ Das vollständige deutsche Nominierungsdossier kann unter folgendem Link als PDF- Datei heruntergeladen werden: weltnaturerbe-buchenwaelder.de.

Eine weitere Besonderheit der deutschen Buchenwälder sei die große Vielfalt trotz Einfalt. „Keine andere Waldgesellschaft zeigt eine derartig große biologische Vielfalt bei gleichzeitiger Baumartenarmut.“, betonte Flade. Es gebe einen enormen Reichtum an Arten, zwar nicht an höheren Pflanzenarten, aber an Holzbewohnern wie Moosen und Pilzen, Käfern und anderen Insekten.
Zum weiteren Schutz der Buchenwälder ist Dr. Martin Flade der Meinung, dass Totalreservate nicht ausreichen würden und das Integrationskonzept gebraucht werde. Vor allem da in isolierten Totalreservaten die buchenwaldtypische biologische Vielfalt nicht erhalten werden könne, auch wenn es 10 % der Waldfläche wären.

Die noch unveröffentlichten Ergebnisse der Untersuchungen bezüglich Naturschutzstandards für die Bewirtschaftung von Buchenwäldern im nordostdeutschen Tiefland von Dr. Martin Flade (und seinen Mitarbeiter/innen Susanne Winter, Heiko Schumacher, Georg Möller) „münden schließlich in die Formulierung von 14 waldbaulichen Forderungen für eine naturschutzgerechte Buchenwaldbewirtschaftung. Viele dieser Forderungen sind so weit wie möglich präzisiert und quantifiziert worden, so z.B. die Menge an Totholz (mind. 30 m³/ha als "gute fachliche Praxis", in Schutzgebieten 50 m³/ha), an Sonderstrukturen (10 Sonderstrukturen bzw. 4 Naturwaldstrukturen pro ha) sowie an auszuweisenden "Totholzanwärtern" im Bestand (mind. 5 als "gute fachliche Praxis", in Schutzgebieten mind. 7).“
Zusammenfassend sagte Flade, dass Naturschutz im Buchen-Wirtschaftswald auf jeden Fall notwendig sei, doch vor allem auch realisierbar.


Waldentwicklung und die Bedeutung der Berliner Wälder für den Natur- und Artenschutz

Elmar Lakenberg, Berliner Forsten

Elmar Lakenberg

„Wald ist auch nach den Biodiversitätskriterien der vielfältigste und der am meisten Naturnähe aufweisende Lebensraum und das soll auch so bleiben.“

Elmar Lakenberg hob zu Beginn seines Vortrages drei Besonderheiten im Umgang mit dem Berliner Wald hervor. Erstens müsse beim Berliner Wald berücksichtigt werden, dass es erst seit 20 Jahren wieder eine einheitliche Zielsetzung bei der Waldpflege gibt.Zweitens, gelte in unserem Waldgesetz die Verpflichtung einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung für alle Waldbesitzer. Drittens, gebe es die Besonderheit, dass wir innerhalb Berlins auf ganzer Fläche laut Gesetz Schutz- und Erholungswald haben.

Im weiteren Verlauf gab Lakenberg anhand von Fotos einen Überblick über die Entwicklung unserer Wälder vom 20. Jahrhundert bis heute und beleuchtete Lakenberg einige Grundlagen: “Das Landeswaldgesetz ist sehr weitgehend in seinen Kriterien und Voraussetzungen für die Waldbewirtschaftung, wir haben die Zertifizierung [im 11. Jahr nach FSC und Naturland] und die Waldbaurichtlinie als die Konkretisierung in der Umsetzung […]. Natur- und Artenschutz findet grundsätzlich auf der gesamten Waldfläche statt. Das heißt, es ist nicht der Anspruch auf unseren 10% Referenzflächen, wo keine Bewirtschaftung stattfindet, ´heile Welt´ zu spielen. Der Anspruch ist auf ganzer Fläche etwas zu tun.“
Prägnant formulierte Lakenberg naturschutzfachliche Ziele bezüglich des Waldes: Der Natur- und Artenschutz solle grundsätzlich auf der gesamten Waldfläche stattfinden. Standorttypische Wälder aus gebietsheimischen Arten sollen e
rhalten und gefördert werden und sich entwickeln können. Das Gleiche gelte für besonders geschützte und andere wertvolle Lebensräume, Lebensraumstrukturen, für Flora und Fauna, z.B. bodensaure Eichenwälder, Erlenbruchwälder, Moore, Wiesen, Heiden, Trockenrasen, Tot- und Biotopholz. Ein weiteres Ziel sei die Förderung der typischen Pflanzen– und Tierarten unter besonderer Berücksichtigung der gesetzlich geschützten und der Rote- Liste- Arten. Außerdem sollen natürliche Prozesse zugelassen werden. Auf den zuletzt genannten Punkt bezogen meinte Lakenberg, dass er im Grunde immer weniger in den Wald eingreifen wolle und sagte dazu noch: „Die Natur hat ein viel größeres Wissen als ich und regelt vieles selber. Man muss einfach hingucken. Ein alter Vorfahr aus Eberswalde, Herr Geier, hat folgenden Spruch geprägt: Fraget die Bäume, guckt nicht soviel in Bücher: Guckt, was draußen passiert!“.
Als Beispiele für Naturschutz im Berliner Wald nannte Lakenberg unter anderem die Erhaltung von Freiflächen („Düne“ im Grunewald, Keerans Range im Revier Nikolassee), den Umgang mit Biotop- und Totholz, die Erhaltung lichter Eichenwaldstrukturen (Revier Müggelsee, ca. 50 ha), Freihaltung von Wegrändern (Reviere Friedrichshagen, Grünau) und einen sensiblen Umgang mit Alleen, Baumreihen etc. im Zusammenhang mit VSP (hohe Aufwendungen für Berliner Forsten).
Positiv bemerkte Lakenberg, dass der Schutzgebietsanteil im Berliner Wald hoch sei und der Anteil des Laubholzes in der nächsten Waldgeneration wachse.

Zum Abschluss resümierte Lakenberg, dass Wald auch nach den Biodiversitätskriterien der vielfältigste und der am meisten Naturnähe aufweisende Lebensraum sei und das auch so bleiben soll.


Begehrlichkeit Holz – Perspektiven der Energieholznutzung in Berlin und Brandenburg

Prof. Dr. Dieter Murach, HNE Eberswalde (FH), Fachbereich Wald und Umwelt

Prof. Murach

„Begehrlichkeit Holz – dem Förster kann eigentlich nichts Besseres passieren“

„Es geht vor allem um eine Ökologisierung der Landnutzung“, sagte Prof. Dr. Dieter Murach einleitend. Die Nachfrage nach Holz sei allgemein sehr gestiegen. Dies sei nicht nur ein Problem in Brandenburg. Das Thema „Dendromassen im Wald“ werde auch auf europäischer Ebene diskutiert, wo man die Möglichkeit sehe, die Dendromasse um bis zu 50% zu erhöhen.
Als Fazit der Untersuchungen in Brandenburg nannte Murach das Übersteigen des Waldholzbedarfs über das gegenwärtig aktivierbare Angebot. Aus diesem Grunde sei vor allem eine Mobilisierung im Kleinprivatwald erforderlich.

Murach erklärte weiter, dass Agrarholz aus ökonomischer, sozioökonomischer und ökologischer Sicht durchaus eine Ergänzung zu Waldholz und eine Alternative zu annuellen Kulturen stelle. Im Folgenden nannte Murach Vor- und Nachteile von Holz als Kohlenstoffressource. Ökologische Vorteile gegenüber annuellen Kulturen: CO2-Bilanz, Biodiversität, Energiebilanz, Nährstoffentzug, weniger Dünger und Pestizide, Energiedichte, Lagerung, Logistik, Wasserhaushalt, tauglich für schwächere Standorte, keine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. Potenzielle Nachteile seien laut Murach die Gefährdung von Biotopen, des Landschaftsbildes und Sickerwasserspende.

Zusammenfassend sagte Murach, dass die bis heute getätigten Untersuchungen und Forschungen ergeben haben, dass die Forstwirtschaft im Wesentlichen als Dendromasseproduzent, also von geringwertigen Holzarten, ausscheidet. Es gebe in Ostdeutschland, insbesondere in Brandenburg große Ackerflächen, auf denen der Agrarholzanbau ökonomisch konkurrenzfähig sei. Nach Murach habe der Agrarholzanbau viele ökologische Vorteile gegenüber den traditionellen landwirtschaftlichen Kulturfolgen. Auf der Landesebene könne dadurch ein großer Teil zur Ökologisierung beigetragen werden.

Für weitere Informationen folgt hier der Link zur Homepage von Dendrom / Biodem:
www.dendrom.de, www.biodem.de.
Im Falle weiterer Fragen, stellte Prof. Dr. Murach seine und Kontaktdaten seiner Kollegen zur Verfügung:

Prof. Dr. D. Murach
dieter.murach@hnee.de
+49(0)3334 65418

M.Sc. Rainer Schlepphorst
rainer.schlepphorst@hnee.de
+49(0)3334 65596

Dipl. Ing Holger Hartmann
holger.hartmann@hnee.de
+49(0)3334 65513


„Wertvolle Waldbiotope in Berlin und deren Gefährdung - Aktueller Stand SPA-Gebiete“

Johannes Schwarz, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Johannes Schwarz

Johannes Schwarz

Johannes Schwarz gab in seinem Vortrag einen Überblick über die sogenannten SPAs (Special Protected Areas), wo diese liegen, wann und wie sie gemeldet wurden, außerdem über die Inventarisierung (2009/10) und deren Ergebnisse.

Der Vollzug der Vogelschutzrichtlinie verlief laut Schwarz sehr zögerlich. Heute haben wir in Berlin 5 Vogelschutzgebiete mit 5000 ha, was 5,6% der Landesfläche ausmacht. Wir sind als Großstadt damit deutlich geringer als der deutsche Durchschnitt (9,7%) ausgestattet. „Neben der Ausweisung von Vogelschutzgebieten […] verlangt die Vogelschutzrichtlinie auch, dass in den Vogelschutzgebieten keine Verschlechterung hinsichtlich der Erhaltungsziele eintreten darf […].“, erklärte Schwarz. Weiter ergänzte er, dass über die Entwicklungen dieser Vogelschutzgebiete und die dort ergriffenen Maßnahmen, im dreijährigen Abstand berichtet werden müsse.

Nützen die Schutzgebiete den Vögeln überhaupt etwas? Für Berlin direkt kann man diese Frage laut Schwarz nicht beantworten. Für Brandenburg wurden jedoch Untersuchungen zu den Bestandstrends, also den Veränderungen der Vogelbestände über einen Zeitraum, gemacht. Im Vergleich standen ´Vogelschutzgebiet´ und ´Normallandschaft´. Nach Schwarz gebe es keinen gravierenden Unterschied, bei 17 Vogelarten war keiner nachweisbar. Positiv zu vermelden sei jedoch die Einstufung bei signifikant und tendenziell günstig von bis zu 8 Arten.

Negativ bemerkte Schwarz den deutlichen Rückgang von Lebensräumen licht- und wärmeliebender Pflanzen- und Tierartenarten. Darüber hinaus bedauerte er, dass viele Standorte gefährdeter Arten in Forstbeständen, in den Mooren, den reichen Waldstandorten, auf Lichtungen und an Wegrändern verloren gegangen seien. Ursächlich dafür seien die Grundwasserabsenkung, Eutrophierung/Versauerung der Böden, Ausdunkelung der Gehölzbestande und die Zunahme der Wuhltätigkeit der Wildschweine.


Fledermäuse in Berliner Wäldern - vom Paarungsgesang und Quartiernutzungsverhalten des Abendseglers

Silke Voigt-Heucke (Vortragende) & Tobias Teige (Mitarbeiter), FU Berlin

Silke Voigt-Heuke

Silke Voigt-Heuke

Gerade in Berlin ist der Abendsegler sehr prominent, da er zu den häufigsten Waldfledermausarten gehört. In Berlin kann man ihn besonders gut über offenen Wasserflächen oder Wasserkörpern beobachten, wo er meist schon früh am Abend, oftmals kurz vor Sonnenuntergang sehr hoch am Himmel in segelnder Art und Weise auf Insektenjagd geht.

Frau Silke Voigt-Heucke gab in ihrem Vortrag einen Einblick in das Paarungsverhalten, den Paarungsgesang und das Quartiernutzungsverhalten des Abendseglers. Doch vor allem erklärte sie passend zum Thema des 12. Naturschutztages, warum Waldstrukturen auch besonders wichtig für den Abendsegler seien. Er jage oft im offenen Luftraum, sei oftmals an Wasserkörper gebunden, aus diesem Grunde seien Waldstrukturen wichtige Jagdgebiete. Außerdem seien Abendsegler wie auch alle anderen Fledermausarten auf Baumquartiere angewiesen, da sie Ritzen und Höhlen in Bäumen nicht nur als Wochenstuben, sondern auch als Balzquartiere nutzen würden. Jedes territoriale Männchen benötige ein eigenes Baumquartier, um potentielle paarungswillige Weibchen anlocken zu können. Häufig komme es zu Kokurrenzverhalten. Des Weiteren betonte Voigt-Heucke, dass es nicht nur zu Konkurrenzverhalten innerhalb einer Art komme, sondern tatsächlich auch zwischen verschiedenen Waldfledermausarten, die dabei um Baumhöhlen/-ritzen konkurrieren.

Als Fazit stellte Silke Voigt-Heucke fest, dass es einen erhöhten Bedarf an geeigneten Quartieren für Balzfledermäuse gebe.


Wald und Wölfe - neue Perspektiven für Berlin & Brandenburg

Stephan Kaasche, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zum Thema Wolf in Sachsen im Rahmen des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz

Stephan Kaasche

„Wie würde die Welt aussehen, wenn Tiere nur dann eine Daseinsberechtigung hätten, wenn sie dem Menschen Nutzen bringen?“

Der Wolf spaltet die Gesellschaft. Stephan Kaasche meint, es gebe die Menschen, die ihn mögen und jene, die ihn ablehnen – dazwischen gebe es nicht viel. Dabei sei Angst vor dem Wolf unbegründet, da kein Wolf als „Problemwolf“ geboren werde. Umstände, die zu Problemen führen können, seien Tollwut (kommt in Ostdeutschland nicht mehr vor), Provokation und habituierte, angefütterte Wölfe. Kaasche rief allgemein dazu auf, Hinweise auf Wölfe auf jeden Fall zu melden.

Wie steht es um den europäischen Schutzstatus des Wolfes? Wesentlich dafür seien die Berner Konvention und die FFH- Richtlinie. Das europäische Schutzziel impliziere die „Erhaltung oder Wiederherstellung lebensfähiger Wolfspopulationen als Teil der europäischen Landschaft.“. „Heute gibt es in Europa ca. 20.000 Wölfe in 10 Wolfspopulationen“, erklärte Kaasche. Im Folgenden stellte er die lange, ereignisreiche und auch dramatische Geschichte des Wolfes zusammenfassend dar. Ehemals weit verbreitet, und zwar über die gesamte nördliche Hemisphäre hinweg, das heißt Europa, Nordamerika, Asien, Japan, aber auch Hochgebirgsregionen und Wüsten, sei die Verbreitung des Wolfes heute sehr ausgedünnt. Nicht nur in West- und Mitteleuropa gab es dramatische Arealverkleinerungen im 18. und 19. Jahrhundert. Heute sei die Verbreitung des Wolfes auf einen Bruchteil des ehemaligen europäischen Verbreitungsgebietes reduziert. Als Ausblick gab Kaasche jedoch zur Kenntnis, dass Wölfe sich in Deutschland weiter etablieren würden. Sie seien sehr anpassungsfähige Tiere, deren Ansprüche Rückzugsgebiete und ein Beutetierbestand seien.
Des Weiteren erläuterte Kaasche das Verhältnis von Wolf und Wild. Er erklärte, dass der Wolf ein natürlicher Gegenspieler der pflanzenfressenden Huftiere sei. Zurückzuführen sei dies auf die gegenseitige evolutionäre Anpassung über Jahrtausende. Es gebe keine Ausrottung der natürlichen Beutetiere, da die Wolfsdichte von der Wilddichte abhänge.
Und „wofür brauchen wir Wölfe?“, fragte Kaasche. „Wir brauchen Wölfe überhaupt nicht!“, antwortete er und wies darauf hin, dass man diese Fragestellung überdenken solle. „Wie würde die Welt aussehen, wenn Tiere nur dann eine Daseinsberechtigung hätten, wenn sie dem Menschen Nutzen bringen?“


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