Berlin.NABU.de Ökologisch leben Essen & Trinken Bleibelastung bei Wildfleisch
Wildfleisch als Festtagsbraten?
NABU mahnt zu Vorsicht bei Wildfleisch-Verzehr
Mit Bleimunition geschossenes Wild ist nicht nur für Greifvögel gefährlich
Immer wieder sterben Greifvögel wie der streng geschützte Seeadler an Bleivergiftung, verusacht durch den Verzehr von liegen gelassenem Jagdwild. Das Blei stammt aus der Jagdmunition und ist in bestimmten Konzentrationen ein hochwirksames Nervengift. Daher birgt der Verzehr von Wildfleisch auch für Menschen Gesundheitsgefahren.
Nach amerikanischen Untersuchungen führt Blei auch in geringen Konzentrationen bei Kindern zu einer deutlich verringerten Intelligenz, dabei scheint es für Kleinkinder unter 6 Jahren keine unbedenklichen Bleiwerte im Blut zu geben. Bei Erwachsenen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu sterben, bereits bei einem Bleigehalt im Blut von über 2 Mikrogramm pro Deziliter.
Der NABU Berlin warnt daher alle Verbraucher davor, Wild in Restaurants oder aus dem Handel zu essen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Tiere mit Bleimunition geschossen wurden und das Fleisch mit Bleipartikeln belastet ist.
Enorme Grenzwertüberschreitungen
Diese Röntgenaufnahme zeigt einen sogenannter "Bleischauer" in einem Tierkörper/Foto: Lutz Möller
Das Bundesamt Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat bereits 1997 und 1998 festgestellt, dass Wildschweinfleisch im Handel zum Teil erhebliche Mengen Blei aus Bleimunition enthält, die bis zum 10.000fachen über dem zulässigen Grenzwert liegen. Dies hat sich bei Untersuchungen im Jahr 2007 erneut bestätigt. Das Bundesamt schreibt in seinem Bericht zum Lebensmittelmonitoring 2007:
„Offenbar dringen einzelne Geschosspartikel tief ins Fleisch ein und sind kaum erkennbar, so dass die bereits im Monitoring 1997 und 1998 empfohlene großzügige Entfernung des Fleisches um den Einschusskanal nicht immer ausreicht, um partielle, hohe Kontaminationen zu vermeiden.“
(BVL: Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2007, S. 22; s. Downloads unten).
Andere Wildarten (z. B. Rothirsch, Reh) wurden vom Bundesamt nicht untersucht, es ist jedoch von derselben Belastung mit Blei auszugehen.
Versäumnisse zulasten der Verbraucher
Röntgenaufnahme eines vergifteten Seeadlers. Die gelben Pfeile markieren die Fragmente der bleihaltigen Munition/ Foto: Rainer Altenkamp
Der NABU Berlin wirft dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erhebliche Versäumnisse beim Verbraucherschutz und einen fahrlässigen Umgang mit der Gesundheit der Bundesbürger und insbesondere bei kleinen Kindern vor. Rainer Altenkamp: „Es ist ein Skandal, dass ein dem BMELV unterstelltes Bundesamt bereits vor 10 Jahren und im Jahr 2007 erneut die Verseuchung von Wildfleisch mit Bleipartikeln festgestellt hat, ohne dass dieses Ministerium die Verbraucher umgehend auf die daraus resultierenden gesundheitlichen Risiken hinweist und dagegen Maßnahmen ergreift.“
Empfehlung: Im Gegensatz zu Brandenburg schießen in Berlin noch viele Förster mit bleifreier Munition. Der NABU empfiehlt Händlern und Verbrauchern in Berlin und Brandenburg daher dringend, bis zum Verbot von Bleimunition Wildfleisch nur bei den Berliner Forsten und dort nur sicher bleifrei geschossenes Wild zu erwerben.
Berlin, 3. Februar 2009
Pressemitteilung vom 9. Dezember 2009: "Blei in Wildfleisch"
Links und Downloads
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Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2007
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Anja Sorges, "Bleifreie Munition - quo vadis?" in 'naturmagazin' 4/2008
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