Berlin.NABU.de Natur erleben Naturfotografie Jens Scharon

Reptilien

Warum kämpfen die Zauneidechsen

und wo blieb der Schwanz des Rivalen?

Zauneidechsen

Kämpfende Zauneidechsenmännchen vergrößern

Ein Rascheln am Wegesrand. Es will nicht verstummen wie sonst, wenn sich Eidechsen oder Mäuse blitzschnell in den Schutz welker Blätter und kleiner Verstecke ducken. Im Gegenteil, es wird lauter, heftiger und lässt ahnen: hier wird ein Kampf zwischen Rivalen ausgetragen. Vorsichtig sich nähernd und nach Möglichkeit keinen Schatten auf den Ausgangspunkt der Geräusche werfend, entdeckt man die Quelle. Richtig – zwei trutzige Männchen der Gattung Lacerta agilis mitten im Turnier!

Zauneidechsenweibchen

Zauneidechsenweibchen

Wenn im April die Sonne schon so wärmt wie jetzt, dann sind die in Winterstarre die unwirtliche Jahreszeit verbringenden wechselwarmen Arten wie Frösche, Kröten und Molche längst wieder aktiv. Und natürlich auch unsere Eidechsen, Schleichen und Schlangen. Gerade jetzt, wenn sie mit aufsteigender Sonne vorsichtig ihren Unterschlupf verlassen, um Energie zu tanken und noch nicht ihre "Betriebstemperatur" erreicht haben, bieten sich gute Chancen, Eidechsen oder Schlangen beim Sonnenbad zu beobachten. Mit zunehmender Erwärmung werden die Kriechtiere jedoch mobiler und noch bevor man sie erblickt, vernimmt man häufig nur noch das Rascheln ihrer Flucht in ein sicheres Versteck.

Zauneidechsenmann

Imponierendes Männchen vergrößern

Dass es sich bei den beiden Rivalen um Männchen handelt, zeigt die smaragdgrüne Färbung; Weibchen sind braun gezeichnet. Ein wichtiges Merkmal zur Arterkennung sind die weißen, schwarz eingefassten Flecken an den Flanken.
      
Anlass für den Kampf sind Revierstreitigkeiten. Zunächst versucht der Revierinhaber, eindringende Männchen durch Imponierverhalten einzuschüchtern. Dazu richtet er sich auf seinen Vorderbeinen steil auf, neigt das Maul erdwärts, bläht die Kehle und flacht den Körper seitlich ab, so dass die Flanke breiter erscheint. Die so präsentierte "Breitseite" reicht mitunter schon aus, den Eindringling zu vertreiben.

Zauneidechsen

Kämpfende Zauneidechsen vergrößern

Wenn der aber diese Drohgebärden seinerseits mit Imponierverhalten beantwortet, kommt es zum so genannten Kommentkampf, einer in ritualisierter Weise nach festen Spielregeln ablaufenden Auseinandersetzung ohne ernsthafte Verletzungsgefahr. Meistens ereignen sich Kommentkämpfe zwischen gleichgroßen Männchen und in der Umgebung von Weibchen. Ganz ohne Blessuren gehen die Kämpfe aber nicht aus, wovon die Bissspuren und Narben an den Köpfen und Nacken älterer Männchen zeugen. Im Kampf beißt ein Männchen dem Gegner in den Hinterkopf und lässt erst nach einiger Zeit los. Wenn er nicht schon aufgibt, beißt anschließend der andere Kontrahent zu. Am Ende des von wenigen Sekunden bis zu 15 Minuten dauernden Kampfes gibt das unterlegene Männchen auf.

Zauneidechsenmann

Verletztes Männchen vergrößern

Dass es zu ernsthaften Verletzungen wie dem Verlust des Schwanzendes kommt, wurde bisher nur sehr selten beobachtet. Möglicherweise ist also das Männchen mit amputierter Schwanzspitze (siehe Fotos) gerade dem Angriff eines Fressfeindes entronnen und hat das Schwanzende als Pfand fürs eigene Leben zurückgelassen. Viele Reptilien sind in der Lage, bei Gefahr ihren Schwanz abzustoßen, welche Fähigkeit Autotomie genannt wird. Der sich heftig bewegende Schwanz lenkt Fressfeinde ab und ermöglicht ein Entkommen. Das Abwerfen des Schwanzes erfolgt durch Kontraktionen jener Muskeln, die ansonsten für seine Bewegung zuständig sind. Meist erfolgt der Bruch dort, wo die Eidechse ergriffen wird. Mit ihrem Schwanz verlieren die Tiere allerdings einen größeren Teil ihrer Fettvorräte sowie Schnelligkeit und Beweglichkeit.

Eidechsen sind befähigt, für ein verlorenes Schwanzteil ein Regenerat zu bilden, das durch abweichende Pigmentierung, Form, Schuppung und geringere Länge auffällt. Auch solche Regenerate können wiederum verloren und erneuert werden.
      In Berlin lohnt es sich durchaus, nach den farbenprächtigen Zauneidechsen Ausschau zu halten. Vor allem Bahntrassen mit ihren häufig trocken-warmen Begleitbiotopen bieten der Art günstige Ansiedlungsmöglichkeiten im Stadtgebiet und zugleich Korridore, sich auszubreiten.

24.04.07

Ein Haufen voller Leben

Die Hälfte des Jahres verbringt die Ringelnatter im Winterquartier

Ringelnatter-Quartier

Ringelnatter-Quartier vergrößern

Frühlingserwachen allerorten. Die meisten Zugvögel sind zurück, Büsche und Bäume schieben ihre Blätter in die wärmende Sonne, erste Blüten und Schmetterlinge bringen Farbtupfer in die Landschaft. Vielfältig sind die Strategien der Natur, um die kalte Jahreszeit zu überdauern oder ihr zu entfliehen.

      So verlassen etwa gleichzeitig mit den Amphibien auch die vier im Berliner Raum vorkommenden Reptilienarten (Zaun- und Waldeidechse, Blindschleiche und Ringelnatter) ihre Winterquartiere.

Ringelnatter

Die Vorwitzigste vergrößern

Diese befinden sich häufig in von Menschen geschaffenen Strukturen, wie Gehölzablagerungen, Mauern, Ruinenreste u. ä. Hier finden die Tiere Hohlräume, wo sie bis zu sieben Monate die kalte Jahreszeit in zum Teil großer Anzahl überstehen können. Mit den ersten warmen Sonnentagen kommen auch die Reptilien ins Freie und suchen sich sonnenexponierte Liegeplätze, um sich zu erwärmen. Mit steigender Körpertemperatur werden die wechselwarmen Tiere aktiver.

Ringelnattern

Die Geschwister vergrößern

Ziehen sie sich in den ersten März- und Apriltagen bei Störungen eher schwerfällig in ein Versteck zurück, weshalb man die Arten im Frühjahr sehr gut beobachten und nachweisen kann, signalisiert im Hochsommer meist nur ein Rascheln das blitzschnelle Verschwinden eines Reptils.
      Es gehört schon etwas Glück dazu, um ein Winterquartier von Reptilien zu finden, wie es die Aufnahme oben links zeigt. Auf dem unauffälligen Gehölzschnitthaufen am Wegesrand – evtl. das Überbleibsel einer der Verkehrssicherungspflicht geschuldeten Maßnahme – konnten Mitte April über 20 Ringelnattern (Natrix natrix) während ihres Sonnenbades beobachtet werden. Beim Herantreten zogen sich die übrigens völlig harmlosen und an ihrem halbmondförmigen, gelblich-weißen Nackenfleck leicht erkennbaren Schlangen in die Höhlungen des Haufens und vorhandene Mäuselöcher zurück, um sich jedoch schon nach kurzer Zeit vorsichtig wieder herauszuwagen.

Ringelnattern

fast schon zutraulich vergrößern

Ab Ende April und im Mai vollziehen sich die meisten Paarungen der Ringelnattern. Die 10 bis 30 Eier werden zwischen Ende Juni und Anfang August in Hügel aus verrottendem organischem Material wie Kompost- oder Schilfhaufen, Strohmieten u. ä. abgelegt, wo Gärungs- und Fäulnisprozesse höhere Temperaturen erzeugen. Gerne werden solche Eiablageplätze über einen längeren Zeitraum hindurch genutzt und Eier legende Ringelnatterweibchen an Orten angetroffen, wo sie selber einst das Licht der Welt erblickten. Nach 4 bis 10 Wochen schlüpft die nächste Generation von Ringelnattern, die jedoch erst frühestens nach 4 Jahren geschlechtsreif werden und sich fortpflanzen können. – Bis dahin verbringen sie jeweils die kalte Jahreszeit in einem Winterversteck wie dem dargestellten.



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