Berlin.NABU.de Natur erleben Kinderferienlager Feriencamp 2007

Kinder-Feriencamp 2007

Feriencamp 2007

Ein Bericht von Henrik Watzke

Henrik Watzke

Henrik Watzke

Hi, hier ist Henrik, der Chef der Linumer Storchenschmiede. Und so sehe ich nach zwei Wochen Feriencamp aus: sonnenverbrannt, ausgelaugt, aber doch zufrieden. Trotz der Verantwortung und der Zweifel, ob alles so läuft, wie wir es geplant hatten, war es wieder ein Höhepunkt unseres Jahresprogramms.
      Je 18 Kinder von 8 bis 12 Jahren hatten jeweils eine Woche lang Zeit, mit uns gemeinsam die Natur in und um Linum herum zu erkunden.

Bereit für die Ferien

Bereit für die Ferien

Ein Team aus UmweltpädagogInnen (Elisabeth und ich), FÖJleInnen (Tino und Fränzi), meiner Mitarbeiterin (Gerda Krugmann, die für unser leibliches Wohl sorgte), dem von der Marzahner Wildtier-Pflegestation als Rettungsschwimmer ausgeliehenen Zivi Christian und vielen freiwilligen HelferInnen (Sabine, Katrin, Maya, Maren, Stefan, Arnim) sorgte sich rund um die Uhr um unsere "Küken", jede(r) mit viel Freude und Engagement.

Camp 07

Camp 07

Das Dörfchen Linum mit seinen vielen Storchennestern inmitten einer abwechslungsreichen Luchlandschaft ist immer eine Reise wert. Es liegt in der Ostprignitz, nur eine gute Stunde Autofahrt vom Berliner Zentrum entfernt. Linum ist nicht nur Storchendorf, sondern z. B. auch größtes europäisches Rastgebiet für Kraniche auf ihren alljährlichen Wanderungen im Frühjahr und Herbst.

Kennenlern-Spiel

Kennenlern-Spiele

Für diesen Naturreichtum wollen wir möglichst viele Kinder begeistern – und wir schaffen es immer wieder! Ab Anfang April steht unser Telefon nicht mehr still. Von da an kann man sich nämlich fürs Feriencamp anmelden. Meistens sind schon beide Durchgänge am ersten Anmeldetag ausgebucht, doch einige Kinder haben es dennoch geschafft, fünf Jahre hintereinander zu uns zu kommen!

Kennenlern-Spiele

Kennenlern-Spiele

Untergebracht werden die Kids in Zweipersonenzelten unter uralten Apfelbäumen auf unserer Wiese. Direkt neben den Zelten ist unser Naturerlebnisgarten, der mit seiner Blütenpracht nicht nur viele Bewunderer unter den BesucherInnen der Storchenschmiede hat, sondern auch viele Insekten anlockt. Von den Zelten aus hat man den besten Blick, und wenn die Sonne untergeht, erglühen die Blüten von Stockrosen & Co.

Fledermäuse

Fledermäuse

Mit der Dämmerung werden die Fledermäuse vom Insektenreichtum angelockt und jagen um die Zelte. Leider fangen sie nicht alle Mücken, die es gerade in diesem Jahr sehr zahlreich gab. Aber die vielen Mückenstiche waren, glaub ich, das einzige, was wir diesen Sommer ziemlich nervig fanden.
      Zu Beginn der Camp-Woche müssen wir uns natürlich erst mal miteinander vertraut machen. Wer heißt wie? Wo kommst du eigentlich her? usw. Kennenlernspiele sind für die Beantwortung dieser Grundsatzfragen sehr nützlich, aber manchmal auch ganz schön albern. Das Eis ist jedenfalls immer schnell gebrochen.

Stefan Fischer

Stefan Fischer

Danach gab es leckeren selbstgebackenen Kuchen von Frau Krugmann, und es wurde untereinander schon mächtig geschnattert. Hilfreich dabei ist auch immer, dass ein paar "alte Hasen", Kinder die schon einmal dabei waren, die "Frischlinge" unter die Fittiche nehmen. Viel zu schnell ging der erste Tag zu Ende, und gegen 21 Uhr waren alle in ihren Zelten.
      Am nächsten Morgen musste schon zeitig aufgestanden werden, denn: Der frühe Vogel fängt den Wurm. An diesem Tag ging es aber nicht um Würmer, sondern darum, Vögel für die wissenschaftliche Vogelberingung zu fangen. Stefan und ich arbeiten in einem deutschlandweiten langjährigen Projekt, wobei u. a. an einem Standort von Mai bis August immer am selben Platz Vögel gefangen und beringt werden mit dem Ziel, durch die jeweilige Bestimmung von Art, Geschlecht und Alter heraus zu bekommen, wie sich die Bestände der einzelnen Vogelarten über einen langen Zeitraum entwickeln.


 

Feldsperling im Netz vergrößern Kohlmeise vergrößern
Neuntöter vergrößern Neuntöter vergrößern



Fototermin

Fototermin

Das sind wichtige Erkenntnisse, um Vögel wirksam schützen zu können. Bei Sonnenaufgang seit etwa 4:30 Uhr waren Stefan und Tino schon bei den Netzen. Wir stießen nach dem Frühstück dazu. Einige Vögel hatten sich bis dahin schon in den Netzen verfangen: Feldsperling, Neuntöter, Drosselrohrsänger, Eisvogel, Kohlmeise, Zilpzalp, Singdrossel, Mönchsgrasmücke –, um nur einige zu nennen. Ist schon schwierig, worauf man alles achten muss, bevor ein Vogel beringt werden kann.

Vorsichtig

Vorsichtig!

Zuerst wird natürlich die Art bestimmt, dann, wenn möglich, das Geschlecht, und es wird geschaut, ob es ein diesjähriger Vogel oder bereits ein Altvogel ist. Bei vielen Weibchen lässt sich am Brutfleck erkennen, ob sie in diesem Jahr ein Gelege bebrütet haben. Nach der Beringung werden noch die Länge der Flügel, der dritten Handschwinge sowie das Gewicht des Vogels bestimmt.
      Danach kann der Vogel freigelassen werden, was die Kinder natürlich sehr gerne übernehmen. Es ist nicht einfach, den Vogel so zu halten, dass er einerseits nicht wegfliegen kann, andererseits aber nicht etwa durch zu starken Druck der Hand gestresst oder gar verletzt wird.

Zaunkönig vergrößern Eisvogel vergrößern
Drosselrohrsänger vergrößern Eisvogel vergrößern



Badevergnügen

Badevergnügen

Nachmittags ging es zum Baden. Und wir haben auch an den anderen Tagen jeden Sonnenstrahl genutzt, um in Wustrau am schönen Ruppiner See schwimmen zu gehen. Ich glaube, es gibt nichts Schöneres als Ferien zu haben, mit den anderen im Wasser rumzutollen und dann am Strand zu faulenzen. Für unsere Sicherheit sorgten Maren und Christian, beide ausgebildete RettungsschwimmerInnen.

Keschern

Keschern

Auf dem Gelände der Storchenschmiede gibt es einen Gartenteich.Darin leben alle Amphibienarten, die es in unserer Region gibt. Aber auch Insekten, Blutegel, Wasserschnecken und andere Wasserbewohner lassen sich hier wunderbar keschern. Eigentlich war immer jemand mit dem Kescher unterwegs. An einem speziellen Tümpeltag wurde genauer untersucht, welche Tierarten sich im Gartenteich und in den Teichen der Linumer Teichlandschaft nachweisen lassen.

Becherlupe

Becherlupe

Um die Artenkenntnisse zu erweitern, wurde mit Hilfe eines Aquariums ein Teich "nachgebaut", d.h. es wurden so viele unterschiedliche Arten wie möglich gefangen und ins Aqaurim gesetzt.
      Zum Schluss tummelten sich Köcherfliegenlarven, Posthornschnecken, Spitzschlammschnecken, Blutegel, Rotbauchunken, Teich- und Grasfrösche, Teichmolche und deren Larven im Aquarium.

Keschern

Mehr keschern

Ein Gelbrandkäfer fing sich sogar vor unseren Augen eine Libellenlarve und verspeiste sie genüsslich. Was zu klein war, kam in die Becherlupe oder unters Mikroskop. Jedes Kind fertigte neben einer vollständigen Artenliste Zeichnungen von verschiedenen Wasserbewohnern an. Die besten Arbeiten wurden mit einem Bestimmungsbuch prämiert.

Henrik mit Beutelmeisennest

Anschauungsmaterial

 
Bei einer Wanderung ins Teichgebiet wurde die Thematik vertieft und in Gruppen gewetteifert, wer in einer bestimmten Zeit die meisten Arten fängt. Natürlich gingen wir mit den Tieren sorgsam um. Alle wurden unbeschadet wieder an Ort und Stelle in die Natur entlassen. Die Gruppe mit den meisten Tierarten bekam von mir ein Eis spendiert.

Beutelmeisennest

Beutelmeisennest

Vor der Wanderung ins Teichland zeigte ich den Kindern ein Beutelmeisennest. Die Aufgabe bestand nun darin, Beutelmeisennester zu suchen. Für jedes gefundene Nest wurde wieder ein Eis in Aussicht gestellt. Nun ist es nicht so einfach, ein Beutelmeisennest zu finden. Obwohl deren Form ziemlich einzigartig ist und sie meist an einem Zweig frei über der Wasseroberfläche hängen, braucht es schon geübte Augen, um sie zu entdecken. Aber was soll ich sagen: Die Kinder haben die Aufgabe meisterhaft gelöst und sogar ein Beutelmeisenrevier entdeckt, das ich noch gar nicht kannte!

Vogelbeobachtung

Vogelbeobachtung

Bei unserer Wanderung konnten wir auf einer Wiese Graugänse und eine Kranichfamilie beobachten. Über den Linumer Teichen spähten See- und Fischadler nach Beute. Die Bestimmung der unterschiedlichen Entenarten fiel manchem nicht eben leicht; einfacher war es da schon bei den Tauchern, von denen wir nur Hauben- und Zwergtaucher zu Gesicht bekamen.

Abwaschen

Abwaschen

Bei den Mahlzeiten wurde immer kräftig reingehauen. Frische Luft und viel Bewegung sorgen für den nötigen Appetit. Nicht so beliebt war dagegen der Tischdienst, der nicht nur für das Ein- und Abdecken verantwortlich war, sondern auch für den Abwasch. Aber auch diese etwas unangenehme Pflicht wurde von den meisten ohne großes Murren bewältigt...

Beringung

Schleiereulenberingung

Was wäre unser Feriencamp ohne die Beringungsaktion von jungen Schleiereulen! Diese Höhlenbrüter findet man meist in Kirchtürmen, alten Scheunen oder Ställen. Fast in jedem Dorf in der Umgebung betreunen wir einen Schleiereulen-Nistkasten. Und das Beringen ist jedes Mal wieder spannend! Die Nistkästen sind meist nur mit langen Leitern oder über alte knarrende Kirchturmtreppen zu erreichen.

In den Arm genommen

In den Arm genommen

Ist der Nistkasten endlich in Reichweite, freuen wir uns natürlich sehr, wenn auch Jungeulen drin hocken. Dieses Jahr fingen die Sommerferien sehr spät an, und so waren die jungen Schleiereulen schon flügge. Die Beringung war deshalb nicht einfach, und wir hatten eigentlich nur dort eine Chance, wo wir den Eingang der Nistkästen von außen verschließen konnten. In einigen Kästen haben wir auf diese Weise auch die Elternvögel gefangen, und von diesen waren einige sogar schon beringt. Ein Eulenkasten duftet nicht nach Primeln, ganz im Gegenteil! Aber keins der Kinder wollte es sich nehmen lassen, eine Schleiereule auch mal in die Arme zu nehmen. Auch auf die Gefahr hin, dass es vollgeschi... wurde.
      Während die eine Gruppe bei den Schleiereulen war, untersuchte die andere die Nahrung dieser Vögel.

Gewölleuntersuchung

Gewölleuntersuchung

Dafür wurden die sog. Gewölle, die von den Eulen ausgespien werden und unverdauliche Nahrungsreste enthalten, auseinandergenommen. Anhand der Knochen, aber vor allem der Schädel lassen sich die unterschiedlichen Kleinsäugerarten leicht bestimmen. Eingige Kinder fanden diese Übung anfangs eklig, waren aber nach einer Weile doch noch mit Begeisterung dabei, denn mit den Knochen lässt sich z. B. ein komplettes Mäuseskelett rekonstruieren.

Wanderung

Spielen während der Wanderung

Die Ganztagswanderung führt uns traditionell durch die Dechtower Heide zum Hakenberger Denkmal. Auf dem Weg dorthin gab es viel zu entdecken. Die Störche im Dorf, die Fischadler im Dechtower Fenn oder der Rotmilan, der über einer Brache segelte und nach Beute Ausschau hielt. Der Weg ist für ungeübte Wanderer lang, vor allem, wenn die Sonne sticht und man am liebsten am Strand wäre.

Picknick

Picknick

Elisabeth und ich hatten aber ein paar Spiele dabei. Bei Eulen und Mäusen, Waldmemory, Aka-Umba und Stocktanz vergingen Zeit und Weg wie im Flug. Am Denkmal angekommen, gab es erst mal Gegrilltes. Auf der Wiese vor dem Monument konnte man wunderbar Mafia und Doppeltes E spielen. Von der Aussichtsplattform hat man einen herrlichen Ausblick aufs Rhinluch, und im Treppenturm entdeckten die Kinder in einer dunklen Ecke Langohren, eine Fledermausart.

Katrin Koch

Katrin Koch

Unsere Greifvogelspezialistin Katrin hatte einen ganzen Sack voll Federn, Füßen und Schädeln dabei und erklärte ihrem begeisterten Publikum die Merkale der unterschiedlichen Greifvogel- und Eulenarten. Jetzt war auch jedem Kind klar, warum das Gefieder der Schleiereulen so kuschlig weich sein muss, denn als nächtliche Jäger dürfen Eulen möglichst kein Geräusch machen.

Fußballspielen

Fußballspielen

Trotz des reichhaltigen Programms blieb auch noch ausreichend Zeit, um sich selbst zu beschäftigen. Die Tischtennisplatte war immer besetzt und auch unsere Wiese wurde intensiv zum Fußballspielen genutzt – nicht nur von den Jungs. Mit Elisabeth konnten die Kinder Papier schöpfen. Hierfür wurden alte Zeitungen kleingeschnitten und eingeweicht. Aus dem Brei schufen die Kinder manchmal richtige Kunstwerke, indem sie bei der Papierherstellung Blüten beimischten oder anschließend einfach aufklebten.

Gruselnacht

Ungewollte Gruselnacht

In diesem Jahr gab es eine ungewollte Gruselnacht. Zwei Uhr nachts legte sich ein Gewitter direkt über Linum. Es blitzte und donnerte mächtig. Klar, da konnte keiner mehr schlafen. Ein paar Mädchen hatten auch richtig Angst. Wir holten die Kinder aus den Zelten und warteten in unserer Ausstellungshalle gemeinsam das Gewitter ab. Während eines Hörspiels schliefen einige Kinder trotz der ohrenbetäubenden Donner sogar wieder ein. Nach zwei Stunden konnten wir wieder in die Zelte zurück.

Gruselnacht2

Gruselnacht

Bei der eigentlichen Gruselnacht war es dagegen nicht so einfach, alle Kinder wach zu bekommen. Vor allem die Kleinsten guckten etwas verständnislos, waren aber sofort hellwach, als es hieß, dass eine Schatzkiste gesucht werden müsse. Fast ohne Hilfe wurde sie in der stockfinsteren Nacht dann auch gefunden, und jedes Kind konnte sich über ein kleines Andenken freuen. Danach ging es in die alte Halle, die von den FÖJlern richtig gruselig und finster hergerichtet worden war. Dort erzählten sich die Kinder die grausigsten Gruselgeschichten. Zum Abschluss war viel Mut gefragt, denn es galt, eine richtige Gespensterbahn zu durchlaufen.

Lagerfeuer

Lagerfeuer

Jedes ordentliche Feriencamp muss natürlich mit einem Lagerfeuer enden. Der letzte Abend war sternenklar, und vom Lagerfeuer flogen Funken hoch in die Luft empor. Auf und an der Kirche hatten sich über 30 Störche zum Übernachten versammelt... – eine traumhafte Stimmung. Ein paar Mädchen hatten sogar ein Programm mit viel Akrobatik vorbereitet. Mitgebrachte Instrumente taten ein Übriges fürs richtige Lagerfeuer-Feeling.

Stockbrot rösten

Stockbrot rösten

 
 
David und Maya hatten sich für jede(n) einen lustigen Namen ausgedacht, den jede(r) in Form eines Ordens überreicht bekam. Als das Lagerfeuer heruntergebrannt war, wurde in der Glut Stockbrot gebacken. Noch vor der Geisterstunde krochen alle zufrieden in die Zelte.



Grupenbild 1 vergrößern Gruppenbild 2 vergrößern



Thomas, Linda, Marie-Christine, Jana-Maria, Marcel, Robin, Dustin, Dominick-Pascal, Felicitas, Belen, Nele, Tom Philipp, Tarik, Klara, Julian, Jonathan, Paula, Julius, Jonas, Karla, Johanna, Belinda, Philip, Pele, Clara, Ulrike, Sinah, Till, Jacob, Valentin, Paul, Paulchen, Bastian, Bruno, Dima und Alexander – ich hoffe, ihr hattet eine schöne Zeit bei uns, und wir sehen uns mal wieder!

Euer Henrik


16.10.07

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