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IG Wuhletal

IG Wuhletal

Die Interessengemeinschaft Wuhletal stellt sich vor

IG Wuhletal

Exkursion der IG Wuhletal

Das Wuhletal ist der größte zusammenhängende Grünzug im Nordosten Berlins. Die IG Wuhletal engagiert sich für den Schutz wertvoller Biotope im Gebiet.

Ort & Zeit:
Die IG Wuhletal und die Lokale Agenda AG Natur und Umwelt treffen sich jeden 2. Donnerstag im Monat im Naturschutzzentrum Schleipfuhl, Hermsdorfer Straße 11 A, 12627 Berlin.

Kontakt und Information
Angele Schonert, Tel. 5 12 28 16
Helmut Hermes, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Tel.: 902 935 006

Wuhletal wie neu

Erste Renaturierungsphase abgeschlossen

Wuhle Renaturierung

Skizze des Renaturierungsgebietes. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken./Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Zwei Jahren haben die Baumaßnahmen gedauert: Nun ist es der Stadt Berlin mit Hilfe von EU-Geldern gelungen, die Austrocknung des Wuhletals am nordöstlichen Stadtrand zu stoppen. Mit der Stilllegung des Klärwerks Falkenberg im Jahr 2003 hatten sich die Abflussmengen in der Neuen Wuhle drastisch verringert - mit verheerenden Auswirkungen auf das ganze Gebiet.

Die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer ließ am 3. Juli 2008 den symbolischen Schlussstein für die Renaturierungsmaßnahmen im Wuhletal setzen. In nur zwei Jahren Arbeit ist es der Stadt Berlin mit Hilfe von EU-Geldern gelungen, die Austrocknung des Wuhletals und seiner ökologisch wertvollen Naturausstattung zu stoppen. Von einem schnurgeraden, durch eine Vielzahl technischer Bauwerke unterbrochenen Kanal wurde die Neue Wuhle in ein naturnahes Fließgewässer verwandelt, das sich inmitten der Marzahn-Hellersdorfer Großsiedlungen durch das Wuhletal schlängelt.

Der ökologische Zustand ebenso wie der Erholungswert von 150 ha Fläche wurden deutlich verbessert. Seit 2005 erschließt der Wuhlewanderweg das Gebiet den Erholungssuchenden, die dem Flüsschen nun von der Quelle bis zur Mündung folgen können.
Im Zuge des 7,8 Millionen Euro teuren Projektes wurden technische Bauwerke und Uferbefestigungen entfernt, mit Schadstoffen kontaminierter Boden ausgetauscht, Bäume und Ufervegetation gepflanzt und das Landschaftsgefälle so gestaltet, dass Wasser optimal im Gebiet gehalten wird.

Wuhle Renaturierung

Zur feierlichen Schlusssteinsetzung kamen viele Besucher/Foto: Klaus Teßmann

Die IG Wuhletal hatte vor und auch während der Maßnahmen allzeit ein wachsames Auge auf die schutzwürdigen Biotope im Gebiet und die Kenntnisse der erfahrenen Naturschützer flossen in die Projektierung der Renaturierungsmaßnahmen ein. Die aktiven Umweltschützer vor Ort freuen sich nun über die zügige und technisch ausgeklügelte Umsetzung der Maßnahmen, wenn auch nicht jeder der eigenen Vorschläge zur Umsetzung kam!

Sohlabsturz

Sohlabstürze wie dieser südlich der Landsberger Allee wurden im Zuge der Renaturierung entfernt.

Hintergrund
Die Wuhle entspringt nördlich des brandenburgischen Dorfes Ahrensfelde und durchfließt das Tal, eine Niederung als Überrest einer eiszeitlichen Schmelzwasserrinne, auf einer Länge von etwa 16 Kilometern, um südlich der Wuhlheide in Köpenick in die Spree zu münden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier Rieselfeldwirtschaft betrieben. Im Zuge der Entstehung der
Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf sind das Klärwerk Falkenberg und das dazugehörige Ableitsystem, der Klärwerksableiter (Neue Wuhle/Wuhle), errichtet worden. Die Neue Wuhle läuft über eine weite Strecke parallel zur Alten Wuhle (Naturwuhle). Mit der Stilllegung des Klärwerkes 2003 und der damit um 90 Prozent verminderten Wasserzufuhr fielen ökologisch wertvolle Bereiche wie der Weidengrund nahe der Ahrensfelder Höhe trocken.

Streifzug entlang eines wiederbelebten Gewässers

Kienberg

Wuhleteich mit Kienberg.

Wuhleteich
Bei einem Streifzug durch das renaturierte Wuhletal Anfang Juli 2008 zeigte Angele Schonert, Mitglied des NABU und der Lokaler Agenda 21 "Natur und Umwelt" exemplarisch einige der Renaturierungsmaßnahmen.

Die Tour begann nahe des Feldberger Ringes am Wuhleteich, der künstlich angelegt wurde und zunächst für Freizeitaktivitäten genutzt werden sollte. Eine Idee, von der man jedoch später abrückte. Der Wuhleteich wird von der alten Wuhle (Naturwuhle) durchflossen.

Raue Sohlgleite

Eine "raue Sohlgleite" oberhalb der Einmündung der Naturwuhle in die Neue Wuhle.

Einmündung Alte Wuhle in Neue Wuhle
Nördlich der Cecilienstraße vereinigen sich Neue und Alte Wuhle und fließen fortan im gemeinsamen Bett bis zur Mündung in die Spree in Köpenick. 22 quer verbaute Steinschüttungen, im Fachjargon "raue Sohlgleiten" genannt, ersetzen hier den früheren, 2,40 Meter hohen Sohlabsturz. Die Steinriegel vermindern die Tiefenerosion durch das fließende Wasser und sind für Fische überwindbar.

Rohrpfuhl Neue Brücke

Eine neue Brücke führt im Bereich des Rohrpfuhles über die Naturwuhle.

Rohrbruch am Fuße des Kienbergs
Südöstlich des Kienbergs, der teuls mit Aushub, Bau- und Trümmerschutt aufgeschüttet wurde, befindet sich einer der landschaftlich schönsten und ökologisch wertvollsten Bereiche des Wuhletals, der Rohrbruch. Die Wuhleniederung ist hier durch ein Mosaik verschiedener Biotope geprägt, in dem ein weitläufiges Röhricht am Rand der Alten Wuhle dominiert. Es bietet unter anderem Graugänsen, Haubentaucher, Rohr- und Feldschwirl, verschiedenen Rohrsängerarten, Zwergtaucher und Wasserralle geeigneten Lebensraum. Auf einer Sandlinse, die sich aus der Niederung hervorhebt, brüten Braunkehlchen u. Neuntöter.

Neue Wuhle

Südlich der Landsberger Allee
Die vorher schnurgerade verlaufende Neue Wuhle hat neuen Schwung bekommen. Die künstlich angelegten Flussschlingen regulieren die Fließgeschwindigkeit und lassen das Wasser im Gebiet nicht so schnell abfließen.

Hier tauchen am Ufer kurz zwei Ringelnattern auf. Die häufigste deutsche Schlangenart, die sich bevorzugt von Fischen und Amphibien ernährt, ist auch hier im Gebiet nicht selten.

Kugeldistel.

Am Gewässerrand blüht um diese Jahreszeit eine Vielzahl an Hochstauden wie diese Kugeldistel. Im Zuge der Renaturierung wurden Bäume gepflanzt und auch Gewässerrandvegetation wie der Blutweiderich erfolgreich angesiedelt.
 

Fasanenpfuhl

Fasanenpfuhl

Fasanenpfuhl
Der Fasanenpfuhl, in einem Wohngebiet nördlich der Landsberger Allee gelegen, war verlandet. Er wurde 1998 vertieft und führt als Regenrückhaltebecken für die umgebende Siedlung ständig Wasser. Ehemals gehörte der Pfuhl zum Lebensraum der äußerst seltenen Rotbauchunke. Seit dem illegalen Einsetzen von Fischen ist er für diese Amphibienart untauglich geworden. In der Natur können sich nur wenig gefährdete Amphibienarten wie Teichfrosch und die Erdkröte in Gewässern mit Fischen fortpflanzen.

Kreuzung

Nördlich der Landsberger Allee tauschen Alte und Neue Wuhle die Seiten. Die Alte Wuhle (Bild) floss hier früher in einem Rohr (Düker).

Kreuzung Alte und Neue Wuhle
Ein Jahr wurde an dieser "Kreuzung" von Alter und Neuer Wuhle gebaut. Vorher unterquerte hier die Alte Wuhle die Neue Wuhle (Düker). Nun befindet sich der Düker unter der Alten Wuhle. Nach der Renaturierung kann dadurch die Alte Wuhle hier wieder offen fließen, was den EU-Vorgaben entspricht, nach denen ein für Fische und andere Tiere durchgängiger Niederungsbach wiederherzustellen ist.

Weidengrund

Weidengrund

Weidengrund
Nahe des Ahrensfelder Berges befindet sich ein besonders wertvolles Biotop: der Weidengrund. Diese ehemalige Kiesgrube wurde 1993 als Geschützter Landschaftsbestandteil nach Berliner Naturschutzgesetz ausgewiesen. Ein im Jahr 2001 erstelltes Gutachten aus dieser Zeit weist ihn als einziges Reproduktionsgewässer der Rotbauchunke in Berlin aus. Dann kam der Schock im Jahr 2003: Mit Versiegen des Klarwasser-Nachschubes aus dem Klärwerk Falkenberg fiel auch der Weidengrund trocken. Wassergebundenen Tieren wie Wasservögeln, Amphibien und Kleinlebewesen war die Lebensgrundlage entzogen.

Moorfrosch

Rotbauchunke, Moorfosch (Foto), Erd- und Wechselkröte profitieren von der Wiedervernässung des Weidengrunds/ Foto: Stürzbecher

Im Zuge der Renaturierung wurden zwischen dem Klärwerk Falkenberg und der Landsberger Allee die schadstoffbelasteten Sedimente entfernt und anschließend die Gewässersohle mit Sand und Kies um bis zu einen Meter erhöht. Hierdurch wurden das Gefälle vermindert und die Grundwasserverhältnisse wieder stabilisiert. Eine Messlatte zeigt bei unserem Streifzug im Weidengrund einen Wasserstand von 1, 6 Metern!




Zufluss Weidengrund

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Angele Schonert zeigt auf eine Stelle, wo sporadisch Wasser in den Weidengrund fließt. Das Wasser wird von einer nahe gelegenen Sportplatzzisterne eingeleitet. Dies ist eine so genannte Kompensationsmaßnahme nach Berliner Naturschutzgesetz, um die Versiegelung des Bodens durch das Schulgelände auszugleichen.

Eine Übersicht über das Renaturierungsprojekt, herausgegeben von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, finden Sie hier

Infoblatt Renaturierung Wuhletal
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