Berlin.NABU.de NABU aktiv Fachgruppen Ornithologie
Ornithologische Fachgruppen
Die Fachgruppe Ornithologie
Die Fachgruppe Ornithologie stellt sich vor
Stieglitz
Leitung:
kommissarisch: Dr. Klaus Witt
Arbeitsschwerpunkte:
- Bestandserfassung von Wasservögeln im Großraum Berlin
- Bestandstandserfassung von Elstern und Nebelkrähen und Überprüfung ihrer Nistplätze auf einer Fläche von 90 Quadratkilometern im Berliner Raum
- Bestandserfassung von Brutvögeln wie Grünspecht, Haubenlerche und Zaunkönig
- Schaffung von Nistmöglichkeiten für Höhlen- bzw. Gebäudebrüter in Zusammenarbeit mit dem LFB
Vorträge der Fachgruppe s. Veranstaltungsprogramm.
Weitere Informationen unter Tel. 986 08 37 -0 .
Situation der Straßentaube in Berlin
Sind sie eine Gefahr oder gefährdet?

Da derzeit äußerst unterschiedliche Angaben über die Populationsgröße der Straßentaube und deren Gesundheitszustand kursieren, sieht sich der NABU Berlin zu einer Klarstellung veranlasst. Der Bestand der Straßentaube in Berlin wurde bei einer Erfassung im Winter 2009/2010 auf rund 9.000 Individuen geschätzt. Ist die Population bedroht oder stellt sie eine Bedrohung dar?
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Die Brutvögel der grünen Lunge Berlins
Eine Bestandsaufnahme im Großen Tiergarten

Der Große Tiergarten ist die größte von mehrschichtigen und deckungsreichen Gehölzbeständen sowie Altbäumen und Gewässern geprägte Parkanlage Berlins mit einem hohen Wert für das Stadtklima und die Naherholung. Dieser abwechslungsreiche Landschaftsraum bietet zahlreichen Brutvogelarten attraktive Bedingungen für die Aufzucht ihrer Jungen.
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Naturschutz ja – aber bitte nicht bei mir
Nun sind die Mehlschwalben auf dem Weg nach Süden

Einst waren Mehlschwalben als Frühlingsboten, Glücksbringer oder ganz pragmatisch als „Schädlingsbekämpfer“ geschätzt, weil sie sich von Insekten ernähren und zum Nisten die Nähe des Menschen aufsuchen. Heute jedoch wird ihnen häufig die Ansiedlung erschwert oder unmöglich gemacht. Ein Rückblick auf die Mehlschwalbensaison.
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Aus dem Leben von XC9
Kanadagänse erobern Berlin

Anfang der achtziger Jahre siedelte sich ein aus einer Wasservogelhaltung entflogenes Kanadaentenpaar am Tegeler See an und begründete eine Berliner Freilandpopulation. Von hier aus erschlossen sich die Vögel entlang von Spree und Havel zunehmend die Gewässer des Berliner Stadtgebietes. Seit Ende der neunziger Jahre werden sie beringt. Auf diese Weise kann man den Weg von XC9 durch Berlin verfolgen.
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Berlin hat eine neue Brutvogelart – Die Silbermöwe
Großmöwe erobert ungewöhnlichen städtischen Lebensraum

Es ist ein kleine Sensation: Erstmals konnten Beobachter der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. (BOA) und des NABU Berlin die Silbermöwe als Brutvogel in Berlin nachweisen. Damit erhöht sich die Anzahl der Brutvogelarten, die seit 1850 in Berlin festgestellt wurden, auf stolze 181!
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Nachbarschaftshilfe oder wer füttert wen?
Kuriose Beobachtungen an einem Nistkasten

Die mit lehmiger Erde verklebten Öffnungen eines Nistkastens an einem Apfelbaum in einem naturnahen Garten in Berlin-Frohnau verraten dessen Bewohner – ein Kleiberpaar. Der Ornithologe Klaus Witt beobachtete dort eine Kuriosität und hielt sie fotografisch fest. Berichtet wird von einer ungewöhnlichen Nachbarschaftsbeziehung zwischen Kleiber und Schwanzmeise.
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Zugvögel kündigen den Frühling an
Frühlingsboten am Himmel über Berlin

Der Winter will in diesem Jahr nicht recht weichen. Doch obwohl die Wetterpropheten erst für Ende März wieder frostfreie Nächte ankündigen, zeigt sich der nahende Frühling in der Vogelwelt deutlich. Denn nun kehren die ersten Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurück.
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Hohe Ehrung für Dr. Klaus Witt - Berlins bekanntesten Ornithologen
Festkolloquium in der Stadtbibliothek
Klaus Witt
Mit einem Festkolloquium würdigte am Sonnabend, den 28. Oktober 2006, die Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (BOA) die Verdienste ihres langjährigen Sprechers, Dr. Klaus Witt, um die Erforschung der Berliner Avifauna (= Vogelwelt).
Zu der sechsstündigen Veranstaltung waren namhafte Wissenschaftler und Experten in den Berlin-Saal der Berliner Stadtbibliothek gekommen. Darunter Professor Maciej Luniak vom Zoologischen Institut der Universität Warschau und Dr. Götz Rheinwald, langjähriger Kustos für Ornithologie am Museum Alexander König, Bonn.
In einer Reihe von Vorträgen berichteten die Referenten über aktuelle Ergebnisse aus ihren Arbeitsgebieten und stellten im Rückblick die rasante Entwicklung der Stadtavifaunistik vor, die inzwischen zu einem anerkannten eigenen Arbeitsfeld innerhalb der Ornithologie (= wissenschaftliche Vogelkunde) geworden ist.
Schon in den 1970-er Jahren wurde im damaligen West-Berlin mit der systematischen Sammlung ornithologischer Beobachtungsdaten begonnen und bald gehörte diese Stadthälfte vor allem dank der zahlreichen Ornithologen, denen die DDR lange nicht zugänglich war zu den am genauesten kontrollierten Gebieten Deutschlands, was die Vogelwelt angeht.
Dabei haben die Anregungen Klaus Witts, seine Leitung und Koordination der ehrenamtlichen Aktivitäten, seine eigene umfangreiche feldornithologische Tätigkeit (Dr. Jörg Böhner: "Klaus Witt hat etwa die Hälfte seines Lebens im Freiland verbracht. ") und seine Auswertung des Berliner Datenmaterials Maßstäbe gesetzt. Dass Berlin heute auch international von Avifaunisten als herausragender Ort angesehen wird, ist vor allem eine Folge der zahlreichen Publikationen, in denen Klaus Witt die Jahrzehnte umfassenden Berliner Beobachtungsdaten wissenschaftlich akribisch auswertete.
"Der Name Klaus Witt ist für mich ein Synonym für Stadt-Avifaunistik", erklärte Dr. Götz Rheinwald, Mitherausgeber des kürzlich erschienenen Bandes "Birds in Europaen Cities". In diesem Buch werden Status und Veränderungen in der Vogelwelt von 16 europäischen Städten vorgestellt - von Lissabon bis Moskau, vom Warschau bis Rom. Hier wird deutlich, dass sich nur sehr wenige Städte, wie z. B. Warschau, in punkto Aktualität und Vollständigkeit mit den Berliner Untersuchungsergebnisse messen können.
Professor Maciej Luniak, mit dem Dr. Klaus Witt für die Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft schon lange engen Kontakt hält, stellte auf dem Kolloquium einen interessanten Vergleich der Warschauer mit der Berliner Vogelwelt an. Trotz mancher Unterschiede für die Prof. Luniak geografisch-klimatische Aspekte sowie das umfangreichere Datenmaterial der Berliner anführte war die Übereinstimmung im Vogelartenspektrum beider Ballungsräume frappant. Ein weiterer Beweis für die These, dass Stadtlandschaften eine ganz spezifische Vogelwelt beherbergen, deren Zusammensetzung sich deutlich von der anderer Landschaften in der Umgebung unterscheidet. Die Basis für solche Forschungen legten in Berlin Dr. Klaus Witt und seine ehrenamtlichen Mitstreiter.
Dr. Hans.Jürgen Stork, von 1980 bis 2000 Vorsitzender des NABU Berlin, erinnerte in seinem Vortrag an die "Keimzelle" der Berliner Avifaunistik in der "Beobachtergruppe" des NABU und an die ornithologischen Forschungen und Lehrveranstaltungen der Freien Universität Berlin bis 1990, als die BOA als eigenständiger Verein gegründet wurde.
Am Ende des Kolloquiums feierten die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Dr. Klaus Witt durch minutenlange Ovationen. Sein Nachfolger im Amte des BOA-Sprechers, Dr. Jörg Böhner, begrüßte im Anschluss Dr. Klaus Witt als neues und erstes Ehrenmitglied der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft.
Fragen Sie Dr. Klaus Witt ...
- wie man es schafft, neben dem Physik-Studium und der Promotion, neben einer erfolgreichen beruflichen Karriere vom wissenschaftlichen Assistenten an der TU Berlin bis zum Laborleiter der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin auch noch das "Hobby" Ornithologie intensiv zu betreiben, dabei insgesamt 97 Publikationen zu avifaunistischen Themen zu veröffentlichen und zum international bekannten Ornithologen zu werden?
- wie man es schafft, über viele Jahre zur Brutzeit der Vogelarten morgens vor Tag und Tau, oft in der Dämmerung beginnend, mit der Karte in der Hand die Brutreviere der einzelnen Arten zu registrieren und auf diese Weise eine Berliner Probefläche nach der anderen abarbeitend, anschließend pünktlich seinen Arbeitsplatz zu erreichen und die eigentliche Berufstätigkeit zu leisten?
- wie man es schafft, über drei Jahrzehnte die ihrer Zusammensetzung oft wechselnden (von Schülern und Studenten bis hin zu Ruheständlern) ehrenamtlichen Berliner Freizeit-Ornithologen für längerfristige Arbeitsprojekte und diffizile Untersuchungen zu motivieren, mit Rat und Tat auszuhelfen und auch die unvermeidliche Vereinsmeierei (wie Versammlungen leiten, Vorträge halten und kontroverse Diskussionen bestehen) zu organisieren?
- wie man es schafft, zusätzlich zu diesen Aktivitäten noch das Amt
eines Sekretärs beim Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), später den Vorsitz dieses bundesweiten Dachverbandes für zehn Jahre zu übernehmen und den DDA in dieser Zeit entscheidend voran zu bringen? - wie man es schafft, zusammen mit seiner ebenfalls berufstätigen Ehefrau, einer Ärztin, in dieser Zeit auch noch drei Töchter zu erziehen?
Personalie
Dr. Klaus Witt
geboren 1937 in Bertkow/Altmark
Physikstudium in Göttingen und Freiburg
Einstieg in die systematische Beschäftigung mit avifaunistischen Themen durch den Kontakt mit Hans Oelke in Göttingen, erste ornithologische Publikationen,
ab 1967 in Berlin als wissenschaftlicher Assistent an der TU
1972 2002 an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung tätig
1977 2006 Leiter der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (BOA)
1987 1997 Vorsitzender des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA).
Berlin - Eldorado der Spatzen
Laut BOA-Untersuchung zeigt das heimliche Wappentier in unserer Stadt keinen Bestandsrückgang
Der Spatz
Der Haussperling oder liebevoll Spatz genannte Singvogel gehört zu Berlin wie der Telespargel oder die Boulette. Fast überall im Stadtgebiet kann man diesen bei der Auswahl der Nistplätze oder Nahrungsquellen nicht wählerischen Vogel ganzjährig antreffen. Ab dem zeitigen Frühjahr fallen die tschilpenden Männchen auf den Dachkanten, vor Öffnungen oder Fugen an Gebäuden auf, in denen sie bevorzugt ihre Nester errichten. Bei trockenem Wetter werden selbst kleine Sandflächen zum Gefieder pflegenden Staubbad genutzt und Pfützen nicht nur zum Trinken angeflogen: auch ein Bad in geselliger Runde wird hier gerne genommen. Nach der Brutzeit schließen sich die Sperlinge zu größeren Trupps zusammen, um sich gemeinschaftlich in dichten Gehölzbeständen aufzuhalten und von hier ihre Nahrungsflüge zu starten. Am nächsten kommen dem Berliner die Spatzen aber an Imbissbuden oder Freiluftgaststätten. Für die Sperlinge fällt hier immer etwas Nahrung ab, und viele Menschen schätzen solch ein Naturerlebnis, wenn die furchtlosen Vögel bis auf den Teller hüpfen eine Symbiose der besonderen Art.
findet überall Platz
Ursprünglich folgten die Sperlinge unseren Vorfahren in die Siedlungen. Kornspeicher und Tierhaltung boten reichlich Nahrung, und für das Nest war immer eine Nische zu finden. Als Koloniebrüter konnten viele Paare auf engstem Raum ihre Nester anlegen. Diese günstigen Bedingungen ließen die Bestände stark anwachsen, so dass der Sperling, weil er die reifen Getreidefelder und Vorratsspeicher plünderte, schnell als Schädling diffamiert wurde. Um sich gegen den Nahrungskonkurrenten zu wehren, wurde er in großem Umfang bekämpft.
Andererseits hängt der Mensch an den Tieren seiner Heimat. Und so wurden Haussperlinge, neben vielen anderen heimischen Vogelarten, immer wieder von Aussiedlern als ein Stück Heimat in entfernte Erdteile mitgenommen. Heute ist der Haussperling fast weltweit verbreitet und ein wahrer Kosmopolit.
Spatzenfamilie im Dachkasten vergrößern
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bild jedoch drastisch verändert. Gerade noch als Schädling bekämpft, steht der Sperling heute auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. In diese Liste werden Arten aufgenommen, die bei einer sich fortsetzenden negativen Bestandsentwicklung gleich der in den letzten 25 Jahren sichere Kandidaten für die Einstufung in eine Kategorie der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands würden.
Hauptursachen für den starken Rückgang sind vor allem die moderne Art des Bauens und Sanierens von Gebäuden, an denen keine möglichen Brutplätze mehr verbleiben. Ein weiterer Grund ist die zunehmende Bodenversiegelung, die Nahrungsmangel zum weiteren limitierenden Faktor für den Brutbestand des Sperlings werden ließ. Vor diesem Hintergrund hatte der Naturschutzbund NABU den Haussperling zum Vogel des Jahres 2003 gekürt, um an seinem Beispiel auf den Verlust von Stadtnatur aufmerksam zu machen und über Möglichkeiten zu informieren, wie man den Sperling auch zukünftig als Mitbewohner in Siedlungsgebieten erhalten kann.
Sperlinge in Ruderalvegetation vergrößern
Traditionell ist es eine Aufgabe der Mitglieder der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft e. V. (BOA), den aktuellen Brutbestand des künftigen Vogel des Jahres zu untersuchen, um über aktuelle Daten zu verfügen und kompetent über die Verbreitung der betreffenden Art in Berlin informieren zu können. 2001 wurden nach einer standardisierten Methode auf 35 über das gesamte Stadtgebiet verteilten Probeflächen die Anzahl der anwesenden Haussperlinge erhoben und auf die gesamte Stadtfläche hochgerechnet. Im Ergebnis wurden 270.000 Individuen oder 135.000 Brutpaare ermittelt.
Inzwischen wurde in verschiedensten deutschen und europäischen Städten, wie Hamburg, München, Münster, London und Paris, ein starker Bestandsrückgang konstatiert und etwa auch in Warschau dieser negative Trend beobachtet. Aus diesem Grund entschlossen sich die Ornithologen der BOA nach fünf Jahren, gemäß der Methode von 2001 eine erneute Untersuchung durchzuführen. Am letzten Mittwoch (15.11.2006) stellte der Sprecher der BOA, Dr. Jörg Böhner, die Ergebnisse vor. Im Ergebnis wurde ein Bestand von 120.000 Brutpaaren festgestellt, was einem Rückgang von 11 Prozent entspricht. Diese Entwicklung kann statistisch jedoch nicht als Rückgang ausgewiesen werden, da solche Bestandsunterschiede im Bereich natürlicher Schwankungen liegen. Mit 14 Brutpaaren pro 10 Hektar liegt Berlin im internationalen Vergleich immer noch an erster Stelle! In Hamburg und Köln finden sich lediglich drei bis vier Brutpaare/10 ha und in London weniger als ein Brutpaar/10ha. Grund genug, um 2011 wieder die Aufmerksamkeit auf den Haussperling zu richten. Auch die seit 2000 kontinuierlich durchgeführte Erfassung der Winterbestände von Vogelarten zeigte bis heute Schwankungen von 20 Prozent, aber keinen Rückgang. Die mit Abstand meisten Sperlinge wurden übrigens im Zoo gezählt kein Wunder, ist doch der Tisch hier immer reich gedeckt.
Spatzen vorm Fenster / Fotos: Scharon vergrößern
Vieles wurde für den Erhalt des Sperlings in Berlin bereits getan. So achten die Naturschutzverwaltungen darauf, dass das Naturschutzrecht auch eingehalten und praktisch umgesetzt wird. Und da alle heimischen Vogelarten, wie eben auch der Spatz, zu den besonders geschützten Arten gehören, ist die Beseitigung von Brutplätzen nicht erlaubt. Ist es dennoch unumgänglich, muss für die zerstörten eine gleiche Anzahl von Ersatzniststätten geschaffen werden sicherlich ein wesentlicher Grund dafür, dass es in Berlin mehr Spatzen gibt als in anderen Großstädten. Der NABU Berlin war in den vergangenen Jahren bestrebt, die Schutzbemühungen in Berlin einem breiteren Interessenkreis bekannt zu machen. Zu diesem Zweck wurde mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in den letzten drei Jahren das Zentrum Artenschutz am Gebäude aufgebaut. Unter www.lebensraumhaus.nabu-berlin.de finden Interessenten ausführliche Informationen über das Projekt, über Gebäudebrüter, deren Gefährdungsursachen, mögliche Schutzmaßnahmen sowie den rechtlichen Hintergrund.
Das Sammeln von Federn
Seminar �Einführung in die Bestimmung von Rupfungen� der ABBO (Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburger Ornithologen)
Erlenzeisig-Federkleid vergrößern
Groß und kräftig, mit starken Spulen, klein und zart, transparent, samtig weich; mit Fett- oder Glanzstreifen entlang des Schaftes; gebändert, getupft, prächtig gefärbt mit oder ohne metallenem Glanz oder auch unscheinbar grau und braun perfekt sind all diese Gebilde, aus denen das Kleid der Vögel besteht. Die Federn eine Meisterleistung der Evolution. Jede an ihrem Platz, immer wieder exakt erneuert, bei Altvögeln stets mit dem gleichen Muster. Alle zusammen ergeben eine perfekte Thermoregulation und einen wunderbaren Flugapparat.
Stefan Schulz / Rainer Altenkamp
Mann kann sie finden in Feld und Flur, dort wo "Landvögel" leben oder am Wasser, wo z. B. Enten ihr Federkleid putzen oder wechseln. Es kann sich dabei um Mauserfedern handeln, das sind meist Einzelfeldern des Großgefieders, oder um "gerupfte" Federn, die Beutegreifer z.B. Fuchs oder Greifvogel herausgebissen oder -gezupft haben, bevor die Beute gefressen oder davongetragen wurde.
Am vergangenen Sonnabend (4.11.) trafen sich in der NABU-Geschäftsstelle einige Ornithologen, um Hinweise und Tipps für das Anlegen einer Federsammlung zu geben bzw. sich darüber auszutauschen.
Rupfungsblätter vergrößern
Sowohl die rechtlichen Voraussetzungen wurden erläutert, als auch das verantwortungsvolle Sammeln und dauerhafte Archivieren der Federn.
Denn es ist ein himmelweiter Unterschied, auf Spaziergängen gefundene Federn einzusammeln und irgendwo mehr oder weniger dekorativ zu deponieren, oder sich etwas ernsthafter damit zu beschäftigen und eine Sammlung anzulegen, die wissenschaftlichen Anforderungen genügt.
Waldkauz-Handschwingenfeder
Anhand von Federfunden kann der Nachweis über die Anwesenheit bestimmter Arten erbracht werden. Mauserfedern, z. B. die der Greifvögel, lassen Rückschlüsse auf das Alter ihres einstigen Trägers zu und können ihm sogar individuell zugeordnet werden, was wiederum Rückschlüsse auf das Brutpaar in dem Revier erlaubt, wo die Federn gefunden wurden. Greifvögel mausern nur Einzelfedern, sie müssen stets flugfähig sein.
Die Auswertung sogenannter "Rupfungen" der Beutegreifer ermöglicht ferner die Erfassung deren Beutespektrums: von den Arten bis hin zum Alter der erbeuteten Vögel. So mancher Nachweis von bisher nicht bekannten Singvogelbruten in Berlin konnte dadurch erbracht werden (z. B. Misteldrossel). Interessantes war auch dem seit vielen Jahren ermittelten Beutespektrum der am Alexanderplatz lebenden Wanderfalken zu entnehmen nämlich u. a. die Erkenntnis, dass viele nächtlich ziehende Arten keinen Umweg am Stadtrand entlang benutzen, sondern mitten über das Stadtzentrum hinweg ziehen. Die Falken erbeuteten z. B. Wachtelkönige, Teichrallen und Zwergtaucher, wobei die Lichtkegel der Scheinwerfer an diversen Gebäuden sich bei der Jagd als hilfreich erwiesen.
Beiträge zur Gefiederkunde und Morphologie der Vögel / Naumann Museum Köthen
Vergleichssammlungen, möglichst vollständig und fein säuberlich auf Rupfungsblättern aufgereiht oder in einzelnen Papiertüten jeweils mit Funddatum und Fundort versehen, helfen den Ornithologen, gefundene Federn auch die der Jugend- und Alterskleider exakt zu bestimmen und den einzelnen Arten zuzuordnen. So auch bei schwierig auseinander zu haltenden Arten, wie dem Bunt- und Mittelspecht, deren Schwanzfedern sich sehr ähnlich sehen können.
Neben der Verteilung bestimmter Farbfelder oder der gesamten Farbgebung helfen weitere ganz bestimmte Merkmale an den Federn, wie die Krümmung des Kiels, die Form der Innen- und Außenfahne, die Form der einzelnen Federspitzen, die Länge sowie weitere Details, sie ihrem einstigen Träger zuzuordnen.
Federliteratur
Eine ganze Reihe von Fachliteratur kann darüber hinaus zu Rate gezogen werden.
Es macht Spaß, den Ornithologen beim Fachsimpeln zuzuhören. Und die mitgebrachten Federn, die ich selbst nicht zuordnen konnte, wurden von Stefan Schulz bereits nach einem verblüffend kurzen Blick in das Tütchen als die der Bekassine bestimmt. Gelernt ist gelernt...
Freizeitforscher mit Fernglas und Notizbuch
50 Jahre Fachgruppe Ornithologie Berlin
Was fliegt denn da? / Foto: Scharon
Seit einem halben Jahrhundert sind sie gemeinsam aktiv: die Berliner Vogelkundler der Fachgruppe Ornithologie. 17 Mitglieder gründeten am 2. September 1954 im "Club der Kulturschaffenden" in Berlin-Mitte diese Fachgruppe. Was damals als Freizeitbeschäftigung begann, ist längst mehr als nur ein Hobby. So liefern ihre Beobachtungen grundlegende Daten für den Naturschutz und Informationen über Veränderungen unserer Umwelt.
Neben der Untersuchung von Brut- und Wintervogelbeständen sowie der Erfassung der Wasservögel in Berlin bilden die traditionellen Treffen, wo man sich über Beobachtungen austauscht und Vorträgen über die Natur aus fernen, aber auch nahen Regionen lauscht, einen wesentlichen Bestandteil der Aktivität der Fachgruppe.
Die Schrecken des 2. Weltkrieges lagen kaum zehn Jahre zurück, viele mussten jede Zeit nutzen, in ein geregeltes Leben zurückzufinden, doch nachdem hier grundlegende Voraussetzungen wiedererlangt waren, entsann man sich höherer Interessen oder suchte auch nur Ausgleich für einen so tristen wie beschwerlichen Alltag. Die Beschäftigung mit der belebten Natur, und hier speziell mit der Vogelwelt, führte viele Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen und gesellschaftlichen Schichten zusammen, faszinieren die Vögel mit ihrem beneidenswerten Flugvermögen und ihren Gesängen die Menschen doch seit jeher. Egal, ob mit teurer Optik oder bloßem Auge beobachtend, ob aus Freude an Zufallsbeobachtungen beim Spazieren und Wandern oder mit dem Ziel methodischer Untersuchungen und dem Interesse an wissenschaftlich nachprüfbaren Ergebnissen � bei Vogelbeobachtungen kann jede(r) Erholung und Entspannung finden. Besonders in Berlin war außerdem noch die Tradition einer auch international renommierten Vogelkunde lebendig, für die u.a. Namen wie Oskar Heinroth, Hermann Schalow, Otto Schnurre, Erwin Stresemann und Victor Wendland stehen. � Organisatorisch wurde die Gründung der Fachgruppe von Kurt Gentz, dem langjährigen Redakteur der Zeitschrift �Der Falke�, vorbereitet.
Im Lauf der Jahrzehnte erlebte die Fachgruppe ihre Höhen und Tiefen. Wechselnde Vorstände und zeitweise geringe Teilnehmerzahlen erschwerten eine kontinuierliche Arbeit, so dass die schon früh geplante Erarbeitung einer Avifauna für Berlin bereits 1965 zurückgestellt wurde. Dieses Projekt erlangte erst 1988 durch Günther Degen und Winfried Otto, beide langjährige Fachgruppen-Leiter, Publizität.
Kontinuierlich veranstaltete die Fachgruppe Exkursionen zu ornithologisch attraktiven Orten in Berlin und im Umland. Über einen langen Zeitraum erfolgte jeweils im Oktober eine Exkursion zum Kranichzug auf Rügen. Seit Ende der 1960-er Jahre war der Vorstand verstärkt bemüht, an den abendlichen Fachgruppen-Veranstaltungen ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zu bieten, und so sorgten Fachvorträge und vor allem Reiseberichte für wachsende Teilnehmerzahlen. � Bis zum Mauerbau 1961 kamen die Mitglieder aus beiden Teilen der Stadt.
Ab Mai 1957 traf sich die Fachgruppe mit kurzer Unterbrechung bis 1992 in den Räumen des Kulturbundes in der Frankfurter Allee. Von den 1970-er Jahren bis zur Wende 1989 waren die Veranstaltungen gut besucht und Teilnehmerzahlen von 50 Personen und mehr keine Seltenheit. Im oft überfüllten Versammlungsraum waren dann die Sitzplätze an den Tischen dem �harten Kern� vorbehalten.
Neben den Ende der 1960-er Jahre begonnenen Bestanderfassungen der Berliner Brutvogelarten waren es, wie gesagt, insbesondere die Berichte aus entfernten Regionen, die die Attraktivität der Fachgruppenabende ausmachten. Hier gab es aktuelle Informationen, Erlebnisse und Diapräsentationen aus Ländern und Regionen, deren Besuch nur sehr wenigen möglich war. Das Ende der DDR eröffnete neue Reisemöglichkeiten, und viele Mitglieder konnten nun auch Ziele besuchen, die sie bisher nur aus Büchern, dem Fernsehen oder von den Vorträgen der Fachgruppe her kannten � sicher auch ein Grund, weshalb in den 1990-er Jahren die Teilnehmerzahlen an den Fachgruppentreffen stark zurückgingen. Die Frage nach der weiteren Zukunft der Fachgruppe Ornithologie beschäftigte manches Mitglied.
Die im Laufe von 50 Jahren erbrachten Leistungen der Berliner Freizeit-Ornithologen können sich durchaus sehen lassen, und viele Untersuchungsergebnisse haben überregionale Bedeutung. Seit Mitte der 1960-er Jahre wurden die Beobachtungen der Feldornithologen auf standardisierten Karteikarten dokumentiert. Auch die Zählung der Wasservogelarten an Berliner Gewässern gehörte seit 1965 in den Wintermonaten zum Aufgabenfeld der Fachgruppe. Die Beobachtungsdaten wurden an die Zentrale für Wasservogelforschung in Potsdam weitergeleitet. Mehrere Fachgruppenmitglieder widmeten sich der wissenschaftlichen Vogelberingung. Gerade durch diese Art der Beschäftigung mit der Vogelwelt konnten viele Jugendliche, die meist aus dem Jugendklub des Tierparks Berlin oder anderen außerschulischen Arbeitsgemeinschaften kamen, für die Natur interessiert und an die Fachgruppe gebunden werden.
Neben jenen, die sich mit dem Beobachten und geselligen Erleben der Vogelwelt beschieden, gab es Fachgruppenmitglieder, welche sich intensiver mit der Berliner Vogelwelt beschäftigten. Auf ihre Initiative wurde 1965 der Arbeitskreis Avifaunistik gebildet, der auch von Fachgruppenmitgliedern besucht wurde. Hauptanliegen dieses Arbeitskreises war die Vollendung des Brutvogelatlasses für Berlin (Ost), der 1988 in der Zeitschriftenreihe �Naturschutzarbeit in Berlin Brandenburg� als Sonderheft veröffentlicht wurde. Der Erstellung dieses Atlasses ging eine zwischen 1978 und 1982 durchgeführte Brutvogelkartierung auf 1km² großen Rastern voraus.
Von 1971 an wurden die in den unterschiedlichen städtischen Lebensräumen (Kleingärten, Parkanlagen, Friedhöfe, Alt- und Neubauwohnvierteln sowie verschiedene Schutzgebiete)vorkommenden Vogelarten methodisch erfasst und die erhobenen Daten veröffentlicht.
Seit der Gründung der Zeitschrift PICA (lat. für Elster) in 1979 verfügten die Berliner Ornithologen über die schon lange gewünschte Publikationsmöglichkeit. Es ist heute kaum vorstellbar, welche Anstrengungen es unter DDR-Bedingungen erforderte, um diese eigenständige, wenn auch bescheidene Publikationsmöglichkeit zu schaffen. In den 12 Jahrgängen der PICA � die Zeitschrift fusionierte 1990 mit dem Westberliner �Ornithologischen Bericht� zum �Berliner ornithologischen Bericht� � sind viele Untersuchungsergebnisse über die städtische Vogelwelt oder die Stadtökologie zu finden. Die gesammelten Beobachtungsdaten fanden Eingang in die erstmals 1983 erschienene �Vogelwelt von Berlin und Brandenburg�. Berliner Ornithologen gehörten zu den Mitarbeitern dieser Untersuchung einer regionalen Avifauna und verfassten mehrere Art-Kapitel.
Das gemeinsame Interesse an der Vogelwelt führte zu Kontakten und Verbindungen über die Landesgrenzen hinweg und durch den �Eisernen Vorhang� hindurch. Viele Ornithologen aus der Fachgruppe hatten Tauschpartner für Literatur in der Bundesrepublik oder Westberlin. Bücher und Zeitschriften oder gewünschte Sonderdrucke gingen hin und her. Diese Kontakte und das gemeinsame Interesse an der Berliner Vogelwelt bildeten dann auch die Vorraussetzung für das schnelle Zusammengehen der Berliner Ornithologen aus beiden Stadthälften nach der Wende.
Schon 1958, die Fachgruppe Ornithologie bestand gerade vier Jahre, schrieb die Zentrale Kommission der Natur- und Heimatfreunde im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands: �Die Natur- und Heimatfreunde sind sich bewusst, dass sie durch ihre Mitarbeit beim Aufbau des Sozialismus in der DDR für das künftige geeinte deutsche Vaterland tätig sind.�
Ein ausführlicher Abriss über die Fachgruppe Ornithologie von Winfried Otto ist im �Berliner ornithologischen Bericht�, Band 10 (2000), S. 125-139, erschienen.

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