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Bleivergiftung bei Seeadlern

Bleivergiftung bei Seeadlern

Naturschutz, Jagd und Munitionsindustrie einigen sich auf gemeinsame Erklärung

Röntgenbild Reh Bleigeschosse

Dieses Reh wurde mit einem Teilmantelgeschoss erlegt. Bei Vergrößerung des Bildes ist der "Bleischauer" gut sichtbar. vergrößern

Der Fachdialog mit dem Titel „Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Jagd – Der Beitrag bleifreier Munition“ fand am 16. April 2009 im Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin-Dahlem statt. Die dreijährigen Forschungsarbeiten im Rahmen eines vom Bundesforschungsministerium (BMBF) finanzierten Projektes zur Bleivergiftung beim deutschen Wappentier, dem Seeadler, wurden einem größeren Publikum vorgestellt. Der Schwerpunkt lag beim Thema Kommunikation, denn eine Lösung des Problems, das auch andere Greifvogelarten betrifft, lässt sich nur durch gemeinsames Handeln aller Beteiligten finden. So wurde eine Befragung der deutschen Jägerschaft zum Thema bleifreie Munition vorgestellt.

Wildschweinbraten

Bei einer NABU-Feier wird bleifrei geschossenes Wild zubereitet.

Auch die Gesundheitsrisiken, denen der Verbraucher durch den Verzehr von Wildfleisch ausgesetzt ist, wurden thematisiert. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz hat das Bundesinstitut für Risikobewertung beauftragt, den Zusammenhang zwischen bleihaltiger Munition und menschlicher Gesundheit genauer zu untersuchen. Allerdings: Das umfangreiche BMBF-Forschungsprojekt zur Bleivergiftung bei Wildtieren hat bereits gezeigt, dass die Körper von mit Bleimunition erlegten Tieren großflächig mit bleihaltigen Partikeln durchsetzt sind (s. Bild, Partikel sind als so genannter Bleischauer sichtbar), deren Verzehr sich schwer vermeiden lässt. Auch die gesundheitlichen Auswirkungen von Blei im menschlichen Körper sind gut untersucht.

Die anwesenden Vertreter der verschiedenen Verbände aus den Bereichen Naturschutz, Munitionsindustrie und Jagd einigten sich abschließend auf folgende gemeinsame Erklärung.

Gemeinsame Erklärung zur nachhaltigen Jagdausübung


Vertreter folgender Institutionen nahmen an dem Fachdialog teil:

AG Adlerschutz Niedersachsen, AG Kranichschutz Brandenburg, Aquila e.V., Berliner Forsten, Brenneke GmbH, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bundesanstalt für Bundesimmobilien, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Bundesministerium für Bildung und Forschen (BMBF), Deutscher Rat für Vogelschutz, DDC - Daniel Dahm Consult, Deutscher Jagdschutz-Verband e.V., Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V. (DEVA), Europarc Deutschland e.V. , Impala Europa, Jaguar Jagdpatronen, Landesjagdverband Berlin, Labor für Ballistik, Landesforstamt Mecklenburg Vorpommern, Naturschutzbund NABU, Nammo Germany GmbH, Nationalforstamt Eifel, Nationalparkamt Müritz, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ökologischer Jagdverband, Ruag Ammotec GmbH, Schleswig-Holsteinische Landesforsten, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, Fa. Hugo Stinnes (GmbH& Co.) KG


Kommentar

Diese gemeinsame Erklärung kam erst nach äußerst zähen Verhandlungen zustande. Am Ende der Diskussionen betonten alle Anwesenden, dass sie erfreut seien, überhaupt zu einer gemeinsamen Stellungnahme nach Abschluss des Fachgespräches gekommen zu sein.

Als positive Punkte der Erklärung verbuchten die Vertreter des Naturschutzes,

  • dass der Zusammenhang zwischen bleihaltiger Munition und den vielfachen Vergiftungserscheinungen insbesondere bei Seeadlern nicht mehr in Abrede gestellt wird,

  • dass der zeitnahe Ausstieg aus der Nutzung der bleihaltigen Munition angestrebt wird

  • und dass die Frage des Verbraucherschutzes erstmalig in den unmittelbaren Kontext mit der Verwendung von bleihaltiger Munition bei der Produktion von Lebensmitteln gesetzt wird.

Die Diskussion förderte aber gleichzeitig auch die Schwachpunkte der Erklärung zutage:

  • So werden trotz bereits vorliegender, umfangreicher Forschungsergebnisse weitere Untersuchungen zu bereits geklärten Fragestellungen gefordert.

  • So wurde der Brief der Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V. (DEVA) vom Mai 2008, der zur Einstellung des brandenburgischen Großversuchs zur Verwendung bleifreier Munition geführt hat, nicht relativiert bzw. korrigiert.(s. Pressemitteilung des NABU Berlin) Nach der derzeitigen Lesart der getroffenen Vereinbarung, wird so getan als hätte es dieses Schreiben nie gegeben und weitere Untersuchungen der alternativen Verbundgeschosse hinsichtlich Toxizität und Abprallverhaltens seien notwendig.

Fazit

Man soll ja bekanntlich auch schon mit kleinen, nach vorne gerichteten Schritten zufrieden sein. So wurde die Diskussion über das Für und Wider bleihaltiger bzw. bleifreier Munition erfolgreich am Leben gehalten. Was jedoch die Vertreter von NABU, BUND, weiteren kleineren Naturschutzvereinen und von verschiedenen Forstverwaltungen enttäuschte, war das teilweise hartnäckige Beharren auf überkommenen Positionen aus rein wirtschafts- und jagdpolitischen Interessen.

Weitere Informationen

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