Berlin.NABU.de NABU aktiv Fachgruppen Greifvogelschutz
Seeadlerdramen in der Tierklinik Düppel
Bleimunition muss verboten werden
Jeder vierte Seeadler stirbt an Bleivergiftung

Gestern wurde schon wieder ein brandenburgischer Seeadler mit Bleivergiftung in die Tierklinik Berlin-Düppel eingeliefert. Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass zwei Seeadler aus Berlin und Brandenburg aufgrund von Bleivergiftungen verendet sind. Auf einer Tagung zum Thema am 16. April treffen sich internationale Experten, um Lösungsansätze zu diskutieren.
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Der Brandenburger Seeadler mit Bleivergiftung ist tot
NABU wirft Brandenburger Behörden Täuschung der Öffentlichkeit vor – Verwendung bleifreier Munition ist kein Sicherheitsrisiko für Jäger
Der am 16. Februar 2009 in die Kleintierklinik der FU Berlin mit einer schweren Bleivergiftung eingelieferte Seeadler aus Groß Kreutz ist am 22. Februar eingeschläfert worden. Der Adler hatte einen Bleigehalt im Blut von 5,1 ppm (parts per million), eine Vergiftung liegt bereits bei 0,6 bis 1,0 ppm vor. Nach Auskunft der Oberärztin Dr. Kerstin Müller konnte der Vogel am Sonntag keine Nahrung mehr aufnehmen und hatte wieder eine schwere Atemnot.
Zur Pressemitteilung
Wildfleisch als Festtagsbraten?
NABU warnt vor Bleibelastung im Fleisch von Reh und Wildschwein

Frisches Wildfleisch gehört zu den besonderen Angeboten in der Adventszeit. Doch der Verzehr birgt durchaus gesundheitliche Risiken: Bei Untersuchungen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden in Wildschweinproben teils extrem hohe Bleikonzentrationen gemessen. Ursache ist die Verwendung bleihaltiger Munition, wie sie auch bei Berliner Jägern leider noch verbreitet ist. Unser Rat: Erkundigen Sie sich, mit welcher Munition die Tiere geschossen wurden und kaufen Sie nur „bleifreies“ Wildfleisch.
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Seeadlerweibchen ringt weiter mit den Folgen der Bleivergiftung
Aktuelle Informationen zum Stand der Behandlung
Die inzwischen nachgewiesene Bleivergiftung stellt nach wie vor eine ernste Bedrohung des Lebens des Seeadlerweibchens dar. Bei Laboruntersuchungen wurde ein Wert von über 3 ppm (parts per million) Blei im Blut und damit eine schwere Vergiftung nachgewiesen. Durch kontinuierliche Gabe so genannter Chelatbildner wird in der Kleintierklinik der FU Berlin versucht, die Bleikonzentration im Körper zu senken. Trotz einer Stabilisierung des Zustandes und Anzeichen einer Besserung sind nach wie vor bleibende Schädigungen des Atemzentrums und der Blutbildung zu befürchten. Ob der Vogel überlebt und wieder ausgewildert werden kann, ist daher nach wie vor sehr unsicher.
6. Februar 2009
Vergifteter Seeadler in Köpenick gefunden
NABU fordert konsequentes Verbot bleihaltiger Munition in Berlin und Brandenburg
Abgemagert, apathisch und schwer atmend wurde der Vogel vorgefunden.
Am heutigen Vormittag wurde in Köpenick unweit des Müggelsees ein weiblicher Seeadler geborgen und zur Tierklinik Düppel gebracht. Das Tier zeigte die typischen Anzeichen einer Bleivergiftung. Durch intensive Therapie wird nun versucht, das Leben des Tieres zu retten. „Es sieht sehr schlecht aus“, so der Leiter der AG Greifvogelschutz Berlin-Bernau, Rainer Altenkamp, „vermutlich wird der Seeadler den kommenden Tag nicht erleben.“ Das weibliche Tier gehört zum einzigen Brutvorkommen des Seeadlers auf Berliner Stadtgebiet.
In der Tierklinik der FU in Düppel bekommt das Tier eine Infusion.
Seeadler nehmen Fragmente bleihaltiger Kugelmunition über Jagdwild, das von Jägern nur angeschossen und später nicht gefunden wurde oder über Innereien (sog. Aufbruch) auf, die durch Jäger in die Natur entsorgt wurden. Durch die starke Magensäure der Greifvögel löst sich das Blei schnell aus den Munitionsresten. Die Vergiftung äußert sich in Atemnot und zentralnervösen Ausfallerscheinungen bis hin zur Erblindung der Tiere, sie werden jagdunfähig und verhungern. Forschungen aus den Jahren 1996 bis 2005 haben ergeben, dass nahezu ein Viertel aller tot aufgefundenen Seeadler in Deutschland an Bleivergiftung gestorben war.
Sollte die Prognose des Greifvogelexperten Altenkamp zutreffen, wäre wieder einer der imposanten Seeadler Opfer einer inkonsequenten Jagdpolitik geworden. Erst im Sommer dieses Jahres war die Verwendung bleifreier Munition im Brandenburger Landeswald aus nicht nachvollziehbaren Gründen verboten worden, bei einem als Grund angeführten Jagdunfall in Bayern war grobe Fahrlässigkeit die Hauptursache und es wurde keine bleifreie Munition verwendet. Trotzdem reagierte man in Brandenburg mit dem Aussetzen eines viel versprechenden Forschungsprojektes, das die Eigenschaften bleifreier Munition untersucht.
Schwer atmend ringt der Adler um das Überleben. / Fotos: R. Altenkamp
In Berlin wurde das Verbot bleihaltiger Kugelmunition aus ebenso wenig nachvollziehbaren Gründen im letzten Jahr gelockert; Rainer Altenkamp (2. Vorsitzender des NABU Berlin): „Der Leiter der Berliner Forsten, Herrn Lakenberg, hat bereits vor 4 Jahren beim Berliner Naturschutztag ein Verbot bleihaltiger Munition in Berlin angekündigt.
Dieser Adler würde jetzt nicht im Sterben liegen, wenn dieses Verbot in Berlin bereits gelten würde. Der NABU Berlin fordert umgehend ein vollständiges Verbot bleihaltiger Munition, egal ob bleihaltige Kugelmunition oder Bleischrot und zwar im gesamten Stadtgebiet“, betont Rainer Altenkamp.
30. Januar 2009
Aktuelles Medienecho:
- Berliner Morgenpost, 30. Januar 2009: Berlins einziges Seeadlerweibchen ringt mit dem Tod
- BZ, 31. Januar 2009: Berliner Seeadler vergiftet
- Berliner Kurier, 01. Februar 2009: Tier-Rettungsstation Düppel
- B.Z., 01. Februar 2009: Bleivergiftung!
- Berliner Zeitung, 02. Februar 2009: Blei im Blut
- rbb-online zibb, 02. Februar 2009: Berlins Seeadler-Weibchen in der Tierklinik
- BZ , 02. Februar 2009: B.Z.-Visite in der Tierklinik
- Berliner Morgenpost, 02. Februar 2009: Seeadler-Weibchen droht zu sterben
- B.Z., 02. Februar 2009: Ärztin will Seeadler retten
- Berliner Kurier, 02. Februar 2009: Wenn ein Adler stirbt...
- Berliner Zeitung, 03. Februar 2009: Seeadler leidet an schwerer Bleivergiftung
- Berliner Kurier, 03. Februar 2009: Bleikugeln haben sie vergiftet
- Berliner Morgenpost, 03. Februar 2009: Seeadler kämpft weiter um sein Leben
- B.Z., 03. Februar 2009: Seeadler hat wieder Appetit
- taz, 04. Februar 2009: Ums Überleben kämpfen
- Berliner Morgenpost, 04. Februar 2009: Zustand des kranken Berliner Seeadlers ist stabil
- Berliner Morgenpost, 05. Februar 2009: NABU-Station pflegte deutlich über 1000 Vögel gesund
- B.Z., 06. Februar 2009: Adler zeigt wieder Krallen
- Berliner Morgenpost, 12. Februar 2009: Fälle von vergifteten Vögeln häufen sich
Weitere, nachfolgende Pressestimmen des umfangreichen Medienechos entnehmen Sie bitte unserem aktuellen Pressespiegel.

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