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Ungeliebte Puppen
Ungeliebte Puppen
Kleine und große Naturschützer bekämpfen Kastanienminiermotte in Marienfelde
Die Marienfelder JuniorRanger mit ihrem Betreuer Björn Lindner posieren für die B.Z.. Als stärkstes "Helden-Team" des Tages bekamen sie einen papiernen "Heldenbären", handsigniert von den Eishockey-Profis der Berliner Eisbären/Fotos: G.Kinscher
Kleine und große Naturschützer rückten am 14. November 2009 in Marienfelde der Kastanienminiermotte zu Leibe, die mittlerweile die Weißblühenden Roßkastanien in ganz Deutschland schädigt. Bei strahlendem Sonnenschein befreiten sie die Wiese vor dem alten Gutshaus Marienfelde und den Dorfanger von den Kastanienblättern, in denen die Miniermotten im Puppenstadium den Winter überdauern.
Akteure verschiedener Organisation, darunter die NABU-Ortsgruppe Marienfelde und die Marienfelder JuniorRanger „Die Zwiebelfrösche“, wurden bei der Aktion am 14. November von Tempelhofer Bürgern unterstützt, die einem Aufruf der B.Z. gefolgt waren. So harkten und schaufelten insgesamt 54 Personen über 30 Kubikmeter Falllaub zusammen. Mitarbeiter des Fachbereiches Natur im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg sorgten für den Abtransport und die Weiterbehandlung in der bezirklichen Kompostieranlage. Hier wird das Falllaub geschreddert - ein wichtiger Schritt, um die Puppen der Miniermotte abzutöten - und später vom Berliner Energieversorger Vattenfall energetisch verwertet. Das Restaurant „Zur Linde“ am Dorfanger versorgte die Umweltfreunde mit Kakao und die Veranstalter sorgten im Anschluss an die Arbeit für Stärkung vom Grill.
Eine Plage mit Langzeitfolgen
Weibliche Junior-Ranger griffen gerne zum lautlosen Gartengerät.
Seit nunmehr zehn Jahren tritt das Problem in ganz Deutschland auf. Eine Plage für die betroffenen Bäume, die aber i.a. nicht letal wirkt. Alljährlich fressen sich die Larven zweier Generationen von Cameraria ohridella in Fraßgängen, den so genannten Minen, durch die Blätter der Weißblühenden Roßkastanie. In der Folge sterben die Blätter zunächst partiell, dann vollständig ab. Bei schwerem Befall kann der Baum bereits im Sommer "kahl gefressen" sein. Glücklicherweise ist bisher noch kein Absterben der Bäume als Folge von Miniermottenfraß bekannt. Auf längere Sicht wirkt sich allerdings die aus den Blattschäden resultierende verminderte Assimilation negativ aus.
Die Puppen der Miniermotte überwintern im Falllaub. Laubsammeln und Abtöten der Puppen kann daher den Befall der Bäume im kommenden Frühjahr deutlich verringern.
Nach Angaben des Pflanzenschutzamtes durften die Berliner Kastanien in diesem Jahr eine witterungsbedingte „Verschnaufpause“ einlegen. Häufige Regenschauer störten die Eiablage, die auf der Blattoberfläche erfolgt. Der verminderte Befall 2009 bedeutet jedoch nicht unbedingt eine Entspannung für das Jahr 2010.
Laubsammeln hilft
Heiß begehrt, v.a. bei den Jungs, war der Laubbläser, den das Bezirksamt zur Verfügung gestellt hatte.
Seit dem Jahr 2003 untersucht das Berliner Pflanzenschutzschutzamt das Auftreten der Kastanienminiermotte mit Hilfe spezieller Fallen im gesamten Stadtgebiet. Diese Untersuchungen haben gezeigt, dass an den vom Kastanienlaub beräumten Standorten, die Mottenpopulation der ersten Generation im Folgejahr auf bis zu 2/3 gegenüber den ungeräumten Standorten reduziert wurde. Auch wenn sich die Population im Laufe des Sommers wieder aufbaut, ist die Schädigung des Baumes hier geringer als dort, wo das Laub liegen bleibt. Die alljährliche Falllaub-Beseitigung im Herbst ist deshalb nach wie vor eine sehr wirkungsvolle Bekämpfungsmaßnahme!
Übrigens, wer die Natur genau beobachtet, wird feststellen, dass besonders Blaumeisen im Frühjahr gerne die Miniermottenlarven aus befallenen Kastanienblättern herauspicken. Also, Nistkästen aufhängen!!
Wie Sie als Gartenbesitzer/in zur Gesunderhaltung der Roßkastanien beitragen können, erfahren Sie hier.
Umfangreiche Informationen zur Lebensweise der Kastanienminiermotte und zum Forschungsprojekt BerlinCam (von Berlin Cameraria–Projekt) finden Sie hier.
16. November 2009

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