Berlin.NABU.de NABU aktiv Bezirksgruppen Pankow Köppchensee
Köppchensee
Köppchensee
Schutzgebiet im NSG Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ in Pankow-Blankenfelde
Im Norden von Pankow, angrenzend an die Lübarser und Schildower Wiesenlandschaft, findet sich eine einzigartige Vielfalt an Lebensräumen! Das NSG Niedermoorwiesen liegt in der Kuppenlandschaft des Westbarnim am Südrand des Tegeler Fließes, umfasst den Köpchensee und die angrenzende Altobstanlage und hat eine Fläche von knapp 60 Hektar, davon etwa vier Hektar Moorsee. Lehrpfade durchziehen das Gebiet, wo sich der Besucher auf farbig gestalteten Tafeln über Natur und Landschaft informieren kann.
Seit 10 Jahren betreut der NABU Berlin (Bezirksgruppe Pankow) das Gebiet ehrenamtlich. Mehrmals im Jahr trifft man sich hier zur Biotoppflege und im Herbst zur Apfelernte in den Altobstplantagen.
Die Landschaft und ihre Geschichte
Der Köppchensee
Das NSG Niedermoorwiesen liegt in der Kuppenlandschaft des Westbarnim am Südrand des Tegeler Fließes, umfasst den Köpchensee und die angrenzende Altobstanlage und hat eine Fläche von knapp 60 Hektar, davon etwa vier Hektar Moorsee. Es wurde durch die Eiszeit geprägt (Durchströmungsmoor, Sand- und Kiesflächen als nacheiszeitliche Sander), aber auch durch Eingriffe des Menschen (Torfstich Köppchensee, Rieselfeldgräben und -tafeln, von Feldgehölzen befreite Ackerflächen, Deponie von Hausmüll und Bauschutt mit Belastung des Seewassers, Obstplantage, Aufschüttung des Grenzweges in die moorige Niederung durch die DDR-Grenztruppen).
Das einst im Schatten der Berliner Mauer verborgene Gebiet mit dem ehemalige "Grenzweg" in Nord-Süd- Richtung als heute wichtigen Wanderweg durch das NSG bietet eine Reihe ganz unterschiedlicher Biotoptypen. Vom feuchten Talabschnitt des Tegeler Fließes, dem Köppchensee und den Waldeckwiesen bis hin zu trockenen Sandflächen, Trocken- und Magerrasen, Ruderal-(=Schutt-) Vegetation auf einer ehemaligen Mülldeponie sowie mehreren Altobstplantagen.
Die Mäander des Tegeler Fließes wurden ab hier fließaufwärts über die Landesgrenze Berlins hinaus begradigt, was eine starke Veränderung des Wasserhaushalts zur Folge hatte. Im Bereich des NSG Niedermoorwiesen vom Grenzweg bis zum Bahndamm der Niederbarnimschen Eisenbahn ist das Fließbett nach Norden verlegt worden. Die Ufer sind jedoch kaum befestigt und weisen strukturreiche, wechselnasse Zonen auf, sind also wieder relativ naturnah. Am Fließ entlang ziehen sich Weidengesellschaften, Röhrichte sowie Feucht- und Nasswälder, die auch den Köppchensee umgeben.
Wilde Rose am Köppchensee.
Der flache, nährstoffreiche und sauer-
stoffarme Köppchensee ist zwischen ca. 1870 und 1920 durch Torfabbau neben dem Fließ entstanden und liegt heute 50 cm über diesem. Vom Grenzweg aus kann man an das Westufer herantreten, von der ehemaligen Mülldeponie im Osten hat man einen sehr schönen Blick auf den See und das Märkische Viertel.
Hangaufwärts zwischen Grenzweg und Köpchensee befindet sich eine interessante Ruderalvegetation auf einst hier abgelagertem Schutt. Die Hochfläche nördlich des Schildower / Lübarser Weges ist durch offene Trockenbiotope und eine Kiesabgrabung geprägt , welche zeitweise eine Uferschwalbenkolonie beherbergte.
Gegenüber, südlich des Schildower / Lübarser Weges, erstrecken sich aufgelassene Altobstplantagen mit verschiedenen Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten.
Weiter östlich bis heran an den Bahndamm beginnt die ehemalige Müllaufschüttung, auf der sich rechts und links des Lübarser Wegs ebenfalls Altobstplantagen erstrecken. Der überwiegende Teil ist jedoch offenes, strukturreiches Ödland: Grund dafür, die Fläche dem NSG anzugliedern. Ein Wanderweg führt hier auf ca. 53 Meter ü. d. M. bis an den Nord- und Westrand der Deponie heran.
Getrennt durch den Bahndamm der Niederbarnimschen Eisenbahn mit bis zu sieben Meter mächtiger Dammaufschüttung, liegen im Nordosten unmittelbar am Fließ die Waldeckwiesen. Durch Pflegemaßnahmen (einschürige Mahd) soll dieser noch fast intakte Niedermoorbereich offen gehalten und das illegale Doponieren von Gartenabfällen aus Kleingartenanlagen zurückgedrängt werden.
Die Vielfalt der Biotope hat eine entsprechend vielgestaltige Fauna hervorgebracht! Das Gebiet ist für Insekten und Vögel der offenen Landschaft Brutplatz und Nahrungsquelle. Wie erwähnt, siedelt bisweilen in den Steilhängen der Kiesgrube eine Uferschwalbenkolonie, und auf trockenen Flächen gibt es über 150 Solitärbienenarten, Schmetterlinge und viele Wiesen- und Heckenvögel. Stellvertretend für diese sei nur der Neuntöter genannt... Viele Erholungssuchende aus Berlin und Brandenburg sind nicht zuletzt auch deshalb hier unterwegs.
Schutzziel und Pflegemaßnahmen
Rast nach einem Pflegeeinsatz
Seit mehr als zehn Jahren wird das Gebiet am Köppchensee im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz (SenStadt) von Mitgliedern der Pankower NABU Bezirksgruppe betreut. Seit dem 3. Februar 1995 steht das gesamte Gebiet unter Naturschutz!Seither ergänzen die Ehrenamtler die vom Senat beauftragten Pflegemaßnahmen.
SenStadt hat mit bemerkenswertem Einsatz durch die Anlage von Obstalleen, Reisigwällen und Hecken, Zäunen und Leiteinrichtungen die Entwicklungsziele für dieses Schutzgebiet in der Kulturlandschaft vorgeprägt. Dadurch ist ein annehmbarer Kompromiss zwischen den Interessen der Reiter, Radfahrer und Fußgänger zustande gekommen und zugleich die Einhegung hochsensibler Biotope gelungen.
An erster Stelle stehen die Erhaltung der natürlichen Ordnung und die hierzu nötige Pflege im Gebiet: Reparatur von Zäunen und Barrieren, Sammeln von Müll sowie die Information der Besucherinnen und Besucher.
Zur Pflege der Biotope gehören u. a.:
- Nachschachtung des Uferschwalbensteilhanges
- Roden von Hochstauden und Robinien
- Freischneiden des ehemaligen Grenzweges und der Reisighecken
- Mähen der Erdbienenwiesen und Obstplantagen
- Reparatur von Leiteinrichtungen
- Sammlung von Müll.
- Freihaltung einiger Brachflächen von Verbuschung
Ein Höhepunkt der Arbeit der ehrenamtlichen Gebietsbetreuer ist die Apfelernte auf den Altobstplantagen am Köppchensee, die - vorausgesetzt die Bäume tragen ausreichend - im September stattfindet.
In den vergangenen Jahren wurden zwischen einer und sieben Tonnen geschüttelt und in der Mosterei Breibarth in Berlin-Buchholz zu Wein und Saft gekeltert. In 2008 waren es 6550 Tonnen! Die Menge genügte, um den Saft mit einem eigenen Etikette versehen zu lassen.
Über 40 Nistkästen wurden durch die Naturschutzjugend aufgehängt und gewartet!
Besucher sind im Gebiet herzlich willkommen, um auf Wanderungen und Spaziergängen die Vogelwelt mit Turmfalke, Fasan, Dorngrasmücke, Beutelmeise, Neuntöter und Zwergtaucher wie auch Schmetterlinge, Libellen und Erdbienen zu beobachten und sich an der blühenden Pflanzenwelt zu erfreuen. Zu jeder Tages- und Jahreszeit lohnt sich ein Besuch!So kann man im Herbst und Frühjahr viele verschiednene Entenarten auf dem Druchzug beobachten.
Die Pflegeaktivitäten (lt. Pflege- und Entwicklungsplan) im einzelnen:
- Die Obstplantage wird als Streuobstwiese entwickelt, ein Teil der alten Obstbäume für Höhlenbrüter erhalten sowie Nachpflanzung alter Apfelsorten vorgenommen.
- Die Wiesen und Ödlandflächen werden frei von Sträuchern gehalten, insbesondere für die selten gewordenen Tiere der Feldflur.
- Die Reisigwälle dienen der Besucherlenkung und als Brutplatz für Gebüschbrüter; in ihrem Schutz wachsen heimische Sträucher zu Hecken heran.
- Die Kiesgrube wurde als Uferschwalbenkolonie und zum Schutz der Erdbienen und Eidechsen eingezäunt.
- Die äußerst empfindliche Flora und Fauna der Magerrasen wird vom Besucherstrom frei gehalten und in großen Abständen gemäht.
- Die Obstwiesen werden einmal im Jahr gemäht und die Apfelbäume zur Saftgewinnung abgeerntet.
Die Uferschwalben
Uferschwalbenpärchen
Die Uferschwalben haben viele Jahre im Steilhang der Kiesgrube am Köpchensee gebrütet. Oft ist er jetzt verwaist, die Gründe hierfür sind unbekannt, können aber in der etwas unsteten Lebensweise der Tiere begründet sein.
Uferschwalben kehren um den 21. April aus ihren Winterquartieren in Ostafrika und Transvaal zurück und mischen sich unter die Schwalben und Mauersegler über dem See. Sie sind etwas kleiner als Schwalben und haben eine leicht bräunliche Färbung. In die lehmige Erde an Steilhängen graben sie 60 bis 80 cm tiefe Röhren und legen ans Ende 5 bis 7 weiße Eier.
Nach wie vor wird der Steilhang auf mindestens zwei Meter Höhe von den Naturschützern nachgeschachtet und von Hochstauden wie z. B. Beifuß befreit. Damit ist der Anflug frei, und es gelingt Katzen und Mardern nicht, an die Brut zu gelangen.
Die abgeschachtete lehmige Erde wird breitgefahren und dient nun Ackerwild-
kräutern wie Färberkamille, Glockenblume oder Feldstiefmütterchen als willkommenes Beet.
Der Zaun sichert das Gebiet. Von ihm aus kann man Vögel wie Neuntöter, Schafstelze und Braunkehlchen, die hier gern auf Nahrungssuche gehen, gut beobachten.
Vierbeinige Landschaftspfleger
Schafe zur Linken...
Suffolk-Schafe / Foto: Scharon
Im Herbst sind im NSG vierbeinige Landschaftspfleger bei der Arbeit zu beobachten. Es handelt sich um Schafe unterschiedlicher Rassen (und zwar Suffolk und Rauhwolliges Pommersches Landschaf) in einer Herde von ca. 250 Tieren, die außerhalb der Apfelplantagen die Brach- und Ruderalflächen beweiden und dabei so effektiv wie Rasenmäher zu Werke gehen. Wertvolle Hecken und Sträucher werden natürlich jeweils ausgekoppelt und vor den hungrigen Mäulern geschützt. Die Initiative für diese Pflegeform geht von der SenStadt aus. Diese robusten Schafrassen waren bereits auf dem ehemaligen Flugplatz Johannisthal und auf dem Gelände des Wasserwerks Friedrichshagen im Einsatz.
Hinweise für Besucher
Um Flora und Fauna des Naturschutzgebietes nicht zu gefährden, sind folgende Hinweise und Verbote zu beachten:
- Das Schutzgebiet des Köppchensees mit seinem Uferstreifen am Tegeler Fließ darf außer am Picknickplatz abseits der Wege keinesfalls betreten werden. Angeln und Baden sind verboten.
- Die Brutvögel dürfen nicht gestört werden deshalb nur die ausgewiesenen Wege benutzen!
- Die Barrieren dienen der Besucherlenkung in den trittempfindlichen Magerrasengebieten und zum Schutz der Erdbienen.
- Reiten ist nur auf den ausgewiesenen Wegen außerhalb des Schutzgebietes gestattet.
- Der asphaltierte ehemalige Grenzweg ist für Kraftfahrzeuge verboten und Radfahrern und Fußgängern vorbehalten.
- Das Abladen von Müll und Strauchschnitt, das Entnehmen von Pflanzen, das Anlegen von Lagerfeuern und das Campen sind verboten.
- Hunde sind wegen der empfindlichen Vögel generell an der Leine zu führen.
- Die Obstplantagen sind wertvolle Lebensräume für Höhlen- und Gebüschbrüter.
- Außerhalb der Obsternte ist das Betreten der Obstplantagen nicht gestattet.
Literatur
- Grabowski & Moeck: Vegetationskundliche und avifaunistische Untersuchung zum Pflege- und Entwicklungsplan für das NSG Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ, SenStadtUm 1996
- W. Heger in Naturmagazin 4/2001: "Aus dem Schatten gewachsen", S.36/37
- G. Kinscher in Naturmagazin 5+6/1999: "Plantage im Wandel", S. 15/16
- D. Köhler, Th. Tennhardt, J. Schwarz, Zur Fauna der Säugetiere und Vögel im geplanten NSG Köpchensee, SenStadtUm 1992
- G. Möller, A. Gumbert, Insekten in den Altobstanlagen Köpchensee und Falkenberg mit Anmerkungen zum sog. Waldschutzgebiet Hohenschönhausen, SenStadtUm 1992
- Ökowerkmagazin 1/92, "Der See ruhte wirklich still", S. 20/21
- Ch. Saure, G. Jaeschke, Die Stechimmenfauna des Köpchenseegebietes, SenStadtUm 1992
- E. Schäfer, Floristisch/vegetatonskundliche Bestandsaufnahme der Tegeler-Fließ-Wiesen in Pankow südlich Schildow, Bezirksamt Pankow 1992
- N. Schneeweiß, Die Amphibien- und Reptilienfauna im Gebiet des Köpchensees, Zepernick 1992
- Verordnung über das Naturschutzgebiet Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ im Bezirk Pankow von Berlin, Berlin, 3.2.1995
Apfelsaft aus eigener Ernte
Fleißige Helfer ernteten fast sieben Tonnen
Wer hätte das gedacht?
Jetzt ist er fertig – der Apfelsaft aus eigener Ernte. Etwa 4700 Flaschen eines aromatischen, wohlschmeckenden Saftes ergab die Pressung der Buchholzer Kelterei Breitbarth GmbH&Co.KG. Und alle Äpfel stammen von Bäumen der Altobstplantage am Köppchensee bei Blankenfelde, die in diesem Jahr sehr gut trugen.
Die nach dem Mauerfall verwilderte Obstplantage besteht seit den 50er Jahren und gehört heute zum Schutzgebiet am Köppchensee, das vom NABU Berlin betreut wird und ein wichtiger Lebensraum für geschützte Tiere und Pflanzen ist.
Durch eine gründliche Mahd auf dem Gelände der Plantage im Auftrag des Senates herrschten sehr gute Bedingungen für die Apfelernte. Vor allem Goldparmene und Ontario wurden von den zahlreichen Helfern geerntet, die sich am 19. und 20. September 2008 zur Unterstützung der NABU - Aktion einfanden.
Abtransport in die Mosterei / Foto: Koch
Voller Eifer brachte sich eine Schulklasse der Freien Schule in Blankenfelde ein. Die Berichterstattung von „Radio Berlin 88,8“ trug dazu bei, dass sich viele Freiwillige noch kurzfristig zur Teilnahme an der Ernte entschlossen. Die für eine „eigene“ Pressung notwendige Menge von 6,5 Tonnen Äpfeln wurde Dank dieser Unterstützung an diesen beiden Tagen gemeinsam erreicht. Nun können sich die fleißigen Helfer ihren „Lohn“ in unserer Landesgeschäftsstelle in der Wollankstraße 4 abholen. Dort kann man diesen Apfelsaft auch käuflich erwerben.

Ihre Ansprechpartnerin:
Katrin Koch
Tel.: 030 - 986 08 37 - 28
e-mail: kkoch@nabu-berlin.de
Naturschutzjugend Berlin
Die NAJU hat super Angebote für junge Menschen, wie die AG Umweltpolitik, eine Jugendgruppe, Kindergruppen oder einen Naturerlebnisgarten. Mehr
Veranstaltungen Juni bis August
Das Veranstaltungsprogramm aus "Natur in Berlin" Heft 2/2012 zum Download. Mehr
Veranstaltungen März - Mai
Das Veranstaltungsprogramm aus "Natur in Berlin" Heft 1/2012 zum Download Mehr
Mitgliederservice
Für Fragen um Ihre Mitgliedschaft steht Ihnen der NABU-Mitglieder- service gerne zur Verfügung:
Service@NABU.de
Tel. 030.28 49 84-40 00
'NATURSCHUTZ AM HAUS'
Broschüre hier als PDF (1,8 MB) runterladen. Mehr
